Writers on Writers: Roxane Bicker & Jana Jeworreck

Logo der Aktion Writers on Writers. Schriftzug in der Mitte darüber das Nornennetz Logo, darüber "Autorinnen im Gespräch" umrandet von zwei goldenen Federn und deren Tintenlinien.

Die Aktion „Writers on Writers“ orientiert sich an dem YouTube-Format „actors on actors“ des Variety Magazins, USA.

Es geht um ein Gespräch auf Augenhöhe. Zwei Autor:innen unterhalten sich über ihr Handwerk, über Schwierigkeiten in den Projekten, über Zweifel, Erfolge und Erfahrungen.. Anders als bei einem fragenden Reporter wirkt das Gespräch durch die Gegenseitigkeit intimer und natürlicher. Man erhält Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Bücher und Tipps und Tricks.

Kurz gesagt, es geht um:

Zwei Nornen im Gespräch, ihre Projekte, ihr Werdegang und die immer wiederkehrende Frage „Wie machst du das eigentlich?“

In Folge 1 unterhalten sich die Autorinnen Roxane Bicker, Autorin des ägyptisch-fantastischen Fantasy-Mystery Romans „Inepu“ (Hybrid-Verlag) und Jana Jeworreck, Autorin der High Fantasy Trilogie „Dreiland“ (Eigenverlag).

Weitere Infos zu beiden Autoren auch in unseren Autorinnenvorstellungen hier:

Roxane Bicker und Jana Jeworreck

Ein Transkript findet ihr unter dem Link zum Video.

Viel Spaß beim Hören!

Transkript: Jana Jeworreck + Roxane Bicker

Intro: Writers on Writers. Eine Aktion vom Nornennetz. Diesen Monat im Gespräch: Jana Jeworreck und Roxane Bicker.

Oben Titel Writers on Writers, darunter links Autorinnenfoto von Roxane Bicker, Mitte das Nornennetz-Logo, rechts Autorinnenfoto von Jana Jeworreck. Darunter jeweils ihre Namen und "Nornennetz Edition"

JJ: Ich spreche jetzt mit der lieben Roxane – Roxane Bicker. Ich hab’s eben extra nochmal gelernt und ja, meine erste Frage ist eigentlich ziemlich profan. Ich würde nämlich ganz gerne wissen, wie du jetzt im Augenblick mit Corona betroffen bist, wie es deiner Schreiberei geht, wie es dir damit geht und ja, wie so der Status Quo gerade ist.

RB: Der Status Quo ist eigentlich relativ gut. Also im Großen und Ganzen können wir uns nicht beschweren, wir haben die Zeit relativ gut rumgekriegt. Ich war die ganze Zeit auf der Arbeit, ich arbeite ja im Ägyptischen Museum hier in München. Es war sogar eigentlich – ich trau es mich ja kaum zu sagen – ganz gut, dass wir das Museum haben schließen müssen. So ist nämlich der ganze Alltagskram mal weggefallen, wir konnten im Büro so wahnsinnig viele Dinge aufarbeiten, die sonst immer liegen bleiben. Also von daher für diese ganzen aufgeschobenen Arbeiten war’s wirklich ganz prima. Das mit dem Leben so in den Griff zu kriegen war bisschen schwierig, ich hab einen 12-jährigen Sohn, der war dann natürlich daheim, klar, die Schulen waren geschlossen. Zum Glück hat mein Mann dann Home Office gemacht. Den hatten sie auch nach Haus geschickt. Das heißt, meine beiden Männer waren hier zuhause und haben sich gegenseitig betreut. Ich konnte immer schön in die Arbeit gehen. War auch nicht schlecht, ist mir die Decke nicht auf den Kopf gefallen. Wir haben’s untereinander mit den Kollegen so aufgeteilt, dass wir uns so gut wie nicht in den Weg kamen, das heißt, wir haben auch nicht immer ganze Tage gearbeitet, sondern haben uns das auch mit dem Home Office aufgeteilt. Auch jetzt haben wir immer noch, wenn Not am Mann ist oder an der Frau Home Office. Es funktioniert soweit wieder ganz gut. Also im Großen und Ganzen hat das eigentlich geklappt. Für die Schreiberei war’s natürlich super, denn mit dem Home Office, man ist halt einfach schon zuhause, der ganze Arbeitsweg fällt weg und so kommt man natürlich auch ganz gut einfach ins Schreiben, wenn man dann zur Heimarbeit verurteilt wird. Die Abende sind frei, man hat keine großen anderen Pläne, man geht nicht außer Haus, man ist nicht verabredet. Also, für mein eigenes Schreiben ist es natürlich super gewesen. Was mir ziemlich abgeht, ist meine Schreibgruppe. Wir haben uns immer einmal die Woche getroffen zum Austausch und das geht jetzt momentan akut natürlich noch nicht. Wir haben versucht, es bisschen auch in den digitalen Raum zu verlagern in Discord, aber es ist halt nicht das Gleiche, als wenn man irgendwie gemütlich beieinandersitzt und sich direkt über die Projekte austauscht. Aber im Großen und Ganzen, ich habe fast einen dreiviertel Roman geschrieben jetzt in der Zeit. Ich habe beim NaNoWriMo wieder mitgemacht, das hat sehr, sehr gut funktioniert.

JJ: Aber es ist doch gar kein November.

RB: Ne, November natürlich nicht. Es war ja das Camp. Das Camp ist immer im April und im Juli und in diesen Monaten kann man sich selbst ein Ziel setzen. So im November ist es ja immer die 50.000, aber in diesen Camp-Monaten kann man sich selbst ein Schreibziel setzen und schreibt dann darauf halt zu.

