Es war einmal im Märchensommer … (Anne Granert)

Das Jahr 2019 hat gerade angefangen und wir schauen zurück auf literarische Leckerbissen aus dem Jahr 2018. Heute möchten wir euch den Märchensommer von Anne Zandt alias PoiSonPaiNter vorstellen, der im Jahr 2018 zum zweiten Mal stattfand und somit diesen Sommer in die dritte Runde geht.

Die Anfänge 2017

Was der Märchensommer ist und wie es dazu kam, erzählt euch unsere Norne besser selbst:

„Im Februar 2017 erschien der erste Band der Märchenspinnerei und zusammen mit den Märchenbüchern  stapelte sich zuhause der Lesestoff. Spontan beschloss ich dann – in Absprache mit den Spinnerinnen – daraus eine kleine Aktion zu machen. Wobei es in der ersten Runde nur darum ging, dass ich meinen Lesestatus (u.a. als Rezensionen) festhalten wollte. Dazu gesellten sich dann noch Mitmachfragen & Buchvorstellungen, kleine Rätsel, Interviews mit den Autorinnen [zum Beispiel mit unserer Norne Nora Bendzko] und Gastbeiträge [Eva-Maria Obermann und Katherina Ushachov] und eine von der Spinnerei organisierten Rallye.“

Und es wurde noch größer….

In diesem Jahr 2018 streckte Anne ihre kreativen Fühler aus und vergrößerte den Umfang des Märchensommers. Es gab mehr Rätsel [z.Bsp. drei Bilderrätsel von unserer Norne Anne Danck], eine neu gestaltete Rallye und mehr Mitwirkende Autorinnen, mit dabei auch viele unserer Nornen. Die Leserinnen und Leser konnten sieben Wochen lang Beiträge rund um das Thema Märchen lesen und an vielfältigen Aktionen teilnehmen.

Besonders empfehlenswert sind die vielen Rezensionen fantastischer Nornenwerke wie Zarin Saltan von Katherina Ushachov, Kindsräuber von Nora Bendzko, Bärenbrut & Wolfssucht von Nora Bendzko und Magisches Erbe von Anna Kleve.

In spannenden Interviews erfährst du etwas über unsere Nornen und ihre Märchenleidenschaften: Katherina Ushachov,  Laura Kier, Diandra Linnemann, Anna Kleve.

Darüber hinaus gab es in diesem Jahr ein einzigartiges Crossover-Märchen (#CroMär) in sieben Teilen, an dem die Nornen Anne Danck und Anne selbst beteiligt waren.

Im Jahr 2019 wird der Märchensommer in die dritte Runde gehen, denn Poison fasziniert besonders die abwechslungsreichen Beiträge der Gastautorinnen und Gastautoren, wie der Beitrag von Katherina Ushachov aka Evanesca Feuerblut. Hier stellt sie in zwei Teilen den Bezug zwischen den Grimmschen Hexen und Baba Jaga her.

Mehr Infos zur SP-Gruppe Märchenspinnerei, die im Tintenzirkel ihre Wurzeln hat, findet ihr in unserem Nornengestöber und auf Märchenspinnerei.

 

 

Fragefreitag: Wenn du einen Tag in einem Märchen verbringen könntest, welches wäre es und warum?

In ein paar Tagen ist das Jahr 2018 vorbei. Wir Nornen und die meisten Leserinnen und Leser verbringen diese Zeit mit Rückblenden und Vorsätzen. Da kommt dieses kleine Gedankenspiel zur rechten Zeit: In welchem Märchen würdest du gerne einen Tag verbringen und warum? Verratet es uns im #Nornenfragefreitag.

Britta Redweik: Wie hieß das mit dem Goldesel? Da wär ich gern. Einfach etwas Startkapital sammeln. Ansonsten Dornröschen und den M-Kerl von Prinz in der originalen Version von der Vergewaltigung abhalten. Ich würd allerdings gern eine Bratpfanne dahin mitnehmen, geht das?

Diandra Linnemann: „Frau Holle“. Dort würde ich auch glatt einziehen, für immer. Hauptsache, ich darf mein Manuskript mitbringen.

Katharina Rauh: „Hänsel und Gretel“ Ich würde die Hexe überreden, keine Kinder zu grillen und stattdessen immer leckere Sachen zu backen und an die arme Bevölkerung zu verschenken.

EmmaN: Mein Lieblingsmärchen ist aus einem älteren, zerfledderten Buch (1921) mit dem Titel „Kalmückische Märchen“ und lautet: „Wie der Chansohn zwölfmal den Siddhi-Kür holte“. Siddhi-Kür ist ein Toter, den der Prinz/Chansohn aus dem Totenreich entführen soll. Doch der Prinz darf nicht sprechen, sonst entfleucht ihm der Siddhi-Kür wieder und er muss ihn erneut holen. Siddhi-Kür erzählt dem Prinzen immer aufs neue eine anrührende Geschichte, und der Prinz kann nicht anders, als mit den Protas dieser Geschichten mitzufühlen. Und immer, nachdem er doch was zu der gehörten Geschichte gesagt hat, spricht Siddhi-Kür die Worte „In der Welt nicht zu bleiben ist gut“, und entschwindet wieder ins Totenreich. Ich würde gern mit dem Prinzen am Lagerfeuer sitzen und mit von Siddhi-Kür eine Geschichte erzählen lassen (auch, wenn ich danach helfen muss, den Siddhi-Kür wieder im Totenreich aufzusammeln)

Holly Miles: Als Kind liebte ich die Geschichten mit der Baba Yaga. Besonders, wo sie als helfende Hexe auftrat (die aber auch ihre Schattenseiten hatte). In ihren Geschichten würde ich gerne eintauchen.

