Fragefreitag: Welche Märchenelemente habt oder wollt ihr mal in euren Geschichten verwenden?

Als eine alte Textgattung erzählen uns Märchen schon seit Jahrhunderten von wundersamen Begebenheiten. Auch Feen als Märchengestalten sollen ihren Ursprung in den Nornen haben. Habt ihr schon einmal Märchenelemente in euren Geschichten verwendet? Wollt ihr das tun? Welche sind es? Verratet es uns im #Nornenfragefreitag.

Maelle: Die Weise Frau ist ein Topos, der mir immer wieder begegnet ist und mich jedesmal aufs Neue fesselt – und in meinem Debutroman haben sich die Weisen Frauen doch glatt als erstes hineingedrängt.

June Is:  Verzauberungen, Verwünschungen, Prophezeiungen und deren Sprengung 😉

Britta Redweik: Mir haben es in Mittelalterliedern die bleichen Frauen oder Männer im Wald angetan, die junge Menschen vom Weg locken, auf dass sie nie wieder gesehen waren. Ich habe mal einen eigenen Liedtext dazu geschrieben und würde den gern eines Tages in ein Märchen umwandeln.

Katherina Ushachov aka Evanesca: Ich habe bereits das sprechende Tier und die Erlösung durch Warten und Einhalten des richtigen Zeitpunkts. Auch schon mit Verwandlungen und Gegenständen in viel zu kleinen Behältern. Was ich in Zukunft mache? Wer weiß!

Diandra Linnemann: Mein jüngstes Projekt ist voller Märchenelemente – kein Wunder, es spielt in der Märchenwelt hinter den sieben Bergen. Das einzige, was ich nicht so recht unterbringen konnte, war „Der eiserne Heinrich“, und das tut mir leid. Vielleicht kriegt der eine eigene Geschichte, wenn es zeitlich passt.

Barbara Weiß: Banshees – bzw. Geister, die den Tod ankündigen. Die gibt es in Mythologie und Märchen haufenweise und ich habe viele Gespenster in meinen Geschichten, aber meistens treten sie direkt auf und nicht symbolisch.

Deborah B. Stone: sprechende Tiere!

Katharina Rauh:: Den besonderen Sprachstil.

Jasmin Engel: Seltsame Wesen, die halb verborgen genauso in dieser Welt leben wie die Menschen, fand ich schon als Kind faszinierend und baue sie gerne in meine Kurzgeschichten ein; überhaupt das Wundersame, dem nüchternen Menschen nicht so leicht Zugängliche.

Von Beeren und Täubchen: Märchenhafte Tipps für den Alltag

Zur Weihnachtszeit, wenn es draußen früher dunkel wird, man sich einen Tee kocht und Kerzen anzündet, dann kommen sie wieder aus allen Ecken gekrochen: Die Märchen. Sowohl die traditionellen Filme, die im Fernsehen aufgewärmt werden, als auch die Neuadaptionen im Kino. Und natürlich auch jede Menge Bücher. Dabei sind doch Märchen schon so alt und verstaubt. Oder?

Anhand einiger Beispiele* möchte ich euch hier zeigen, dass Märchen auch in der heutigen Zeit durchaus noch Relevanz besitzen und man aus ihnen einiges für den Alltag mitnehmen kann. Ob nun zur Psychophysik (Schneewittchen), Durchsetzungsfähigkeit (Aschenputtel) oder zur allgemeinen Lebenseinstellung (Hans im Glück).

 

Schneewittchen und das Weber-Fechner-Gesetz

Schulwissen ist für nichts gut? Doch, manchmal schon. Solltet ihr euch nämlich einmal wie Schneewittchen im Wald verlaufen und euch in einer Hütte an den dort vorbereiteten Speisen gütlich tun wollen, ohne entdeckt zu werden, dann kann euch die Erinnerung an das Weber-Fechner-Gesetz nützliche Dienste erweisen. Was war das denn gleich noch mal? Ich zitiere Wikipedia: „Das Weber-Fechner-Gesetz besagt, dass sich die subjektiv empfundene Stärke von Sinneseindrücken proportional zum Logarithmus der objektiven Intensität des physikalischen Reizes verhält.“ Noch nichts verstanden? Wenn ich eine Schüssel mit drei Beeren vor mir habe und eine davon esse, dann fällt das mehr auf, als wenn ich von einer Schüssel mit hundert Beeren eine esse. Ergo: Statt ein Becherchen vollständig auszutrinken, lieber aus allen einen Schluck nehmen. Und statt einen Teller ganz leer zu essen, lieber von jedem ein winziges Bisschen stibitzen. Hätte Schneewittchen das gewusst, dann wäre den Zwergen bei ihrer Rückkehr nicht aufgefallen, was sich in der Zwischenzeit bei ihnen ereignet hatte… oder zumindest nicht sofort. Denn sich in jedes Bett nur ein Bisschen zu legen… das könnte dann doch schwierig werden.

Hans im Glück

Ich finde, wir können sehr viel von Hans im Glück lernen. Und zwar nicht von dem Märchen, sondern tatsächlich von der Person Hans. Glaubt ihr nicht? Ihr findet auch, er ist einfach nur dumm, weil er immer den schlechteren Handel macht? Ich behaupte das Gegenteil und sage: Hans ist sehr bewundernswert. Er kann das, was viele von uns nicht können, nämlich das Leben leicht nehmen. Was, wenn er die Handel nicht mangels besseren Wissens abgeschlossen hat, sondern ganz bewusst? Womöglich ist es sogar die klügere Entscheidung, den Goldklumpen abzugeben, denn ein Pferd ist weniger auffällig und man handelt sich keinen Überfall und Verletzungen deswegen ein. Was bedeutet Besitz überhaupt? Wofür sollte er das Geld benötigen? Er hat ausgelernt, er kann jederzeit irgendwo eine Arbeit beginnen. Er muss nicht für eine glorreiche Zukunft sparen, wenn er die Gegenwart in vollen Zügen genießen kann. Und das sollten wir, finde ich, auch mehr tun. Nicht nur nach den Dingen streben, die etwas bedeuten, weil alle sagen, dass sie etwas bedeuten, sondern nach dem, was uns wirklich Freude macht. Zum Beispiel ein Kleeblatt, das keine vier Blätter hat, noch nicht einmal drei, sondern einfach nur zwei und damit doch so schön aussieht wie ein Schmetterling.

 

 

Aschenputtel

Das Märchen „Aschenputtel“ betrachte ich meist mit gemischten Gefühlen. Es gibt einige Adaptionen, die gefallen mir sehr, andere gar nicht. Und das liegt zum Teil daran, dass Aschenputtel es nicht schafft, sich selbst aus seinem Elend zu befreien. Es duckt sich und fügt sich in sein Schicksal und wartet ab, bis eine gute Fee auftaucht (oder der Geist ihrer Mutter) und sie rettet. Und selbst dann kämpft sie nicht für ihren Prinzen, sondern lässt andere die ganze Arbeit machen. Was ist denn das bitte für eine Moral?

