Autoren Urlaub

Reihe: Was ist das eigentlich – Selbstlektorat? Kann man das essen? Teil 2 – Nutze die Fähigkeiten deiner Testleser bestmöglich

Deine Testleser haben Stärken und Schwächen. Wie jeder andere Mensch auch.

Hast du ihnen bisher dein Manuskript in die Hand gedrückt und viel Spaß damit gewünscht? Hast du zusätzlich tausend Fragen versendet? Eine Ankreuzliste mitgegeben?

Wie auch immer. Ich zeige dir heute, wie ich gelernt habe, das bestmögliche aus ihnen herauszuholen und für mich zu nutzen.

Ich habe all das versucht und mit schlotternden Knien die Antwort erwartet. Dann wunderte ich mich, warum sie so kurz ausfielen oder weshalb sie gar nicht das enthielten, was mir wichtig war. Außerdem habe ich mich gefragt, warum alle Testleser*innen mir teilweise völlig unterschiedliche Meinungen mitteilen.

Ich habe mir die Haare gerauft und bin in ungeformter Kritik ertrunken. Glückwunsch, Siiri.

Mach es besser!

Das ist meine Erklärung zu dem Dilemma: Jeder liest anders. Unterschiedliche Testleser haben unterschiedliche Fähigkeiten. Diese können angeboren oder erarbeitet sein, zumeist werden sie von den Leser*innen gerne genutzt. Finde diese Fähigkeiten!

Mein Mann (IT-Administrator) hat mir eines Tages einen Tipp gegeben, den ich niemals vergessen werde: Teile und herrsche.

Okay.

Ich sah ihn naserümpfend an. Seine IT-Augen glänzten und er erzählte. Es dauerte einen Moment, bis ich die Idee greifen und sie auf das Selbstlektorat und meine Testleser*innen anwenden konnte.

Es ist so simpel!

Ich stelle dir im Folgenden vor, wie du dieses Prinzip auf deine Testleser UND das Lektorat anwendest. Du bringst damit Struktur, Übersicht und Professionalität in deine Arbeit.

Reden wir zuerst über die Testleser:

Gib deinen Testlesern einen kurzen Ausschnitt, nicht den gelungensten. Ich weiß, du willst Eindruck schinden, gut dastehen und so. Aber seien wir doch mal ehrlich.

Was bringt es dir, deinen besten Text abzugeben und dafür ein paar lasche Korrekturvorschläge zu bekommen?

Du wirst nicht auf deine tatsächlichen Schwächen hingewiesen. Du wirst nicht so sehr daran wachsen, wie es möglich gewesen wäre. Also gib deinen Testlesern einen mittelguten Text.

„Was? Wieso jetzt mittelgut? Ich will doch viel Feedback! Ich gebe ihnen einen Rohtext.“ So könnte dein Einwand lauten.

Nimm einen Text, den du bereits bearbeitet hast. Du willst doch keinen Schund abgeben!? Damit könntest du deine Leser*innen vergraulen.

Nimm deine Testleser ernst!

Deine Testleser sind wertvolle Perlen, die ihre Zeit damit verbringen, dir Feedback zu geben. Sie möchten, dass du dich entwickelst, an ihrer Kritik wächst. Deshalb investieren sie ihre Zeit, ihre Geduld und ihre Fähigkeiten.

Nimm einen Text, bei dem du Potential siehst. Sei mutig!

Nimm die goldene Mitte.

Reden wir über die Stärken und Schwächen deiner Testleser*innen. Wir erinnern uns: Sie lesen unterschiedlich.

Was macht dein*e Testleser*in mit deinem Textschnipsel vom Anfang selbstständig? Ohne Liste, ohne Anleitung, ohne alles. Oder er*sie macht alles, nur nicht das, was du wolltest?! Was ist es?

Wirst du um mehr Beschreibung gebeten? = visuelle*r Leser*in

Findet er*sie Plotfehler-/löcher? Bemängelt er*sie dein*e Charaktere? = logisch veranlagt

Werden deine Formulierungen umgestellt/kritisiert? = sprachlich begabt

Hier kommen die ersten beiden Phasen des Lektorats ins Spiel.

Du hast einen Roman/Text verfasst. Im ersten Durchgang sind da womöglich ein Haufen Plotlöcher, Charakterfehler, nicht spannende Spannungsbögen und vor allem eine furchtbare Sprache (wenn du alles in einem Rutsch runter schreibst, wie ich). Wenn nicht, besteht diese Möglichkeit trotzdem. Willkommen in der Realität.

Natürlich setzt du dich fleißig daran, alles aufzufüllen, zu glätten, umzuschreiben und schön zu machen. Sehr gut!

Mach das so lange, bis du denkst, du kannst nichts mehr finden. Beachte jedoch, dass du dich damit beim ersten Buch auch gut und gerne mal ein paar Jahre im Kreis drehen kannst. Das kann daran liegen, dass du die Formulierungen stets verbessern und vor allem perfektionieren willst.

Das ist die falsche Herangehensweise!

Denke nicht, dass du alle Fehler ausmerzen musst, um deinen Text abgeben zu können. Wenn du das Groblektorat abgeschlossen hast und alle Unstimmigkeiten beseitigt sind, ist es Zeit für ein Feedback.

Tipp am Rande: Manchmal stecke ich als Autorin in einem Loch. Ich schwimme gegen einen endlosen Strom an, der mich stets zurück an die Klippen spült. Auch hier könnte ein Feedback hilfreich sein. Es gibt aber auch andere Gründe.

Manchmal habe ich den Überblick verloren, eine Schreibblockade oder brauche schlicht Entspannung. Manchmal langt es aber auch, einem lieben Menschen ein Kapitel zu geben, um mal wieder zu hören, dass ich das gut mache.

So nutzt du die Fähigkeiten deiner Testleser*innen, die visuell lesen und/oder logisch denken. Sie helfen dir, den Roman in eine Form zu bringen.

Visuell Lesende und logisch Denkende sind perfekt für das Groblektorat geeignet. Sie spüren all das auf, was zuerst in einem Manuskript verbessert werden muss.

Durch eine Aufteilung des Lektorats verhinderst du ständiges neu schreiben gepaart mit zeitraubenden Neuformulierungen.

Gemeinsam mit deinen Testleser*innen kannst du folgende Liste abarbeiten. Haltet euch dabei NICHT mit Formulierungen auf! Es kann sein, dass du deine wunderschönen Formulierungen killen musst. Ja. Kill your Darlings! *aaargh* Moment … Ich spüre den Schmerz …

Weiter im Text

Das könnte deine private To-Do-Liste des Groblektorats sein

– die Figuren sind dreidimensional, überzeugend und glaubhaft

– Leser können sich mit der Hauptfigur identifizieren/können eine Verbindung zu ihm*ihr aufbauen

– die Figuren entwickeln sich

– Spannungsbögen genutzt und ausgebaut

– Genre gewissenhaft gewählt und ersichtlich (kein Genre-Matsch!)

– roter Faden ersichtlich

– Handlung glaubwürdig

– Szenen bauen sinnvoll aufeinander auf

– Perspektive bestmöglich gewählt und korrekt umgesetzt

Dann hast du ein gutes Groblektorat hinter dich gebracht und kannst getrost zum Feinlektorat übergehen.

Wenn du dich während dem Schreiben stets allem widmest, wirst du nie vom Fleck kommen. Du handelst dir mehr Blockaden ein, deine Schreibpausen werden größer und deine Lust auf dein Manuskript wird stets kleiner.

Achte auf die Phasen des Lektorats! Diese bauen strukturell sinnvoll aufeinander auf. Damit machst du nicht zu viel und nicht zu wenig.

Nutze für das „optimale“ Lektorat die Stärken deiner Testleser und drücke ihnen nichts auf, was sie nicht können. Sie werden sich bei dir wohl fühlen, wenn du ihre natürlichen Möglichkeiten schätzt. Lass sie ihre Fähigkeiten ausleben. Und vergiss nie, dich dafür zu bedanken. Zum Beispiel mit einem Blumenstrauß. Oder einer Schachtel Pralinen.

Oder mit etwas völlig Klischeefreiem. 😉

Am 24.09.2018 geht es auf meiner Webseite – https://siirisaunders.wordpress.com/ – mit der Reihe „Selbstlektorat“ weiter. Ich erkläre euch die einzelnen Phasen des Lektorats.

Zusammenfassung

  • Teile und herrsche! Sortiere deine Arbeit in Phasen. Du verhinderst das Drehen im Kreis, arbeitest produktiver und erzeugst höhere Qualität.
  • Nutze das Potential deiner Testleser. Unterteile sie in drei Kategorien: visuell, logisch, sprachlich und gehe mit „Visuell/Logisch“ an das Groblektorat und mit „Sprachlich“ an das Feinlektorat und Korrektorat.