22.12 – Das Mädchen mit den Streichhölzern (Felicity Green)

Am Himmel zerplatzten immer wieder laut Sterne und fielen wie ein bunter Lichterregen herab. Nein, keine Sterne. Feuerwerk hatte Papa es genannt. Ich hielt den Blick nach oben gerichtet, obwohl mir schon der Nacken wehtat. Aber so musste ich nicht das Mädchen anschauen.
Mein Vater hatte mich fest in den Arm genommen, obwohl er dabei in die Hocke gehen musste, weil Papa so groß war und ich klein. Sonst sagte Papa dann immer, das Knie tat ihm weh. Er hielt mich, wegen der Kälte, und weil er mich trösten wollte. Wegen dem Mädchen.
„Wo bleiben die bloß?“, murmelte er in die Stille hinein. Die waren wohl die, mit denen er vorhin am Handy geredet hatte. Er hatte sich von mir weggedreht und leise geredet, aber ich hatte es trotzdem gehört.
„Kommen Sie schnell! Nein, das Mädchen ist nicht mehr zu retten. Schon ein paar Stunden tot, glaube ich … Sie ist, äh … ganz steif. Aber ich bin hier mit meiner kleinen Tochter. Ich weiß, wir müssen hier auf Sie warten, aber ich würde sie gerne so bald wie möglich hier wieder weg bringen … so ein Anblick … Nein, es gibt niemanden. Meine Mutter, bei der waren wir gerade Sylvester feiern, aber die ist nicht mehr gut zu Fuß … Keiner hier. Nur Geschäfte. Wir wollten durch die Gasse abkürzen, um schnell nach Hause … Ja, wir bleiben hier. Beeilen Sie sich, bitte.“
Jetzt mussten wir eben auf die warten.
„Holen sie das Mädchen ab, Papi?“
„Ja.“
„Bringen sie es heim, zu ihrer Familie?“
Ich schaute jetzt nicht mehr den Himmel, sondern Papa an und er sah traurig aus. „Ich weiß nicht, ob das Mädchen ein Zuhause hat, Maus. Aus irgendeinem Grund musste sie jedenfalls auf der Straße leben.“
Ich wagte einen schnellen Blick auf die nackten, ganz schmutzigen Füße, die unter der dünnen Decke hervorschauten. Wenn sie einen Papa gehabt hätte, dann hätte der geschimpft, dass sie die Füße waschen soll. „Aber wo bringen sie denn dann hin?“
Papa verzog das Gesicht. „Vergiss, was ich gesagt habe, Maus. Ich kann nicht klar denken. Natürlich hat sie eine Familie. Sie finden ihre Eltern und bringen sie zu ihr, ganz bestimmt.“
Obwohl Papa mich immer noch umarmte, wurde mir auf einmal eiskalt, als ich daran dachte, wie das Mädchen ganz allein hier gesessen hatte und vor lauter Frieren gestorben war. Ich zog die Nase hoch und als das nichts half, wischte ich mir mit dem Ärmel über das Gesicht. Papa schimpfte nicht, sondern streichelte meinen Rücken. Dann ließ er mich los, um mir ein Taschentuch zu geben.
„Papa, ihr war soooo kalt.“ Meine Stimme kam ganz heiser aus meinem Hals.
Mein Vater blickte zum Mädchen hinüber.
„Guck mal“, sagte er und zeigte auf etwas neben dem Mädchen. „Ich glaube, es war gar nicht so schlimm für sie. Ich glaube, sie hat die Kälte nicht gespürt. Sie hatte nämlich magische Streichhölzer.“
Ich schaute zu Papi hoch, dann zur Stelle, auf die er zeigte. Vorsichtig machte ich einen Schritt in die Richtung. Jetzt konnte ich sie erkennen. Drei Streichhölzer.
Papa nahm mich wieder in den Arm. „Siehst du, dass sie oben schwarz sind, und nicht rot, wie neue Streichhölzer? Das heißt, das Mädchen hat sie angezündet. Eins nach dem anderen. Und da es magische Streichhölzer waren, konnte sie in dem Licht der Flamme etwas sehen, was sie sich wünschte. Und es war für sie so real, als wäre es da. Bestimmt hat sie sich als erstes einen Kaminofen gewünscht. Da hat es sich angefühlt, als ob der Ofen direkt vor ihr stünde und sie hatte es schön warm.“
Ich runzelte die Stirn. „Das geht?“
Mein Vater nickte heftig. „Mit magischen Streichhölzern schon.“
„Und dann hat sie die Kälte nicht gespürt und es war nicht so schlimm“, sagte ich erleichtert. „Was sie sich wohl mit den anderen Streichhölzern gewünscht hat?“
„Hmmm. Sicher was zu essen. Wenn sie auf der Straße gelebt hat, dann hatte sie nicht viel und war vielleicht hungrig. Da hat sie das zweite Streichholz angezündet und hat einen Tisch voller Speisen gesehen. Und es hat sich so angefühlt, als ob sie sich den Magen mit den leckersten Sachen vollgeschlagen hat.“
„Bestimmt Gänsebraten mit Kartoffelknödeln.“ Die hatte es vorhin bei Oma gegeben und es hatte so lecker geschmeckt. „Und Kakao. Und Schokopudding!“, fiel mir ein.
Ein Tat-Tü-Ta-Ta kam immer näher und es wurde so laut, dass ich gar nicht mehr das Pfeifen und Knallen des Feuerwerks hörte, das jetzt am Himmel zerplatzte. Ganz viele rote und orange Lichter breiteten sich am Himmel aus. Für einen Moment war auch die Gasse, in der wir standen, rot erleuchtet. Und ich sah das Gesicht des Mädchens, das vorher im dunklen Schatten gelegen hatte. In dem Licht leuchtete das Mädchen rot und orange.
Sie sah aus, als ob sie schlief. Sie sah glücklich aus.
„Ich weiß, was das Mädchen mit dem letzten Streichholz gesehen hat, Papi.“
„Ja?“
„Sie hat sich gewünscht, dass ihre Mami vom Himmel kommt und sie abholt. Weißt du, von da oben, im Himmel, wo auch meine Mami ist? Ihre Mami kam auf einem Stern vom Himmel geflogen. Der hatte einen rot-orangenem Feuerstreifen, so schnell war der Stern. Und dann hat die Mami das Mädchen mitgenommen, mit zu sich in den Himmel.“
Mein Vater ging vor mir in die Hocke und nahm mein Gesicht in seine kalten Hände. Er lächelte, aber ein paar Tränen kamen aus seinen Augen. „Genau so war es.“
Ein paar Leute kamen in die Gasse und mein Vater richtete sich auf. „Ah, da sind sie endlich.“ Er wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht. Ich hielt ihm mein Taschentuch hin, aber er sah es nicht, sondern drehte sich den Leuten zu.
Ich glättete das zusammengeknüllte Taschentuch und ging schnell zu dem Mädchen. Ich versuchte ganz arg nicht die dreckigen Füße anzuschauen, als ich mich niederkniete. Vorsichtig hob ich die drei Streichhölzer auf und wickelte sie in das Taschentuch ein.
Dann steckte ich die magischen Streichhölzer in meine Jackentasche.