Interessanterweise wurde ausgerechnet in einem Durchsetzungsworkshop (für Frauen), an dem ich teilgenommen habe, Aschenputtel als positives Beispiel aufgeführt! Warum? Die Dozentin meinte, Aschenputtel sei eigentlich sehr schlau. Sie kämpfe nicht gegen ihre Stiefschwestern und ihre Stiefmutter an, denn gegen sie hätte sie ohnehin keine Chance. Es würde sie nur unglaublich viel Kraft kosten und zu nichts führen. Stattdessen sorgt sie dafür, dass im entscheidenden Moment die Wahrheit (und Bosheit) ans Licht kommt – nämlich indem sie sich Täubchen sucht, die ihr helfen (und das Blut im Schuh petzen). Und so solle man das auch im wahren Leben halten: Wenn die „Gegner“ zu groß sind, müsse man nur wissen, wer die eigenen Täubchen seien, die die Missstände ans Licht bringen. Zum Beispiel den Personalrat oder eine Gleichberechtigungsbeauftragte oder den nächst höheren Chef … usw. Wenn man ein Zwerg ist, müsse man nicht wachsen, sondern sich nur einen Riesen suchen, auf dessen Schulter man sich setzen könne. Zum Beispiel nicht einfach nur sagen: „Ich hätte gerne … würden Sie bitte …“, sondern „Ich komme im Auftrag von … und der braucht dringend …“ Das hat nichts mit eigener Schwäche zu tun, dass man es nicht ganz alleine erreichen könne, sondern einfach mit Klugheit, zu wissen, was beim Gegenüber zieht. Eigentlich ganz clever, oder?

Als Ergänzung muss ich allerdings zugeben, dass sich meine Meinung vom ursprünglichen Aschenputtel-Märchen dadurch trotzdem nicht geändert hat. Denn ich finde, um wirklich Stärke zu zeigen, hätte sie die Täubchen aktiv darum bitten müssen, ihr zu helfen. Stattdessen wartet sie aber stets darauf, dass die Hilfe zu ihr kommt (und das ist nicht so klug). Ich finde daher, es gibt eine gute und eine weniger gute Variante, sich „wie Aschenputtel“ zu verhalten.

Was meint ihr? Kennt ihr noch weitere nützliche Märchen, deren Botschaften sich auf den Alltag übertragen lassen?

*Wem diese Beispiele bekannt vorkommen, der kennt sie vermutlich vom #MärchenMittwoch auf meiner Facebookseite 

Eure Anne Danck

Autoren Urlaub

Wo findet ihr was bei unserem Adventskalender (Cazze)

Der Adventkalender ist bereit in vollem Gange und wir haben euch schon einige literarische Leckerbissen serviert. Da man im Weihnachtstrubel gerne ein wenig die Orientierung verliert, möchten wir euch die Suche nach den Türchen ein bisschen einfacher gestalten und kleine Hinweise geben, wo ihr das nächste findet.

Gleich am ersten Tag geht es auf unserem Blog unter das Meer

Am zweiten Tag gibt es auf Facebook ein zauberhaftes Gedicht.

Die böse Stiefmutter hat am dritten Tag ihr Schuhproblem satt und postet es auf Instagram.

Am vierten Tag bekommen wir auf unserem Blog Besuch vom Rheinschiffer

Den Tag darauf wird es blumig auf Instagram.

Nikolaus feiern wir auf dem Blog, zusammen mit John.

An Tag sieben besucht König Drosselbart Mark Zuckerberg.

Ausgekräht hat es sich an Tag acht auf unserem Blog.

Am neunten Tag wird eine Prinzessin in den Bann sozialer Medien gezogen. Besonders Facebook hat es ihr angetan.

Füllt eure Kessel mit Popcorn. An Tag zehn geht es wieder heiß auf Instagram zu.

Da ihr danach sicher hungrig seid, gibt es danach etwas Leckeres zu Essen auf unserem Blog.

Vollgefuttert geht es wieder auf Instagram. Passt jedoch auf, dass die vielen bunten Bilder euch nicht blind machen.

Der dreizehnte ist eigentlich als Unglückstag verschrien. Jedoch nicht bei uns, den ihr könnt auf unserm Blog eine ganz besondere Rezension lesen.

Am vierzehnten packen wir die kurzen Hosen ein und springen mitten in den blauen Facebookpool 

Danach jagen wir auf dem Blog Legenden.

Um am Tag darauf wieder bei Facebook auf Safari zu gehen.

Der Instagrambeitrag am siebzehnten ist garantiert nicht hässlich.

Denn ihr erfahrt am achtzehnten auf unserem Blog, wie ihr euch gegen das Gift der bösen Königin schützen könnt. Und lecker ist es auch noch!

Am neunzehnten werdet ihr Instagram verfluchen, warum es euch das Türchen nicht schneller öffnet.

Ihr habt es fast geschafft! Passt vier Tage vor Weihnachten auf, dass ihr nicht zu Staub zerfallt. Sucht Schutz auf unserem Blog.

Habt ihr das überstanden, reist zum Mount Facebook und werdet verzaubert.

Danach braucht ihr Schwefelhölzer, um wieder zurück zum Blog zu finden.

Am vorletzten Tag statten wir Herr Zuckerberg noch einen Besuch ab.

Und ob wir an Heiligabend noch ein Türchen für euch haben? Keine Ahnung! Schaut doch mal auf Instagram!

*Autorin des Beitrags ist Cazze

nostalgisches Nornengestöber zur BuchBerlin

Ja, schon wieder die BuchBerlin. Wir fanden es so großartig dort und haben mit euch so gerne an unserem Nornenstand geredet, die Rallye veranstaltet und unseren Kelch gefüllt, dass wir noch einmal mit etwas Wehmut gen Berlin blicken. Da helfen uns die vielen tollen Artikel und Beiträge, die es mittlerweile gibt und die wir euch nicht vorenthalten wollen. Also auf in eine Runde Buch-Berlin-#Nornengestöber.

Auf diesem Vlog zur BuchBerlin könnt ihr richtig eintauchen in die Atmosphäre. Taucht aber bitte wieder auf;-)

Interviewt wurden auf in Berlin für das Nornennetz Elenor Avelle und Nora Bendzko. Ihr wollt wissen, um was es da ging? Schaltet dieses Video an und lasst euch überraschen.

Auch das Hallenspektrum berichtet über die Buchausstellung und hat uns dabei nicht vergessen. Aber natürlich findet ihr dort noch viel mehr Infos.

Auch unsere Norne Deborah B. Stone hat schon aus Berlin berichtet.

Der Blog Bücher aus dem Feenbrunnen gibt euch einen ganz eigenen Einblick auf die Messe.

 

Autoren Urlaub

Von drauss‘ aus Asgard komm‘ wir her – Ankündigung (Cazze)

Von drauss‘ aus Asgard komm‘ wir her;
Müssen euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf des Weltenbaum Spitzen
sah’n wir goldene Lichtlein sitzen;
Drum stoben wir aus des Bifrösts Munde,
Um zu berichten von froher Kunde:
Der Nornenkalender ist nun soweit
Um euch zu erhellen die Weihnachtszeit
Mit Lied und Text und frohem Gesang,
Mit Spaß und Freud‘ und munterem Klang
Und so wünscht euch die Nornenschar
Merry Christmas, Froh‘ Weihnacht, und ein schönes neues Jahr!

(Frei nach Rilke von Eleonore Laubenstein)

Unser Adventskalender kommt

Es ist wieder soweit! In den Städten wird die Weihnachtsdeko aufgehängt, auf Spotify werden Weihnachtsplaylisten angezeigt und Lebkuchen und Plätzchen gibt es sowieso schon seit September.

Die Nornen haben sich in den letzten Wochen mächtig ins Zeug gelegt, um euch die Adventszeit märchenhaft zu verzaubern. Doch im Gegensatz zum letzten Jahr ist uns Facebook nicht genug.

Euch erwarten drollige Drabbles auf Instagram, kuschelige Kurzgeschichten auf unserem Blog und feinstes Fabuliertes auf Facebook. Jeden Tag auf einer anderen Plattform. Das ist ein wenig wie Ostereier suchen, nur im Winter.