JJ: Ja, das – das ist bislang für mich zum Beispiel so ein Buch mit sieben Siegeln gewesen, das NaNoWriMo und auch die Camps dazu, ja, weil mich hat das irgendwie nie animiert. Im Gegenteil, ich fühlte mich immer automatisch unter Druck gesetzt, was für mich irgendwie grundsätzlich kontraproduktiv ist.

RB: Okay.

JJ: Aber –

RB: Ne, ich brauche den Druck grundsätzlich um irgendwelche Schreibprojekte fertig zu kriegen, das ist immer besser, wenn ich so eine Deadline habe und wenn es nur eine Selbstgesetzte ist. Aber wir machen mit unserer Schreibgruppe uns dann einfach selbst so ein bisschen Druck und eine Freundin von mir schreibt auch gerade jetzt an ihrem Buch, hat auch eine Deadline, eine Abgabefrist, und wir motivieren uns dann einfach immer gegenseitig. Wir haben ein Sheet, wo wir immer jeden Tag unsere Schreibzahl eintragen und wir schaukeln uns halt immer gegenseitig bisschen hoch und es funktioniert sehr gut für sie und auch für mich.

JJ: Ja, super. Also ich meine, wenn das alles ist, ist alles erlaubt, was funktioniert. Das ist klar.

RB: Ja, eben.

JJ: Aber ich weiß einfach, dass es für mich nicht funktioniert. Aber eine Schreibgruppe; in der Tat, ich habe auch einige, die fehlen mir. Auch einfach so um inhaltliche Sachen zu diskutieren. Auch da sind wir auch auf Discord und andere Medien umgestiegen, aber es ist eben doch nur eine Krücke. Ich wollte dich nochmal kurz – ich wollte noch was nachfragen und zwar zu dieser Schreibgruppe. Ich habe ja 6 Jahre in München gelebt. Seit wann lebst du da?

RB: Ich bin jetzt seit 2005 hier in München. Also 15 Jahre schon.

JJ: Ach so, das ist ja echt lange, weil ich bin 2009 nach München gezogen und dann bin ich 2015 halt zurück in meine alte Heimat gezogen.

RB: Ach siehst du. Da waren wir sogar eine ganze Zeit gemeinsam hier.

JJ: Ja, was ich aber doof finde, dass ich die Schreibgruppe nie kennengelernt habe, weil ich war total verzweifelt auf der Suche. Wäre ich gerne drüber gestolpert.

RB: Unsere Schreibgruppe gibt’s jetzt auch schon seit ein paar Jahren. Wir haben uns gefunden aus verschiedenen Quellen irgendwie. Also, ein Teil von uns hat an einem Schreibkurs teilgenommen bei der Diana Hillebrand. Ich weiß nicht, ob du die kennst. Das ist eine Münchener Kinderbuchautorin und die gibt hier in München eben auch Schreibkurse. Wir haben daran teilgenommen und ein paar von uns, wir haben uns so gut verstanden, dass wir gesagt haben, als der Kurs zu Ende war, wir wollten das jetzt einfach weiter fortführen und dieser Schreibkurs war halt einmal in der Woche montags und deswegen ist dieses Montagabend auch unser allgemeines Treffen geworden. Es kamen dann noch ein paar andere Leute dazu, wir haben uns zu Leserunden getroffen und wir sind jetzt ein Stamm von, ich glaub, 20 Leute oder so? Sind nicht immer alle da, manchmal sitzen wir auch nur zu zweit oder zu dritt, aber es ist doch eine relativ große Gruppe geworden, die sich jetzt über ein paar Jahre hinweg schon immer regelmäßig trifft. Ja, meine eine Frage hast du eigentlich schon fast vorweggenommen. Ich wollte nämlich genau dich auch fragen, wie ist es denn bei dir mit deinem Austausch. Wie tauschst du dich mit anderen Schreibenden aus. Hast du eben eine Schreibgruppe, brauchst du eine, willst du eine, bist du eher eine, die im kleinen, stillen Kämmerlein arbeitet? Wie ist es bei dir?

JJ: Ja, ähnlich und doch anders als bei dir. Nein, also ich brauch auch eine Schreibgruppe oder anders, es ist sehr unterschiedlich. Als ich begonnen habe, hat mir die Schreibgruppe sehr geholfen. Da hatte ich eine Tolle in Münster. Jetzt ist es von da wo ich wohne nach Münster immer so eine kleine Akke zu fahren und einmal im Monat dahin zu gurken war manchmal ein bisschen aufwendig. Die haben das Prinzip gehabt, dass sie sich jeden Monat ein Stichwort gaben und dazu sollte man was schreiben. Und ich habe das – das war für mich und das sehe ich auch immer noch so wie Fingerübung. Als ob ich Klavierübungen mache, nur halt für Geschichten. Ich war einfach gezwungen mit ‚Fußball‘ einfach mal um die Ecke zu denken, weil das ist ein Thema, was mich sonst nicht interessieren würde.

RB: Ja ja, das stimmt, genau. Ja, du hast die Fingerübungen auch auf deiner Homepage, habe ich gesehen.

JJ: Genau.

RB: Sind da welche von uns dabei? Super, ja, das ist doch prima, wenn das dann wirklich noch so ein bisschen auch Nachwirkung hat.

JJ: Genau. Das war – ich wollte eigentlich – ich hatte eigentlich gedacht immer mal wieder zwischendurch so ein Fingerübung Band 2, Fingerübung Band 3, aber bislang ist es da so ein bisschen stecken geblieben. Ich hätte jetzt zwar genug Material aber naja, muss ja auch nicht jeden Scheiß immer raushauen.

RB: Ja, aber das ist halt so, das sammelt sich dann doch irgendwie immer das ein oder andere an an Texten, die man hat.

JJ: Genau.

RB: Und es ist doch eigentlich ein wenig schade, diese auf der Festplatte schmoren zu lassen und sie nicht raus in die Welt zu tragen.