**Autorin des Beitrags ist Felicity Green

Fragefreitag: Was lest ihr in der kalten Jahreszeit besonders gern?

Wir Nornen beschäftigen uns im Dezember mit Märchen, die für uns irgendwie in diese kalte Jahreszeit gehören. Vor allem um und an Weihnachten haben für viele Leserinnen und Leser Märchen einen besonderen Platz. Aber ist das für alle so? Oder gibt es noch andere Bücher oder Genres, die ihr mit der kalten Jahreszeit verbindet? Verratet es uns im #Nornenfragefreitag.

June Is:  Im Dunkeln ist Grusel natürlich viel grusliger. Daher tendiere ich im Winter eher zu Crime/Mystery/Horror.

Britta Redweik: Gern romantischeres, sanfteres. Bücher, die keine epischen Schlachten haben oder nachdenklich machen, sondern was, bei dem man sich einkuscheln und einfach nur eingelullt wohlfühlen kann.

Katherina Ushachov aka Evanesca: Ich selektiere meine Lektüre nicht nach Jahreszeiten :). Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, genieße ich es, online ein paar frische Gruselgeschichten vorzufinden.

Diandra Linnemann: Im Winter dürfen die Geschichten „epischer“ und fantastischer sein, ruhig mit mehr Drama … Es gibt ein paar Bücher, die ich im Winter gerne noch einmal lese, und die meisten von ihnen sind weiter von der „echten“ Welt entfernt als meine übliche Lektüre. Also eher klassische Fantasy und Märchen(adaptionen).

Barbara WeißLeichte Lektüre, wenn der Unistress winkt und ansonsten gerne düstere Geschichten mit Geheimnissen z.B. klassische Spukhäuser-Geschichten oder historische Romane um Familiengeheimnisse auf alten Herrenhäusern.

Deborah B. Stone: Herzerwärmendes!

Katharina Rauh: Dasselbe wie in der warmen Jahreszeit.

Jasmin Engel: Der Herbst und vor allem rund um Halloween ist meine Lieblings-Zeit im Jahr. Ich würde jetzt keinen Roman lesen, der explizit im Frühling oder Sommer spielt, aber spezifischer wähle ich nicht aus.

