#Nornenschuber – Orlando im Juni

Unsere Lesechallenge unter dem Motto #HiddenPowers geht weiter!

Bisher haben wir gemeinsam gelesen:

Der Roman im Juni war „Orlando“ von Virginia Woolf

Ein paar Gedanken unserer Nornen zu „Orlando“

Diandra Linnemann

“Orlando” war ein verwirrendes und wunderschönes Lese-Erlebnis. Ich mochte, wie nichts von dem, was passiert, in Frage gestellt wird, und wie mit subtilen Hinweisen auf Personen des öffentlichen Lebens oder die Entstehung neuer Gebäude das Verfliegen der Zeit angedeutet wird. Wahrscheinlich werde ich das Buch noch einmal lesen und mir zusätzlich Sekundärliteratur zu Gemüte führen – ich habe den Eindruck, ich habe im ersten Durchgang noch längst nicht alles entdeckt, was es zu entdecken gibt.

Jasmin Engel

Was mir recht bald beim Lesen von “Orlando” aufgefallen ist: es handelt sich dabei um einen Roman, der seiner Zeit voraus war. Auch wenn die Sätze für meinen Geschmack manchmal  etwas zu lang und verschachtelt sind, finde ich den Stil und die Wortwahl phantastisch. Ich habe “Orlando” auf Englisch gelesen. Es war zwar nicht einfach, aber bereichernd, auch für meinen Wortschatz. Der fließende Übergang zwischen Orlando als Mann und Orlando als Frau ist in meinen Augen sehr gekonnt, zumal die Unterschiede durchaus ein Thema sind. Für mich persönlich als Leserin war jedoch der Einstieg etwas schwierig. Erst nach vielleicht  70-80 Seiten hatte ich das Gefühl, es geht richtig los und wird spannend. Die nachdenklichen und philosophierenden Passagen können zuweilen etwas langatmig ausfallen. Trotzdem und gerade thematisch finde ich, “Orlando” ist ein interessantes, empfehlenswertes Buch.

Elenor Avelle

“Orlando” ist kein Buch für mich. Die Geschichte enthält durchaus spannende Aspekte, vor allem der Wechsel des Geschlechts, der unkompliziert und ohne Aufhebens von Statten geht und geschichtliche Komponenten, die neugierig machen. Auch die biografisch anmutende Umsetzung hat ihren Charme. Leider ist die Geschichte mit Bildnissen gespickt, die veraltete und konventionelle Ansichten als natürlich gegeben beschreiben und dabei einen recht christlichen Ansatz von Sünde spiegeln. Ein Problem, das ich mit Klassikern häufig habe.

Jana Jeworreck

Orlando ist kein einfaches Buch. Ich habe es bereits vor langer Zeit gelesen und später ein Theaterstück daraus gemacht. Daher habe ich mich inhaltlich intensiv damit auseinandergesetzt. Der “stream of consciousness”, mit dem die Geschichte erzählt wird, ist ein Stilmittel, durch das die Hauptfigur wie in einer eigenen Zeitwahrnehmung durch die Jahrhunderte gezogen wird. Orlando, sowohl als Mann, als auch als Frau hat eine Kernidentität, eine kosmische Identität, die nur gelegentlich mit den realen Epochen in Konflikt gerät. Zugleich wandelt sich Orlando je nach Konvention. Es hat mich stark an die Vampirproblematik erinnert, die auch bei Anne Rice thematisiert wird. Was geschieht mit dem Ich, wenn man über Jahrhunderte lebt? Was geschieht mit dem Kernwesen? All diese Fragen wurden durch Orlando bei mir losgetreten und daher kann ich klar sagen: Ich mag dieses Buch sehr!

Das nächste Buch der Weltliteratur aus dem Schuber #HiddenPowers ist Frankenstein von Mary Shelley.

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