 

Ich danke dir für den Aufruf. <3

*Autorin des Beitrag ist Siiri Saunders

P.S. Kennst du noch andere Stärken, die uns helfen, unsere Testleser „einzusortieren“? Schreib sie gerne in die Kommentare.

 

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Reihe: Was ist das eigentlich – Selbstlektorat? Kann man das essen? Teil 1 – Testleser finden und behalten

Nein, ist die erste klare Antwort. Leider nicht.

Willkommen zu meiner Reihe „Selbstlektorat“. Man kann es nicht essen, dafür aber wunderbar erklären. Ob es mir geglückt ist oder nicht, darfst du gerne in die Kommentare schreiben. Dies ist der erste von zwei Teilen, die auf der Webseite des Nornennetzes erscheinen.

Testleser – Groblektorat, Feinlektorat, Korrektur, Tipps und Tricks – darum geht´s in dieser Blog-Reihe und wie du es schaffen kannst, die verschiedenen Phasen eines Lektorats umzusetzen. Egal, ob du Selfpublisher bist oder dich für Agenturen und Verlage bewerben möchtest. Ein Lektorat ist für jeden Text unerlässlich! Denn …

Du kannst es nicht alleine schaffen. Wenn du dein Manuskript mehrfach durchgearbeitet hast, wirst du Testleser brauchen. Gute Testleser.

Wie findet man gute Testleser? Wenn du deinen ersten Roman geschrieben hast, vielleicht sogar den ersten Text, wirst du dich nicht zu einer Testleserunde auf einer öffentlichen Leseplattform anmelden. Völlig verständlich und mein klarer Ratschlag!

Das geht schief.

Du hast Familie und Freunde. Beschränken wir uns auf diese. Menschen, die dich und deine Weltsicht kennen, sie womöglich mögen und dir erste gute Ratschläge geben können.

Innerhalb deiner Familie und deines Freundeskreises kannst du lernen, kritikfähiger zu werden, von dir abweichende Meinungen zu akzeptieren oder auch, wie du einen Ratschlag galant ausschlagen kannst. Übrigens, das musst du nicht einmal. Bedanke dich und setze die Ideen um, die dein Manuskript stärken.

Falls jemand daneben gegriffen hat, der Tipp dein Manuskript also verschlechtern würde – poltere nicht drauflos. Gib dir Zeit, darüber nachzudenken.

Wie ist deine Beziehung zu der Person? Angespannt? Kritisch?

Das wird dich wehrhafter machen.

*Übertreibung* Glaubst du der Person jedes Wort? Dann musst du überdenken, ob der Rat deiner Geschichte hilft oder ob du Streit vermeiden möchtest.

Was deiner Geschichte hilft und was nicht, erfährst du im Teil „Selbstlektorat“, die am 24.09.2018 auf meiner Homepage erscheint.

Manche Autor*innen werden dir von Freunden und Familie abraten und dich an Plattformen, entfernte Bekannte oder gar ein Lektorat empfehlen.

Persönlich habe ich – als Anfänger – gute Erfahrungen damit gemacht, Kritikluft innerhalb der Familie und Bekanntschaft zu schnuppern. Ich war unerfahren und brannte für meinen Protagonisten. Hätte mich jemand hart oder gar boshaft kritisiert, wäre ich stumm umgefallen.

Mein Text war mein Baby. Filín war perfekt und die Welt in meinem Kopf vollkommen. Genau – in meinem Kopf.

Das ist der Punkt, an dem Kritiker ansetzen könnten – und natürlich auch dürfen. Immer her mit euren Erfahrungen und Meinungen. Natürlich habe ich bemerkt, dass meine Familie und Bekannte behutsamer mit mir umgegangen sind.

Sie haben mir nicht nach dem Mund geredet oder rosa Herzchen in mein Manuskript gemalt. Die Kritik hätte dennoch ausgedehnter sein können. Also bat ich sie in einer weiteren Testleserunde um konstruktive, schonungslose und ehrliche Kritik.

Ich konfrontierte sie mit meinem Gedanken, dass ich das benötigte und nur das mich weiterbringen konnte. Auf manche Leser*innen musste ich einreden. Ich spürte ihre abwehrende Haltung, meinen Text genau unter die Lupe zu nehmen und mir alles zu sagen, was ihnen auffiel. Das Gespräch half.

Im Nachhinein weiß ich, dass ich ihnen den Maulkorb des Anstands abgenommen habe. Sie trauten sich mehr.

Niemand von ihnen war professioneller Schreiberling oder hatte ein abgeschlossenes Studium in Germanistik. Sie alle einte eines – sie liebten das Lesen. Sie wussten, was sie wollten. Und das sollten sie mir gefälligst schonungslos beibringen.

Die Kritiken konnte ich wunderbar nutzen. Ich habe geweint, geflucht, mich gewehrt, mit ihnen diskutiert und mich beruhigt. Alleine.

Alleine! Das ist der springende Punkt. Ich war bei alldem in meinem stillen Kämmerlein. Ich habe sie nicht mit meiner Meinung behelligt oder gar angefangen, mit den Testleser*innen zu diskutieren. Erlaubt waren Nachfragen meinerseits: Wie war das gemeint? Soll ich das so oder so versuchen? Ich stelle mir das so vor …

Aber erst, wenn ich mich beruhigt hatte!

Wenn du mit deinen Testlesern diskutierst, wirst du sie verprellen. Wenn du dich rechtfertigst, nach dem Motto: „Ja, aber das steht doch da“, wirkst du unprofessionell.

Mag sein, dass du etwas dahin geschrieben hast. Wenn deine Leser es nicht verstehen, bist du in der Pflicht, deine eigenen Worte kritisch unter die Lupe zu nehmen und ggf. zu verbessern.

Das tut weh, es ist furchtbar und dennoch wichtig. Viel wichtiger als dein Ego. Deshalb: Frage nicht in der heißen Phase nach, verhandle nicht. Nimm dir Zeit, die Kritik zu verdauen. Schau erneut darauf. Bitte jemanden um Unterstützung, wenn du unsicher bist. Aber diskutiere niemals mit deinen unbescholtenen Testlesern!

Du hast sie dafür engagiert, dich zu kritisieren.

Wenn deine Testleser über etwas stolpern, werden deine Leser es ebenfalls tun. Desto mehr sie stolpern, desto eher werden zahlende Leser*innen das Buch weglegen – und sei dir gewiss! Diese Leser*innen kaufen kein neues Buch von dir.

Aus diesem Grund respektiere die Meinung deiner Testleser. Werde kritikfähig und lerne aus deinen Fehlern.

Zusammenfassung

  • Für einen gelungenen Text braucht jeder einige Helfer. Ein Text profitiert von verschiedenen Sichtweisen.
  • Ich habe meine ersten Erfahrungen mit Familie und Freunden gemacht. Ich war nicht bereit, mich an ein (strenges) Lektorat oder Fremde zu wenden. Das ist für dich nur ein Gedankenanstoß.
  • Überdenke, wie du Kritik verarbeitest. Nimmst du sie persönlich? Hast du die kritisierende Person dabei im Hinterkopf? Hörst sie womöglich schimpfen? Das ist kein guter Punkt zur Zusammenarbeit.
  • Fordere schonungslose Kritik ein, sobald du dich dazu bereit fühlst! Das ist unerlässlich. Du wirst in diesem Job sehr oft mit Kritik konfrontiert.
  • Beruhige dich, bevor du über Kritik sprichst.
  • Diskutiere nicht mit deinen Testleser*innen und rechtfertige dich nicht! Freundliches Nachfragen wird sicher gerne gesehen.

Am 17.09.2018 geht es auf der Webseite des Nornennetzes mit den Stärken und Schwächen der Testleser weiter.

Ich danke dir für den Aufruf. <3

*Autorin des Beitrag ist Siiri Saunders

Wer fährt mit uns nach Berlin? [Verlosung]

Wir sind noch ganz begeistert von dem regen Zuspruch, den wir in unserer ersten Kickstarter-Kampagne gesammelt haben. Dank euch können wir auch 2019 wieder mit einem Stand auf der Leipziger Buchmesse sein. Vorher aber werden wir im November auch auf der BuchBerlin für Wirbel sorgen. Wir haben uns bereits einige tolle Aktionen überlegt und können euch jetzt schon verraten, dass es interaktiv, spannend und faszinierend wird. Am 24 und 25 November solltet ihr darum jede Chance nutzen, in Berlin dabei zu sein.

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Wie, ihr könnt nicht?

