Nornengestöber über schreibende Frauen

Ihr Lieben, diese Woche waren wir hoch empört. Die Wikipedia Liste der deutschen Sci-Fi Schriftstellerinnen sollte gelöscht werden. Sie wäre redundant und unnötig, den es gäbe ja schon die Liste für Autoren. Viele, die sich sonst beim generischen Maskulin mitgemeint glauben, haben plötzlich gemerkt, dass diese Liste eben doch wichtig ist, dass es um Repräsentation geht. Und Autorinnen werden immer noch gerne unter den Teppich gekehrt. Darum geht es in der heutigen Nornenstöberrunde um Schreibende Frauen.

Wer von der Debatte nichts mitbekommen hat, mag vielleicht bei Vice nachlesen, wo die Diskussion mittlerweile auch gelandet ist.

Dass nicht nur Autorinnen, sondern auch gerne Ehefrauen kleingemacht werden, um ihre Männer hervorzutun, ist leider immer noch aktuell. Kürzlich erst twitterte Stephen King, wie empört er und seine Frau Tabitha seien. In medialen Berichten über eine Spende, die beide gemacht und Tabitha, die selbst Autorin ist, vorgeschlagen hatte, wurde sie zur „Ehefrau“ degradiert. Auch die Geschichte kennt haufenweise Frauen, die hinter ihren Männern verschwunden sind. Der Comic von Liv Strömquist setzt sich damit auseinander.

Zoë Beck hat im NDR über eine Frauenquote in der Literatur gesprochen. Klingt abwegig? Lest hier nach, dann seht ihr das vielleicht anders.

Nicht nur beim Schreiben, auch beim Inhalt ist Geschlecht leider durchaus von Bedeutung. Der Standard hatte kürzlich einen tollen Beitrag, warum sogenannte „Frauenthemen“ als Randgruppe behandelt werden.

Leider ist die systematische Benachteiligung von Frauen im Literaturbetrieb weder Seltenheit, noch ein nationales Problem. Siri Hustvedt, US-Amerikanerin, schreibt gegen diese Ungerechtigkeit an.

Wikipedia entschloss sich übrigens dafür, die Liste zu behalten, aber SP-Autorinnen davon zu streichen. Warum?, fragen wir. Wie viele Bücher in einem Publikumsverlag muss frau denn geschrieben haben, um relevant zu sein? Und haben wir 2019 nicht längst gemerkt, dass Selfpublishing großartige Möglichkeiten für großartige Bücher bietet? Splitter der Nacht beispielsweise von Katrin Ills, das bei Bluesiren rezensiert wurde.

Und natürlich freuen wir uns sehr, an der Stelle auch noch einmal auf zwei Nornenbücher zu verweisen, die auf der Shortlist des Indi-Seraph stehen. Nora Bendzkos Hexensold und Stella Delaneys Das Leuchten am Rande des Abgrunds.

Frisch gestartet ist übrigens die #WirlesenFrauen Challenge von Eva-Maria Obermann. Sie hat sich zwölf Aufgaben überlegt, um gemeinsam innerhalb eines Jahres mehr Autorinnen zu lesen.

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