Soft und Hard Science-Fiction

Eine futuristische Stadt bei Sonnenuntergang, über der ein Ringförmiges Raumschiff schwebt. Text: Science Fiction

Weiche oder Soft Science Fiction ist ein Subgenre von Science Fiction. Im englischen Sprachraum wurde es in den 1970ern erstmals erwähnt. Soft Science Fiction wird oft in Abgrenzung zur Hard Science Fiction begriffen, als Gegensatz von harten (Natur-)Wissenschaften zu weichen (Geistes-)Wissenschaften. Lenken Autor:innen ihren Schwerpunkt eher auf Plausibilität und technische Entwicklung (hard) oder eher auf Gesellschaftsentwicklung und soziale oder psychologische Themen (soft)?

Beides schließt einander nicht aus:

Autor:innen können viel Technik inklusive nachvollziehbarer wissenschaftlicher Erklärungen in ihrem Werk unterbringen und gleichzeitig viel Wert auf Gesellschafts- oder Charakterentwicklung legen. Hinzu kommt, dass das fiktive Element der benannten technischen Entwicklungen strittig macht, was wissenschaftlich plausibel ist – und was eben nicht. Die Frage, ob Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit möglich sind und ob Menschen über weite Entfernung transportiert werden können, ist hier ein Beispiel. Einige Literaturwissenschaftler:innen meinen, Soft Science Fiction sei kein Subgenre von Science Fiction, weil es nicht trennscharf abgrenzbar sei. Aber das ist gar nicht nötig, wenn von Polen ausgegangen wird: Hard Science Fiction auf der einen und Soft Science Fiction auf der anderen Seite. Und jede Menge Literatur dazwischen.

Soft Science Fiction nutzt Zukunftstechnologien eher für das Setting als für die Geschichte an sich:

Es wird nicht im Detail erklärt, warum und wie technische Neuerungen funktionieren, sondern sie sind der Hintergrund für Geschichten, bei denen Charaktere oder gesellschaftliche Themen im Vordergrund stehen. Es geht darum, wie technische Entwicklungen Gesellschaften und die Psyche von Menschen beeinflussen. An dieser Stelle besteht eine enge Verbindung zu Social Science Fiction, die die Entwicklung fiktiver zukünftiger Gesellschaften in den Fokus nimmt. Diese ist meist Soft Science Fiction, aber nicht immer.

Bei Hard Science Fiction nimmt die Beschreibung technischer Finessen und Entwicklungen dagegen einen traditionell größeren Raum ein.

Den Autor:innen dieses Subgenres ist es wichtig, dass ihre fiktiven wissenschaftlichen Errungenschaften  sich logisch aus aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben oder zumindest nicht widersprechen. Nicht selten bemühen sich dann Wissenschaftler:innen oder andere Lesende erfolgreich darum, Logik- oder andere Fehler zu finden. Es kommt aber auch vor, dass diese Werke fast prophetischen Charakter haben und technische Entwicklungen vorwegnehmen. Als Sci-Fi-Fans werden manche Wissenschaftler bei ihren Erfindungen/Entwicklungen von Sci-Fi-Literatur oder -Serien/-Filmen inspiriert – weiterlesen

https://www.techrepublic.com/article/tech-leaders-share-how-star-trek-inspired-them-to-pursue-a-career-in-technology/ oder hier: https://www.computerworld.com/article/3118059/50-years-of-i-star-trek-i-boldy-inspiring-generations-of-scientists.html … und eine Liste mit Dingen, die Star Trek „vorhergesagt“ (oder inspiriert?) hat:

Beispiele für Soft Science Fiction:

  • von unserer Norne Jasmin Engel “Die Götter der Dämmerung”
  • Carolyn Janice Cherry: „Downbelow Station“
  • Lois McMaster Bujold mit der Vorkosigan-Saga
  • Nnedi Okorafor: „Lagoon“
  • Octavia Butler mit der „Lilith’s Brood“-Serie.

Ein Beitrag von Jol Rosenberg

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