Viel Spaß wünschen die Nornen

Die Fantastik-Rallye auf der BuchBerlin 2018 (Diandra Linnemann)

Bestimmt habt ihr es schon mitbekommen – das Nornennetz kommt auf die BuchBerlin 2018! Am 24. und 25. November bemannen – entschuldigt, benornen wir voller Weisheit und Enthusiasmus von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr einen eigenen Stand im Mercure Hotel MOA Berlin.
Endlich habt ihr die Gelegenheit, einige unserer holdesten Nornen in Person zu treffen, in ihren Büchern zu stöbern und all die Fragen zu stellen, die euch schon immer unter den Nägeln brannten: Welchen täglichen Kalorienbedarf hat ein mittelschwerer Erddrache? In wie viele Teile muss man einen Zombie mindestens zerteilen, damit er einem nicht mehr folgt? Und wohin führt diese unsichtbare Tür?
Damit es nicht nur lehrreich, sondern auch spannend wird, haben einige Nornenschwestern sich darüber hinaus etwas ganz Besonderes für euch ausgedacht: Eine Fantastik-Rallye! Mit Hilfe anderer fantastischer Mitstreiter haben sie eine Rallye zum Thema „Autorinnen“ auf die Beine gestellt, die es in sich hat.

Auf zur Rallye

An jedem Stand auf der BuchBerlin, der mit einer unserer goldenen Federn markiert ist, hat sich ein Buchstabe in einem Buch versteckt. Wer alle Buchstaben findet und das Rätsel löst, hat die Chance auf einen wunderbaren Buchgewinn. Und für die anderen, weniger erfolgreichen Mitstreiter gibt es – habe ich mir sagen lassen – weitere Gewinne direkt beim Nornennetz. Und der feuchte Händedruck für die Teilnahme (Empfehlung des Hauses) ist auch nicht zu verachten!

Damit ihr euch eine Vorstellung davon machen könnt, was euch erwartet, darf ich euch an dieser Stelle schon einen Teil des Rätsels zeigen:

Mehr werde ich an dieser Stelle nicht verraten – nur schade, dass ich nicht selbst vor Ort dabei sein kann! Dafür drücke ich euch aus der Ferne die Daumen und andere Appendixe. Man weiß ja nie, ob es nicht doch hilft!

Hier noch einmal explizit eine Liste der Mitstreiter, ohne die diese Rallye nicht möglich wäre:

Uferlose

Sabine Niedermayr

Katrin Ils

Machandel Verlag

Arne Rosenow

Chaospony Verlag

Stella Delaney und Mika Krüger

Papierverzierer Verlag

Märchenspinnerei

Und um euch den Mund wässrig zu machen verrate ich euch auch schon, welche Bücher ihr gewinnen könnt:

Gefesselt – Der Anfang

Dreiland I

Drachenwille

Magie hinter den sieben Bergen – Winter

Zeitlose – Doras Erwachen

Savers – und es gibt sie doch

Totenläufer 

Engelsmacht

Die Nornen auf der Buch Berlin (Felicity Green)

Am 24. und 25. November findet die Buch Berlin statt – und das Nornennetz ist zum ersten Mal dabei!
Im Mercure Hotel Moa Berlin, dem Standort der Buch Berlin 2018, stellen rund 250 Verlage und Selfpublisher aus ganz Deutschland ihr Programm vor. Näheres zur Buch Berlin, Besucherinfos und Informationen zu Tickets gibt es hier: https://www.buchmesse-berlin.com/besucher-infos
An Stand Nr. 127 könnt ihr die Nornen treffen! Lernt die Mitglieder des Nornennetzes persönlich kennen, schaut euch ihre ausgestellten Bücher an – die übrigens auch zum Verkauf angeboten werden – und nehmt ein paar Goodies mit.

Unseren Kelch hat Elenor Avelle gezaubert (Foto: Elenor Avelle)

Wer ist dabei?

Unsere fleißige Bastlerin Elenor Avelle hat nicht nur wieder wunderbare Deko und Preise gebastelt, sondern ist auch mit ihren Büchern Infiziert und Gefesselt – Der Anfang am Stand vertreten.
Die musikalische Norne Nora Bendzko kann bestimmt einiges über das neue Galgenmärchen Hexensold erzählen. Der Dark-Fantasy-Roman erscheint am 29. November!
An unserem Stand anzutreffen ist auch die kreative Biologin Anne Danck, die sich besonders mit Fabelwesen auskennt und Kurzgeschichten schreibt.
Genauso wie June Is, die mit ihren in Anthologien erschienenen genreübergreifenden Kurzgeschichten von magisch-gruslig über kriminell-fantastisch bis hin zu zeitgenössisch-belletristisch alles abdeckt.

An unsere Stand treffen könnt ihr auch unsere Kulturwissenschaftlerin und Theatermaus Jana Jeworreck, die mit Dreiland I und Dreiland II im Gepäck anreist.
Germanistik-Studentin Michelle Janßen kommt aus Freiburg angereist, um euch in Berlin zu treffen!
Unsere Zeichentalent Laura Kier hätte gerne ihren neuen Steampunk-Roman Myalig mit auf die Messe gebracht, aber der Veröffentlichungstermin hat sich verschoben. Aber ihren Roman Perfektion – Die Veränderten könnt ihr natürlich am Stand sehen und auch kaufen!
Gerade erschienen ist aber Anna Kleves Gay Fantasy Werdrache – und deshalb, wie auch Drachenwille, auf der Buch Berlin dabei.

Anne Zandt, die Norne aus dem Norden, hat die Messeteilnahme für uns organisiert. Dank ihr sind wir in Berlin dabei und auch jede Menge Bücher, die sie in allen Ecken Deutschlands von uns eingesammelt hat, um sie euch mitzubringen.
Schreibcoach, Bullet-Journal-Expertin und SteamFantasy-Autorin Holly Miles ist eine unserer Standpriorinnen – ihr verpasst sie bestimmt nicht, wenn ihr an unserem Stand vorbeischaut.
Ily Romansky liegen Sagen im Blut und auf der Buch Berlin findet ihr ihren Debutroman Zara Nesbit – Blutrabe am Nornenstand – und Ily natürlich auch!

Drachenexpertin Paula Roose bringt Drachenschuld, den 3. Band ihrer Drachentau-Saga mit auf die Messe.
Fotografin und Autorin Ela Schnittke ist auch unsere Meister-Organisatorin, ohne die alles in Berlin nur halb so rund laufen würde. Schaut doch vorbei und schüttelt ihr die Hand!
Unsere Schweden-Auswanderin Tina Skupin ist auch in Berlin! EventuElche, Supermamas und Hollerbrunn hat sie im Gepäck.
Als Berlinerin darf sie natürlich nicht fehlen! Deborah B. Stone ist auch dabei.

Am Stand antreffen könnt ihr folgende Nornen leider nicht, aber ihre Bücher findet ihr dort trotzdem:

Rabea Blue mit Savers – und es gibt sie doch, Anne Granert mit Des Sandes Widerhall und Die Talentierten 1, Diandra Linnemann mit Andrea die Lüsterne … und Magie hinter den sieben Bergen – Winter sowie Eva-Maria Obermann mit Zeitlose – Simeons Rückkehr, Zeitlose – Doras Erwachen und Tropfen der Ewigkeit.

Nornen am eigenen Stand an der Buch Berlin: Kathrin Ils (Stand Nr. 130), Stella Delaney (Stand Nr. 128) und Sabine Niedermayer (Stand Nr. K4).

Wie ihr diese kreativen Nornen kennt, haben sie sich ganz besondere Sachen für euch ausgedacht. Der Nornenstand ist mal wieder mehr als nur eine Ausstellungsfläche für Bücher, sondern ein wahrlich fantastisches Event. Also, schaut am Stand 127 vorbei – es lohnt sich!

