Inspirierende Frauen in der Literatur von Patrizia K. Werner

Inspirierende Schriftstellerinnen gibt es in jeder Generation. Sie hier alle zu beschreiben vermag ich** nicht, ohne diesen Artikel ins beinahe Unendliche zu sprengen. Umso schwerer viel mir die Auswahl, da jede dieser starken Frauen ihren eigenen interessanten wie auch sehr lehrreichen Werdegang erzählen kann.
In der Hoffnung, dass jeder von euch in der folgenden Auflistung mindestens eine Autorin findet, deren zuweilen beschwerlichen Wege sie dennoch (oder gerade deswegen) an ihre Ziele brachten, stelle ich euch nun 8 Schriftstellerinnen vor und was ihre Karrieren beflügelte.

Frauen, die schreiben – sie inspirieren uns immer wieder (Foto: Patrizia K. Werner)
Agatha Christie
„The secret of getting ahead is getting started.“

Als Apothekenhelferin im Kriegslazarett des ersten Weltkriegs und auf späteren Reisen, wie auch Exkursionen mit ihrem zweiten Ehemann, sammelte Agatha Christie (1890) eine unvorstellbare Menge an Eindrücken, die sie später in ihren Büchern einarbeitete. So verwundert es auch nicht, dass ihre erste Kriminalgeschichte, die 1921 herauskam, einen Giftmord behandelte, wobei ihr Wissen aus der Medizin ihr half. Mit „The Murder of Roger Ackroyd“ wurde sie zur berühmtesten Krimiautorin ihrer Zeit. Insgesamt verfasste sie in ihrer gesamten Schriftstellerlaufbahn 66 Romane, zahlreiche Kurzgeschichten sowie einige Bühnenstücke. Das charmanteste an Agatha Christie war, dass sie von sich selbst behauptete keine Schriftstellerin zu sein. Sie sei lediglich bemüht eine gute Ehefrau zu sein, die in ihrer Freizeit gerne schreibt.

Cornelia Funke
„Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.“

Cornelia Funkes (1958) Karriere als Kinder- und Jugendbuchautorin begann 1993 mit ihrem Roman „Die wilden Hühner“. Doch ihren internationalen Durchbruch erlangte sie im Jahre 2000 mit dem Buch „Herr der Diebe“. Dieser wurde zwei Jahre darauf auf den dringlichen Wunsch eines zweisprachig aufgewachsenen Mädchens namens „Clara“, die diese Geschichte mit ihren Schulfreundinnen in England teilen wollte, ins Englische übersetzt. Übersetzungen in 22 weiteren Sprachen und Erstplatzierungen auf Bestsellerlisten folgten. Es waren Cornelia Funkes Entschlossenheit und diese gewisse Portion von Glück, die ihr den Weg als deutsche Schriftstellerin zu internationalem Ruhm verhalfen.

Emily Brontë
„I wish I were a girl again, half-savage and hardy, and free.”

Mit “Sturmhöhe” eroberte Emily Brontë (1818) im Jahre 1847 die damalige Welt. Als arme Pfarrerstochter las sie jedes Buch und jede Zeitschrift, die sie kriegen konnte und begann bereits früh mit ihren Geschwistern Charlotte und Anne eigene Geschichten zu schreiben. Doch erst mit ihrem eigenen Roman versetzte sie die Welt in Erstaunen. Bis heute ist es das einzige eigene Buch, dass sie schrieb, da sie auf der Höhe ihrer Karriere mit dreißig Jahren verstarb. Noch heute ist Emily Brontë ein Paradebeispiel dafür, dass man auch mit den geringsten Mitteln seine Träume erreichen kann. Denn zu Anfang ihrer Schreibkarriere skizzierte sie mit ihren Geschwistern ihre gemeinsamen Geschichten auf allem, worauf sich schreiben ließ und das in winzig kleiner Handschrift, da Papier in der rauen Menge, die sie benötigten, für ihre Familie unerschwinglich war.

Jane Austen
“I declare after all there is no enjoyment like reading! How much sooner one tires of any thing than of a book! – When I have a house of my own, I shall be miserable if I have not an excellent library.”

Jane Austen (1775) wuchs in einer Zeit auf, in der die Stellung als Frau in Frage gestellt wurde. Zwar führten Auswirkungen der französischen Revolution zu emanzipiertem Denken, doch bot es kaum Vorteile für die junge Jane Austen, die wie jede Frau in ihrer Stellung als Ehe- und Hausfrau unterrichtet wurde. Da sich ihre Familie zudem keine hohe Mitgift für ihre jüngste Tochter leisten konnten, blieb sie zudem unverheiratet. Von ihrer Gesellschaft in eine bestimmte Rolle gesteckt, zeigte sie jedoch früh eine außerordentliche Begabung für Beobachtungen. Diese gewonnen Erkenntnisse verarbeitete sie mithilfe ihres Schreibtalents in Geschichten wie „Stolz und Vorurteile“, womit sie der damaligen Gesellschaft mit Humor und Satire einen Spiegel vorhielt. Damit zeigte Jane Austen klar und deutlich, dass sie sich nicht einmal durch ihre vorgegebene gesellschaftliche Rolle von ihrem Drang zu schreiben abbringen ließ.

Joanne K. Rowling
“I’m a writer, and I will write what I want to write.”

