SP-Day 2018 (Paula Roose)

Als ich** meinen ersten Roman schrieb, war es genau das Jahr, in dem Amazon seine Pforten für Selfpublisher öffnete, kostenfrei und ohne Risiko. So bin ich quasi von Anfang an in die Selfpublishing-Szene hineingerutscht. Ich bekam Kontakt zu anderen Angehörigen der schreibenden Zunft und mit deren Hilfe und nach über einem Jahr Recherche war mein Roman 2014 so weit, dass ich eine Veröffentlichung wagte. Der Aufwand hatte sich gelohnt. »Drachentau« war drei Wochen in den Top 100 der Amazon-Fantasy-Charts, hat es im Gesamtranking bis auf 280 hoch geschafft und sich fast zwei Jahre am Markt gehalten.

Selfpublishing heute

Wer heute ein Buch ohne Verlag veröffentlichen möchte, muss nicht mehr ein Jahr recherchieren, um an die nötigen Informationen zu kommen. Eine Veranstaltung, die sich meines Erachtens dafür lohnt, ist der SP-Day, der nun schon zum fünften Mal stattgefunden hat. Ich selbst war das zweite Mal dabei, und ich finde, es ist mehr, als nur ein Klassentreffen selbstpublizierender Autoren. Okay, der Preis ist mit 210,- € für Spätentschlossene sportlich, aber man bekommt etwas geboten für das Geld. Die Veranstaltung ist gefüllt mit interessanten und relevanten Vorträgen und ich habe die Möglichkeit, vor Ort mit Vertretern wichtiger Plattformen zu sprechen. Das ist deutlich effektiver und angenehmer, als nur via E-Mails zu korrespondieren.

Übernachtet hat unsere Norne im City Hostel in Düsseldorf (Foto: Paula Roose)

Und last but not least finde ich es einfach schön, mich einmal im Jahr auf den Weg zu machen und ins Getümmel zu stürzen. Ein kleines Kontrastprogramm zu dem doch sonst einsamen Schreiben am PC.

 City Hostel Düsseldorf …

… war der Veranstaltungsort. Die Jugendherberge liegt direkt am Rhein. Wer, wie ich, eine weite Anreise hatte, konnte in der Jugendherberge kostengünstig übernachten, auch ohne DJH-Mitgliedschaft. Mit Blick auf den Rhein begann mein persönlicher SP-Day ganz entspannt beim Frühstück. Ich hatte schon mal Gelegenheit zu schauen, wer noch so angereist war. Leider niemand, den ich kannte. Das war schade, aber für den Moment war es mir auch ganz recht, erstmal ein wenig abseits zu sitzen und die Aussicht zu genießen.

Der Vormittag

Bevor es losging, mussten wir einchecken, bekamen ein Erkennungsband für das Handgelenk und eine herzliche Begrüßung samt Beutel mit Infos und SP-Day-Logo. So ausgerüstet stieg ich in den zweiten Stock zum Konferenzsaal hinauf. Die Stühle waren mit Leseproben eines Autors garniert, zu dessen Zielgruppe ich nicht gehöre. Also war ich so frei, sie zur Seite zu legen, bevor ich Platz nahm. War der Saal fünf Minuten zuvor noch recht verwaist, füllte er sich dann doch zügig. Pünktlich um 9.15 Uhr, darauf kann man sich beim SP-Day verlassen, startete der Tag mit einer Begrüßung durch den Veranstalter Lutz Kreutzer. Er bat um Handzeichen, wie oft die Teilnehmer schon dabei gewesen waren. An allen fünf Veranstaltungen hatte niemand teilgenommen, ungefähr die Hälfte der 145 Teilnehmer waren zum ersten Mal dort.

Und dann ging’s auch schon los.