Laura Kier: Nichts anderes als sonst auch. Das, was mich gerade anspricht. Und da ist es mir egal, welche Jahreszeit wir haben.

Felicity Green: Ich liebe Halloween und schreibe jedes Jahr eine Kurzgeschichte 🙂 Dieses Jahr habe ich drei meiner Geschichten als „Felicity Greens Halloween-Storys“ herausgebracht. Wer gute Gruselkurzgeschichten kennt – mir weiterleiten, die würde ich gerne lesen 🙂

Eleonore Laubenstein: Tatsächlich bevorzuge ich Sachen, die keine Schnee- und Eisszenarien beinhalten, weil mich’s dann immer sofort friert … lieber schöne Sachen mit warmen Strandtagen, dazu eine heiße Tasse Tee, und die Illusion vom Sommerurlaub ist hergestellt ..

Ela Schnittke: Da mache ich eigentlich keinen Unterschied. Ich lese vielleicht etwas mehr, weil sich zu Hause mit einem Buch einkuscheln, wunderbar ist, aber thematisch gibt es da keine großen Unterschiede … vll etwas weniger Horror …

EmmaN: Lieber Märchenhaftes im Winter. Mit Schnee und kaltem Wetter in der Story.

Da bleib ich doch lieber bei Märchen!

Typisch Weihnachten

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, was für in Deutschland lebende Leute typisch Weihnachten ist?

Ich fragte mich das auch erst, als ich mit zwei Amerikanerinnen genau darüber gesprochen habe. Vor ein paar Jahren habe ich für die amerikanische Reisebloggerin Christa Thompson auf ihrem Blog „The Fairy Tale Traveler“ einen Beitrag dazu geschrieben: Christmas Traditions in Germany. Doch dabei vergaß ich eine essentielle Sache zu beschreiben, die mir erst jetzt, Jahre später und nachdem ich den Artikel nochmal gelesen habe, bewusst wurde. Vor allem durch ein Gespräch, dass ich vor ein paar Wochen mit einer in Deutschland lebenden Amerikanerin führte. Sie erzählte, welche filmischen Traditionen ihre Familie hat und da konnte ich mir diese Reaktion nicht verkneifen:

Da bleib ich doch lieber bei Märchen!

Natürlich: Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Wie konnte mir das nur entgehen?
Mir, die auf ihrem Blog seit zwei Jahren den Märchensommer veranstaltet und mit Märchen aufgewachsen ist? Wie konnte ich sie vergessen? Die unzähligen Wiederholungen von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“? Frau Holle, die nach guten Helfern sucht? Die Schneekönigin, die mehrfach Kai und Gerda entzweit?  Und, und, und, …

Seit die Reihe „Sechs auf einen Streich“ des ARD und die „Märchenperlen“ des ZDF das erste Mal ausgestrahlt wurde, sind wir jedes Jahr auf die neuen Verfilmungen bekannter, aber auch unbekannter Stoffe gespannt. Es ist immer wieder faszinierend, wie die Geschichten, die man zum Teil (vor allem bei Aschenputtel, Schneewittchen und Rotkäppchen) schon in so vielen Variationen gesehen hat, einen trotzdem immer noch verzaubern können.

Aber warum eigentlich Märchen zu Weihnachten?

Das ist eine sehr gute Frage. Als ich die oben titulierte Bemerkung machte, erwiderte meine Gesprächspartnerin, dass Märchen doch für das ganze Jahr sind und ja, da hat sie recht: Es ist das ganze Jahr über Märchenzeit. Doch aus irgendeinem Grund wird gerade in der Weihnachtszeit verstärkt daran erinnert.

Auf den Weihnachtsmärkten hier oben im Norden, die ich seit meiner Kindheit besuche, gibt es immer auch Schaukästen mit Märchenmotiven oder gar interaktive Aufbauten, die dem jungen und alten Publikum die jeweilige Geschichte erzählen. Für uns ist es zumindest Tradition, auch wenn wir sie alle kennen, jedes Jahr aufs Neue an ihnen vorbeizuschlendern und sie zu erraten.

Aber nicht nur Weihnachtsmärkte, auch Einkaufszentren werben mit der Märchenhaftigkeit von Weihnachten in ihren Fluren.

Wie steht es mit eurem Märchenwissen? Könnt ihr sagen, wer sich hier verbirgt?

Viele der Filme und Bücher, die zur Weihnachtszeit erscheinen, haben ein märchenhaftes Flair. Vor allem das Motiv des bürgerlichen Mädchens (aka Aschenputtel), das ihren Traumprinzen findet, erfreut sich noch immer der größten Beliebtheit. Wie sinnig oder unsinnig diese Art von, verzeiht, Schnulzen sind, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Der Punkt ist, wenn die Tage dunkler werden, die Menschen unter dem Tannenbaum zusammenrücken, die Ruhe und Besinnlichkeit einkehrt, dann wird sich nicht nur vom Christkind oder vom Weihnachtsmann erzählt. Nein, dann wandert man mit Rotkäppchen in den finsteren Wald, lässt die goldene Kugel oder die Spindel in den Brunnen fallen. Man feuert den armen Müllersburschen und seinen Kater an, bangt um die Bremer Stadtmusikanten oder ärgert sich über Hans im Glück – Moment, das mache vermutlich nur ich …
Bezwingt den garstigen Zwerg, der die Heimat von Schneeweißchen und Rosenrot erobern will oder hilft Aschenputtel beim Auflesen der Linsen. Man schüttelt mit Frau Holle die Betten und hofft auf eine weiße Weihnacht, kämpft sich mit Gerda bis zum Palast der Schneekönigin, um Kai zu befreien.

