Literarische Weltreise zum Frauenwahlrecht – Murasaki Shikibu (Japan)

Aus China setzen wir nach Japan über.

Eine weiße Weltkarte mit zwei goldenen Flecken in der Position Chinas und Japans. Ein roter Pfeil führt vom ersten zum zweiten.

Murasaki Shikibu

Um das Jahr 975 herum wird Murasaki Shikibu als zweites Kind in die weitverzweigte Fujiwara-Familie geboren. Ihr eigentlicher Name ist unbekannt- Murasaki ist der Name der Protagonistin ihres Romanes, Shikibu bezeichnet das Amt, das ihr Vater innehatte – es war damals üblich, dass Frauen nach dem Amt eines nahen männlichen Verwandten bezeichnet wurden.

Die Liebe zur Literatur wurde Murasaki in die Wiege gelegt, waren doch viele Dichter und Literaten unter ihren Vorfahren. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder lernte sie de chinesische Schrift, ungewöhnlich für die damalige Zeit, wo das Chinesische den Männern vorbehalten war. 

Sie heiratete einen älteren Verwandten, gebar eine Tochter und wurde bereits zwei Jahre später Witwe. Um diese Zeit muss Murasaki mit dem Schreiben begonnen haben; sie verfasste die ersten Kapitel ihres Romans „Die Geschichte vom Prinzen Genji“, der in seiner vollständigen Version 1100 Seiten bzw. 54 Kapitel umfasst und damit als der erste Roman der Weltgeschichte gilt und ein Klassiker der japanischen Literatur ist.

Murasaki bediente sich dabei nicht der üblichen chinesischen Schrift, sie schrieb in Kana, einer syllabischen Schreibweise des Japanischen, die damals unter Frauen verbreitet war. Die Bekanntheit und Verbreitung ihres Romanes half dem Japanischen, sich als eigenständige Schrift zu etablieren.

Im Jahr 1005 wurde sie als Hofdame der Kaiserin Shoshi an den kaiserlichen Hof berufen. In der dort folgenden Zeit schrieb sie weiterhin an ihrem Roman, den sie kapitelweise veröffentlichte und der sogar die Aufmerksamkeit des Kaisers selbst fand. Weiterhin verfasste sie in ihrer Zeit am Hof ein Tagebuch und eine Sammlung von Gedichten.

In Sei Shonagon, einer weiteren Hofdame und Verfasserin des „Kopfkissenbuches“ fand sie eine Rivalin, über die sie in ihrem Tagebuch schrieb:

„Sei Shonagon zum Beispiel war fürchterlich eingebildet. Sie hielt sich selbst für sehr gescheit und streute allerhand chinesische Schriftzeichen in ihre Briefe ein, aber wenn man dann genauer hinsah, so blieb doch allerhand zu wünschen übrig. Wer glaubt, er sei jedem anderen überlegen, wird unausweichlich Leid erfahren und ein schlimmes Ende nehmen, und wer so preziös ist, … in den unpassendsten Situationen jede noch so kleine Möglichkeit wahrzunehmen, um sich herauszukehren, der wirkt bald lächerlich und künstlich. Wie soll das in Zukunft noch enden?“

Im Jahr 1011 zog sich Murasaki Shikibu vom Hof zurück, ihr weiteres Schicksal ist unbekannt, Angaben über ihr Todesjahr schwanken zwischen 1014 und 1031.

Schon ab dem 12. Jahrhundert wird Murasaki zu den Sechsunddreißig weiblichen Unsterblichen der Dichtkunst und den  Sechsunddreißig Unsterblichen der Dichtkunst des Mittelalters [der Heian-Zeit] gezählt. Auf dem seit dem Jahr 2000 sich in Umlauf befindenden 2000-Yen-Schein findet sich eine Abbildung von Murasaki und eine Szene aus dem Genji-Roman.

Das Frauenwahlrecht erlangte Japan über 900 Jahre nach Murasaki Shikibus Tod, nach der Öffnung Ostasiens gegenüber dem Westen und nach dem Ende des 2. Weltkrieges: am 3. Mai 1947. Schon in den 20er Jahren hatten sich in Japan erste Frauenrechtsverbände gebildet. Ursprünglich als Hilfsorganisationen nach dem großen Kantō-Erdbeben, erkannten sie die Macht vom Zusammenhalt der Frauen. Bereits 1946 wurde eine ihrer stärksten Kämpferinnen, die sozial-feministische Politikerin Katō Shizue als erste Frau ins japanische Unterhaus gewählt, 1950 bis zu ihrer Pension 1974 saß sie im japanischen Oberhaus. 

https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/klassiker-der-weltliteratur/murasaki-prinz-genji-roman100.html

http://yoshtec.com/japanologie/frauenwahlrecht.html

Autorin: Roxane Bicker

Der nächste Beitrag führt uns ab dem 24.02.2020 nach Australien.

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