**Autorin des Beitrags ist Felicity Green

Inspirierende Frauen in der Literatur (Patrizia K. Werner)

Inspirierende Schriftstellerinnen gibt es in jeder Generation. Sie hier alle zu beschreiben vermag ich** nicht, ohne diesen Artikel ins beinahe Unendliche zu sprengen. Umso schwerer viel mir die Auswahl, da jede dieser starken Frauen ihren eigenen interessanten wie auch sehr lehrreichen Werdegang erzählen kann.
In der Hoffnung, dass jeder von euch in der folgenden Auflistung mindestens eine Autorin findet, deren zuweilen beschwerlichen Wege sie dennoch (oder gerade deswegen) an ihre Ziele brachten, stelle ich euch nun 8 Schriftstellerinnen vor und was ihre Karrieren beflügelte.

Frauen, die schreiben – sie inspirieren uns immer wieder (Foto: Patrizia K. Werner)

Agatha Christie
„The secret of getting ahead is getting started.“

Als Apothekenhelferin im Kriegslazarett des ersten Weltkriegs und auf späteren Reisen, wie auch Exkursionen mit ihrem zweiten Ehemann, sammelte Agatha Christie (1890) eine unvorstellbare Menge an Eindrücken, die sie später in ihren Büchern einarbeitete. So verwundert es auch nicht, dass ihre erste Kriminalgeschichte, die 1921 herauskam, einen Giftmord behandelte, wobei ihr Wissen aus der Medizin ihr half. Mit „The Murder of Roger Ackroyd“ wurde sie zur berühmtesten Krimiautorin ihrer Zeit. Insgesamt verfasste sie in ihrer gesamten Schriftstellerlaufbahn 66 Romane, zahlreiche Kurzgeschichten sowie einige Bühnenstücke. Das charmanteste an Agatha Christie war, dass sie von sich selbst behauptete keine Schriftstellerin zu sein. Sie sei lediglich bemüht eine gute Ehefrau zu sein, die in ihrer Freizeit gerne schreibt.

Cornelia Funke
„Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.“

Cornelia Funkes (1958) Karriere als Kinder- und Jugendbuchautorin begann 1993 mit ihrem Roman „Die wilden Hühner“. Doch ihren internationalen Durchbruch erlangte sie im Jahre 2000 mit dem Buch „Herr der Diebe“. Dieser wurde zwei Jahre darauf auf den dringlichen Wunsch eines zweisprachig aufgewachsenen Mädchens namens „Clara“, die diese Geschichte mit ihren Schulfreundinnen in England teilen wollte, ins Englische übersetzt. Übersetzungen in 22 weiteren Sprachen und Erstplatzierungen auf Bestsellerlisten folgten. Es waren Cornelia Funkes Entschlossenheit und diese gewisse Portion von Glück, die ihr den Weg als deutsche Schriftstellerin zu internationalem Ruhm verhalfen.

Emily Brontë
„I wish I were a girl again, half-savage and hardy, and free.”

Mit “Sturmhöhe” eroberte Emily Brontë (1818) im Jahre 1847 die damalige Welt. Als arme Pfarrerstochter las sie jedes Buch und jede Zeitschrift, die sie kriegen konnte und begann bereits früh mit ihren Geschwistern Charlotte und Anne eigene Geschichten zu schreiben. Doch erst mit ihrem eigenen Roman versetzte sie die Welt in Erstaunen. Bis heute ist es das einzige eigene Buch, dass sie schrieb, da sie auf der Höhe ihrer Karriere mit dreißig Jahren verstarb. Noch heute ist Emily Brontë ein Paradebeispiel dafür, dass man auch mit den geringsten Mitteln seine Träume erreichen kann. Denn zu Anfang ihrer Schreibkarriere skizzierte sie mit ihren Geschwistern ihre gemeinsamen Geschichten auf allem, worauf sich schreiben ließ und das in winzig kleiner Handschrift, da Papier in der rauen Menge, die sie benötigten, für ihre Familie unerschwinglich war.

Jane Austen
“I declare after all there is no enjoyment like reading! How much sooner one tires of any thing than of a book! – When I have a house of my own, I shall be miserable if I have not an excellent library.”

Jane Austen (1775) wuchs in einer Zeit auf, in der die Stellung als Frau in Frage gestellt wurde. Zwar führten Auswirkungen der französischen Revolution zu emanzipiertem Denken, doch bot es kaum Vorteile für die junge Jane Austen, die wie jede Frau in ihrer Stellung als Ehe- und Hausfrau unterrichtet wurde. Da sich ihre Familie zudem keine hohe Mitgift für ihre jüngste Tochter leisten konnten, blieb sie zudem unverheiratet. Von ihrer Gesellschaft in eine bestimmte Rolle gesteckt, zeigte sie jedoch früh eine außerordentliche Begabung für Beobachtungen. Diese gewonnen Erkenntnisse verarbeitete sie mithilfe ihres Schreibtalents in Geschichten wie „Stolz und Vorurteile“, womit sie der damaligen Gesellschaft mit Humor und Satire einen Spiegel vorhielt. Damit zeigte Jane Austen klar und deutlich, dass sie sich nicht einmal durch ihre vorgegebene gesellschaftliche Rolle von ihrem Drang zu schreiben abbringen ließ.

Joanne K. Rowling
“I’m a writer, and I will write what I want to write.”

Als Joanne K. Rowling (1965) begann die Bücher zu den Abenteuern von „Harry Potter“ zu schreiben, befand sie sich kurz vor dem Tiefpunkt ihres Lebens. Ihre Mutter verstarb mit 45 Jahren, drei Jahre darauf folgte die Trennung von ihrem damaligen Ehemann und auf einmal stand sie als junge, alleinerziehende Mutter ohne Einkommen dar. Sie war dermaßen verzweifelt, dass sie offen zugibt von Selbstmordgedanken heimgesucht worden zu sein. Doch ihre Idee von einer Geschichte, die die Welt im Sturm erobern sollte, gab ihr neue Kraft und so begann sie sie weiter zu entwickeln. Obwohl Rowling das Talent zum Schreiben schon früh mitbrachte und so bereits in ihrer Kindheit ihre Geschwister mit ihren Geschichten verzauberte, entschied sie sich dennoch Lehrerin zu werden. Dass ihr einst ihre Fantasie aus ihrer schlimmsten Phase verhelfen würde, hätte sie jedoch niemals für möglich gehalten. Umso deutlicher zeigt ihr Werdegang, dass man seine Träume niemals aufgeben sollte.

Autoren Urlaub

Joy Fielding
„Give a hundred writers the same idea and you’ll get a hundred different stories.“

Auch Joy Fielding (1945) schöpfte nach einigen Enttäuschungen neue Kraft und neuen Mut aus ihren Romanideen. Als es mit ihrer Karriere als Schauspielerin nicht klappen wollte und sich auch privater Frust einstellte, entschied die Absolventin in Englischer Literatur sich ihrem alten Hobby aus ihrer Kindheit zu widmen. Tatsächlich brachten ihre ersten Bücher nicht den erhofften Erfolg mit sich und sie arbeitete nebenbei als Werbedarstellerin. Trotzdem gab sie nicht auf und zeigte damit, dass sich Hartnäckigkeit, Geduld und Fleiß auszahlen und so gelang ihr 1991 der Durchbruch mit dem Thriller „Lauf, Jane, lauf!“. Es folgten zahlreiche weitere internationale Bestseller.

Mary Shelley
“Invention, it must be humbly admitted, does not consist in creating out of void, but out of chaos.”