Kurzum: Man taucht ein in die Welt der Märchen, denn Weihnachtszeit ist Märchenzeit.

Eure Anne Zandt

18.12 – Apfelkuchen mit Streuseln (Rabea Blue)

Ein schöner roter Apfel, wunderbar saftig. Da hätte sicherlich nicht nur Schneewittchen Lust gehabt, hineinzubeißen. Wie wir alle wissen stellte sich das bei der jungen Prinzessin als äußerst schlechte Idee heraus.
Eine sehr wichtige Frage aus meiner** Sicht ist: Wie hätte Schneewittchen verhindern können, dass ihr ein Stück im Hals steckenbleibt? Und gäbe es eine Möglichkeit, das magische Gift in dem Apfel zu eliminieren?

Folgende Idee möchte ich euch heute vorstellen:

Meine Theorie ist, dass man den Apfel nur klein schneiden und backen müsste, und schon würde keine Gefahr mehr von ihm ausgehen. Da wir heutzutage von klein auf von unseren Eltern gepredigt bekommen, dass wir nichts von Fremden annehmen sollen, würde ich persönlich einen Apfelkuchen backen, sollte eines Tages eine alte Frau vor meiner Tür stehen und mir einen roten Apfel schenken.

Hier ein passendes
Rezept dazu:

Zutaten Teig:
500 g Mehl
250 ml Milch, lauwarm
75 g Butter
75 g Zucker
1 Pck. Hefe
2 Eier

Zutaten für den Apfelkuchen

Zutaten Streusel:
275 g Mehl
175 g Butter
150 g Zucker
1 Pck. Vanillinzucker
1 Prise Salz
1 Eigelb

Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Der Teig ist bereit

Mit dem Knethaken des Mixers die oberen Zutaten für den Hefeteig zirka 15 bis 20 Minuten gut durchkneten. Danach ungefähr 40 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen, zum Beispiel vor der Heizung.
Während der Teig geht, etwa sieben große Äpfel schälen und in Scheiben schneiden.
Nach dem Gehen mit bemehlten Händen den Teig noch einmal gut durcharbeiten. Wieder 10 Minuten gehen lassen.
In dieser Zeit kann man gut die Streusel vorbereiten. Dazu nimmt man die entsprechenden Zutaten und mengt sie gut mit den Händen durch.
Nach dem Gehen den Teig auf einem mit Backpapier ausgelegtem Blech mit einer Rolle ausrollen. Die Apfelstücke in den Teig stecken und gut andrücken. Nun die Streusel mit den Händen auf dem Kuchen verteilen.

Fehlen nur noch die Streusel

Etwa 30 bis 45 Minuten backen beziehungsweise bis die Streusel einen hellen Braunton angenommen haben. Immer mal nachsehen, dass er nicht verbrennt. Bei Bedarf Temperatur senken.
Wer nach der Lektüre von ‚Schneewittchen‘ Äpfeln ganz und gar nicht mehr traut oder sie schlicht und einfach nicht mag, kann nur Streusel auf dem Kuchen verteilen oder einen anderen Belag wählen, wie etwa Pflaumen, Aprikosen, Rhabarber mit Marzipan oder Kirschen.

Gut gebacken?

Viel Spaß beim Ausprobieren – gemeinsam werden wir den vergifteten Äpfeln den Garaus machen. Und lasst euch nicht von Zwergen die Streusel klauen!!

Vorsicht vor den Zwergen!

**Autorin des Beitrags ist Rabea Blue

Märchenhaftes Nornengestöber

Unser Monatsthema im Dezember sind Märchen. Denn wer kennt nicht das Bild des Märchenonkels, der auf dem Schaukelstuhl vorm Kamin sitzt und durch ein Fenster sieht man die weiße Pracht herunter rieseln. Unsere Märchen allerdings haben es in sich – immerhin sind wir auch die Nornen. Also auf zum märchenhaften Nornengestöber.

Autoren Urlaub

Die Emma geht in einem Artikel Märchen-Autorinnen des 19ten Jahrhunderts durch. Lust auf Schauerromantik vom Feinsten? Dann hier entlang.

Märchen sind ja sehr traditionsbewusst. Aber dass es auch Emanzipation im Märchen gibt, zeigt dieser Beitrag.

Unsere Norne Anne Zandt hat auf ihrem Blog nicht nur jedes Jahr einen grandiosen Märchensommer, sondern auch immer wieder tolle Rezensionen. Zum Beispiel die hier von Sabrina Schuhs „Unter schwarzen Federn“.