Ausreden lassen wir keine zu. Stattdessen gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir nehmen euch sogar mit. Anlässlich der BuchBerlin verlosen wir zwei Tageskarten, damit ihr uns an unserem Stand besuchen kommen könnt. Also bucht ein Zimmer, besorgt euch das Zugticket und freut euch auf ganz viel Nornenaction. Wir haben uns nicht lumpen lassen und für neue Deko und Aktionen gesorgt, die weit über den Nornenstand hinaus gehen. Also fordert das Schicksal heraus und macht mit.

Wie ihr mitmachen könnt

Bis zum 30.09.2018 habt ihr Zeit, mitzumachen. Eine Tageskarte verlosen wir an alle, die unter diesem Beitrag kommentieren, was sie sich von den Nornen auf der Messe wünschen, welche Norne ihr am liebsten treffen würdet oder auf welches Nornenbuch ihr euch ganz besonders freut. Chancen auf das zweite Ticket bekommt, wer die gleiche Frage in den sozialen Netzwerken beantwortet. Macht ein Foto für Instagram, schreibt einen Beitrag auf Facebook oder twittert es in die Welt hinaus. Nutzt dabei #mitdenNornenzurBuchBerlin und sichert euch ein Los.

Teilnahme ab 18 oder mit Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Facebook, Instagram und Twitter haben nichts mit der Verlosung zu tun. Wir behalten uns vor, einzelne von der Verlosung auszuschließen, das Gewinnspiel vorzeitig zu beenden oder abzubrechen. Mehrfache Teilnahme ist möglich, pro Person kann nur ein Ticket gewonnen werden. Ein Ticket berechtigt zum Besuch der BuchBerlin am 24. oder 25. November 2018, Anreise und etwaige Übernachtungen müssen selbst getragen werden. Das Gewinnspiel läuft bis zum 30.09.2018, 23:59.

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Worin unterscheiden sich Thriller, Krimi und Horror?

Obwohl sich keine klare Grenze ziehen lässt, so ist es dennoch unerlässlich für den Schriftsteller so genau wie möglich bestimmen zu können, in welcher Kategorie oder auch welchem Bücherregal er in der Buchhandlung sein Buch vorfinden will. Denn der Leser bleibt oftmals seinem Lieblingsgenre treu und sucht gezielt nach Büchern, die seinem Geschmack entsprechen. Das kann gerade für einen Selfpublisher zu einer Stolperfalle werden, denn sollte er sein Buch der falschen Kategorie zuordnen, kann dies beim Leser folglich zur Enttäuschung führen, da seine Erwartungen an das Genre nicht erfüllt wurden. Umso wichtiger, wenn man die weitmaschigen Grenzen zwischen den Genres kennt. Und so kommen wir zum heutigen Thema. Wodurch unterscheiden sich die Literaturen von Krimi, Thriller und Horror zueinander?

(Foto: Patrizia K. Werner)

Kriminalromane

In Kriminalromanen (auch Krimis genannt) liegt der Schwerpunkt ganz klar in der Aufklärung eines Verbrechens, bei dem die Hauptfiguren den Leser durch ein Rätsel mitziehen.

Während früher Privatdetektive wie Sherlock Holmes von Conan A. Doyle oder Hercule Poirot von Agatha Christie in der Welt der Kriminalromane regierten, finden die Morde in der modernen kriminalistischen Literatur jedoch nicht mehr nur in der gehobenen Gesellschaft statt, werden dann aus der alleinigen Sicht des Detektivs gelöst und die Motive lauten zum Schluss nicht mehr nur Habgier. Heute lernt der Leser auch die Sicht des Täters kennen, dessen Beweggründe oft kompliziert und tiefgreifend sein können. Zudem kann die Aufklärung auch durch Polizisten, Kriminaltechniker, Gerichtsmediziner oder sogar einer Privatperson stattfinden.

Anzumerken sei hier noch, dass ein kriminalistischer Inhalt auch nur Bestandteil einer Geschichte sein kann, ohne das Genre zu bestimmen. Das lässt sich oft in Thrillern finden.

Thriller

Der Kern ist hier den sog. thrill (z. Dt. Nervenkitzel) beim Leser auszulösen und diesen auch über die gesamte Länge des Romans zu halten, wobei ein Wechselspiel aus Bedrohung und Erleichterung stattfindet.

Die Grenze zu Kriminalromanen ist hier sehr dünn. Aber grob lässt sich sagen, dass hier noch kein Verbrechen stattgefunden haben muss, jedoch eines herannaht oder die Situation zumindest zu verschlimmern droht. Darüber hinaus steht in Kriminalromanen der Fall im Mittelpunkt, dessen Lösung den Höhepunkt bestimmt, während in Thrillern die Hauptfiguren den Schwerpunkt setzen, die sich oftmals gegen psychische oder auch körperlich zugefügte Gewalt verteidigen müssen, bis sie im Finale aus dem Kampf siegreich hervorgehen.

Hier lässt sich das Genre zudem nochmals in Psychothriller, bei dem ein von Gefühlen oder auch auf psychischer Ebene konfliktbeladenes Verhältnis zwischen den Figuren die Handlung bestimmt, und Politthriller unterscheiden, der kriminelle Handlungen, terroristische Attentate oder auch Verschwörungen behandelt.

Horror

Während in Thrillern und Kriminalromanen die Hauptfiguren irdischen Gegner begegnen, ist es in der Horrorliteratur genau umgekehrt. Hier werden die Protagonisten meist von übernatürlichen und unerklärbaren Phänomenen, wie rastlosen Gespenstern, blutrünstigen Vampiren oder auch gehirnaussaugenden Zombies, bedroht. Aber auch der Ort selbst kann zur Bedrohung werden, wie im Roman „Shining“ von Stephen King eindrucksvoll dargestellt wurde. Abhängig von der Bedrohung kann der Protagonist dabei dem Wahnsinn oder gar der Besessenheit unterliegen.

Beim Leser sollen sie Angst und Schrecken auslösen, aber auch Abscheu, wie sie meist durch Folter oder Perversion hervorgerufen wird.

Auch hier lässt sich oft keine klar definierte Grenze ziehen, da die Horrorliteratur auch nah verwandt zu Science-Fiction ist, wie Mary Shelleys „Frankenstein“ beweist. Hier spricht man dann auch von einem SciFi-Horror. Zudem lässt sich der Horror als Sammelbezeichung in Schauerromane (engl. Gothic Novel), wie in dem Roman „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert L. Stevensons, und Gespenstergeschichten, wie „Die Frau in Schwarz“ von Susan Hill, unterteilen. Auch ein Thriller kann in die Kategorie der Horrorliteratur fallen, wobei man dann von einem Horrorthriller spricht.

(Foto: Patrizia K. Werner)

Meine persönliche Meinung zu der kategorischen Eingrenzung lautet, dass alle drei Genres ihre Berechtigung haben unterteilt zu werden. Auch wenn die Grenzen sich oftmals überlappen, sind sie dennoch klar definiert und können dem Autor helfen seine eigenen Bücher richtig zuzuordnen, damit nicht die falsche Zielgruppe angesprochen wird, die dann das Buch enttäuscht zuklappt, weil es nicht ihren Erwartungen entspricht. Dennoch finde ich das es auch seinen Reiz hat Grenzen zu überschreiten. Und wo lassen sie sich so leicht überschreiten wie in einer fiktiven Geschichte. Für den Autor besteht also hier ein unbegrenztes Repertoire an Möglichkeiten den Leser zu überraschen und womöglich auch zu packen. Und genau die Schriftsteller, die diesen Schritt gewagt haben, waren zum Schluss auch diejenigen, die ein neues Genre gesetzt haben.

*Autorin des Beitrags ist Patrizia K. Werner

Fragefreitag: Welche Bösewichte aus Literatur und Film sind euch am meisten in Erinnerung geblieben und warum?

Antagonisten sind immer interessant. An ihnen bemisst sich, wie gut oder schlecht der Konflikt in einer Geschichte wirklich ist. Deshalb fragen wir heute danach, welche Bösewichte aus Literatur und Film unseren Nornen am meisten in Erinnerung geblieben sind. An welche könnt ihr euch noch erinnern und welche fandet ihr besonders toll? Lasst es uns unter dem Hashtag #NornenFragefreitag gerne wissen.

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Katherina Uschachov aka Evanesca: Schwer zu sagen, mir bleiben, wenn ich ehrlich bin, generell oft eher die Bösewichte in Erinnerung … Als kleines Kind hatte ich immer ein gewisses Faible für Ursula aus dem „Arielle“-Film von Disney. Ich meine, eine coole Krakenfrau mit Zauberkräften. Und von Voldemort hatte ich mal den Alptraum, dass er mir als Tom Riddle in einer Bibliothek auflauert, um mich zu töten, weil ich ein Muggel ist. Das sagt einiges aus, oder?