JJ: Da bin ich nicht mehr so ganz so. Ich bin jetzt schon – das ist so wie ein bisschen wie mit Gewürzen und so wie Kochen, so einige Gerichte sind halt einfach noch nicht fertig und dann – und deswegen ist es auch gut, dass sie da jetzt erstmal noch ein bisschen rum schmoren. Und zu der anderen Frage, also dadurch, dass das eben für mich so weit weg war, habe ich dann einmal so einen Stammtisch. Das fand ich zum Beispiel sehr anstrengend. Viele ineffektive Laberrunden, die eigentlich zum Networken gedacht sind, die aber ab längst nicht so effizient zum Beispiel funktionieren wie das Nornennetz. Ich muss jetzt hier mal ein bisschen Werbung fürs Nornennetz machen. Wo man sich irgendwie zusammen tut und die gemeinschaftlichen Dinge dann in Angriff nimmt, sondern einfach nur rumsitzt und blöd labert. Das ist nicht so meins. Deswegen habe ich dann selber nochmal so einen Writers Room oder so eine Romanwerkstatt auf den Boden gestampft, auch in Eigenregie, die allerdings bislang erst einmal stattgefunden hat, da Corona.

RB: Ja, Corona hat uns irgendwie alle doch dann getroffen.

JJ: Genau.

RB: Ja, aber das stimmt, also es gibt ja ganz, ganz verschiedene Arten von irgendwie Schreibaustausch, Lesegruppen. Ich habe auch schon bei ein paar anderen einfach reingeschnuppert, man betreibt ja dann sowieso auch irgendwie Industriespionage.

JJ: Ja, genau.

RB: Und das ist schon wahr, wenn dann irgendwie – ja, wir haben auch so Verschiedenes ausgetestet. Wir haben auch mal einfach wirklich live geschrieben nach einem Stichwort, wir haben uns auch Hausaufgaben gegeben von einer Woche auf die andere, wir haben auch wirklich solche Leserunden gemacht, jeder bringt eine DinA4-Seite einen beliebigen Text mit, wir sprechen darüber und daraus hat sich dann halt irgendwie unseres etabliert, wo wir von allem etwas machen und wo jeder eigentlich vor sich hinwurschtelt. Also, es muss sich halt auch einfach finden und man muss gucken, wie man dann mit dem Ganzen zurechtkommt.

JJ: Genau, das denke ich auch. Das ist das allerwichtigste, das muss irgendwie halt das was mit der Gruppendynamik zu tun auch wobei man sich auch gar nicht immer nur einig sein muss, das ist ja nicht der Punkt. Aber es geht darum, man – also es ist eine ganz bestimmte Form der Konzentration, die man da braucht und die hat man halt nicht mit allen, ne, und …

RB: Ja, eben, eben, genau. Und ich meine, wie gesagt, manche brauchen es, dass sie regelmäßig kommen, manche brauchen es, dass sie nur irgendwie ab und an mal reinschneien und mal Hallo sagen, also auch, dass ist ja, ich meine, wir sind alle Individuen und das macht das Ganze ja auch so spannend und so interessant.

JJ: Richtig. Das macht ja auch jede Geschichte dadurch auch so einzigartig. Das ist dann bei diesen Stichworten immer sehr schön rausgekommen, wie ein Stichwort – also manchmal gab’s natürlich Parallelen – aber, also trotzdem stilistisch neunzehn verschiedene Geschichten, so viele waren wir nie, aber … 

RB: Ja, das stimmt, ich meine, wir machen das oder haben das jetzt auf die Spitze getrieben, in dem wir als Schreibgruppe ja unser erstes Buch rausgegeben haben, eine kleine Anthologie. Das auch die, die bisher noch nichts veröffentlicht haben, einfach mal die Chance haben, auch ihre Geschichte gedruckt als Buch in der Hand zu halten.

JJ: Sind das die München Geschichten?

RB: Das sind die München Legenden, genau. Wo wir auch im Prinzip ein Oberthema hatten und auch so unterschiedliche Sachen herausgekommen sind. Das war halt auch mal eine ganz neue Erfahrung. Das schweißt natürlich auch zusammen, das ist schon schön.

JJ: Mich interessiert bei dir noch, welche Erwartungen du eigentlich an deine erste eigene Veröffentlichung hattest?

Writers on Writers Grafik, oben der Titel, darunter Informationen und Cover zu Inepu von Roxane Bicker: erschienen Februar 2020 ISBN: 978-3-96741-023-5 im Hybrid-Verlag

RB: Welche von meinen ersten Veröffentlichungen meinst du, muss ich sagen. Weil, ich habe jetzt vom November bis Februar sind insgesamt vier Bücher rausgekommen.

JJ: Okay.

RB: Also ein Romandebüt.

JJ: Ja.

RB: Genau, mein Romandebüt.

JJ: Ja, Inepu?

RB: Genau, das ist Inepu und drei Anthologien, in denen ich Kurzgeschichten drin habe.