Das Buch gehört übrigens zur Reihe der Märchenspinnerei, die immer wieder altbekannte Märchen in neuem Gewandt präsentiert.

Auch zur Reihe gehört beispielsweise „Tropfen der Ewigkeit“ unserer Norne Eva-Maria Obermann. Myna Kaltschnee hat sich den Steampunkroman vorgenommen.

Mareike von Crow and Kraken hat auf ihrem Blog eine spannende Liste zum Thema Märchen zusammengestellt.

Ganz frisch erschienen ist „Hexensold“ aus der Feder von Nora Bendzko, die Märchen gerne neu interpretiert. Auf ihrem Blog findet ihr ein leckeres Rezept für Hexensold-Punsch und eine Leseprobe.

Noch mehr Lust auf märchenhafte Leckereien? Bei Kochbuchsüchtig gibt es einen Buchtipp zum Märchen-Backbuch.

Natürlich empfehlen wir hier auch unseren märchenhaften Adventskalender. Eigenen Märchen, Rezepte, Gedichte und allerlei, was mit Märchen zu tun hat, gibt es da. Einfach in Ruhe durchklicken und genießen. Da kann der Märchenonkel sein staubiges Buch wieder einpacken.

15.12 – Legendenjäger (Jule Reichert)

Drei Tropfen Blut fielen in den Schnee. Die Königin schloss die Augen und flüsterte. „Ach hätte ich nur ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz.“ Einmal, zweimal und ein Drittes.
Ihre Worte verhallten in der Stille, ihr Atem gefror auf ihren Lippen. Eisige Kälte liebkoste ihr Ohr. „So sei es!“, wisperte sie.

„Soweit die Legende, Hoheit.“
Benon beobachtete die Königin. Während des Vortrags des Haushofmeisters hatte sie sich nicht von ihrem Spiegel abgewendet. Erst jetzt sah sie Benon an.
Der Haushofmeister klappte das Buch zu. „Der Rest der Geschichte dürfte Euch bekannt sein, Herr.“
„Der Tod der Königin bei der Niederkunft, das liebreizende Töchterlein und die neue Königin?“ Benon lächelte charmant, trat einen Schritt auf Königin Sophia zu und verneigte sich spöttisch. „Zu Euren Diensten, Eure Hoheit. Ich rechne mit einer angemessenen Bezahlung. Doch mit Verlaub …“ Er richtete sich auf. Die Gesichtszüge der Königin wirkten ernst, verrieten aber nicht ihre Gedanken. „Benötigt Ihr wirklich jemanden wie mich, oder nicht eher einen konventionellen Mörder? Glaubt man den Gerüchten, geht es nur um Eifersucht.“
„Glaubt man den Gerüchten, seid Ihr nichts als ein Scharlatan.“ Ihre Worte schmeichelten dem Gehör, Königin Sophies Augen jedoch waren scharfe Klingen, mit denen sie Benon die Kehle aufschlitzen würde, sollte er erneut widersprechen. Ihre fehlende Nachsicht war legendär. Ebenso die beachtlichen Entlohnungen, war sie zufriedengestellt.
Der Haushofmeister hüstelte. „Ihr erhaltet Zugang zu allen Aufzeichnungen Ihrer Majestät.“
Benon nickte, verneigte sich noch einmal vor der Königin und schulterte seine Tasche.
„Ich werde Euch einweisen, Herr …“
„Benon Legenjäger“, entgegnete er dem Haushofmeister. „Doch Benon genügt für diesen Auftrag.“

Benon prüfte den Sitzt seines Lederharnischs und des Langdolches am Gürtel. Zur Zeit mehren sich im Reichsforst Angriffe von Tieren. Tiere, die ohne Grund töteten, als seien sie wild geworden; oder menschlich. Königin Sophie hatte Benon zum Waldhüter ernannt – und ständigen Begleiter ihres Stiefkindes bei seinen ausgiebigen Walderkundungen. Das Mädchen war vernarrt in Tiere, schenke den meisten Menschen jedoch wenig Aufmerksamkeit. Zurückhaltend, gesegnet mit großen Augen und einem Blick, der einjedem das Herz aus der Brust riss, hatte Benon niemanden gefunden, der schlecht über es sprach. Noch ein paar Jahre und sie konnte jeden Mann um den Verstand bringen.
Schneewittchen wurde sie von allen genannt, denn selbst bei Eis und Schnee verbrachte sie ihre Zeit außerhalb des Schlosses. Niemand nannte sie bei dem Namen, den ihr ihre Mutter bei der Geburt gegeben hatte: Gerlinde.
Ihre Aufmerksamkeit auf den Boden gerichtet, kam Schneewittchen aus dem Stall. Stroh hing in ihren Haaren.
Es war an der Zeit. Er wusste, was hinter dem Mädchen steckte, welche Legende er beauftragt war zu töten. Benon erhob sich. „Da seid Ihr ja, Schneewittchen.“
Schneewittchens Blick folgte etwas, dass zwischen ihren Füßen davonhuschte, als Benon näher trat. Erst dann sah sie ihn mit ihren dunklen Augen an und lächelte ein sanftes Lächeln.
Wohlbefinden erfüllte Benons Brust und er erwiderte ihr Lächeln. Vertrauen zu erschleichen gehörte zu seiner Berufung – und zu ihrer Natur. Ob Mensch oder Tier, alle vertrauten ihr. Benon räusperte sich. „Ich fand eine Fuchsfamilie in den Wäldern. Ich dachte, Ihr würdet sie gerne sehen.“
Schneewittchens Lächeln entschwand. „Ehe Ihr sie beseitigt?“
„Sie töten die Hühner der Bauern.“
„Ich weiß.“ Sie senkte den Kopf, erneut lächelnd. „Ich werde mich umziehen.“
Auch dieses Lächeln kannte Benon. Es entsprang dem Gedanken an die Jagd.