Als Joanne K. Rowling (1965) begann die Bücher zu den Abenteuern von „Harry Potter“ zu schreiben, befand sie sich kurz vor dem Tiefpunkt ihres Lebens. Ihre Mutter verstarb mit 45 Jahren, drei Jahre darauf folgte die Trennung von ihrem damaligen Ehemann und auf einmal stand sie als junge, alleinerziehende Mutter ohne Einkommen dar. Sie war dermaßen verzweifelt, dass sie offen zugibt von Selbstmordgedanken heimgesucht worden zu sein. Doch ihre Idee von einer Geschichte, die die Welt im Sturm erobern sollte, gab ihr neue Kraft und so begann sie sie weiter zu entwickeln. Obwohl Rowling das Talent zum Schreiben schon früh mitbrachte und so bereits in ihrer Kindheit ihre Geschwister mit ihren Geschichten verzauberte, entschied sie sich dennoch Lehrerin zu werden. Dass ihr einst ihre Fantasie aus ihrer schlimmsten Phase verhelfen würde, hätte sie jedoch niemals für möglich gehalten. Umso deutlicher zeigt ihr Werdegang, dass man seine Träume niemals aufgeben sollte.

Autoren Urlaub

Joy Fielding
„Give a hundred writers the same idea and you’ll get a hundred different stories.“

Auch Joy Fielding (1945) schöpfte nach einigen Enttäuschungen neue Kraft und neuen Mut aus ihren Romanideen. Als es mit ihrer Karriere als Schauspielerin nicht klappen wollte und sich auch privater Frust einstellte, entschied die Absolventin in Englischer Literatur sich ihrem alten Hobby aus ihrer Kindheit zu widmen. Tatsächlich brachten ihre ersten Bücher nicht den erhofften Erfolg mit sich und sie arbeitete nebenbei als Werbedarstellerin. Trotzdem gab sie nicht auf und zeigte damit, dass sich Hartnäckigkeit, Geduld und Fleiß auszahlen und so gelang ihr 1991 der Durchbruch mit dem Thriller „Lauf, Jane, lauf!“. Es folgten zahlreiche weitere internationale Bestseller.

Mary Shelley
“Invention, it must be humbly admitted, does not consist in creating out of void, but out of chaos.”

Mary Shelley (1797) war eine emanzipierte Frau, die genau wie Jane Austen unter der gesellschaftlichen Rolle der Frau aufwuchs. Jedoch kritisierte sie diese Rolle nicht in ihren Büchern, sondern brach aus ihnen heraus. Sie verliebte sich in einen älteren, verheirateten Mann und zeugte uneheliche Kinder mit ihm, was zur damaligen Zeit den Ausschluss aus der Gesellschaft zur Folge hatte. Daraufhin reiste sie mit ihrer Familie durch ganz Europa und schrieb an ihren Romanen. Inspiriert hatte sie dazu ihr Ehemann, der selbst ein Dichter war. Mit „Frankenstein“ schrieb sie 1818 das meist adaptierteste Werk und eröffnete damit neue Wege für kommende Gruselgeschichten. Mary Shelley ist ein außerordentliches Vorbild für eine Autorin, die keine Grenzen kennt. Unerschütterlich hielt sie an ihren eigenen Wertvorstellungen fest und ging stolz ihren eigenen Weg. Dieser Mut zahlte sich mit Weltruhm aus.

Stephenie Meyer
“Sometimes ideas feel like they were already there, and that you’re just discovering them.“

Weltbekannt wurde Stephenie Meyer (1973) mit ihrer Buchserie „Twilight“, zu dem der erste Band 2005 erschien. Obwohl diese Fantasy-Reihe viel Anklang fand und wie schon die aus der Feder von Joanne K. Rowling veröffentlichte Buchserie „Harry Potter“ verfilmt wurde, erfährt die streng gläubige Mormonin sehr viel Kritik für ihr Werk. Nichtdestotrotz hielt sie das nicht davon ab, weitere Romane zu veröffentlichen und bewies damit, dass sie sich von den Kritikern nicht ihren Traum zu Schreiben und zu Schaffen nehmen lässt. Damit beweist sie welch dickes Fell man sich wachsen lassen kann und dass bloße Worte einen nicht aufhalten können.

Was ich beim Schreiben dieses Artikels gelernt habe, war, dass keiner Schriftstellerin der Erfolg einfach in den Schoss gefallen war. Nicht eine von ihnen hat mit bloßem Talent ihre Geschichten zum weltweiten Ruhm bringen können. Es gehört stets eine ungeheure Menge an Fleiß, Geduld und Hartnäckigkeit dazu. Selbst Mary Shelley, die mit ihrer ersten Geschichte „Frankenstein“ so bekannt wurde, dass sie sich hätte theoretisch zurücklehnen können, musste danach noch viel weitere Romane schreiben, da die Einnahmen von nur einem Roman nicht reichten. Schreiben ist ein Handwerk und genau wie jeder Tischler, muss auch jeder Schriftsteller, unentwegt weiter produzieren, wenn er davon leben will. Es gibt nur eine sehr geringe Anzahl von Schriftstellern, die sich wie Joanne K. Rowling nach ihrer ersten Buchserie ausruhen könnten. Aber man sollte hierbei auch bedenken, wie viele Steine Rowling in den Weg gelegt wurden, bevor sie dieses Ziel erreichte. Von Beginn ihrer Idee bis zur Veröffentlichung ihres ersten Bands vergingen 6 lange Jahre und unzählige Absagen von Verlegen, ehe einer von ihnen anbiss. Nicht aufzugeben, auch wenn es mal schwer wird, ist meiner Meinung nach am Schwersten. Doch diese Frauen in der Liste oben geben mir (und ich hoffe auch euch) Hoffnung, dass es sich auszahlt einfach weiterzumachen und keinen Weg unversucht zu lassen, bis man seinen eigenen gefunden hat.

**Autorin des Beitrags ist Patrizia K. Werner

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