JJ: Kommt jetzt drauf an, wie du das wertest, also …

RB: Ja, genau, das ist halt immer die Sache. Ich habe relativ lange eigentlich schon immer geschrieben, auch zu Jugendzeiten, hatte dann lange, lange – Jahrzehnte, hätte ich beinahe gesagt – eine Schreibflaute und habe dann, lass mich rechnen, das war im Übergang 2015/2016, zwischen den Jahren. Da habe ich wieder angefangen zu schreiben. Sind jetzt also 4 ½ Jahre und seitdem habe ich irgendwie nicht mehr aufgehört und Kurzgeschichten und eben diese ganzen Romane, die jetzt so peux a peux rauskommen. Das heißt, es ist eigentlich schon alles ganz gleichwertig und ich meine überhaupt, das erste Mal ein Buch in der Hand zu halten, wo eine Geschichte von einem drin ist, ist natürlich toll. Den ersten eigenen Roman in der Hand zu halten, ist natürlich noch viel toller. Das ist ein Buch, was irgendwie nur von mir ist. Ich bin ja bei einem Verlag, bei einem Kleinverlag. Ich habe überlegt zwischen Selfpublishing und Verlag, aber ich habe mich dann doch für Verlag entschieden, weil die mir einfach wahnsinnig viel Arbeit abnehmen und mit Familie, mit Vollzeitjob, mit Mann, mit Kind, mit Katze, mit allem Drum und Dran bin ich vor diesem Selfpublishing einfach so ein bisschen zurückgeschreckt und habe mir gedacht, wenn der Verlag das dann alles für mich übernimmt und mir ein Cover macht und das Lektorat macht und sich dann auch noch ein bisschen um die Werbung kümmert und sich um den Druck kümmert, dann ist mir das eigentlich ganz recht.

JJ: Aber, ich meine gut, das ist ja auch bisschen Glückssache, dass du dann einen Verlag gefunden hast.

RB: Inepu ist erschienen beim Hybrid Verlag. Das ist ein Kleinverlag aus dem Saarland, wo ich mein Manuskript hingeschickt habe und die sich gemeldet haben. Ich hab’s in der Tat auch zu anderen Verlagen hingeschickt. Bei vielen ist nie irgendwie wieder was gekommen, Das ist mal eine schöne ‚Wir melden uns innerhalb weniger Wochen‘ und dann denkt man sich hm und es kommt irgendwie nie wieder was. Das finde ich immer so ein bisschen schade. Aber der Hybrid Verlag hat eben zugeschlagen und denen muss das erste Buch so gut gefallen haben, dass sie gleich blind die anderen beiden auch noch mitgekauft haben. Das heißt, ich habe also wirklich die ganze Trilogie der Herren Des Schakals bei ihnen untergebracht. Das Erste ist jetzt im Februar rausgekommen, das Zweite kommt jetzt im Herbst und das Dritte dann im nächsten Jahr und das finde ich toll, dass sie einfach dann so Vertrauen dann schon in mich setzen, dass sie dann wirklich ungelesen alle drei Bücher dazunehmen.

JJ: Ja, super. Ich meine, wenn sie natürlich stilistisch vom ersten Roman überzeugt sind, macht das jetzt durchaus auch Sinn, weil inhaltlich kann man immer noch arbeiten.

RB: Ja, ja, klar.

RB: Die Bücher waren geschrieben, das ist der Vorteil. Also, ich meine, die liegen quasi vor und müssen dann halt einfach nur noch überarbeitet, lektoriert werden, aber sie sind halt sogar da, das heißt, die haben auch damit kein großes Risiko eingegangen.

JJ: Ja, prima. Sehr schön. Ja, das klingt doch hervorragend. Also, ich hatte nicht das Gefühl, dass das dann so eine große Wahl gab, muss ich ganz klar sagen.

RB: Siehst du, das wäre nämlich jetzt meine zweite Frage gewesen. Du hast ja deine Trilogie im Selfpublishing rausgebracht. Was hat dich dazu gebracht, das Selfpublishing, das Abenteuer Selfpublishing, zu wählen?

JJ: Ja, da gibt es eine Reihe von Faktoren. Also ausgelöst wurde das Ganze, also ich habe davor ja schon mal ein Buch rausgebracht und bei dem war es eine Notgeburt. Das hatte ich verschiedenen Verlagen und Agenturen, jetzt auch nicht übermäßig vielen, aber doch einigen angeboten und hatte aber nichts oder Ablehnungen erhalten und habe das dann rausgebracht, weil ich wusste, wenn ich das nicht mache, dann werde ich nie wieder ein neues Buch schreiben. Irgendwas war da, was mich total blockiert oder ich hätte das auf ewig verschlimmbessert. Bis jetzt bereue ich diese Entscheidung nicht. Das war genau richtig. Ich wusste da schon, was ich mache, also für mich und es ist eine nette Geschichte, es ist auch nichts, wofür ich mich schäme, aber das ist natürlich nicht vergleichbar mit Dreiland und bei Dreiland war es so, ich bin ein bisschen, ich war krank, es gab so ein paar Rahmenbedingungen und hatte dann tatsächlich so einen inneren Pusch, der dann kam, der dann dadurch sagte ‚So, wenn du jetzt wirklich schreiben willst, würdest du bereuen, wenn du es nicht gemacht hättest und das war unter anderem meine Bücher zu schreiben. Dann kam das so raus, aber ich bin nicht so ein akribischer Plotter. Ich habe eine, zum Beispiel eine Story, die ich tatsächlich jetzt auch anbieten werde, die ist sehr akribisch geplottet, aber als ich sie damals geplottet habe, hatte ich keinen Bock mehr sie zu schreiben. So, und bei Dreiland lag sehr viel – obwohl ich immer einen klaren Fahrplan hatte für mich – lag vieles im Argen und ich hatte nicht das richtige Material um mich tatsächlich zu bewerben. Und dann habe ich das fertige Manuskript auch versendet an einige größere Verlage, den ersten Band und der endet auf einem Cliffhanger und ich hatte den Eindruck, dass bei mir, dass die vielleicht Sorge hatten, dass ich das nicht zu Ende bekomme. Vielleicht habe ich auch anderweitig nicht überzeugt, das kann ich jetzt so nicht sagen.