Mary Shelley (1797) war eine emanzipierte Frau, die genau wie Jane Austen unter der gesellschaftlichen Rolle der Frau aufwuchs. Jedoch kritisierte sie diese Rolle nicht in ihren Büchern, sondern brach aus ihnen heraus. Sie verliebte sich in einen älteren, verheirateten Mann und zeugte uneheliche Kinder mit ihm, was zur damaligen Zeit den Ausschluss aus der Gesellschaft zur Folge hatte. Daraufhin reiste sie mit ihrer Familie durch ganz Europa und schrieb an ihren Romanen. Inspiriert hatte sie dazu ihr Ehemann, der selbst ein Dichter war. Mit „Frankenstein“ schrieb sie 1818 das meist adaptierteste Werk und eröffnete damit neue Wege für kommende Gruselgeschichten. Mary Shelley ist ein außerordentliches Vorbild für eine Autorin, die keine Grenzen kennt. Unerschütterlich hielt sie an ihren eigenen Wertvorstellungen fest und ging stolz ihren eigenen Weg. Dieser Mut zahlte sich mit Weltruhm aus.

Stephenie Meyer
“Sometimes ideas feel like they were already there, and that you’re just discovering them.“

Weltbekannt wurde Stephenie Meyer (1973) mit ihrer Buchserie „Twilight“, zu dem der erste Band 2005 erschien. Obwohl diese Fantasy-Reihe viel Anklang fand und wie schon die aus der Feder von Joanne K. Rowling veröffentlichte Buchserie „Harry Potter“ verfilmt wurde, erfährt die streng gläubige Mormonin sehr viel Kritik für ihr Werk. Nichtdestotrotz hielt sie das nicht davon ab, weitere Romane zu veröffentlichen und bewies damit, dass sie sich von den Kritikern nicht ihren Traum zu Schreiben und zu Schaffen nehmen lässt. Damit beweist sie welch dickes Fell man sich wachsen lassen kann und dass bloße Worte einen nicht aufhalten können.

Was ich beim Schreiben dieses Artikels gelernt habe, war, dass keiner Schriftstellerin der Erfolg einfach in den Schoss gefallen war. Nicht eine von ihnen hat mit bloßem Talent ihre Geschichten zum weltweiten Ruhm bringen können. Es gehört stets eine ungeheure Menge an Fleiß, Geduld und Hartnäckigkeit dazu. Selbst Mary Shelley, die mit ihrer ersten Geschichte „Frankenstein“ so bekannt wurde, dass sie sich hätte theoretisch zurücklehnen können, musste danach noch viel weitere Romane schreiben, da die Einnahmen von nur einem Roman nicht reichten. Schreiben ist ein Handwerk und genau wie jeder Tischler, muss auch jeder Schriftsteller, unentwegt weiter produzieren, wenn er davon leben will. Es gibt nur eine sehr geringe Anzahl von Schriftstellern, die sich wie Joanne K. Rowling nach ihrer ersten Buchserie ausruhen könnten. Aber man sollte hierbei auch bedenken, wie viele Steine Rowling in den Weg gelegt wurden, bevor sie dieses Ziel erreichte. Von Beginn ihrer Idee bis zur Veröffentlichung ihres ersten Bands vergingen 6 lange Jahre und unzählige Absagen von Verlegen, ehe einer von ihnen anbiss. Nicht aufzugeben, auch wenn es mal schwer wird, ist meiner Meinung nach am Schwersten. Doch diese Frauen in der Liste oben geben mir (und ich hoffe auch euch) Hoffnung, dass es sich auszahlt einfach weiterzumachen und keinen Weg unversucht zu lassen, bis man seinen eigenen gefunden hat.

**Autorin des Beitrags ist Patrizia K. Werner

Mach nicht Geschlechter, mach Charaktere! (Nora Bendzko)

[Neuauflage fürs Nornennetz]

(Grafik: Wikimedialimages von pixabay.com)

Ursprünglich ist dieser Artikel am 26.08.2016 auf dem ehemaligen Blog »schreibkasten« von Norne Holly Miles erschienen. Inzwischen ist sie über blog.frau-schreibseele.de aktiv. Bis auf ein paar kosmetische Änderungen, wie Rechtschreibfehler, Löschung von Wiederholungen und ähnlichem ist dieser Artikel genauso auf ihrem Blog veröffentlicht worden.

Gestatten, Nora Bendzko – ich habe die Ehre, heute für das Nornennetz zu philosophieren. Ich zähle zur fraulichen Seite des Universums, wie man an meinem Namen vielleicht erahnt. Da ich eine Autorin bin, die nie Abwechslung genug bekommen kann, habe ich nicht nur Protagonistinnen, sondern erzähle auch aus Männersicht. Ganz so, wie es viele andere Schreiberlinge tun.
Tatsächlich bin ich aber auch der Riege begegnet, für die der Sprung in den Kopf des „anderen“ Geschlechts ein großes Thema ist. Stichwort:

Gender-Marketing.

Wie schreibe ich Mann und Frau in einem Männer- bzw. Frauenbuch und umgekehrt? Solche und ähnliche Fragen sind in der Literaturwelt nicht selten, insbesondere bei romantischen und erotischen Titeln. Erotik aus Frauensicht, aber vom Autor geschrieben? Gay Romance von der Autorin? Und vergessen wir nicht geschlechterexklusiven Kategorien wie den Begriff der „Frauenliteratur“.
Ist das schon für manche ein Streitfeld, so ist ein noch größeres: Wie mache ich Geschlecht?

Diesbezüglich hat sich mir eine Diskussion in einem Schreibforum eingeprägt. Dort wollte ein Autor erstmals ein Buch für Frauen schreiben und fragte, inwiefern sich Frauen- von Männersprache unterscheidet. Was zeigte, wie sehr Lesern und Autoren eine binäre Vorstellung der Geschlechter einprogrammiert ist. Nicht theoriebasierte Annahmen wie „Frauen reden mehr“ und „Männer sind einfacher gestrickt“ wurden schnell während der Diskussion in den Raum geworfen.
Entsprechend einfach scheint die Frage zu beantworten: Wie mache ich Geschlecht? Ganz klar, ich orientiere mich am klassischen Rollenbild … oder?
Meine Antwort dazu ist: Jein. So simpel ist das nicht.

Im Folgenden werde ich erläutern, warum diese Rollenbilder eine fiese Schreibfalle sein können, und inwiefern die Geschlechterfrage von dem ablenken kann, was zur Standardarbeit von Profiautoren gehören sollte: Charaktere schaffen!

Kurze Einführung: Zu Gender, Sex und Gender-Marketing

Ich werde mich in diesem Artikel, wann immer ich „Geschlecht“ schreibe, auf die literaturwissenschaftliche Bedeutung von „Gender“ nach Judith Butler beziehen. Diese teilt „Geschlecht“ wie folgt ein:

Gender = Geschlechtsidentität (mental & sozial)
Sex = angeborene Geschlechterorgane (körperlich)

Trotz einem großen Zuwachs an LGBTQ+-Literatur und dessen steigender Nachfrage herrscht in der deutschen Literaturlandschaft das Bild des „klassischen“ Frauenkörpers mit „klassischer“ Frauenidentität vor (auf Männer übertragbar). „Klassisch“ beziehe ich auf die mentalen und körperlichen Geschlechtszuschreibungen, wie sie im 18. Jahrhundert mit dem Vater-Mutter-Kind-Modell eingeführt wurden.
Zuschreibungen, die für das sogenannte Gender-Marketing von großer Relevanz sind. Denn dieses geht von eklatanten Bedürfnisunterschieden zwischen den Geschlechtern aus, wie sie von den Erwartungen der Gesellschaft geschaffen werden. Produkte dieses Marketings sehen wir täglich ums uns: Die Trennung von Jungen- und Mädchenspielzeug in Blau und Rosa, Bikini-Models in der Axe-Werbung, oder das neue Grillbuch für „echte Männer“. So viele dieser Produkte erfolgreich verkauft werden, so viele erhalten auch Kritik.