Ein informativer Tag von Anfang an (Foto: Paula Roose)

 Der Autor als Marke …

war das erste Thema, gestaltet von Carolin Reif von NeoPubli. Sie brachte uns nahe, warum es wichtig sei, eine Marke zu sein, wie man diese sinnvollerweise aufbaut und gab Tipps, wie man für sich einen Wiedererkennungswert schafft. Der Begriff »Marke« behagt mir zugegebenermaßen nicht so sehr, bin ich doch mehr so der Genuss- und nicht der Fließbandschreiber (was ich an dieser Stelle auf keinen Fall abwerten möchte, im besten Fall fällt das ja auch zusammen). Während ich ihre Ausführungen verfolgte, musste ich mir eingestehen, dass es doch etwas für sich hat und ich viele Punkte längst umgesetzt hatte, ohne mir bewusst zu sein, dass ich damit an meiner Marke arbeite, z.B. ein Cover mit Wiedererkennungswert oder ein bestimmtes Romanthema, in dem ich mich zuhause fühle und gut auskenne. Sie begann ihren Vortrag mit einem Zitat von Oscar Wilde: »Sei du selbst, alle anderen gibt es schon«. Um das praktisch werden zu lassen, stellte sie uns drei Fragen: Wer bin ich, wofür stehe ich und wie möchte ich wahrgenommen werden?

 Meine Fanbase …

… schloss nahtlos an die »Marke« an und da hatte Tanja Fischer von LovelyBooks handfeste Tipps für uns. LovelyBooks stellt die größte Lesecommunity im deutschsprachigen Raum dar, allerdings treffen sich dort in der Hauptsache Leser der Genres Fantasy, Krimi und Thriller, Liebesroman und Jugendroman. Autoren, die in diesen Genres schreiben, können hier also gut Leser finden. War es früher den Verlagsautoren vorbehalten, ein Autorenprofil anzulegen, sind die Tore jetzt auch für Selfpublisher (SPler) geöffnet. Es lohnt sich wirklich, dieses einzurichten und zu pflegen, denn die Bücher werden automatisch vom VLB übernommen, wenn sie erscheinen. Und ob eine nackte Seite über mich neben meinen Büchern prangt oder eine schöne einladende, habe ich allein in der Hand. Auch von Tanja Fischer kam der Rat, man selbst zu sein, kreativ, aktuell und informativ – wie auch immer man die Profile dann damit füllen möchte. LovelyBooks ist eng verknüpft mit Leserunden. Man kann sie als Autor mit und ohne persönliche Teilnahme starten. Sie empfahl aber, auf jeden Fall selbst daran teilzunehmen, weil Leser das sehr mögen und man Gelegenheit hat, direktes Feedback zu seiner Geschichte zu bekommen.

Außerdem wies sie auf die Möglichkeit hin, auf LovelyBooks Werbung zu schalten.

 Der für mich interessanteste Vortrag des Morgens …

… kam von Daniel Seebacher von Tolino. Als gelernter Buchhändler gab er uns einen kleinen Einblick, wie Buchhändler ticken, wie man sie optimal anspricht und sein Buch in einem lokalen Buchladen platziert bekommt. Zunächst braucht das Buch neben einem griffigen Klappentext ein Cover, das auch in Thumbnailgröße funktioniert und gut lesbar ist. Mir persönlich war das nicht neu, aber es ist wohl immer noch einer der häufigeren Fehler.

Dann kamen einige Hinweise, die mir als SPlerin sehr wohl neu waren. Denn Buchhändler und Autoren haben etwas Entscheidendes gemeinsam: Sie wollen Leser. Und darauf lässt sich aufbauen. Wir haben den Buchhändlern durchaus etwas zu bieten: Lesernähe, Eigeninitiative und Marketing, Regionalität, Lesungen und Nischenthemen. Außerdem können wir schnell auf Trends und Marktveränderungen reagieren.

Ein schöner Ausblick beim SP-Day 2018 ( Foto: Paula Roose)

Die Buchhändler ihrerseits können uns neue Zielgruppen erschließen, haben ein Empfehlungswesen, das Perlen und Unbekanntes zum Leser bringt, präsentieren Waren und bieten die Chance auf Impuls- und Zusatzkäufe, wenn sich jemand in der Schlange an der Kasse doch noch schnell für unser Buch entscheidet. Außerdem bieten sie ein fast einzigartiges System der »über Nacht Bestellbarkeit«, verfügen über regionale Kontakte und können eBook und Print optimal miteinander verknüpfen. Aber auch Buchhändler brauchen neben den Nischenthemen Bestseller, damit der Laden sich hält, und haben nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung.

