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Kampfszenen mit Wumms

Sie griff nach ihrem Schwert. Er griff nach seinem Schwert. Er schlug nach ihrem Schwert. Sie parierte mit ihrem Schwert. Er sprang nach vorn. Sie duckte sich und holte aus. Ihr Schwert traf sein Schwert. Es war sehr aufregend.

Und, habe ich eure Aufmerksamkeit genug strapaziert? Dann sind wir schon mitten im Thema. Jede Autorin hat ihre Stärken und Schwächen – einige beschreiben zuviel, andere leiden unter hölzernen Dialogen. Bei Kampfszenen allerdings schlagen alle, die ich kenne, die Haare über dem Kopf zusammen. Denn: Beim Kampf muss es schnell gehen. Viele Dinge passieren auf einmal. Und die meisten von uns sind mit Kämpfen und physischer Action generell eher weniger vertraut. (Das gilt besonders für Autorinnen, alles theorieverliebte Schöngeister.)

Trotzdem kann es in einer Geschichte nicht nur um tiefschürfende Gedanken, Licht und Liebe gehen. Ab und zu braucht man etwas Action – genau wie im richtigen Leben. Der Trick besteht darin, diese Action gleichzeitig für das innere Auge gut sichtbar und für den Lesefluss ausreichend schnell zu gestalten. Mitten in einem Kampf auf Leben und Tod mit dem radioaktiven Rochen von Rhodos will niemand drei Seiten Beschreibung der lebendigen Schuttberge im Tal der Finsternis lesen. Andererseits ist es vielleicht gut, zu wissen, dass es diese lebendigen Schuttberge GIBT, wenn plötzlich einer dieser Schelme nach unserer Protagonistin greift und ihrem Gegner damit zum entscheidenden Vorteil verhilft – oder vielleicht doch nicht?

Zugegeben, ich tue mich auch schwer mit schnellen Szenen. Im Verlauf einiger Bücher, in denen es gelegentlich heftig zur Sache geht, habe ich mir allerdings eine Handvoll Tricks zugelegt, die mir bei solchen Szenen helfen.

Zuerst das Wichtigste: Actionfiguren – lacht nicht! Habt ihr schon einmal vor einer Szene mit vielen wild ineinander verkeilten Charakteren gesessen? Ich habe ja so schon selten Ahnung, wer gerade was mit wem treibt. Und um nicht vollständig den Überblick zu verlieren, stelle ich die entscheidenden Szenen mit kleinen Figuren (können auch Minisalamis sein) nach. So weiß ich immer, wer gerade womit beschäftigt ist. Das ist natürlich für Kampfszenen am praktischsten, aber mit Hilfe einer Landkarte lassen sich so auch wilde Verfolgungsjagden oder Versteckspiele nachstellen. Nie wieder verlorengegangene Charaktere im Labyrinth des Wahnsinns (es sei denn, ihr wollt es so).

Na, wer erkennt den Film? (Foto (c) Diandra Linnemann)

Zweitens: Lernt kämpfen. Oder guckt wenigstens viel und oft zu, wenn sich andere Leute auf die Ömme hauen, die es wirklich können. Also keine bombastischen Wrestling-Matches, sondern eher Re-Enactment-Kämpfe oder Kampfsportmeisterschaften. Man vertut sich nämlich oft dabei, wie lange etwas dauert oder wie viel Platz man für eine Aktion hat. Muss natürlich nicht extra gesagt werden, aber wenn ihr schon in der Nähe von Profis sind und die gerade friedlich aussehen, löchert sie mit so vielen Fragen, wie geht. Aus Büchern kann man auch eine Menge lernen, aber ich finde, dass gerade bei so schwierig zu beschreibenden Dingen der Anschauungsunterricht nicht zu kurz kommen sollte – vor allem wegen der Geräusche! Vor einigen Jahren habe ich einen von der lokalen Polizei angebotenen Selbstbehauptungskurs besucht, den schlachte ich heute noch aus. (Und ich weiß jetzt, dass ich keine Hemmungen habe, fremden Leuten ins Gesicht zu schlagen. Niemand ist perfekt.)

Drittens: Gute Vorbereitung ist alles. Niemand taucht gerne mit einem Messer in der Tasche bei einer Schießerei auf, oder? So ähnlich verhält es sich auch mit literarischer Action: Jede Beschreibung, die ihr vorab unterbringt, könnt ihr in den schnellen Szenen als bekannt voraussetzen. Lasst eure Charaktere also ruhig an bekannten Schauplätzen aufeinander eindreschen, davon profitieren alle Beteiligten.

Und zu guter Letzt: Wenn ihr nicht gerade einen megabrutalen Slasher schreibt, ist weniger wahrscheinlich mehr. Persönlich finde ich es höchstens langweilig, wenn beispielsweise in Thrillern momentan immer schneller immer mehr Blut auf noch brutalere Weise fließen muss. Das ist nämlich keine große Kunst. Die Kunst besteht darin, Action und Gewalt so darzustellen, dass sie dem Leser unter die Haut geht – er soll verstehen, warum Gewalt stattfindet, und mit den Figuren mitleiden (sogar mit den Bösen).

Habt ihr Beispiele für besonders gelungene Actionszenen (selbst geschriebene oder gelesene) parat?

Autorin des Textes ist Diandra Linnemann

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