Zwei Beispiele aus dem künstlerischen Betrieb, die beide Extreme darstellen: Gender-Marketing, das funktioniert hat, und Gender-Marketing, das in die Hose ging.

Beispiel 1: Revolutionary Girl Utena

Revolutionary Girl Utena
(Quelle: Offizielles Preview-Bild von Hanabe-Entertainment)

Unschwer zu erraten, an wen sich dieses DVD-Cover richtet, oder? Die Akzente sind mit den pinken Farben, den schönen Mädchen, dem Ballkleid und dem Schloss eindeutig gesetzt. Wer sich mit Animés auskennt, wird die langgliedrigen Figuren dem „Shoujo“-Genre zuordnen können, den Animés für Mädchen und junge Frauen.
Gerne hätte ich ein Buch vorgestellt, aber „Revolutionary Girl Utena“ (jap. „Shoujo Kakumei Utena“) ist so ein exzeptionelles Beispiel, dass ich es einfach nicht vorenthalten kann. Tatsächlich handelt es sich um einen Animé für heranwachsende Frauen.
Mit den pinken Haaren der Protagonistin, den Rosen, gut aussehenden Prinzen und unzähligen Märchenmetaphern ist „Revolutionary Girl Utena“ fast beleidigend klischeebeladen. Und doch ist die Serie nicht als Trash-Titel berühmt geworden. Tatsächlich ist diese Märchenwelt, wie sie pinker und heiler nicht sein könnte, eine Fassade, unter der Themen wie Missbrauch, Inzest, Vergewaltigung, Homosexualität, patriarchalische Gewalt und Todessehnsucht brodeln. So subtil und surreal verarbeitet, dass jüngere Zuschauerinnen nicht davon geschockt werden, sondern sich nur an den mädchenhaften Elementen erfreuen. Und rückblickend, als Erwachsene, eine tiefe Botschaft für sich entdecken können. Die Serie zeigt insbesondere Empathie für japanische Frauen, die durch ihre Geschlechterrolle unterdrückt werden, und wie man aus dieser Rolle ausbrechen kann, ohne die eigene Weiblichkeit einzubüßen.
Regisseur Kunihiko Ikuhara – ja, ein Mann – hat sein Zielpublikum eindeutig verstanden. Entsprechend erfolgreich war „Revolutionary Girl Utena“.

Beispiel 2: Die inneren Werte von Tanjas BH

Die inneren Werte von Tanjas BH
(Quelle: Offizielle Facebook-Seite vom Oetinger Verlag)

Das Bild zeigt ein Werbeplakat des Jugendromans „Die inneren Werte von Tanjas BH“, das auch als Poster dem Buch beilag. Die Autorin Jutta Wilke veröffentlichte es unter dem Pseudonym „Alex Haas“ im renommierten Oetinger Verlag. Wie bei „Revolutionary Girl Utena“ wurden hier Teenager und junge Erwachsene als Zielgruppe angepeilt, diesmal Jungen.
Kaum wurde das Werbeplakat online und in Schulen ausgestellt, wurde Oetinger mit einem gewaltigen Shitstorm konfrontiert. Der Grund? Das Plakat wurde von Mädchen und Eltern als sexistisch empfunden. Die Kontraste auf dem Plakat sind eindeutig: Wo der Junge ein „Superhirn“ besitzt, hat das Mädchen einen „Hohlraum“, und so weiter.
Laut Oetinger hat man versucht, auf ironische Art eine „authentische“ Weltsicht des pubertären Hauptcharakters wiederzugeben, für den Mädchen noch eine fremde Welt sind. Nur wurde eine Sache nicht beachtet: Das Plakat ist nicht nur geschlechter-exkludierend, sondern auch geschlechter-bewertend. Eine solche Werbung ohne Kontext in einem geschlechterübergreifenden Raum aufzuhängen – der Schule – kann nur auf Empörung stoßen. Der Verlag verteidigte die Werbeaktion mit Argumenten wie „so denken junge Männer eben“. Darüber kann man streiten. Worüber man nicht streiten kann, ist die Tatsache, dass die Werbeaktion nach hinten losging.

Was bedeutet das für mich als Autor*in?

Wie man an diesen Beispielen sieht, kann Gender-Marketing sehr unterschiedlich ankommen. Nehmen wir an, du als Autor*in begibst dich auf dieses Gebiet. Ich denke, du wünschst dir, dass dein Buch gut ankommt und nicht wegen einer politischen Unkorrektheit verrissen wird, die du nicht angestrebt hast? In diesem Fall hätte ich ein paar Tipps für dich!

Bewerte das Geschlecht nicht über

Wenn wir Schreibende etwas Neues ausprobieren, tendieren wir in der Regel dazu, zu übertreiben. Ich erinnere mich an meine Babyschritte in Sachen Erotik – grauenvoll ist noch untertrieben! Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass wir blockiert sind, wenn wir zum ersten Mal in einer ungewohnten Geschlechterperspektive schreiben.
Das absolute No-Go: die reine Klischee-Reproduktion. Insbesondere, wenn es nicht nur einzige Figur, sondern die ganze Geschlechtergruppe im gesamten Buch betrifft. Wir würden ja auch nicht haarklein jedes Klischee in eine Liebesgeschichte, einen Krimi oder Science-Fiction packen. Sicher, es sind genug nostalgische Akzente für den Vielleser gesetzt, aber dann braucht der doch ein bisschen mehr, damit die Geschichte nicht platt auf ihn wirkt.
Und da mischen Charaktere besonders mit, fern vom reinen Klischee – Geschlecht eingeschlossen.
Einige werden sich hier denken: „Aber es ist doch witzig, wenn mit Klischees gespielt wird.“ Ja, und ob! Um mit Klischees spielen zu können, muss man aber enormes Wissen über sie verfügen, sowie die Fähigkeit, sie humorvoll gegeneinander auszuspielen. Humor kann auch nur durch Kontraste stattfinden. Wo Klischee normalisiert wird, um eine ganze Gruppe zu definieren, wird ein lustiger Aha-Effekt beim Publikum ausbleiben. Ist dieses gelangweilt oder empört, nützt es nichts zu wettern, dass der eigene Witz nicht verstanden wurde – dann war man vielleicht einfach nicht witzig.

Ein Geschlecht ist nicht alle Geschlechter

Möchte man jenseits des Klischees schlau werden, kommt man um eines nicht herum: Recherche. Was bedeutet, nicht nur eine/n einzige/n Repräsentant/in einer Geschlechtergruppe zu fragen und zu glauben, so ticken alle Geschlechtsgenoss*innen.
Ich erinnere mich an eine Diskussion in einem Schreibforum, wo eine erotische Szene besprochen wurde. Dort verwöhnte die Frau die Brustwarzen des Mannes, worauf einige Autorinnen meinten: „Das solltest du streichen, mein Mann sagt immer, Männer mögen das überhaupt nicht!“ Und gleichzeitig tat sich ein anderes Lager auf: „Was, Blödsinn, mein Mann liebt das!“
An solchen und anderen Erfahrungen sieht man, dass allein schon Details der Sexualität sehr individuell sind. Entsprechend individuell sollte die Geschlechterdarstellung deiner Charaktere im Gesamten ausfallen. So machst du sie wesentlich realistischer.

Show, don’t tell!