RB: Ja, das weiß man ja oftmals nicht, ne, das ist – wenn sie das einem mal so schön sagen würden, dann könnte man damit arbeiten

Writers on Writers Grafik, oben der Titel, darunter Informationen und Cover zu Dreiland III von Jana Jeworreck: erschienen März 2019 ISBN: 978-3-748525-28-8 im Eigenverlag

JJ: Und das ist auch ein bisschen natürlich auch ein anderes Genre als bei dir, also mit High Fantasy bin ich auch nochmal in einem anderen Bereich, der anders –  wie soll ich sagen – der anders besetzt wird. Ich möchte jetzt hier nicht dieses große Fass aufmachen, womit sich auch das Nornennetz befasst, von wegen, wer schreiberisch bevorzugt wird, aber was ich so gelesen habe von – jetzt spreche ich es auch mal richtig aus, I-NE-pu … IH-nepu – tschuldige, IH-nepu – ist mir gleich mal versaut

RB: INE-pu.

JJ: INE-pu, das hat ja so einen leichten Krimicharakter auch.

RB: Es ist eine Mischung von allem. Ich meine, das macht es irgendwie nicht ganz so einfach, nach dem Motto, welches Genre schreibst du denn? Also, es ist historisch, es ist Krimi, es ist Fantasy, es ist ein bisschen Mystery noch mit dabei, es ist Altägypten mit dabei, wo ortest du das ein? Also, ich meine das ist nicht ganz so einfach. Da ist mit High Fantasy, da bist du natürlich viel sicher dabei.

JJ: Eigentlich ja, eigentlich ist das klarer und zugleich hat es – fühlte es sich für mich schwerer an.

RB: Ja, weil es wahrscheinlich auch so viel gibt.

JJ: Richtig.

RB: Und weil es vielleicht auch ein bisschen viel Konkurrenz gibt.

JJ: Weltenbau, das ist auch alles ein Riesenthema und dann, also, in meinem Fall war es so, während ich daran gearbeitet habe, konnte ich nie mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob das jetzt, ist es so richtig und so gut ist. Ja, und daher und dann, also, als es bei den Verlagen war, der erste Band, musste ich, obwohl es im Prinzip schon – also ich habe das jetzt schon lektorieren lassen. Es lag also fix und fertig da. Mein Cover lag fix und fertig da und ich musste drei Monate warten. Das war für mich die Hölle. Die Hölle auf Erden.

RB: Das kann ich mir vorstellen.

JJ: Und das kann ich nicht. Also, ich kann den Roman, wenn er fertig ist, wenn ich alles fertig habe, ich hatte mir halt dann so eine Deadline gesetzt, ne, dann bis dann und dann warte ich, so, ich glaub, das was der Verlag auf der Homepage als längste Zeit angegeben hatte. Das war so die Deadline und Tag drauf ist es halt rausgekommen.

RB: Wenn sie sich bis dahin nicht gemeldet haben, haben sie halt Pech gehabt.

JJ: Ja, da habe ich vielleicht nicht lange genug gewartet oder ich kann auch nicht sagen, dass ich bereue, das ist ja das Problem. Ich glaube, das war keine schlechte Entscheidung.

RB: Ja, ich meine, das ist ja das Schöne beim Selfpublishing. Du bist halt wirklich Herrin über alles. Du kannst halt einfach wirklich so bestimmen, wie du das irgendwie haben willst. Wir haben ja unsere München Legenden, unsere Anthologie, eben auch im Selfpublishing rausgebracht. Das heißt, ich habe da jetzt also Erfahrung in beiden Bereichen irgendwie sammeln können und es macht halt irgendwie schon Spaß, ne, wenn man da wirklich jetzt das ganze Projekt in eigenen Händen hält und wachsen sieht und dann nachher das fertige Produkt in Händen hält und sagt ‚Hier, habe ich gemacht‘ ist wirklich wie so ein kleines Buchbaby.

JJ: Das, was ich bei dir so spannend fand, ist natürlich überhaupt dein Studium. Da musst dir mir jetzt mal mehr von erzählen. Also, Ägyptologie fand ich ja total geil. Wie kommt man darauf, warum macht man das?

RB: Das hört man ja total oft so in unserem Genre. ‚Wie, Sie haben Ägyptologie studiert?‘ Ja, warum studiert man Ägyptologie, das haben meine Eltern mich dann irgendwann auch gefragt. Ich muss dazu nachschießen, dass ich das eigentlich gar nicht so vorhatte. Eigentlich hatte ich nach dem Abitur vor, Ökolandbau zu studieren und habe damit auch in der Tat angefangen. Ich habe ein Jahr Praktikum auf dem Bauernhof gemacht und bin dann in den Ökolandbau gewechselt und habe dann aber nach 3 Semestern festgestellt, ne, das ist es nicht so wirklich, wenn man keinen Bauernhof in der Familie hat, den man dann irgendwann mal übernehmen kann. Alles, was jetzt im Fernsehen läuft Bauer Sucht Frau, ich hatte das live in Farbe.

JJ: Ich habe das noch nie gesehen, deswegen habe ich echt keine Ahnung.

RB: Ich auch nicht, aber ich kann es mir vorstellen und wie gesagt, ich hatte das live. Und dann habe ich mir gedacht, ne, das ist es halt irgendwie nicht so und du wechselst jetzt mal. Geschichte hat mich eigentlich schon immer studiert. Die Eltern haben mich auch schon in frühestens Jahren immer in alle Museen, die irgendwie erreichbar waren, reingeschleppt. Urlaube waren bei uns grundsätzlich Kultururlaube mit Ruinen und sonstigen angucken. Und, warum Ägyptologie? Weiß ich auch nicht. Habe mir gedacht, wahrscheinlich es klingt irgendwie spannend. Ägypten, ja, kennt man irgendwie so ein bisschen und habe mich da halt eingeschrieben und habe erst während dem Studium festgestellt, ach ja, das ist ja eigentlich doch ganz gut und hatte es zunächst nur als Nebenfach und irgendwann ist es dann zum Hauptfach geworden und irgendwann hab mir gedacht, okay, dabei bleibst du. Es war also nicht so wie viele, die das irgendwie von Kindesbeinen an studieren wollten, sondern ich bin da eigentlich so mehr oder minder reingerutscht und dabeigeblieben. Das ich ins Museum wollte hingegen, das wusste ich dann schon relativ schnell und naja, dass ich dann sogar noch einen Job im Fach gekriegt habe, im Ägyptischen Museum, Vollzeit, unbefristet, das ist eigentlich besser als ein Sechser im Lotto.

