
Stören dich Triggerwarnungen oder Content Notes?
Claudi Feldhaus: Auf keinen Fall. Ich bin viel eher eine der ersten Verfechterinnen davon! Meine Bücher (ab 2019) enthalten alle eine barrierarm zugängliche Liste sensibler Inhalte.
Helene Persak: Nein. Als Konsumentin nutze ich sie jedoch nicht. Als Autorin habe ich mich mit ihnen noch nicht angefreundet.
Artemis Wind: Warnhinweise, die sich an die Allgemeinheit richten, ermöglichen eine informierte Selbstentscheidung, ähnlich wie die FSK-Kennzeichnung. Ich finde es jedoch problematisch, sie als Schutzmaßnahme für Betroffene von Posttraumatischer Belastungsstörung oder anderen vulnerablen Gruppen zu propagieren, da alle empirischen Studien ihre Wirkungslosigkeit nahelegen, oder festgestellt haben, dass Warnhinweise die Angst tendentiell sogar leicht zu erhöhen (durch negative Erwartungen). Einige Traumaüberlebende befürchten daher eher eine Stigmatisierung als „besonders verletzlich“ oder „irrational“ durch Wahrnhinweise.
Tessa Maelle: Für manche Menschen sind sie gut und wichtig. Ich persönlich halte es eher mit Kafkas Ausspruch „Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“ Es ist ja gerade eine der Aufgaben von Literatur, uns im tiefsten Inneren genau dort zu berühren und aufzurütteln, wo wir neue Erkenntnisse, Sichtweisen oder Tröstungen dringender denn je benötigen.
Diana Dessler: Durchaus. Ich möchte mich von den dramatischen Inhalten im Verlauf des Buches überraschen lassen, anstatt sie säuberlich aufgelistet auf der ersten Seite zu sehen. Allerdings kann ich mir vorstellen, daß sensiblere Personen eine Vorwarnung schätzen würden, wenn es Themen angeht, die sie betreffen können. Da ich den Schutz dieser Leser:innen für wichtig halte, finde ich ihren Einsatz für ichtig. Aber persönlich blättere ich darüber hinweg.
Jamie Enderlein: Ich bitte sogar darum. Ich werfe allerdings nur einen kurzen Blick drauf, da ich meist Genres lese, in denen eher selten Dinge vorkommen, über die ich nichts lesen möchte. Sie sind aber für andere Menschen wichtig, die sich vor bestimmten Themen schützen, weil sie eben triggern.