Anne Zandt: Ein Charakter, an dem ich so ziemlich alle Bösewichte messe, die mir über den Weg laufen, ist Mephistopheles aus Faust bzw. die Ursprungsform dieses Charakters Loki aus der nordischen Mythologie. Ich mag einfach diese Art von Charakter, die „stets das Böse will und stets das Gute schafft“. Eine aktuellere Version dieses Figurentyps ist z.B. „Penguin“ aus der TV-Serie „Gotham“ (über sein Comic-Counterpart kann ich tatsächlich nicht sonderlich viel sagen :D).

Anna Weydt: Ganz klassisch: Mephistopheles aus Faust. Diese Mischung aus spitzbübisch und böse hat mich einfach fasziniert.

Siiri Saunders: Als ausgesprochener Marvel Fan ist Thanos aktuell der Bösewicht, der mir sofort in Erinnerung kommt. Gerade bei seinem letzten Auftritt konnte man seine Charakterisierung deutlich erkennen. Thanos HAT Gefühle, vielleicht liebt er sogar. Er glaubt, sich durch sein Tun in den Dienst von etwas Höherem zu stellen – die Welt zu retten, auch wenn es den Tod der Menschheit bedeutet. Zuletzt schaute ich „Coach Carter“, der durch seine strenge Erziehung aus „Ghetto-Kids“ ordentliche Männer machen wollte. Er bekam heftigen Gegenwind, wollte schon aufgeben. Die „Ghetto-Kids“ erkannten letztendlich die Wahrheit in seinem Handeln und handelten danach. Ob das, was jemand tut, immer aus den richtigen Gründen geschieht und ob es tatsächlich das Richtige ist, bleibt letzten Endes jedem selbst überlassen. Wird der Antagonist durch eine Meinung charakterisiert, die die moralische Welt des Lesers ins Wanken bringt, ist doch die halbe Miete schon gezahlt. Im Moment stehe ich auf diese Art der Darstellung des Bösewichts.

Jule Reichert: Viele. Oft mag ich die Bösen sogar lieber, als die eigentlichen Helden. Auf der einen Seite gibt es die, die so gesehen nicht böse sind, sondern das richtige mit den falschen Mitteln erreichen wollen oder deren Motivation zumindest nachvollziebar ist. Thanos aus dem Marvel-Universum zum Beispiel. Er wollte das eigentliche Grundproblem nur auf die falsche Weise lösen. Oder um ein Buchbeispiel zu nehmen: Die böse Priesterin aus Elea Brandts „Opfermond“, bei der auch sehr deutlich wird, warum sie das tut. Auf der anderen Seite liebe ich diese zwiegespaltenen Bösen, die einfach alles nach ihrem eigenen Sinnen machen, aber letztlich doch nicht böse sind und ab und zu das richtige tun – aus ihrer eigenen Motivation heraus natürlich. Loki zum Beispiel. Oder auch die Böse Fee aus Dornröschen (und nein, ich meine nicht nur die Disney-Version Malificent). Und wer mir da auch immer in den Sinn konnt, ist Spike aus „Buffy“. Und ja, mir würden sicherlich noch einige mehr Bösewichte einfallen, wenn ich weiter nachdenke 😉

Diandra Linnemann: Eigentlich war er ja gar nicht „der Böse“, aber Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ als Gegenspieler für Agent Sterling war schon ziemlich beeindruckend. Dagegen macht Buffalo Bill einem kaum mehr Angst.

Elenor Avelle: Richtig gut gemachte Anagonisten sind etwas Wunderbares. Die richtig gut gelungenen sind aber nicht einfach nur böse. Im Harry Potter Universum finden sich gute Beispiele: Snape und Dolores Umbridge. Loki, den viele aus den Thorverfilmungen kennen, ist auch gut in Szene gesetzt und wer kennt Dath Vader nicht.

June Is: The Joker in Batman, weil seine Bösartigkeit teilweise nachvollziehbar ist. Also egal, wer die Rolle spielte 😀 … ansonsten der Mensch in V for Vendetta. Er hatte etwas an sich und vertrat Meinungen, die andere sicher auch haben. Angst! Fällt mir gerade auf: Zwei sehr clownähnliche Typen.

Anna Kleve: Schwierig, aber ich würde jetzt einfach mal Dagnarus aus „Stein der Könige“ sagen, einfach, weil das erste Buch im Grunde seinen Werdegang und seinen Weg zum Bösen richtig zeigt. Selbst wenn man seine Taten nicht mag, kann man ihn teilweise verstehen.

Karin (E.) Novotny alias EmmaN: Mordred in Marion Zimmer-Bradleys „Nebel von Avalon“, weil er von allen nur als Spielstein in einem sehr großen Spiel um Macht und Einfluß gesehen wurde, aber sich niemand um ihn als Mensch bemüht hat. Er wehrt sich auch gegen die Rolle des Neuen Königs (und Vatermörders) die ihm zugedacht war. Erfüllt diese Rolle dann aber letzlich doch, wenn auch mit gänzlich anderem Motiv (und Ausgang), als von den Strippenziehern geplant.

Laura Kier: Verdammt gute und schwierige Frage. Ganz spontan möchte ich sagen Bösewichte wie Gru (Ich – Einfach unverbesserlich), Megamind oder das Biest. Alle diese Charaktere scheinen zunächst böse und wollen es zum Teil auch bewusst sein, aber es steckt viel mehr in ihnen. Wenn es um wirklich böse Charaktere geht, dann bin ich wie Siiri bei Marvel – Loki finde ich ist wieder herrlich zwielichtig und Thanos einfach nur böse.

Grumpy Moon: A.L.I.E. aus The 100: Eine künstliche Intelligenz, die dazu geschaffen wurde, das Leben der Menschen zu verbessern, und zu dem Schluss kam, dass es zu viele Menschen gibt und deswegen eine Apokalypse angebracht wäre… Es würde zu weit führen, die ganze Geschichte zu erzählen, aber unter anderem nimmt A.L.I.E. für den Zuschauer die Form ihrer menschlichen Schöpferin an, und die schauspielerische Leistung der Darstellerin ist sehr beeindruckend – sexy und gruselig zugleich.

cazze: Voldemort und Umbridge. Bei Voldemort wegen der Hintergrundgeschichte und bei Umbridge, weil da das Äußerliche total im Kontrast zum Inneren steht, was sonst seltenst der Fall ist. Zudem ist mir in der Serie „The Tick“der Antagonist „The Terror“ im Gedächtnis geblieben. Vor allem weil er von außen aussieht wie der totale Klischeebösewicht, aber irgendwie einen an der Waffel hat und witzig ist. Zudem spielt er Schlagzeug.

Fragefreitag: Welches Stereotyp stört euch bei der Darstellung des Bösen am meisten?

Das Böse hat viele Gesichter. Leider wird es in Literatur und Film viel zu oft eindimensional dargestellt, sodass man fast den Eindruck gewinnen könnte, es gäbe nur den extrem überzeichneten Bösewicht ohne Motivation. Wir fragen heute, welches Stereotyp euch bei der Darstellung des Bösen am meisten stört. Lasst es uns unter dem Hashtag #NornenFragefreitag wissen!

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Anne Zandt: Das sie grundlos böse sind. Ich liebe gute Hintergrundgeschichten von Bösewichten, bei denen man nachverfolgen kann, warum sie so geworden sind.

Katherina Uschachov aka Evanesca: Die böse Lache. Und dass sie immer früher oder später ihren Plan erzählen müssen. Oder ihre Hintergrundgeschichte. Übrigens herrlich bei „Phineas und Ferb“ gebrochen, dieses Stereotyp!

Siiri Saunders: Die „Boshaftigkeit himself“ war auch mal klein – insofern sollte den Antagonisten etwas geprägt haben und der Leser sollte davon erfahren, um ein gutes Leseerlebnis zu haben.

Diandra Linnemann: Böse, die nur so aus Spaß böse sind. Jeder Mensch (und die meisten Nicht-Menschen auch) glaubt von sich, gute Beweggründe für sein Handeln zu haben, und hält sich selbst für den Helden seiner eigenen Geschichte. Ich will Bösewichte, die komplex sind und eigene Ideen verfolgen und nett zu ihrer Großmutter sind.

Anna Weydt: Bösewichte, die keine Motivation haben, das zu tun, was sie tun. Wenn ein Buch oder Film seinen Antagonisten aber darauf reduziert, finde ich das total langweilig.

Elenor Avelle: Schwarz-weiß-Denken ist bei Helden und Schurken gleichermaßen Öde. Niemand behällt solche Charaktere in Erinnerung.

Nike Leonard: Bösartigkeit als Prinzip. Ich sehe es wie Diandra, dass jede/r das eigene Handeln als richtig oder wenigstens als notwendig empfindet und rechtfertigt.

June Is: Männer sind böser als Frauen. Jaja.