JJ: Ich wollte es gerade sagen, also das klingt ja wirklich super hochspannend und dann auch noch in München. Also das ist natürlich großartig.

RB: Ja, ich meine, es kam ja noch dazu, dass – also früher war das Museum am Odeonsplatz im Hofgarten in der Residenz untergebracht und als ich 2005 hier angefangen habe, hat es gerade den Zuschlag für den Neubau gegeben. Das heißt, ich war also während der ganzen Zeit des Museumsneubau und der Neubauplanung mit dabei und konnte da quasi auch in meinem Bereich ein bisschen mitbestimmen. Mein Schwerpunkt ist ja jetzt Museumspädagogik, Führung und Vermittlung für Groß und Klein und konnte mich da halt auch im Neubau entsprechend austoben und ich meine, das ist eine Chance, die kriegt man so nie wieder und das ist eigentlich genau das, was ich immer schon machen wollte und bin mehr durch Zufall irgendwie dabei gelandet. Ja, du hast Kulturwissenschaften studiert, ne, kann ich genauso gut auch fragen, was ist das denn? Ich meine, das klingt so wie der … wie … wie … wie alles und wie nichts und wie ein Riesengebiet mit wahrscheinlich ganz, ganz vielen spezialisierten Sachen.

JJ: Du triffst es auf den Punkt. Es ist alles und nichts. Nein, Kulturwissenschaften – Es gibt da zweierlei Richtungen. Es gibt ja Kulturwissenschaften auch in Passau, das bezieht sich mehr auf Kulturkreise, also Sprachen und Reisen oder wirtschaftliche Geschichten. Das Kulturwissenschaftsstudium, was ich gemacht habe, war von vornherein ziemlich künstlerisch orientiert und ich kam allerdings tatsächlich von einem Studium der Wirtschaftswissenschaften und bildete mir ein, ich würde dort in Richtung Kulturmanagement gehen. Da hatte ich mich geirrt. Während des Studiums habe ich – also erstmal dauert es doch eine ganze Weile, bis man irgendwie so seinen eigenen Weg dadurch findet. Man hat unglaublich viele Fächer, also eben mein Hauptfach war damals Literatur, Theater Und Medien. Nebenfach hatte ich Musik. Zusatzfach hatte ich Philosophie und Kulturpolitik und später im Hauptstudium hat sich das dann ein bisschen reduziert und dann hatte man auch so etwas das Steckenpferd gefunden. Unter anderem war das eben bei mir schon Schreiben und ich hab dann auch bei dem Prof. Dr. Hanns-Josef Ortheil studiert primär, der zu dieser Zeit seinen eigenen Studiengang bildete, Kreatives Schreiben, und da habe ich auch überlegt, ob ich da nochmal hin wechsele und habe das aber dann unterlassen, weil ich schon einmal gewechselt habe und dachte, ‚Du springst nicht durch alle Studienfächer durch, so geht das nicht‘ und habe also einfach nur den Schwerpunkt dahingelegt und zusätzlich aber hatte ich immer sehr, sehr viel auch aus familiären Gründen mit Musiktheater zu tun und bin auf diese Weise – eigentlich wollte ich Opernregisseurin werden oder erstmal eine Regieassistenz überhaupt kriegen im Opernbereich und da wurde dann sehr schnell klar, dass das gar nicht geht. Die nehmen da nur Leute, die auch Opernregie studiert haben. So eiert man dann durchs Leben und dann kam halt das Schauspiel und ich weiß noch sehr genau, im Studium habe ich den Bereich Schauspiel nicht besonders leiden können. Ich fand die alle sehr prätentiös und ich wollte mit denen nicht viel anfangen. Genau, und dann war ich am Schauspiel und dann haben die mich innerhalb von drei Jahren gebrainwashed. Und danach habe ich gedacht, es gibt nichts anderes außer Schauspiel.

RB: Okay.

JJ: Ne, es war eine sehr, sehr lehrreiche und sehr gute Zeit und gerade auch wieder fürs Schreiben, also was Dialoge angeht, war das Gold wert und auch andere Sachen zum Thema Sprechen, Figurenentwicklung, du kannst auch von Schauspielern hervorragend lernen, wie man eine Figur entwickelt, weil die ebenso spielerisch damit umgehen, wenn man probt. Klar, es gibt Leute, die haben das natürlich, das sie einfach super Dialoge schreiben können. Ich konnte das nicht. Meine Dialoge waren immer etwas steif. Das ist definitiv nach dem Theater dann nicht mehr so gewesen.

RB: Ja, ja, klar, ich meine, du hast ja dann die perfekte Ausbildung irgendwie fürs Schreiben gehabt. Sei es einerseits das kreative Schreiben, andererseits Schauspiel mit Figuren.

JJ: Richtig. Und dann hat man ja auch noch literarische Stoffe, das darf man auch nicht vergessen. Man hat schon ziemlich namenhafte Autoren auch immer vorliegen mit denen man sich dann auch wirklich auseinander setzt und das ist auch beim Theater das Schöne. Anders als wenn du jetzt zu Hause sitzt und dir so ein Literat nimmst und durchliest, der manchmal ja auch nicht so einfach ist, fängst du ja im Theater an, die Sprache zu zerpflücken oder auch wieder anders zusammenzusetzen und das erleichtert dir den Zugang ungemein zu diversen literarische Figuren.