Die Binsenweisheit aller Autor*innen gilt auch für Geschlecht. Schon Judith Butler stellte in „Gender Trouble“ fest, dass Geschlecht vornehmlich performativ ist. Soll heißen: Wir zeigen unsere Geschlechteridentität mit unserem Verhalten. So kann ein Mann „weiblich“ die Hüften schwingen oder ein Tomboy „männlich“ auf uns wirken, obwohl biologisch als Frau geboren. Das lässt sich eins zu eins auf Geschichten übertragen.
Mehr als einmal sind mir im Lektorat Phrasen untergekommen wie: „Er war die Definition von Männlichkeit.“ Was ein erstaunlich nichtssagender Satz ist. Wie gesagt, ist Geschlecht individuell, entsprechend auch die Vorstellung von Geschlechteridealen. Für den einen mag die „Definition von Männlichkeit“ ein braungebrannter, leidenschaftlicher Bodybuilder sein, für jemand anderen ein distanzierter Gothic mit langen Haaren und feinem Gesicht. Manche machen gar ihr Ideal nur an inneren Werten fest und finden keine Antwort auf die Frage, was äußerlich ihr Typ sei.
Also: definiere! Aus den individuellen Augen deiner Protagonist*innen, nicht mit der allgemeingültigen Stimme der Erzählinstanz. Und noch viel wichtiger als das Aussehen: Wie zeigt sich das Geschlecht deiner Charaktere in ihrem Verhalten? Damit meine ich nicht, dass gewisse Handlungen von der Erzählerstimme als „weiblich“ oder „männlich“ bewertet werden sollen. Schreib wertfrei. Dein Publikum kann das Verhalten deiner Charaktere sehr gut mit eigenen Vorstellungen abgleichen.

Gender-Marketing heißt nicht „Kampf der Geschlechter“

Das betrifft nicht nur die Binarität von Männern und Frauen, sondern auch Binaritäten wie Queer und Hetero, Gay versus Frauen, et cetera. Öfter kommen mir als Lektorin Texte unter, in denen verschiedene Geschlechter auftreten und sich ein Geschlecht als das „stärkere“ auftut (was längst nicht immer Männer sind), während andere Geschlechtertypen dem untergeordnet und denunziert werden. Es gibt auch Bücher, die explizit vom „Kampf der Geschlechter“ leben, wie humoristische Belletristik, in deren Zentrum die Gegensätze von Männern und Frauen stehen. Problematisch ist hier nicht, dass Differenz und Klischee Lacher hervorrufen, sondern wenn zwischen den Zeilen pauschalisierende Bewertungen stattfinden. Ein Beispiel dafür wäre frauenexkludierende Gay Romance, die Frauen nur als „die Anderen“ und Antagonistinnen auftreten lässt, aber nicht als „normale“ Charaktere.
Hier ist das Stichwort: Respekt. Für alle Seiten.
Das bedeutet nicht, dass alle Charaktere in einem Buch absolut korrekt geschrieben sein müssen. Im Gegenteil, ein sexistisches Aas kann ganz schön Wind in einen Plot bringen. Es sollte nur berücksichtigt werden, dass von Erzählerstimme oder Botschaft eine bestimmte Geschlechtergruppe nicht pauschal niedergemacht wird. Zumal diese Geschlechtergruppe Teil der eigenen Leserschaft sein kann.

Nicht an Schemata festhalten – Geschlecht ist veränderlich!

So, wie sich die Ideale der jeweiligen Geschlechterkörper durch die Jahrhunderte immer gewandelt haben, haben sich auch die Vorstellungen davon geändert, wie Mann und Frau sich zu verhalten haben – und tun es immer noch!
Früher waren Drachenkämpferinnen holde Maiden, die Babydrachen mit ihrer Lieblichkeit bezähmten. Heute köpft die erwachsene Alice den Drachen im Wunderland. Einst becircten sanftmütige Gentlemen mit adeligem Gemüt die Damenwelt. Nun sind die Bad Boys, bösen Rocker und Männer mit gebrochenen Herzen auf dem Vormarsch. Im 21. Jahrhundert gibt es von den traditionellsten bis zu den liberalsten Darstellungen hin alles an Extremen und Zwischenstationen. Entsprechend ist Gender-Marketing schwerer denn je, kritisierter als je zuvor.
Wirst du also mit beleidigten Leser*innen konfrontiert, haue ihre Kritik nicht mit dem Hammer nieder – rede mit ihnen! Denn sie sind deine beste Informationsquelle. Wenn du verschiedene Geschlechter und insbesondere Gender-Marketing machen willst, musst du wie bei allem anderen auf dem Buchmarkt immer up to date sein. Und manchmal musst du auch ins kalte Wasser springen und dich fragen: Was könnte morgen sein?
Vielleicht verlässt die Erotik ihre Schmuddelkiste und wird zur etablierten Literatur? Vielleicht wird Queer Romance das große neue Ding? Vielleicht haben alle die Schnauze voll von Dreiecksbeziehungen und warten auf den ersten großen Bestseller, in dem die Protagonistin sich für beide Männer entscheidet?

Probiere es aus!

Was immer du an neuer Perspektive oder Zielpublikum ausprobierst: Am Ende gibt es nur Try and Error mit deinen Charakteren. Lass dich gar nicht erst zu dem Gedanken verleiten, nicht eine „andere“ Darstellung auszuprobieren, weil sie nicht vorgekauten Geschlechterbildern entspricht. Lieber Kritik für interessante Charaktere als für uninteressante Geschlechterplakate bekommen – und daran wachsen!

SP oder Kleinverlag? (Diandra Linnemann)

Verstreute Überlegungen einer Autorin, die beides ausprobiert hat

Als Autorin hatte man es viele Jahre lang sehr, sehr schwer. Während es nämlich in Deutschland unzählige begeisterte und größtenteils auch talentierte Autoren und Autorinnen gibt, ist die Zahl der Programmplätze in den Verlagshäusern begrenzt. Wenn man sich die Angaben bekannter Verlage anschaut, landen auf deren Tischen pro Jahr mehrere tausend Manuskripte. Ein Beispiel: Der Oetinger Verlag veröffentlicht eigenen Angaben zufolge jährlich ungefähr 300 Kinderbücher, erhält allerdings im gleichen Zeitraum etwa 3.000 eingesandte Manuskripte. Und das sind, wenn ich richtig gelesen habe, schon recht gute Zahlen für Autoren.

Um als Autor veröffentlicht zu werden, brauchte man also bis vor wenigen Jahren sehr viel Talent, Durchhaltevermögen und vor allem: Glück. Man musste den richtigen Verlagsmenschen im richtigen Moment erwischen, um das eigene Manuskript wenigstens in die engere Auswahl für eine Veröffentlichung zu bringen.

Und plötzlich war Selfpublishing da.

Gut, genaugenommen hatte es das schon vorher gegeben: Niemand hätte einen Autor im zwanzigsten Jahrhundert daran hindern, einige hundert Bücher auf eigene Kosten drucken zu lassen und unter die Leute zu bringen. Aber diese Art von Kapital und Connections haben die wenigsten unter uns … ganz zu schweigen vom Lagerplatz für all die Bücher. Also war da zuerst das E-Book. Und dann das Self-Publishing. Plötzlich konnte jeder mit ein wenig Computererfahrung sein Buch ganz einfach der Öffentlichkeit präsentieren. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Na gut, nicht ganz. Konnte man am Anfang noch mit selbstgemaltem Cover sein Manuskript irgendwie den Leuten schmackhaft machen, wuchsen auch beim digitalen Selfpublishing die Hürden innerhalb kurzer Zeit – nicht in den Himmel, aber schon wenigstens auf Brusthöhe. Wer heute ein E-Book herunterlädt, erwartet ein professionelles Produkt. Die Leserin interessiert sich nicht dafür, ob ein Verlag dahintersteckt oder ob die Autorin alles selbstgemacht hat. Rechtschreibung, Stil, Cover, Leseerlebnis – alles soll möglichst hochwertig sein. Und da man als Autorin nicht notwendigerweise talentiert ist für Design, Buchsatz und Marketing, muss man wieder einige Dinge auslagern. Das kostet. Und man ist selbst dafür verantwortlich, dass alles rechtzeitig und gut erledigt wird. Die im Eigenverlag veröffentlichende Autorin ist nicht die Künstlerin im stillen Kämmerlein mit Internetzugang, sondern betreibt ein Business. Dafür hat nicht jeder die Nerven.