Anna Kleve: Antagonisten, die einfach nur aus dem Grund böse sind, weil sie böse sein müssen und eigentlich keinen Grund dazu haben.

Karin (E.) Novotny alias EmmaN: Böse haben immer schlechte Zähne (in Filme), und oft ungepflegte Hände. Oder den irren Blick. Dabei ist „das Böse“ oft ganz schrecklich banal.

Maelle: Wenn Antagonisten nur böse sind. Niemand ist nur böse, und wenn er nur den Hund gern hat.

Laura Kier: Keine tiefe bei den Charakteren und damit ein grundloses Böse. Ich mag es, wenn Charaktere aus ihrer Perspektive logisch handeln und deshalb von außen die Bösewichter sind.

Nornengestöber und Autorenleben

Unser Monatsthema „Gewalt in Fantasy“ beschäftigt uns als Leserinnen, als Lektorinnen und natürlich auch als Autorinnen. Doch neben den inhaltlichen Themen dürfen auch die organisatorischen und die Basis dahinter nicht vernachlässigt werden. Darum werfen wir bei der heutigen #Nornenstöberrunde einen Blick ins Handwerk von Autoren.

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Immer wieder Thema sind Druckkostenzuschussverlage. Für jeden Menschen, dem seine Texte etwas bedeuten, sollte klar sein, dass das der falsche Weg ist. Warum zeigt beispielsweise dieser Artikel.

Ebooks sind ein heikles Thema. Sie werden oft wesentlich günstiger als Prints angeboten, manchmal sogar kostenlos, landen dann auf dubiosen Tauschbörsen, wo sie illegal weitergegeben werden. Wie Klickfarmen Ebook-Verkäufen schaden hat die Selfpublisherbibel zusammengefasst.

Autoren und Klischees gehören zusammen, da sind wir ehrlich. Wie lieben sie, wir hassen sie, aber ohne sie können wir gar nicht. Die Autorenwelt schreibt hier über Klischees bei Autoren und wir sind gespannt, ob ihr zustimmt.

Aktuell stolpern wir wieder vermehrt über Artikel, die genau das ankreiden, weswegen wir uns gegründet haben. Auf Edition F könnt ihr beispielsweise lesen, warum noch immer so viele Leute glauben, Frauen würden emotionale Themen bevorzugen, männliche Autoren dagegen tiefere, kritischere und „höhere“ Literatur verfassen.

Autoren gelten als Selbstständige und Kleinunternehmer. Hier ändern sich die Steuerregelungen, also bleibt auf dem Laufenden.

Noch bis zum 15.08 könnt ihr am Gewinnspiel unserer Norne Anna Weydt teilnehmen und ihren neuen Roman „Das steinerne Schloss“ gewinnen. Es lohnt sich!

Unsere Sammelaktion für unseren Stand auf der LBM hat es innerhalb von drei Tagen geschafft, über 50% der geplanten Summe einzunehmen. Wir sind begeistert und voller Elan. Den Rest schaffen wir mit eurer Hilfe auch noch. DANKE!

 

 

Fragefreitag: Hand aufs Herz. Was würdest du nie schreiben?

Wir wollen heute von euch wissen, was für euch gar nicht geht. Welches Genre bleibt ewig ein Rätsel für euch und welches Terrain wollt ihr gar nicht erst betreten? Macht mit unter #Nornenfragefreitag und verratet uns, was ihr nie schreiben würdet.

Jule Reichert: Eine waschechte, kitschige Liebesgeschichte OHNE jegliches phantastisches Element. Allein Romantasy kann ich mir bereits schlecht vorstellen, aber da gibt es wenigstens noch Magie.

Michelle Janßen: Erotik und Romantik. Nicht nur, weil ich beides nicht schreiben kann und sehr unangenehm finde, sondern auch, weil für mich zwischenmenschliche Interaktionen keine Geschichte ausmachen. Dieses ewige Hin und Her, Dreierkonstellationen etc. – das ist mir zu langweilig, um mich damit 300 Seiten lang zu beschäftigen.

Janna Ruth: Thriller, zumindest nicht absichtlich. Krimi und Erotik wird wahrscheinlich auch nur ein zufälliges Element sein, aber nie Fokus des Buches.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Schwierig. Früher hätte ich gesagt „Nichts mit Erotik“, aber seitdem habe ich eine KG mit Meermannsex geschrieben und es gibt ab und zu Sexszenen in meinen Romanen. Und ich hätte früher auch gesagt „Nichts mit Romantik“, aber wer „Zarin Saltan“ kennt … nun, das ist für meine Verhältnisse dann doch sehr romantisch. Also: Ich habe nicht die leiseste Ahnung und fürchte inzwischen, es kann mich jederzeit so ziemlich überall hin verschlagen.

June Is: Neulich hatte ich einen Typen im Writingchannel, der Schriftsteller für eine Filmproduktion gesucht hat. Auf Nachfrage erfuhr ich: Tabus sollten vielfältig gebrochen werden. Sodomie im Zirkus, menschliche Männer mit weiblichen Tieren etc. Da sage ich ganz klar: Nein, danke!

Esther Betram: Vermutlich werden es bei mir nie Krimi und Thriller werden – aber ganz ehrlich? Solange fantastische Elemente dabei sind, bin ich für alles zu begeistern.

Jasmin Engel: Leider die beiden Genres, die sich am besten bei Verlagen und Agenturen Unterbringen lassen: Krimi und Liebesroman.

Esther Wagner alias Kirana: Einen Liebesroman.

Diandra Linnemann: Hmm … schnulzige Liebesgeschichten und die sogenannte „Einhandliteratur“ kann ich mir für mich selbst gar nicht vorstellen – aus unterschiedlichen Gründen.

Sarah König: Grusel/Horror, alles, was über eine ganz, ganz leichte Gänsehaut hinausgeht oder gar mit detaillierter Beschreibung z.B. von Verletzungen zu tun hat.

Sienna Morean: Eindeutig Sex Szenen! Ich lese sie ungern und schreiben? Nein, da lasse ich lieber den Leser fantasieren.

Karin (E.) Novotny alias EmmaN: Krimis! Ich liebe es, sie zu lesen, bin aber viel zu doof, sie zu konzipieren.

Barbara Weiß aka TheBlueSiren: Ich glaube, es gibt kaum Genres, die ich nicht gerne versuchen würde. Ich glaube ein rein historischer Roman wäre mir zu viel Rechercheraufwand.

Grumpy Moon: Kinderbücher. Es fällt mir ja schon schwer, die Kinder in meinen Romanen altersgerecht sprechen zu lassen.

Fantasy und Gewalt – eine Blogparade des Nornennetzes

Fantasy – ganz klassisch sind das Geschichten in denen ein Held die Welt, ein Reich oder doch wenigstens eine schöne Frau retten muss. Gewalt spielt dabei beinahe immer eine Rolle. Oft wird eine idyllische oder zumindest als gut geordnet geschilderte Ausgangssituation durch den Einbruch von Gewalt gestört. Die Königsfamilie wird von einem Ursurpator ausgelöscht, Nazghul jagen wehrlose Hobbits, eine alte Prophezeiung taucht auf und macht den Helden zur Zielscheibe finsterer Mächte. Diese Form der Gewalt ist immer negativ besetzt. Sie ist brutal und oft tödlich, paart sich mit psychischer Gewalt, die oft noch weitere Ausmaße annimmt. Gleichzeitig nutzt der Bösewicht sie gerne, ergötzt sich geradezu daran. Sie ist hier nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Teil des Zieles selbst. Dieses Ziel mag primitiv sein, wie Saurons Verlangen, die Welt zu beherrschen, oder psychologisch Gründe haben wie Voldemorts immensem Rachekomplex Muggeln gegenüber, es ist die Grundlage für jegliche Handlung und Gewalt im Roman.

Wir lieben Fantasy – aber braucht es immer Gewalt dabei?

Gut gegen Böse

Gleichzeitig gibt es aber auch die positive Gewalt: Wenn der Held die Herausforderung annimmt und von der Opfer- in die Heldenrolle wechselt, geschieht das in der Regel, indem er selbst gewalttätig wird. Selbst die harmlosen Hobbits wachsen am Ende über sich hinaus. Pippin zertrennt dem König der Nazghul die Beinsehnen und hilft dadurch Eowyn, ihn zu besiegen. Noch deutlicher tritt dieses Phänomen in den Geschichten über Superhelden zutage, an deren Ende oft ein „Bosskampf“ mit dem Superschurken steht. Diesen gewinnt der Held, weil er aufgrund überlegener Kampfmoral letzte Reserven mobilisieren kann, die am Ende auch zu körperlicher Überlegenheit führen. Vor psychischen Qualen schreckt der Held meist genauso zurück, wie vor der gänzlichen Vernichtung des Gegenspielers. Die wird zur letzten, notwendigen Tat, der eine innere Zerrissenheit und Reife des Helden vorsteht. Nie wird Gewalt hier für die eigenen Interessen genutzt, immer gilt sie dem höheren Ziel, andere zu schützen. Ohne den negativen Auslöser wäre die positiv konnotierte Reaktion nicht nötig. Die „gute Gewalt“ besiegt also die „böse Gewalt“.