RB: Ja, klar, natürlich also dieses – du gehst halt einfach mit einem ganz anderen Blickwinkel auch daran und analysierst es einerseits und kannst dir das dann aber auch rauspicken. Ich habe gesehen, du hast sogar Die Unendliche Geschichte mal adaptiert. Ich bin ja ein bisschen neidisch.

JJ: Das war eine tolle Produktion, das war wirklich sensationelle Produktion und das war eben in Garmisch beim Kultursommer. Du hättest also kommen können, du wohntest nämlich in München. 

RB: Hätte ich davon gewusst, genau. Hätte ich davon gewusst, aber sowas geht einem dann ja immer ab. 

JJ: Ja, gut also aus München, da geht man selten in das Provinztheater Garmisch-Partenkirchen Aber, der Kultursommer und das Interessante war dabei auch, das zum Beispiel ein Jugendfreund oder ein Jugendkollege – wobei Jugend ist vielleicht übertrieben – so ein langjähriger Kollege, Freund von Michael Ende, nämlich der Wilfried Hiller, das ist nämlich ein Münchener Komponist, die Musik geschrieben hatte, die Musik komponiert hat und sein Sohn, der hat eine Band, die haben das Ganze dann umgesetzt und es war einfach großartig. Es war wirklich eine ganz tolle Produktion. Ist immer schön in Garmisch. 

RB: Natürlich, alte Heimat und dann sowas noch, das mit der Arbeit verbinden, das ist natürlich wirklich toll, das kann ich mir vorstellen. 

JJ: Ich habe auch als nächste Frage mal mir – Ich habe mir dann auch mal eine Pressemitteilung von dir runtergeladen und hast du die selber verfasst, hat die der Verlag verfasst?

RB: Ja, also, die für die zu Inepu, die hat der Verlag verfasst. Ich habe glaube ich zu den München Legenden und ich glaube auch zu meiner Geschichte von den Vergessenen Pfaden, da habe ich in der Tat selbst was gemacht und selbst verfasst. 

JJ: Und die hast du dann auf gut Glück an alle geschickt oder wie hast du das dann? 

RB: Ja, also die von den Vergessenen Legenden, ne, Vergessene Pfade heißen sie, jetzt bringe ich schon wieder die ganzen Bücher durcheinander. Die Vergessenen Pfade, das waren auch Sagen aus Deutschland und ich habe eine Sage rund um die Rhumequelle, weil da auch meine ganze Verwandtschaft herkommt und das habe ich dann natürlich an die entsprechenden Zeitungen da vor Ort geschickt und in der Tat hat sich eine Redakteurin vom Göttinger Tageblatt bei mir gemeldet und dann gab’s auch wirklich zwei schöne Artikel dazu und das hat sich also durchaus gelohnt. Bei den München Legenden da hat uns leider auch irgendwie Corona ziemlich getroffen. Wir haben Anfang März, haben wir nämlich unsere große Buchpräsentation gehabt und tja, die ganze Verlagssachen – Zeitungssachen sind dann irgendwie leider nicht so richtig gezündet, weil Corona und dann ist es erstmal alles wieder zurückgefahren worden. Aber mal gucken, das wir da noch ein bisschen irgendwie hinterher arbeitet und wenn jetzt so langsam alles wieder aufmacht, kann man da vielleicht auch noch so ein bisschen die Werbetrommel rühren. Aber, was mir beispielsweise bei diesen Pressesachen sehr geholfen hat: Ich war im November auf dem Litcamp in Berlin und da war eine Session, die sich mit Pressearbeit beschäftigt hat. Wie baut man eine Pressemeldung auf, was soll unbedingt rein, in welchem Stil ist das Ganze zu schreiben, mit ein paar Beispielen. Das hat mir unglaublich geholfen. Da habe ich mich dann gleich an die Umsetzung dran gemacht. 

JJ: Das sind so Sachen, die ich bislang, die mir, sag ich mal, entgangen sind, weil ich auf diesen ganzen Veranstaltungen nicht so herumhopse, was auch häufig einen finanziellen Grund hat. 

RB: Das ist ja das Schöne auch am Nornennetz, dass wir auch einfach alle so verschieden sind und wir uns auch da untereinander austauschen und voneinander lernen können. Ja, also ich meine, auch das macht natürlich unglaublich viel aus. 

JJ: Ich habe auf deiner Homepage, um mal zu meiner letzten Frage zu kommen, gesehen, dass du so eine ganze Riege von Triggerwarnungen hast. 

RB: Ja, das mit den Triggerwarnungen ist mir einfach, beziehungsweise ich nenne es ja Inhaltswarnungen, ist mir einfach wahnsinnig wichtig, dass die Leute wissen, was in meinen Geschichten auf sie zukommt. Wenn sie es brauchen, dass sie sich danach richten, das sie nicht einfach ins kalte Wasser geworfen werden und wenn sie es nicht brauchen, dann liest man halt irgendwie drüber hinweg, aber die Leute, die es brauchen, denen hilft es einfach unglaublich und deswegen bin ich große Verfechterin von solchen Inhaltswarnungen. Einfach wirklich draufzuschreiben, was ist in dieser Geschichte drin, mit was muss ich mich auseinandersetzen und mit was eben nicht. Was könnte mir, was könnte mich belasten. Das finde ich einfach wichtig. Das ist auch von meiner Seite aus ein Service an alle Lesenden, dass sie sich damit auch so auseinandersetzen können und aus entsprechender Erfahrung, ich habe eine Kurzgeschichte in diesem Keksgekrümel, was keine ganz leichte Geschichte ist. Wo es unter anderem auch um sexuellen Missbrauch geht und eine Freundin von mir wollte dieses Buch unbedingt haben und ich habe ihr nicht gesagt, worum es geht, und sie ist eben ein Opfer sexuellen Missbrauchs und ist eiskalt da reingeworfen worden. Und es tut mir unglaublich leid, ich wusste es halt nicht. Sie hat auch nie irgendwie derartiges klar verlauten lassen und so ist sie durch meine Geschichte wirklich volle Kanne gegen die Wand gefahren und das hat mir gezeigt, wie wichtig das einfach ist und zu sagen, hier, Leute in dieser Geschichte geht’s darum, darum, darum. Das sind die schwierigen Themen, mit denen man sich auseinanderzusetzen hat. Wenn du es weißt, kannst du dich darauf vorbereiten. Wenn du weißt, dass du es nicht kannst, dann liest du diese Geschichte einfach nicht. 