Was ist denn jetzt besser?

Weiter auf Glück beim Verlag zu hoffen – sich zunächst auf Kleinverlage zu konzentrieren? Oder doch lieber alles selbst machen, inklusive sämtlicher Risiken? Ich habe beides ausprobiert und möchte an dieser Stelle meine Erfahrungen teilen.

Seit 2013 verlege ich meine Magie hinter den sieben Bergen-Reihe. Ihr habt noch nie davon gehört? Dann teile ich damit das Los der meisten Autoren und verschwinde irgendwo in der breiten Masse. Ich mache alles selbst und verpflichte höchstens mal Freunde und Bekannte zum Testlesen. Ja, auch die Cover. Und grafisches Talent habe ich nicht gerade, ist mir selbst klar.

Cover Allerseelenkinder, © Diandra Linnemann, 2013

Als ich anfing, war das noch nicht so wild, und später wollte ich, dass die neun Cover der Reihe einheitlich bleiben. Anfang November erscheint der letzte Band, und danach werde ich mich wahrscheinlich von der Covergestaltung bis auf Weiteres verabschieden. Parallel dazu erscheint die Reihe, sobald sie komplett ist, auch in drei Sammelbänden. Für die habe ich mir die Unterstützung einer befreundeten Coverdesignerin gesichert. Man sieht den Unterschied, nicht wahr?

Cover „Magie hinter den sieben Bergen: Winter“, © Giusy Ame / Magicalcover.de, 2018

Außerdem konnte ich, nach einigen Kurzgeschichten, im Jahr 2017 endlich einen kompletten Roman in einem noch sehr frischen Kleinverlag veröffentlichen. Der Chaospony Verlag, gerade eben erst gegründet, verliebte sich in meine erste Fassung von Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes und zog das Abenteuer mit mir gemeinsam durch. Einschließlich professionell gestaltetem Cover, Lektorat, Korrektorat, Werbemaßnahmen, Messepräsenz etc.

Gut, und was war denn jetzt besser?

Um ehrlich zu sein … ich kann das gar nicht so genau sagen. Ich liebe die Arbeit mit dem Verlag. Lauter professionelle, begabte Leute, die – gerade, weil es ein Kleinverlag ist – mit Herzblut bei der Sache sind und ständig mit verrückten Ideen und Plänen um die Ecke kommen. Meine Lektorin war unglaublich engagiert und hat mich etliche Male zum Schimpfen und Fluchen gebracht – ehe ich ihre Anregungen umgesetzt hatte, denn sie sie hatte Recht.

Ich konnte während des kompletten Prozesses Ideen einbringen und erhielt Rückmeldung, und auch der Kontakt zu den anderen Autoren – da wir ja noch eine überschaubare Gruppe sind – ist nach wie vor vorhanden und gut. Die Chefin hat sogar als Goodie zu meinem Buch kleine Tentakel zum Anheften genäht, sind die nicht herzallerliebst?

Tentakel an der Tasche, © Diandra Linnemann, 2018

Allerdings muss man sich, wenn man bei einem Kleinverlag veröffentlicht, auch darüber im Klaren sein, dass es kein gigantisches Marketingbudget gibt, und Bestseller sind eher unwahrscheinlich. Viele Ideen scheitern aus Geld- und Zeitmangel, und es ist definitiv von Vorteil, wenn man selbst aktiv wirbt und sich um Dinge wie Lesungen etc. bemüht. (Ich vermute, das wäre für Anfängerautoren auch bei etablierten Verlagen nicht groß anders.)

Bei meinen Kurzgeschichten hatte ich über die Jahre auch die eine oder andere negative Erfahrung mit Kleinverlagen. In einem Fall erfuhr ich erst durch eine andere betroffene Autorin, dass eine Geschichte, die ich eingereicht und für die ich nie Rückmeldung erhalten hatte, tatsächlich in einer Anthologie veröffentlicht worden war. Ohne Vertrag, ohne Benachrichtigung, ohne irgendwas. Inzwischen hatte ich genau diese Geschichte als unveröffentlicht woanders angeboten und sie war auch genommen worden – glücklicherweise hatte dieser zweite Kleinverlag keine Probleme damit, so dass mir eine Menge Scherereien erspart blieben. Auf meine Rückfrage per E-Mail an den ersten Verlag, wie so etwas passieren konnte, erhielt ich nur eine patzige Antwort: Wenn man seine Geschichte einsende, erteile man automatisch die Einwilligung zur Veröffentlichung. Wahrscheinlich hätte ich dagegen vorgehen können, aber: Verschüttete Milch und so. Ich habe es als Erfahrung abgehakt und werde mit diesem Verlag einfach nicht mehr zusammenarbeiten. Professionalität ist eben nicht automatisch vorhanden, nur weil jemand gerne Bücher machen möchte. Das gilt für Verleger genauso wie für Autoren.

Apropos Professionalität

– in einem Kleinverlag hat man natürlich nur begrenztes Mitspracherecht bei der Auswahl von Lektorin, Korrektorin oder Coverdesignerin. Man muss darauf vertrauen, dass der Verlag trotz begrenztem Budget mit professionellen Leuten zusammenarbeitet. Bislang war meine Erfahrung dabei allerdings durchaus positiv.

Im Selfpublishing reizt mich vor allem die Möglichkeit, sehr spontan zu sein und alles allein entscheiden zu können. Wenn ich Lust habe, drei Bücher in einem Jahr zu veröffentlichen, hindert niemand mich daran – kein Verlagsprogramm mit begrenzten Plätzen, kein Stau bei der Lektorin, nicht einmal der gesunde Menschenverstand. Ich bestimmt die Titel selbst, suche die Cover aus und kann sämtliche Termine so legen, wie ich will.

Andererseits hält mich auch niemand davon ab, etwas Dummes zu tun.

Vor einigen Jahren hatte ich im November plötzlich eine Idee für eine Fantasygeschichte, die perfekt in die Weihnachtszeit passte. Ich schrieb sie wie im Fieber, polierte ein wenig und veröffentlichte sie nur wenige Wochen später. Und genau so sieht sie auch aus. Seit einer Ewigkeit dümpelt die Überarbeitung und Professionalisierung von Lilienschwester auf meiner To-do-Liste herum, denn die Geschichte ist nach wie vor gut … nur die Ausführung war stümperhaft. Wenigstens kann ich im Selfpublishing jederzeit hingehen und Verbesserungen vornehmen, wenn mir etwas auffällt. Der Schaden, den eine vorschnelle Veröffentlichung für meinen Ruf anrichtet, den kriege ich so leicht auch nicht wieder weg.

Und was mache ich mit zukünftigen Büchern? Tja, gute Frage … eine weitere Zusammenarbeit mit dem Chaospony kann ich mir gut vorstellen, falls sie weitere Bücher von mir haben wollen. Auch andere Klein- (und hoffentlich irgendwann Groß-) Verlage sind Möglichkeiten. Aber das Selfpublishing stärkt mir den Rücken – wenn mir die Konditionen nicht zusagen oder niemand mein Manuskript will, obwohl ich davon überzeugt bin, kann niemand mich davon abhalten, die Zügel wieder selbst in die Hand zu nehmen.

**Autorin des Beitrags ist Diandra Linnemann