#Nornenschuber „Die Wand“ von Marlene Haushofer im Juli

Schuber mit verschiedenen Büchern

Unsere Lesechallenge unter dem Motto #HiddenFantastik geht weiter!

Im Juni haben wir „Die Wand“ von Marlene Haushofer gelesen.

Buchcover "Die Wand" Frau die verträumt in die Gegend schaut, Schriftzug Schuberbuch Juli #HiddenFantastik

Jol Rosenberg

Das Buch bekam ich von einer Bekannten geschenkt, die meinte, sie verstehe nicht, wieso es so gehyped worden sei, es sei schrecklich bedrückend. Tatsächlich hat sie Recht, was das Bedrückende angeht: Eine Frau, die ganz allein überleben muss, von der plötzlich erscheinenden Wand vom Rest der Welt abgeschnitten. Aber diese Frau hat auch eine unglaubliche Stärke, die mich beeindruckt hat. Sie erlebt andere Menschen als sehr feindselig, was sie einerseits sehr einsam macht – aber auch fähig, die Isolation zu überleben. Folgerichtig ist, als endlich ein Mensch auftaucht, dieser auch eine Bedrohung. Es sind die Tiere, die ihr Halt und Beziehung geben.

Das Buch hat eine unglaubliche atmosphärische Dichte und die Erzählung dieser Frau, die auf niemanden angewiesen ist und keinerlei Hoffnung hat und trotzdem weiterlebt, hat mich sehr berührt. Und auch sehr traurig gemacht.

Catherine R. R. Snow

Es ist schon verdammt lang her, dass ich das Buch gelesen habe. Damals in der Schule hab ich mir das Buch aus einer Liste ausgesucht und es mehr oder weniger etwas widerwillig begonnen zu lesen. Der anfängliche Unmut hat sich jedoch schon nach den ersten Seiten zu einer regelrechten Faszination gewandelt. Es ist eine Sache, Bücher mit einer Vielzahl an Charakteren zu schreiben, sodass für jede:n etwas dabei ist. Aber eine völlig andere, den Weg der Protagonistin zu beschreiben, welche die meiste Zeit des Buches allein mit ihren Tieren ist. Diese Frau ist unabhängig und stark, was mich einfach nachhaltig beeindruckt hat und das Buch immer wieder in guter Erinnerung in mir hervorholt. 

Roxane Bicker

„Die Wand“ ist ein unglaubliches Buch. Auch wenn es ein sehr ruhiges Buch ist, eigentlich gar nicht viel passiert und es keinerlei Dialog gibt, hat mich die Geschichte von der ersten Seite an gefesselt und nicht mehr losgelassen – ich habe das Buch in einem Rutsch an einem Vormittag verschlungen.
Viel bleibt offen in dieser Geschichte. Woher kommt die Wand, was ist draußen passiert, wie groß ist das Gebiet, gibt es noch andere Menschen? Doch es braucht gar keine Erklärung, denn das ist alles nur Rahmenhandlung. Im Zentrum steht die namenlose Frau, losgelöst von der Welt, vollkommen auf sich gestellt und nur die Tiere als Begleitung. Ihr Wachsen und Werden, ihr Sein, ihr Innerstes, schildert das Buch auf ganz großartige Weise. Man kann das Heu riechen, die Katze schnurren hören und steht nass im Regen.
Eine eindringliche Schilderung eines Lebens, eine Dystopie, ein Psychogramm, alles – und doch nichts davon. Das Buch ist wie ein Sog, das einen hineinzieht und so schnell nicht wieder loslässt. Mehr als beeindruckend und eine unbedingte Lese-Empfehlung. 

