Da bleib ich doch lieber bei Märchen! von Anne Zandt

Typisch Weihnachten

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, was für in Deutschland lebende Leute typisch Weihnachten ist?

Ich fragte mich das auch erst, als ich mit zwei Amerikanerinnen genau darüber gesprochen habe. Vor ein paar Jahren habe ich für die amerikanische Reisebloggerin Christa Thompson auf ihrem Blog „The Fairy Tale Traveler“ einen Beitrag dazu geschrieben: Christmas Traditions in Germany. Doch dabei vergaß ich eine essentielle Sache zu beschreiben, die mir erst jetzt, Jahre später und nachdem ich den Artikel nochmal gelesen habe, bewusst wurde. Vor allem durch ein Gespräch, dass ich vor ein paar Wochen mit einer in Deutschland lebenden Amerikanerin führte. Sie erzählte, welche filmischen Traditionen ihre Familie hat und da konnte ich mir diese Reaktion nicht verkneifen:

Da bleib ich doch lieber bei Märchen!

Natürlich: Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Wie konnte mir das nur entgehen?
Mir, die auf ihrem Blog seit zwei Jahren den Märchensommer veranstaltet und mit Märchen aufgewachsen ist? Wie konnte ich sie vergessen? Die unzähligen Wiederholungen von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“? Frau Holle, die nach guten Helfern sucht? Die Schneekönigin, die mehrfach Kai und Gerda entzweit?  Und, und, und, …

Seit die Reihe „Sechs auf einen Streich“ des ARD und die „Märchenperlen“ des ZDF das erste Mal ausgestrahlt wurde, sind wir jedes Jahr auf die neuen Verfilmungen bekannter, aber auch unbekannter Stoffe gespannt. Es ist immer wieder faszinierend, wie die Geschichten, die man zum Teil (vor allem bei Aschenputtel, Schneewittchen und Rotkäppchen) schon in so vielen Variationen gesehen hat, einen trotzdem immer noch verzaubern können.

Aber warum eigentlich Märchen zu Weihnachten?

Das ist eine sehr gute Frage. Als ich die oben titulierte Bemerkung machte, erwiderte meine Gesprächspartnerin, dass Märchen doch für das ganze Jahr sind und ja, da hat sie recht: Es ist das ganze Jahr über Märchenzeit. Doch aus irgendeinem Grund wird gerade in der Weihnachtszeit verstärkt daran erinnert.

Auf den Weihnachtsmärkten hier oben im Norden, die ich seit meiner Kindheit besuche, gibt es immer auch Schaukästen mit Märchenmotiven oder gar interaktive Aufbauten, die dem jungen und alten Publikum die jeweilige Geschichte erzählen. Für uns ist es zumindest Tradition, auch wenn wir sie alle kennen, jedes Jahr aufs Neue an ihnen vorbeizuschlendern und sie zu erraten.

Aber nicht nur Weihnachtsmärkte, auch Einkaufszentren werben mit der Märchenhaftigkeit von Weihnachten in ihren Fluren.

Wie steht es mit eurem Märchenwissen? Könnt ihr sagen, wer sich hier verbirgt?

Viele der Filme und Bücher, die zur Weihnachtszeit erscheinen, haben ein märchenhaftes Flair. Vor allem das Motiv des bürgerlichen Mädchens (aka Aschenputtel), das ihren Traumprinzen findet, erfreut sich noch immer der größten Beliebtheit. Wie sinnig oder unsinnig diese Art von, verzeiht, Schnulzen sind, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Der Punkt ist, wenn die Tage dunkler werden, die Menschen unter dem Tannenbaum zusammenrücken, die Ruhe und Besinnlichkeit einkehrt, dann wird sich nicht nur vom Christkind oder vom Weihnachtsmann erzählt. Nein, dann wandert man mit Rotkäppchen in den finsteren Wald, lässt die goldene Kugel oder die Spindel in den Brunnen fallen. Man feuert den armen Müllersburschen und seinen Kater an, bangt um die Bremer Stadtmusikanten oder ärgert sich über Hans im Glück – Moment, das mache vermutlich nur ich …
Bezwingt den garstigen Zwerg, der die Heimat von Schneeweißchen und Rosenrot erobern will oder hilft Aschenputtel beim Auflesen der Linsen. Man schüttelt mit Frau Holle die Betten und hofft auf eine weiße Weihnacht, kämpft sich mit Gerda bis zum Palast der Schneekönigin, um Kai zu befreien.

Kurzum: Man taucht ein in die Welt der Märchen, denn Weihnachtszeit ist Märchenzeit.

Eure Anne Zandt

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Diandra
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Geht mir ähnlich, zu Weihnachten will ich es immer noch ein bisschen fantastischer haben … und da sind Märchen natürlich genau richtig. ^^