DER Held

Wenn wir über den Helden der klassischen Fantasy sprechen, ist die männliche Form bewusst gewählt, denn hier ist der Held fast ausnahmslos männlich. Dieses Trope* ist zwar dabei, sich zu verändern, allerdings hat die Änderung kaum Einfluss auf die Rolle der Gewalt. Oft starten Frauen zwar eher wie Hobbits, also schwach und wehrlos, finden dann aber im Lauf der Geschichte einen starken Beschützer, der ihnen körperliche Auseinandersetzungen erspart. Mia, aus der Grim-Reihe ist so ein Fall. Die eigentliche Gewalt wird hier klar männlich verortet, die Frau mag Auslöser sein, der Schlüssel zum Sieg, aber kaum eine aktive Kämpferin. Sie ist es, die immer wieder in Schwierigkeiten kommt und so die Handlung zwangsweise mitgestaltet. Handelnde ist sie dabei in den seltensten Fällen. Andererseits gibt es auch Frauen wie Katniss, die sich von Anfang an selbst behauptet und vor Gewalt nicht zurückschreckt, die im Roman also genauso gut ein junger Mann sein könnte – nur, dass der Verlag dann vermutlich keine Liebesgeschichte verlangt hätte. Eine andere, nicht weniger wichtige Baustelle.

Gewaltige Liebe

Allerdings soll es in dieser Blogparade nicht um Liebesgeschichten gehen, sondern um Gewalt. Da fällt bei Fantasy, die sich vorwiegend an ein weibliches Publikum richtet, noch ein weiterer Aspekt auf: Die fast immer enthaltene Liebesgeschichte ist oft von psychischer Gewalt geprägt, die aber romantisch verklärt wird. Der Protagonist stalkt die Protagonistin, er beschränkt sie und hält sie in jeder Weise klein – und als Motivation seines Handelns wird immer seine übergroße Liebe genannt. Ausgerechnet dieses Verhalten macht ihn zum Helden, der ohne die Frau an seiner Seite nicht leben kann. Dass er dabei dominiert und die Frau in eine von ihm gewollte Richtung zwingt, wird meistens übersehen. Nicht selten ist er ein Entführer, der sie aber nur entführt hat, um sie zu retten, ein gefährliches Wesen, das eigentlich Abstand von ihr halten müsste, dessen Gefühle ihm das aber unmöglich machen. Schmacht, Schmelz, Würg. Dieses Motiv findet sich selbstverständlich nicht nur in der Fantasy, ist aber in der sogenannten Romantasy weit verbreitet und wird offensichtlich gern gelesen.

Macht mit bei unserer Blogparade zu Fantasy und Gewalt

Das vorangeschickt, laden wir** euch ein, in den kommenden Wochen gemeinsam die verschiedenen Aspekte von Gewalt in der Fantasy zu beleuchten. Mögliche Fragen sind:
  • Gehört Gewalt zur Fantasy?
  • Wie wird Gewalt dargestellt?
  • Zu welchen Zwecken wird sie eingesetzt?
  • Können Frauen über Gewalt schreiben?
  • Schreiben Frauen anders über Gewalt als Männer?

Bloggt darüber und gebt uns euren Link im untenstehenden Formular an. Wir werden daraus eine Linkliste erstellen, in der alle Beiträge mit einer Kurzzusammenfassung „anmoderiert“ werden. Gerne dürft ihr unser Bild zur Aktion mit dem Vermerk ©Nornennetz verwenden.

Dafür habt ihr den ganzen August Zeit. Bis 31.08.2018 könnt ihr eure Beiträge schreiben und bei uns einreichen. Wir wünschen uns vielseitige Sichtweisen, positive wie negative Beispiele, wünsche, wie ihr Gewalt in Zukunft in der Fantastik sehen wollt und wie nicht. Geht gerne auf Randthemen wie Diskriminierungen und Mobbing ein, gerne auf Themen, die im Zentrum stehen, wie Kämpfe und Kriege in der Literatur, führt Interviews oder erstellt Leselisten.


Bisherige Links zur Parade:

Von offensichtlichen Hintergedanken verborgenen Gewalttaten und unsichtbaren Verletzungen – Möchtegernautorin

Der Game of Thrones Effekt in Büchern – Rebel Girls Adventures

Kampfszenen mit Wumms – Diandra Linnemann

Superhelden und Gewalt – Nike Leonhard

Das bisschen Folter – Gedankenfunken

*Wir nutzen hier den englischen Begriff, da er geläufiger ist. Eventuell kennt ihr auch die Bezeichnungen „den Tropus“ aus der Literaturwissenschaft. Gemeint ist hier ein stereotypisiertes Bild aus der Literatur, das gleich mehrere Bedeutungsebenen mit sich trägt.

**Autorinnen des Beitrags sind Nike Leonard und Eva-Maria Obermann

Autoren Urlaub

Lohnen sich Comic Conventions auch für Autor*innen?

Die Autorin, die mit ihrem Namen nicht nur das Alphabet umschließt, beendet nun auch den Comic-Monat, den sie eingeleitet hat – und zu dem sie noch wesentlich mehr hätte schreiben können, wenn sie nicht gerade Märchensommer gehabt hätte.

Doch heute geht es nicht um Comics an sich, sondern um deren Zelebrierung auf Conventions. Ich selbst bin bisher auf vier Conventions gewesen: Der ChiSaiiCon in Hamburg, der German Comic Con Berlin, der Connichi in Kassel und kurz mal gucken auf der Manga-Comic-Con während der LBM.
Conventions sind faszinierend. Man trifft Leute, die die gleichen Interessen teilen und zum Teil mit sehr aufwändig selbst geschneiderten Kostümen unterwegs sind. Unterschiedliche Künstler*innen präsentieren ihre Werke und Händler preisen Merchandise zu allen erdenklichen Reihen an.

Doch neben den gezeichneten Geschichten finden auch immer mehr Bücher ihren Weg auf diese Conventions.

Auf meiner ersten Convention habe ich mich noch nicht selbst als Autorin bezeichnet, eher als Hobbyschreiberling, dort habe ich eher die anderen bewundert. Mit einem Autoren, der gerade sein Debüt auf der Convention vorstellte, habe ich mich dann über seinen Weg unterhalten. Der Workshop “Krimispiel im Irrenhaus” war da allerdings wesentlich interessanter. In einer Mischung aus Rollenspiel und Detektivgeschichte schlüpften wir in die verschiedenen Rollen, um ein Problem zu lösen.
Als Autorin eine gute Möglichkeit Reaktionen von anderen zu sammeln, wie Charaktere mit bestimmten Macken umgesetzt werden können.

Auf GCC und der Connichi sah ich mich dann eher als Bloggerin, während die Autorin neue Eindrücke sammelte, sich aber im Hintergrund hielt. Zum ersten Mal sah ich bewusst die Stände in der Artist-Alley. Während meine Begleiterinnen die Zeichnungen betrachteten, hielt ich nach Büchern oder Manga Ausschau. Die Zusammenarbeit mit der Märchenspinnerei und die diversen Webcomics, denen ich folge, hatte mir zu dem Zeitpunkt gezeigt, dass es wichtig ist, diese Leute zu unterstützen.

Die Autorin nahm auf der Connichi dennoch an einem Schreib-Workshop von Yamato Ôkami teil. Viel zu viele Leute hatten die gleiche Idee, sodass es eher ein Ping-Pong zwischen einzelnen Leuten war – inklusive mir – als eine tatsächliche Behandlung des Themas. Es war dennoch interessant, sich mit anderen Autor*innen auszutauschen. Denn wenn es etwas gibt, dass in der Comic Szene weit verbreitet ist, dann sind es Autor*innen, die entweder an ihren eigenen Werken schreiben oder sich mit Fanfictions* vergnügen.

Auf der MCC fühlte ich mich dank des Nornennetzes zwar mehr als Autorin, dennoch führten meine Gespräche eher zu einer Kooperation als Bloggerin. Was aber auch überhaupt nicht schlimm ist, denn gemeinsame Aktionen sind in beiden Bereichen sinnvoll. Und dafür bieten sich Conventions definitiv an. Wer seinen Horizont erweitern will, oder jemanden für Grafiken in seinem nächsten Werk sucht, ist hier definitiv an der richtigen Stelle um entsprechende Kontakte zu knüpfen.