Schneewittchen erschien in Reitkleidung. Das Wams hob ihre ersten Rundungen hervor, den Mantel darüber trug sie offen. Behände stieg sie auf ihr Pferd. Die Jägerin, die hinter den weichen Gesichtszügen steckte, erkannte Benon jetzt auch in ihren Augen: Dunkel wie ihr Innerstes und dürstend nach Tod.
Benon wählte einen Weg in den Forst abseits der Straße. Sie folgten dem Pfad, den er bereits vor Tagen in das undurchdringliche Dickicht geschlagen hatte.
Nach Stunden erreichten sie eine Lichtung. Felsen säumten den Flusslauf, die letzten Strahlen der Zwillingssonne funkelten auf dem Wasser. Sie ließen die Pferde an Waldrand zurück und gingen dem Fluss entgegen.
Benon hielt sich hinter Schneewittchen. Leise zog er seinen Dolch.
Nach wenigen Schritte blieb Schneewittchen stehen und schaute über die Schulter. Dann sah sie hinab und verharrte, bewegungslos. „Was habt Ihr vor?“
„Meinen Auftrag erfüllen, Hoheit.“ Benon lächelte und trat an den Bannkreis heran, der sie aufhielt. „Ihr gehört nicht in diese Welt.“ Ohne Schneewittchen aus den Augen zu lassen, intonierte er ein Gebet an die Zwillingsgötter. Leuchtende Runen stiegen um ihre Beine auf, summten und knisterten. Die Magie des Bannkreises wirkte.
Schneewittchen riss die Augen auf. Leuchtende Runen umkreisten sie. Sie schlug die Arme vor ihr Gesicht und schrie. Der Schrei durchfuhr den Forst, bohrte sich in Benons Gehör. Schmerz lähmte seine Zunge. Dann herrschte völlige Stille.
Blut rann aus seiner Nase, sammelte sich über seiner Lippe und tropfte zu Boden. Das Mädchen, das soeben ängstlich vor ihm gekauert hatte, stand nun aufrecht vor ihm. Haare und Kleidung flatterten in einem nicht spürbaren Wind, die Runen waren erloschen. Allein ihre Augen glühten rot wie Blut.
Benon betete erneut, doch seine Ohren waren taub. Etwas bewegte sich im Unterholz. Schatten schlichen aus dem Dickicht. Füchse und Dachse, Mäuse uns Kaninchen, Eulen und Greifvögel; sie alle kamen mit gefletschten Zähnen und gewetzten Klauen.
„Oh, Ihr Zwillinge, helft!“, keuchte Benon. Schneewittchens Macht war erwacht. Das Blut hatte den Bann gebrochen, ihr dunkles Innerstes nach außen gekehrt. Sein Blut.
Die Tiere umkreisten ihn. Ihre Augen glühten ebenso rot, wie die Schneewittchens.
„Benon der Jäger, du warst immer gut zu mir. Was nötigte dich zu deiner Tat?“
Obgleich er keinen anderen Laut hörte, hallten ihre Worte vielstimmig in seinem Kopf wider. Er presste sich die Hände an den Kopf, seine Beine zitterten. „Die Königin wünscht Euren Tod …“
„Sodann richte ihr meinen Tod aus und geh!“ Ein Donnerschlag fuhr durch seinen Schädel, gefolgt von wohltuender Finsternis.
Er erwachte alleine auf der Lichtung. Behutsam erhob er sich. Er war gescheitert. Die größte ihm bekannte Legende vermochte er nicht zu bezwingen.

**Autorin des Beitrags ist Jule Reichert

Fragefreitag: Welche Märchenelemente habt oder wollt ihr mal in euren Geschichten verwenden?

Als eine alte Textgattung erzählen uns Märchen schon seit Jahrhunderten von wundersamen Begebenheiten. Auch Feen als Märchengestalten sollen ihren Ursprung in den Nornen haben. Habt ihr schon einmal Märchenelemente in euren Geschichten verwendet? Wollt ihr das tun? Welche sind es? Verratet es uns im #Nornenfragefreitag.

Maelle: Die Weise Frau ist ein Topos, der mir immer wieder begegnet ist und mich jedesmal aufs Neue fesselt – und in meinem Debutroman haben sich die Weisen Frauen doch glatt als erstes hineingedrängt.