JJ: Ja, das ist gut, das du mir das so erzählst, weil ich nach wie vor, also ich bin überhaupt erst im Rahmen des Nornennetz über dieses Thema gestolpert und habe also, meine Bücher sind auf jeden Fall auch sehr durchwachsen und haben wahnsinnig viele, wahnsinnig viele Themen und darüber, also im Buch selber habe ich natürlich jetzt keine vermerkt, keine Vermerke dazu gemacht. Wo hast du den Katalog her oder hast du einfach nur reingeschrieben, was tatsächlich, also quasi als Kerntopic dann vorkommt? 

RB: Genau. Also, man muss sich da einfach ein bisschen reinfuchsen. Also es gibt mehr als genug Seiten, die sich ja auch mit solchen Triggerwarnungen auseinandersetzen, über die man dann einfach auch weiterkommt. Holly [Anm. Holly „frau schreibseele“ Miles] bei uns aus dem Nornennetz, die hat ja auch entsprechend eine Seite dazu mal geschrieben. Die Elea Brandt hat sich damit beschäftigt, wenn man auf deren Seiten kommt, da sind auch ganz viele weitere Verweise, man muss sich einfach ein bisschen einlesen. Es gibt unterschiedliche Listen mit Triggern und da muss man einfach sich durchgucken, muss schauen, was kommt in meiner Geschichte vor, was könnten potentiell belastende Sachen sein. Es ist immer auch so ein gegenseitiges Abwägen. Muss ich jetzt jede Zigarette, die irgendwie in diesem Buch kommt, dann entsprechend eintragen?

JJ: Ja, ich als Ex-Raucher bin da ganz für. 

RB: Ja, eben, genau, genau. Es ist einfach so. In dem Fall sage ich mir, ich nehme lieber zu viel auf, als zu wenig und bin dann natürlich auf die entsprechenden Rückmeldungen einfach angewiesen. Bisher kam weder positiv noch negativ, aber es ist halt einfach auch noch so ein Ausprobieren, ne? Und das man sich wirklich bisschen umguckt. Und ich meine, der Vorteil von unseren München Legenden beispielsweise war es, Herrin über die eigenen Bücher, da war es mir ganz wichtig, dass ich wirklich hinten drin zu jeder einzelnen Geschichte die Triggerwarnungen aufgelistet habe, weil sie auch eben sehr verschieden waren. Da ist es also wirklich ganz nach Geschichte geordnet. Bei Inepu habe ich den Verlag eben noch nicht ganz dazu überzeugen können, die Triggerwarnungen in das Buch mit hineinzuschreiben. Aber die haben zumindest vorne drin einen Verweis auf meine Homepage. Das heißt also da steht vorne unten im Impressum drin, ‚Inhaltswarnungen finden Sie auf der Homepage der Autorin‘. Bei einem anderen Buch, was jetzt auch im Herbst, rauskommt beim MysticVerlag. Da habe ich einfach auch gefragt, wie sieht es aus, wie steht ihr zu den Inhaltswarnungen. Die haben gesagt, ja, okay, können wir machen, kein Problem. Das heißt, da kommen sie auch wirklich direkt ins Buch hinten auf die letzte Seite, bis sich das so ein bisschen etabliert hat. Und ich versuche da halt einfach auch immer so ein bisschen für zu kämpfen, dass sich das auch etabliert, dass es normal wird, dass man die Triggerwarnungen zu den Büchern mit dazuschreibt. 

JJ: Ja, also super, das ist ja fast schon ein gutes Schlusswort. Insofern ja, wir sind nämlich auch schon ein ganzes Weilchen dabei. 

RB: Es ist auch vieles irgendwie schon angesprochen worden, was ich hier noch so an Fragen hatte, also von daher denke ich mal schon, wir könnten noch irgendwie stundenlang weiterplaudern, aber nein, wir müssen mal zu Ende kommen. 

JJ: Ja, es ist einfach für den Hörer dann glaube ich etwas angenehmer. 

RB: Das stimmt. 

JJ: Ja, liebe Roxane, dann bedanke ich mich herzlich für dieses schöne Gespräch. 

RB: Ja, ich habe zu danken. 

JJ: Ich freue mich, dass wir quasi die Eröffnungsrunde jetzt für Writers On Writers gemacht haben und würde sagen, wir beenden jetzt das Gespräch und ich werde unsere

Oben Titel Writers on Writers, darunter links Autorinnenfoto von Roxane Bicker, Mitte das Nornennetz-Logo, rechts Autorinnenfoto von Jana Jeworreck. Darunter jeweils ihre Namen und "Nornennetz Edition"

[Outro] Writers On Writers. Eine Aktion vom Nornennetz. Es sprachen miteinander Jana Jeworreck und Roxane Bicker.

~ Beitrag von Jana Jeworreck, Transkript: Charley Quinn

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