Gastbeitrag: Warum Urlaub auch für Autoren wichtig ist von Anna Weydt

Die Schreibfeder der Nornen

Urlaub. Hier lässt man im Idealfall die Seele baumeln, entspannt sich einmal richtig. Ob das nun in weiter Ferne oder im heimischen Garten oder Balkon stattfindet, ist eigentlich egal. Wichtig ist nur, dass man die Gedanken schweifen lässt, sich vom Alltag mit all seinen Problemen und Nichtigkeiten löst und ganz einfach abschaltet. Urlaub ist für jeden wichtig. Warum er auch für uns Autoren sehr wertvoll sein kann, darüber möchte ich heute schreiben.

(Grafik: Elenor Avelle)

Die Frage nach der Motivation

Im Urlaub hat man endlich Zeit. Zeit, sich mit all den Dingen zu befassen, die liegengeblieben sind, die man neben Haushalt, Arbeit und Kindern nicht geschafft hat. Die Liste ist gigantisch und um sie abzuarbeiten müsste die freie Zeit eigentlich doppelt so lang sein, wie angedacht. Eigentlich ist die Motivation da, der Druck etwas zu schaffen wegen der Liste sowieso. Aber irgendwie fehlt es doch an etwas. Woran? An der Motivation.
Leider taucht im Urlaub meiner Erfahrung nach häufig das Phänomen auf, dass ich mir Unmengen von Dingen vornehme, darunter auch viele kreative Sachen, und am Ende nur einen Bruchteil davon überhaupt angehe. Den Rest der Zeit liege ich faul auf der Couch oder fahre zum Strand. Die Motivation hat mich in solchen Momenten einfach im Stich gelassen und das, obwohl ich voller guter Absichten gestartet bin. Woran liegt das?

Zu viel ist zu viel

Nachdem ich einige freie Zeit auf genau diese Weise verbracht hatte und mich zunehmend darüber geärgert habe, dass ich im Urlaub einfach nichts schaffe, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, woran das liegen könnte. Relativ schnell bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mir einfach zu viel vornehme. Nämlich so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll und es deshalb lieber gleich lasse. Gerade für kreative Tätigkeiten brauche ich im Urlaub Raum – um mich darauf einlassen zu können, weil ich ja gerade nicht im Arbeitsmodus bin und Punkt für Punkt meine To-Do-Liste abarbeite. Das ist zwar effektiv und ich arbeite damit in der nicht freien Zeit auch sehr gut, aber irgendwann braucht man davon eine Pause. Weil ich mich innerlich weigere in meiner freien Zeit in diesen Modus zu verfallen, schiebe ich die Arbeit daher von mir weg. Es ist also ein anderes Arbeiten als sonst. Ein Arbeiten, bei dem ich mir mehr Raum gebe und im Zweifelsfall auch einfach weniger schaffe, dafür aber kreativer bin und weniger fest definierten Strukturen folge.

Inspiration

Genau diese Art zu arbeiten ist es dann auch, die mir die beste Inspiration bringt. Meine Gedanken auf die Reise zu schicken und eben nicht das nächste Kapitel, die optimale Charakterentwicklung oder die Deadline vom Verlag im Nacken zu haben, bringt neue Ideen und spannende zukünftige Projekte zu mir. Jetzt stellt sich bestimmt der ein oder andere die Frage: Wieso arbeitest du nicht immer so wie im Urlaub? Das kann ich ganz einfach damit beantworten, dass diese Art des Arbeitens zwar funktioniert, aber nur für eine Weile. Ich brauche die Mischung aus Druck, strukturiertem und geplantem Arbeiten und der Freiheit, meine Gedanken schweifen zu lassen. Beides bringt mich voran und wenn dann noch eine aufregende neue Umgebung dazukommt, kann ich fast sicher sein, dass mir die nächste neue Geschichte schon bald auf der Schulter sitzt.

**Autorin des Beitrags ist Anna Weydt

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