Kurz gesagt: Für mich sind Conventions eine offenere Plattform um gleichgesinnte Nerds kennenzulernen, wenn man sich darüber hinaus noch zu Autorenthemen informieren oder austauschen kann, umso besser.

Lohnt es sich also als Autor*in sich auf Comic Conventions einzulassen?

Um neben meiner eigenen Meinung auch andere zu Wort kommen zu lassen, habe ich den Nornen Jule M. Reichert und Diandra Linnemann, der Märchenspinnerin Christina Löw, sowie der deutschen Mangaka Genji Otori und dem Künstlerpaar Blätterklingen & Mohnfuchs Fragen zu ihren Convention Erfahrungen gestellt.

#1: Mit welchen Erwartungen gehst du als (schreibender) Gast auf eine Convention?

Diandra: Ich gehe generell selten auf Conventions, weil ich große Menschenmengen nicht besonders mag. Wenn ich hingehe, will ich mich allerdings in erster Linie amüsieren und viele bunte Dinge sehen. Da ist es auch egal, ob ich schreibender oder „nur“ konsumierender Gast bin. (Wobei ich den Verdacht habe, dass schreibende Menschen generell anders ticken, aber das wäre dann ja auch nicht nur auf Conventions beschränkt.)

Jule: Eigentlich ganz einfach: Leute treffen, die man noch nie persönlich gesehen hat, und Verlage und Künstler begutachten, die vielleicht irgendwann einmal interessant sein könnten. Außerdem gibt es immer unheimlich viel inspirierendes zu sehen.Bilder von den soeben genannten Künstler, Buchcover und ich halte auch immer sehr gerne nach Verkleidungen/Cosplayern ausschau

Christina: Ich muss gerade echt überlegen, ob ich schon mal einfach als Besucherin auf einer Con war, ich glaube nicht. (Bevor ich selbst Ausstellerin war, habe ich meist irgendwo am Stand ausgeholfen.)

Genji: Mein letzter Besuch als Gast auf einer Convention ist schon sehr lange her und damals lag der Schwerpunkt auf Cosplay. Darum beschreibe ich einfach mal, wie ich meine Pausen verbringe und worauf ich achte.

Wenn ich zwischendurch meinen Stand in den Händen meines Helfers gebe, schaue ich mir sehr gerne die Künstlerstände an. Vor allem halte ich Ausschau nach Indie-Comics/Manga, da ich sehr gerne lese, was in der deutschen Kreativszene passiert. Verlage und Kleinverlage sind auch eine Anlaufstelle für mich, da man sich dank Mappensichtungen Feedback oder neuen Input holen kann. Viele meiner Entwicklungen habe ich erfahrenen Redakteuren oder anderen Zeichnern/Autoren zu verdanken.
Am meisten jedoch erhoffe ich mir, Freunde zu treffen, abends gemeinsam essen zu gehen und mich mit den anderen über die Erlebnisse auf der Con auszutauschen.

Blätterklingen: Erwartungen sind immer so ein Ding. Ich freue mich über jedes angenehme Gespräch und jedes verkaufte Buch, aber ich erwarte eigentlich gar nichts. Ich stelle meine (oder eher unsere) Bücher immer zusammen mit meiner Frau aus und sehe das eher als Ergänzung der Marke „Mohnfuchs“. Wie du schon richtig formulierst: ich bin Gast.

#2: Hast du als Besucher mal an Schreib- oder ähnlichen Workshops auf Conventions teilgenommen? Wenn ja, wie hat dir das gefallen?

Diandra: Bisher noch nicht – wenn es einen interessanten Workshop gäbe, könnte ich es mir aber vorstellen.

Jule: Hast du als Besucher mal an Schreib- oder ähnlichen Workshops auf Conventions teilgenommen? Wenn ja, wie hat dir das gefallen?
Da ich beruflich unter Anderem ja auch “für das Web” schreibe, ja, da gab es Workshops. Allerdings alle beruflich bedingt und nicht wirklich auf mein Möchtegernautorendasein bezogen 😉 Und Schreiben ist auch nicht immer gleich Schreiben, wie Autor weiß.
Alles andere fiel bisher leider unter den Tisch, da ich solche Veranstaltungen vornehmlich mit meinen Kindern besuche. Da hat man keine Zeit für Fortbildungen.

Christina: Durch #1 habe ich das tatsächlich noch nie gemacht, ich finde die Idee aber super und würde so was als Besucherin auf jeden Fall mal testen.

Genji: In den letzten Jahren bin ich leider immer als Aussteller zu Conventions gefahren und vor dieser Zeit immer als Cosplayer. Von daher hab ich zu meiner Schande noch keinen Schreibworkshop mitgemacht. Stattdessen treffe ich mich regelmäßig mit anderen Mangaka und Autoren, wo wir über mehrere Tage an diversen Projekten gemeinsam arbeiten und uns gegenseitig Feedback geben.

Blätterklingen: Ja, auf dem Comic Salon Erlangen und beim Tübinger Bücherfest habe ich mal bei Workshops mitgemacht. Gefallen haben sie mir schon, aber ob sie mich wirklich weitergebracht haben? Eher nicht. Es ist sicherlich ein erheiterndes Tagesprogramm. Man bekommt einen seichten Überblick, trifft nette Leute, aber das war es dann auch. Man lernt meiner Meinung nach nur in direkter Beschäftigung mit anderen Autoren/Künstler. Ich bin Mitglied einer Künstlergruppe und moderiere eine Autorengruppe in Tübingen und ich denke durch die konkrete Beschäftigung mit dem Schaffen anderer und ihrer Reaktion auf das Schaffen von dir als Autor oder Künstler kann man etwas lernen. Ich persönlich habe so sehr viel mehr gelernt als ich jemals für möglich gehalten habe, selbst schlechte Texte können einem helfen besser zu werden und Fehler zu vermeiden.

#3: Mit welchen Erwartungen gehst du als Aussteller?

Diandra: Als Aussteller habe ich immer nur assistiert, meine Beobachtung war, dass die befreundeten Aussteller ihre Kosten wieder reinholen möchten, befreundete „Konkurrenten“ treffen (i.e. andere Verleger/Gestalter/…), und in der Masse der Aussteller auffallen – das ist wohl das Schwierigste.

Jule: Das kommt auf den Rahmen des Ausstellers an ;D
In jedem Fall muss man sich mit dem Aussteller identifizieren können, dann klappt das auch irgendwie. Man kann in dem Rahmen seine eigenen Werke bewerben und auch darüber sicherlich gut Leute kennenlernen. Auf Neudeutsch nennt sich das ja “Netzwerken”.

Christina: Da ich erst kürzlich auf meiner 2. Con als Ausstellerin war, sind meine Erwartungen noch nicht sonderlich hoch … Ich hoffe eher, dass jemand mein Buch und die anderern der Märchenspinnerei gut findet, welche davon kauft und positiv weitererzählt dass es mich/uns gibt.

Genji: Für mich haben Conventions 3 Aspekte: zum einen der menschliche Aspekt. Neue Leute kennen lernen und Kontakte knüpfen. Natürlich schließt das mögliche Leser mit ein, aber auch Kontakte zu Verlagen, anderen Kreativen oder Bloggern/Podcastern. Und zum anderen der Geschäftsaspekt: kann ich genug verkaufen, damit ich mit einem Plus nach Hause gehe und wie ist der Marketing-Effekt für mein Produkt? Und schließlich der schönste Aspekt für mich: die vielen Freunde, die ich über die knapp 3 Jahre kennengelernt habe und die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Die Gewichtung der drei Punkte ist je nach Conventions sehr unterschiedlich. Zum Beispiel ist eine Comic Con Germany für mich weniger verkaufsstark wie eine Leipziger Buchmesse. Dafür ist der zwischenmenschliche Aspekt wesentlich größer. Auch kleinere Conventions wie die Animuc haben einen wesentlich stärkeren Fokus aufs Netzwerken. Hier versuche ich unter anderem Workshops zu geben, Vorträge zu halten und mit anderen Kreativen in Kontakt zu kommen. Große Messen wie die Leipziger Buchmesse oder Dokomi haben eine starke Gewichtung auf den Geschäftsaspekt. Ich versuche gerne Termine mit Verlagen zu machen (für Mappensichtungen oder Pitchs) und einen guten Gewinn nach Hause zu nehmen, den ich dann für neue Produkte oder Neuauflagen investieren kann.

Mohnfuchs: Ich gehe in der Regel mit sehr wenig Erwartung auf eine Messe. Zu Beginn war der Grund dafür, dass ich keine Ausstellererfahrung hatte und alles auf mich zukommen lassen wollte. Inzwischen bin ich durch die Erfahrung aber auch geerdet. Ich weiß (noch mehr), was die Leute bei mir mögen, was sie überrascht und was sie irritiert. Was ich aber immer „erwarte“: interessante Gespräche und viel zu lachen und freuen 🙂

#4: Wie würdest du das Interesse an deinen Werken im Vergleich Buchmesse zu Convention beschreiben?