June Is:  Verzauberungen, Verwünschungen, Prophezeiungen und deren Sprengung 😉

Britta Redweik: Mir haben es in Mittelalterliedern die bleichen Frauen oder Männer im Wald angetan, die junge Menschen vom Weg locken, auf dass sie nie wieder gesehen waren. Ich habe mal einen eigenen Liedtext dazu geschrieben und würde den gern eines Tages in ein Märchen umwandeln.

Katherina Ushachov aka Evanesca: Ich habe bereits das sprechende Tier und die Erlösung durch Warten und Einhalten des richtigen Zeitpunkts. Auch schon mit Verwandlungen und Gegenständen in viel zu kleinen Behältern. Was ich in Zukunft mache? Wer weiß!

Diandra Linnemann: Mein jüngstes Projekt ist voller Märchenelemente – kein Wunder, es spielt in der Märchenwelt hinter den sieben Bergen. Das einzige, was ich nicht so recht unterbringen konnte, war „Der eiserne Heinrich“, und das tut mir leid. Vielleicht kriegt der eine eigene Geschichte, wenn es zeitlich passt.

Barbara Weiß: Banshees – bzw. Geister, die den Tod ankündigen. Die gibt es in Mythologie und Märchen haufenweise und ich habe viele Gespenster in meinen Geschichten, aber meistens treten sie direkt auf und nicht symbolisch.

Deborah B. Stone: sprechende Tiere!

Katharina Rauh:: Den besonderen Sprachstil.

Jasmin Engel: Seltsame Wesen, die halb verborgen genauso in dieser Welt leben wie die Menschen, fand ich schon als Kind faszinierend und baue sie gerne in meine Kurzgeschichten ein; überhaupt das Wundersame, dem nüchternen Menschen nicht so leicht Zugängliche.

13.12 – Heute back ich, morgen brau ich … – Rezension (Diandra Linnemann)

Koch-Erlebnis: Heute back ich, morgen brau ich … Eine kulinarische Märchenreise (Anna und Annie Pavlowitch)

Es war einmal … ein Plan. So fangen nicht nur die Märchen an, sondern auch mein Koch-Erlebnis. Eigentlich wollte ich bei der Buchbesprechung von „Heute back ich, morgen brau ich“ alles richtig machen und ein opulentes mehrgängiges Mahl auf den Tisch bringen. Mit Deko, versteht sich. Jedoch kam, wie im Märchen, alles anders als geplant. Sozusagen märchenhaft Kochen unter erschwerten Bedingungen.

Kocherlebnis mit Anna & Annie Pavlowitch

Aber zuerst zum Buch: „Heute back ich, morgen brau ich“ ist ein Kochbüchlein. Es passt in die meisten Handtaschen. Das bedeutet aber nicht, dass es schlecht ist! Auf knapp hundertsechzig Seiten findet man kleine Geschichtchen, Deko- und Menütipps und mehr als fünfzig Rezepte für jeden Geschmack. Es stand bereits eine ganze Weile in meiner Sammlung, aber die Gelegenheit, über Märchen zu schreiben, ohne selbst zur Märchentante zu werden, wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Kurbissuppe

Anna & Annie Pavlowitch sind ein Mutter-Tochter-Gespann, das sich bei diesem Buch zum Ziel gesetzt hatte, mit einfachen Mitteln zauberhafte Gerichte zu kreieren. Und das ist auch gelungen. Die meisten Rezepte kommen mit Zutaten aus, wie man sie in jedem Supermarkt bekommt, und sind innerhalb kurzer Zeit nachgekocht – auch wenn man nicht viel Erfahrung in der Küche hat.

Socca: Kichererbsen-Pfannkuchen

Tja, statt meines Sonntags-Mahls wurden es schließlich mehrere einzelne Mahlzeiten mit märchenhaften Elementen: Kichererbsen-Pfannkuchen (Socca), Hähnchen-Taler mit gewürzter Panade, Orangenschaumspeise, Kürbissuppe mit Maronen und die Mascarpone-Brie-Creme konnte ich ohne großen Aufwand innerhalb einer Woche ausprobieren. Das spricht vor allem für die Einfachheit der Rezepte – und mein Partner, der sich bei kulinarischen Experimenten mitunter ein wenig ziert, war voll des Lobes für die Speisen, die ich auf den Tisch zauberte!

Walnuss-Käsecreme

 

Übrigens gibt es nicht nur „ausgewachsene“ Rezepte, sondern auch kleine Appetit-Ideen zu allen Themenbereichen, die sich leicht umsetzen lassen.
Nach dieser Woche habe ich natürlich Blut geleckt und möchte noch diverse Rezepte nachkochen. Einige, wie die frittierten Zucchiniblüten oder der Sonnenwein, müssen noch auf die passende Jahreszeit warten, aber den Nusskuchen beispielsweise bringe ich die Tage einfach mal mit ins Büro. Wenn mich da unterwegs nur nicht der böse Wolf vom Weg abbringt … ^^

Orangenblutenwasser-Schaum

**Autorin des Beitrags ist Diandra Linnemann