Jasmin Engel
Für mich persönlich war “Die Wand” das beeindruckendste Buch, das ich seit bestimmt fünf, sechs Monaten gelesen habe. Die Geschichte hat mich sofort gefesselt und ich habe fast jeden Abend mit Spannung darin weiterlesen wollen. Nur fast, da der Roman über weite Strecken hinweg bedrückend und düster wirkt. Manchmal kann man so eine Lektüre gerade nicht gebrauchen. Sie ist vielleicht ebenfalls nichts für Personen, die gerade eine schwermütige Phase in ihrem Leben haben. Auch wenn gerade Einzelgänger*innen oder Außenseiter*innen sich beim Lesen des Romans verstanden und widergespiegelt fühlen könnten. Außerdem alle, die sich lieber mit Tieren als Menschen umgeben.
Sprachlich fand ich “Die Wand” solide und die Atmosphäre wurde stellenweise auf schlichte Weise gut eingefangen. Generell ist der Stil von Marlen Haushofer jedoch nicht mein Geschmack. Es gibt meiner Meinung nach auch zu viele Wortwiederholungen. Interessant ist natürlich, dass die gesamte Geschichte in einem Fluss erzählt ist, ohne in Kapitel unterteilt zu sein. Zudem, dass es so gut wie keine Dialoge gibt. Das entspricht so gar nicht den gängigen heutigen Romanen, bei denen die Kapitel immer kürzer werden und die Romane stetig mehr Raum einnehmen. Diesen Aspekt von “Die Wand” mag ich sehr, denn Mini-Kapitel und fast nur Dialoge lese ich ungern in Romanen.
Fazit: “Die Wand” ist zurecht ein Klassiker geworden, den ich empfehle.

Elenor Avelle

“Die Wand” hat mir gut gefallen. Im Grunde passiert in der Geschichte nicht wirklich was. Action ist so gut wie keine vorhanden, das Leben lebt sich selbst. Allerdings steht so viel zwischen den Zeilen, dass es wunderbar zu lesen ist. Der Stil erinnert mich sehr an Frankenstein und ähnliche Arten von Erzählungen. Er wirkt etwas antiquiert, aber nicht kompliziert. Dadurch, dass es so gar keine Kapitel gibt, ist es manchmal schwer einen Absatz für Pausen zu finden. Aber das passt gut zu dem gefühl tatsächlich einen Erfahrungsbericht auf losen Zetteln zu lesen, der bei kerzenschein zusammengetragen wurde.

Schwer zu ertragen waren die tragischen Ereignisse, die hauptsächlich aus dem Sterben diverser Tiere bestehen. Doch sie sind abzusehen, kommen nicht unerwartet und gehören dazu.

Das Ende war dann sehr abrupt und ohne irgendwelche Fragen zu klären. Das störte mich aber auch nicht.

Diandra Linnemann

“Die Wand” von Marlen Haushofer kannte ich gar nicht, bis es in der Hidden-Fantastik-Liste auftauchte – jetzt möchte ich unbedingt mehr von dieser Autorin lesen.

Einige Nornen haben bemerkt, in dem Buch passiere nicht viel, aber da möchte ich widersprechen. Dass alles, was passiert, so nebensächlich wirkt, liegt meiner Meinung nach an der sehr nüchternen und sachlichen Sprache. Die Erzählerin neigt nicht zu Gefühlsausbrüchen oder wilden Abenteuer-Abschnitten – wieso auch? Schließlich ist das Buch im Tagebuchstil (im weitesten Sinne) geschrieben, da halten sich die meisten Leute mit Spannung ein wenig zurück. Man muss also sehr genau aufpassen, wenn man mitbekommen will, was passiert: Wanderungen in andere Teile des Tals, Abstecher hinunter zu der mysteriösen, aber titelgebenden Wand, die Jagd, das Ins-Leben-Treten und  Aus-dem-Leben-Scheiden verschiedener Tiere. Fast noch interessanter sind allerdings die Beobachtungen über die Gesellschaft, die die Erzählerin in Nebensätzen in ihren Bericht einfließen lässt. Ich habe mich an vielen Stellen wahlweise erkannt oder auch ertappt gefühlt.

“Die Wand” ist also definitiv keine leichte Lektüre, aber unbedingt lesenswert.

Was lesen wir im September?

Schriftzug Schuberbuch September #Hiddenfantastik Cover Wicker King
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