Diandra: Schwierig zu sagen … Buchmessen sind ja auch etwas für den kulturell interessierten Nicht-Leser (subjektiv vermutet), während sich auf Conventions die „Hardcore-Fans“ herumzutreiben scheinen. Die sind dann auch interaktiver, nach meiner begrenzten Erfahrung, und eher bereit, Geld für neue Bücher auszugeben. (Alternativ sind Tentakel auf einer Convention einfach beliebter als in Kulturkreisen. )

Jule: Ich denke, es gibt für beides Vor- und Nachteile.
Conventions könnten gerade für Autoren in einem kleinen Verlag oder Selfpublisher eigentlich geeigneter sein, da diese kleiner und damit auch themenfokussierter sind. Dafür gibt es da noch viele andere Angebote neben Büchern, dass diese sogar wieder etwas herausstechen können, weil die Masse an anderem Lesestoff darum herum fehlt.
Andererseits haben eben auch nicht alle Menschen, die zu einer Convention gehen, interesse an Büchern. Will man also nur Buchmenschen begegnen, gewinnen die Buchmessen, die ja auch durchaus themenfokussiert sein könnten.

Christina: Da ich mit meinem Werk noch auf keiner klassischen Buchmesse war, keine Ahnung. (Ich bin gespannt, wie das bei BuCon und BuchBerlin dieses Jahr wird.)

Genji: Das kann man gar nicht so pauschal sagen. Ich selbst bin bisher nur auf der Leipziger Buchmesse gewesen, die für mich die verkaufsstärkste Messe vom ganzen Jahr ist. Sehr viel Einfluss darauf hat vor allem, dass sie an 4 Tagen stattfindet. Die meisten Conventions gehen zwei bis maximal drei Tage.

Dennoch würde ich sagen, dass vor allem die Buchmesse DIE Messe ist für eine Neuveröffentlichung, da hier Besucher gezielt nach neuem Lesefutter suchen, darüber berichten und reviewen. Einzige Conventions, die an ein ähnliches Interesse an meinen Veröffentlichungen stoßen, sind für mich Dokomi und Aninite (Österreich). Vor allem in Österreich habe ich ein sehr treues und engagiertes Publikum gefunden, was ich so nur auf der Buchmesse erlebt habe.

Nichtsdestotrotz haben Conventions auch einen hohen Stellenwert, da man hier genug Zeit hat, sich mit Leuten zu unterhalten. Auch wenn es quantitativ weniger Interessenten sind, sind die Begegnungen umso persönlicher.

Blätterklingen: Das ist schwierig zu beantworten, weil die Leipziger Büchermesse eigentlich unvergleichlich gut lief. Die Leute suchen nach neuen, unbekannten, aufregenden und waren bei der Buchmesse unheimlich aufgeschlossen. Gleichzeitig waren aber viele irritiert, das Nexus und Traumafabel illustrierte Erzählungen mit Comic-passagen und keine reinen Comis waren. Wer erwartet auf einer Buchmesse auch schon Bücher mit Fließtext *lach* Auf den kleinen und größeren Conventions auf denen wir waren, war das Interesse aber nicht merklich geringer. Sie waren nur kleiner als die LBM.

#5: Ist das Convention Publikum offener oder geschlossener für deine Werke als Buchmesse-Besucher?

Diandra: Wie gesagt, wenigstens bei Tentakeln war bis jetzt das Convention-Publikum offener. Irgendwie fürchte ich, die sind anschließend enttäuscht, wenn sich niemand auszieht. Aber es gibt ja Stofftentakel zum Trost. Bei meinen anderen Büchern habe ich es noch nicht probiert, den Erfahrungsbericht reiche ich ggf. im November nach.

Jule: Siehe oben 😉

Christina: Durch #4 kann ich das leider noch nicht beantworten. Frag mich im Oktober/November noch mal.

Genji: Schwierig zu sagen. Das hängt auch wieder von vielen Faktoren ab. Wie groß ist die Convention, welche anderen größeren Events sind in zeitlicher Nähe und wie ist sie aufgebaut? Liegt der Schwerpunkt der Con auf Merch? Liegt er auf Zeichner und das Thema Comics/Manga/Bücher? All die Faktoren ziehen bestimmte Arten von Besucher an. Welche, die einen großen Bogen um die Artist Alley machen. Oder welche, die gezielt nur wegen der Autoren und Zeichnern kommen und neugierig nach neuen Veröffentlichungen Ausschau halten.  Was man auch nicht unterschätzen darf, ist, zum wievielten Mal findet die Convention statt? Langjährig stattfindende Cons haben einen gewissen „Ruf“, den man für sich nutzen kann (bspw. die Dokomi, die sich die japanische Komiket zum Vorbild nimmt und somit einen großen Schwerpunkt auf die Artist Alley hat), während bei „frischen“ Cons alles Mögliche passieren kann.

Blätterklingen: Ich denke das Publikum vermischt sich sehr stark. Viele Gesichter, die wir auf der LBM gesehen haben, sind uns auch auf Cons wieder begegnet. Daher empfinde ich die Trennung jetzt eher als künstlich. Da wäre es leichter zwischen verschiedenen Cons zu unterscheiden – In Künstlergruppen auf Facebook wird regelmäßig diskutiert welcher Stilbereich bei welcher Con besser ankommt, Manga hier, Comic dort und Illustrationen in ungewöhnlichen Stil vielleicht wo ganz anderes.

#6: Sonst noch irgendwelche Anmerkungen zum Thema?

Diandra: Leider habe ich insgesamt noch nicht so viel Erfahrungen mit Messen oder Conventions; wenn ich nach Berichten von extrovertierteren Freundinnen gehe, scheint bei Conventions eher das Erlebnis zu zählen – Leute treffen, Dinge erleben, Spaß haben. Also all die Dinge, die mir sowieso nicht liegen. ^^

Jule: Ja ;P Ich schöpfe nur aus beruflicher Nicht-Autoren-Erfahrung und einigermaßen logischem Denken, was das Thema angeht. Gemacht habe ich so etwas wirklich noch nicht – in Ermangelung von etwas, das ich bei so etwas anbieten könnte und Zeit.

Christina: Was ich auf den Cons bisher immer super fand, war neben dem Austausch mit den Besucher*innen vor allem auch der Austausch mit anderen Autor*innen vor Ort – und Aussteller*innen anderer Art. Schon bei der zweiten Con, auf der man sich wiedersieht, ist es ein schönes, fast schon familiäres Gefühl mit den bekannten Gesichtern – und mit den neuen geht das auch ab Tag 2 los.

Genji: Lohnen sich Comic Conventions für Autor*innen? Definitiv ja! Ob nun als Besucher oder gar Aussteller. Denn nirgends sonst trifft man sich, um dem gemeinsamen Interesse von Mangas und Comics zu frönen. Allein deswegen ist die Atmosphäre immer sehr locker und entspannt. Man kann sehr leicht neue Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen. Wenn man als Autor unterwegs ist und einen Zeichner sucht, ist das auch der beste Ort, um sich umzuschauen und eventuell sogar einen Projektpartner zu finden. Selbst wenn die Convention zu keinem eindeutigen Ergebnis geführt hat, baut man sich so langsam ein Netzwerk auf und sammelt wichtige Erfahrungen in der Szene: Was ist angesagt? Wie ist die Arbeitsweise von anderen Kreativen? Wie reagieren Leute auf die eigenen Werke? Was denken sie darüber? Wie kann ich mein Produkt am besten bewerben?

Wenn man sich vor allem Zeit nehmen möchte, um mit Leuten zu reden, empfehle ich immer, an den besucherschwächsten Tagen zu kommen. Es ist weniger Gedränge und für die Aussteller auch weniger stressig wie beispielsweise ein Samstag.

Zu guter Letzt noch der Hinweis, dass Conventions von der Qualität sehr unterschiedlich sein können. Von daher sollte man als kompletter Neuling auf jeden Fall vorab nach Erfahrungsberichten suchen oder andere Aussteller/Besucher befragen.

Blätterklingen: Wenn ihr selbst ausstellen wollt: egal wie klein euer Stand ist, nehmt euch immer einen Standhelfer mit. Niemand schafft es 10 – 14 Stunden am Stück ohne Probleme am Stand zu verweilen. Und nehmt genug Süßigkeiten mit! Zucker ist euer Freund und natürlich Koffein in allen Farben des Regenbogens.

Mit diesen Gedanken, wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann auch einen Nornennetz-Stand auf einer Comic Con, mit unseren Künstlerinnen und Büchern.

* Interessante Beiträge zum Thema vom Schreibmeer:

**Autorin des Beitrags ist Anne Zandt