Um unseren Titel beim Buchhändler unterzubringen, empfahl er es, uns zunächst mit dem Sortiment des Buchladens zu beschäftigen und zu sehen, ob unser Buch dort überhaupt hineinpasst. Wenn das der Fall ist, können wir den Händler auf gleicher Augenhöhe begegnen und ihm zeigen, dass wir ihn verstehen. Ein Buchhändler braucht 40% Rabatt, um schwarze Zahlen schreiben zu können, und er hat ein Remissionsrecht, d.h. er kann gekaufte Bücher zurückgeben, wenn eine Neuauflage erscheint.

Für mich war dieser Einblick in den Buchhandel sehr aufschlussreich, auch aus der Perspektive, dass ich einiges zu bieten habe, was für den Buchhändler interessant ist.

Auf zu den Workshops

Nach den Vorträgen im Plenum und einer Kaffeepause teilten die Besucher sich auf die Workshops auf, je nach persönlicher Interessenlage konnte unter anderem zwischen »Lesungen akquirieren«, »Pitch«, »Projektmanagement«, »Nutzen aus einem Lektorat ziehen«, »Social Media für Autoren« und »Kooperation mit Agenturen« gewählt werden. Ich entschied mich für »Rhetorik für Autoren«, gehalten von Ruprecht Frieling, und erhoffte mir, etwas mehr über professionelle Redekunst zu erfahren.

Mein persönliches Highlight …

… war der Nachmittagsworkshop mit Brigitte Mayer »Perfekte Texte für Lesungen – wie man aus Buchtexten leicht verständliche Hörtexte macht«. Hier ging es richtig zur Sache. Wie muss ein Text aufbereitet werden, damit er sich gut anhört? Wie muss er betont werden, was muss in einem Bogen zusammen gelesen werden und wo gehören unbedingt Pausen hin? Was muss umformuliert werden, weil der Hörer es sonst schlecht erfasst? Immer, wenn der Hörer Zeit braucht, das Gehörte zu verstehen, habe ich seine Aufmerksamkeit für einen Moment verloren. Es muss also jedes Wort ohne Umweg bei ihm ankommen.

Sehr einfühlsam und ermutigend brachte sie uns das Thema näher und ich traute mich zum Ende, meine Textaufbereitung vorzutragen und »Stimme zu geben«. Schon 2017 hatte ich einen ihrer Workshops genossen und war begeistert. Hier eine ganz klare Empfehlung von mir.

Ein letzter Blick auf dem Heimweg (Foto: Paula Roose)

 Zum Schluss …

… ging es noch einmal ins Plenum. Wir bekamen in Kürze das Wichtigste für Autoren zur neuen DSGVO von Medienanwalt Sven Nelke vermittelt, die viele Autoren in den vergangen Wochen stark beschäftigt hatte.

Den Autorengrill, ein Interview mit Catherine Shepherd und Carin Müller, konnte ich nicht mehr verfolgen, denn meine Heimreise war weit und mein Zug wartete schon.

Mein Fazit

Der SP-Day lohnt sich. Die Veranstaltung ist durch und durch professionell, bestens organisiert, liefert viel Input und es macht Spaß, andere Autoren außerhalb des Internets zu treffen und sich auszutauschen. Nächstes Jahr geht es nach Nürnberg. So Gott will, werde ich wieder dabei sein. Ich hoffe, wir sehen uns.

Wenn ich euch auf den Geschmack gebracht habe, schaut einmal hier: https://self-publishing-day.de/

**Autorin des Beitrags ist Paula Roose

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Liebe Paula,

es freut mich sehr, dass dir der gesamte SP-Day und insbesondere mein Vortrag zu Onlineshops und stationärem Handel so gut gefallen haben. Ich finde es schade, wie viel Potenzial zwischen Autoren und Buchhändlern verschenkt wird, weil keiner genug Einblick in die Welt des anderen hat. Ich hoffe, dass ich in den knappen zwanzig Minuten ein bisschen dazu beitragen konnte, zwischen den Gruppen zu vermitteln 🙂

Danke für den tollen Nachbericht und viele Grüße

Daniel