Literarische Weltreise zum Frauenwahlrecht: Indien

Weltkarte mit Schriftzug Indien

Heute finden wir uns im fernen Indien wieder, das Saskia Dreßler für unsere literarischen Weltreise näher unter die Lupe genommen hat.

Weltkarte Usbekistan nach Indien
©️ Elenor Avelle

Die Geschichte des Frauenwahlrechts in Indien ist eine Geschichte von starken Frauen. Schon vor dem Jahr 1900 haben einige Frauen sich getraut, bei den Stadtratswahlen in Bombay abzustimmen – und damit waren sie mehr als mutig, denn eine Strafe wäre ihnen sicher gewesen. Ab 1900 durften in Bombay Hausbesitzer:innen unabhängig des Geschlechts wählen. Doch das reichte den meisten Frauen nicht, denn oftmals waren Männer die Hausbesitzer und Frauen durften somit auch nicht wählen. 

Frauen politisierten sich immer mehr. Sie setzten sich in politischen Organisationen ein, gründeten Frauenvereine und schafften es, dass sie im Jahr 1926 das passive Wahlrecht bekamen. Damit durften nun offiziell sich selbst und nicht nur in Bombay Politiker wählen. In diesem Jahr wurde auch die Inderin Sarojini Naido die erste Kongresspräsidentin. Unterstützung für ihren Kampf um das Wahlrecht bekamen die indischen Frauen von der britischen Parlamentarierin Eleanor Rathbone, die am 5. Mai 1933 das British Committee for Indian Women’s Franchise gründete. Dieses Committee repräsentierte 11 Frauenorganisationen und fasste sie zusammen. Es diente als Plattform für die Politikerin, die sich für den Zugang für die indischen Frauen zu Bildung und zum politischen Leben den Weg bieten wollten.

Jedoch war nicht alles, was Rathbone vorschlug gut, denn sie drängte die indischen Frauen, ihre Forderung nach einem allgemeinen Wahlrecht aufzugeben, und setzte sich für ein beschränktes Frauenwahlrecht ein, das Lese- und Schreibkenntnisse verlangte und nicht einmal für alle Ehefrauen galt. Diese Beschränkungen fanden bei der Reformierung des Wahlrechts Gehör. Ab 1937 konnten Frauen dann wählen, wenn sie mehrere Bedingungen erfüllten. Sie mussten ein Grundeigentum und ein bestimmtes Maß an Bildung (vor allem das das Lesen und Schreiben) haben oder der Status einer Ehefrau haben, falls der Mann wahlberechtigt war. 

Damit konnten zwar einige Frauen mehr wählen und hatte nicht nur ein passives Wahlrecht, aber das neue Wahlrecht betraf nur wenige Frauen. Diese Situation änderte sich erst im Jahr 1947, in welchen Indien die Unabhängigkeit erlangte – und das auch dank der Hilfe von vielen Frauen. Im Jahr 1949 wurde im Zuge der neuen Verfassung auch festgelegt, dass nun alle Frauen wählen und sich für eine Wahl aufstellen lassen dürfen. In manchen Landesteilen, die bei der Teilung zu Pakistan wurden, mussten Frauen jedoch jahrelang auf das allgemeine Wahlrecht warten. 1950 wurde übrigens erste Frau, die in das nationale Parlament gewählt. 

Sayantani DasGuptas
Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fa/Sayantanidasguptaphoto.jpg

Das Frauenwahlrecht in Indien wird also von starken Frauen beherrscht und um ein starkes junges Mädchen geht es auch in Sayantani DasGuptas (সায়ন্তনী দাশগুপ্ত) fantastischen Jugendbuchreihe. DasGuptas wurde 1970 geboren und wuchs in in New Jersey auf. Sie ist inzwischen Professorin für Medizin. Ihre indischen Wurzeln hat sich nicht vergessen und verarbeitet sie in ihren Büchern. So erzählt “Das Geheimnis des Schlangenkönigs” die Geschichte des Mädchens Kiranmala, die eigentlich nicht an die Geschichten über Prinzessinnen und eine Welt voller Magie glaubt. Aber als an ihrem 12. Geburtstag im Vorgarten ein Rakkhosh steht, ein sabbernder, hungriger Dämon, verändert sich alles. Kiranmala muss lernen, ihren Weg zu gehen und sich selbst zu beweisen, denn die Welt ist nicht so, wie sie erscheint. 

Doch nicht nur in der Fantastikliteratur berichten Autorinnen über starke Frauen. So wird die Literatur zu einem Sprachrohr, um auf gesellschaftliche Missstände hinzuweisen. Meena Kandasamy setzt sich in ihren Werken für den Feminismus und gegen das Kastensystem ein. In ihrem neuesten Roman “Schläge: Ein Porträt der Autorin als junge Ehefrau” erzählt Kandasamys eigene Geschichte. Sie muss sich gegenüber einen Ehemann behaupten, der sie auf seine idealisierte Version einer gehorsamen Frau reduzieren will. Er schikaniert sie und erstickt ihren Ehrgeiz, Schriftstellerin zu werden. Kandasamy macht dabei ihn ihrem Buch deutlich, dass sie beschlossen hatte, sich zu wehren – und zwar so lange bis sie entweder sterben oder ihre Freiheit wieder zurück bekommen kann. 

Damit reiht sie sich in die Reihe von indischen Frauen ein, die für ihre Freiheit und ihre Rechte kämpfen – das war so im Frauenwahlrecht und ist auch heute immer noch so. 

Aufgewühlt verlassen wir Indien und wandern weiter mit Sophie Grossalber nach Südkorea.

Ein Beitrag von Saskia Dreßler

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