Literarische Weltreise zum Frauenwahlrecht: Finnland

Weltkarte mit Schriftzug Finnland

„Wer einen andern zu sehr bewundert, wird nie richtig frei“, bemerkte der Schnupferich plötzlich. „Das weiß ich.“

(Zitat aus: Geschichten aus dem Mumintal”)
Schwarz-Weiß Bild von Tove Jansson mit Blumenkranz auf dem Kopf 1967

Freiheit lässt sich nur finden, wenn man seinen eigenen Weg geht und sich selbst findet. Diese Weisheit stammt aus dem Buch  “Geschichten aus dem Mumintal” von Tove Jansson. Die Mumins sind mit die bekanntesten Figuren aus der finnischen Kinderliteratur. Die nilpferdartigen Trollwesen leben in dem idyllischen Mumintal irgendwo in Finnland. Die Mumins haben einen kurzen Pelz, einen buschigen Schwanz und sind gute Schwimmer und Taucher. Erfunden hat die Mumins die schwedisch-finnische Schriftstellerin und Illustratorin Tove Jansson, die 1914 in Helsinki geboren wurde und 2001 dort auch starb. Janssons kann dabei als unabhängige Frau gesehen werden, die sich schon früh gegen die Konventionen ihrer Zeit gewendet hatte. So heiratete sie zwar Samuel Besprosvanni, aber ließ sich, ungewöhnlich für ihre Zeit, kurz darauf wieder von ihm scheiden. Berühmt wurde Janssons nicht nur mit ihren Kinderbüchern rund um die Mumins, sondern auch mit ihren Illustrationen. Unabhängig und frei – diese Worte beschreiben die Schriftstellerin und auch die finnische Frauenbewegung.

Moomins Nilpferdähnliche Wesen gezeichnet

Begonnen hat alles mit dem Februarmanifest aus dem Jahr 1899 von Zar Nikolaus II. Durch dieses Manifest konnte Finnland seine Unabhängigkeit von Russland zurückgewinnen. In dieser Zeit des Umbruchs begannen auch verschiedene politische Bewegungen an Macht zu gewinnen. Am einflussreichsten für das Frauenwahlrecht waren vor allem die Arbeiter:innenbewegung und die religiöse Erweckungsbewegung. Bei beiden Bewegungen waren besonders viele Frauen dabei und konnten damit ihren politischen Einfluss stärken. Das Wahlrecht war für diese Gruppen ein zentrales Thema und bereits im Jahr 1897 gab es eine Gesetzesvorlage zur Einführung des Frauenwahlrechts, dessen Verabschiedung aber verhindert wurde. Trotzdem war das Thema immer aktuell, sodass es 1904/05 zu weiteren Debatten kam. Und kaum ein Jahr später, am 01. Juni 1906, wurde das Frauenwahlrecht in Finnland eingeführt – damit war es das erste europäische Land und das zweite Land weltweit, dass das Wahlrecht für Frauen einführte. Damit hatte Finnland eine Vorreiterrolle inne, und die Situationen der Frauen im Land verbesserte sich schnell. Nach diesem Anstoß zogen auch weitere skandinavische Länder nach.

Auch heute noch ist Finnland eines der Länder, in welchen die Gleichberechtigung sehr vorangetrieben wird. Beispielsweise im letzten globalen „Gender Gap“-Gericht des Wirtschaftsforums steht Finnland auf Platz vier. Und auch wird das Land wird seit 2019 von der jüngsten Premierministerin, Sanna Marin, regiert – zusammen mit einer Koalition aus fünf Frauen unter 40.

Von Finnland geht es auf unserer literarischen Weltreise weiter nach Slowenien.

Ein Beitrag von Saskia Dreßler

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