Frauen der Weltliteratur – Der Nornenschuber

Die meisten Bücher, die in der Schule als wichtige Literatur im Unterricht durchgenommen werden, sind von Männern. Dabei gibt es eine Vielzahl an Werken, die von Frauen geschrieben wurden. Um euch einige vorzustellen, haben wir Nornen einen Schuber mit zehn Büchern zusammengestellt. Die Wahl war schwer, denn es gibt so viele gute, wichtige Arbeiten und Romane von Autorinnen aus der ganzen Welt.
Hier präsentieren wir euch die zehn Bücher, für die alle Nornen mehrheitlich gestimmt haben.

Zum Schluss kündigen wir noch drei Dinge an. Nun aber unser Nornenschuber “Hidden Powers”.

Stolz und Vorurteil

Erschienen 1813
Liebesroman
Autorin: Britische Schriftstellerin Jane Austen

Die Geschichte der Familie Bennet spiegelt große Teile des sozialen Lebens des frühen 19. Jahrhunderts wider. Vor allem die Rolle der Frau in der Familie und das Schicksal der Töchter sind zentraler Bestandteil der Erzählung, aber auch die Bedeutung der sozialen Stellung und die allgemein geltenden Regeln des Anstands, die damit verbunden sind. Besonders bestechend sind die vielschichtigen und individuellen Charaktere, die alle ihre Fehler und ihren Charme haben. So verlieren die Figuren auch im allgemeinen Trubel um eine passende Verbindung, die ihre Zukunft sichern soll, weder an Schärfe, noch an Witz. Wer kennt sie nicht, die kesse Aussage von Elizabeth Bennet: „Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.“

von Elenor Avelle

Frankenstein oder Der moderne Prometheus

Erschienen 1818
Science-Fiction
Autorin: Britische Schriftstellerin Mary Shelley

Die Geburtsstunde der Science-Fiction ist umringt von Mythen und Legenden. Als Teil eines freundschaftlichen Schreibwettbewerbs, der aus Langeweile entstand, entwickelte und schrieb Mary Shelley diesen Klassiker. Inspiriert wurde sie dabei unter anderem von einem Alptraum, der sie nach einer Fehlgeburt heimsuchte. Aber auch damalige bahnbrechende Experimente und Errungenschaften auf dem Gebiet der Elektrizität und der medizinischen Forschung fanden ihren Weg in das Werk, welches im Februar 1818 zunächst anonym veröffentlicht wurde.

Der Schweizer Wissenschaftler Victor Frankenstein erschafft mit Hilfe von Elektrizität aus Leichenteilen ein neues, eigenständiges Lebewesen. Die Kreatur betrachtet ihn als ihren Vater, aber er jagt sie voller Angst davon. Tragisch überschlagen sich die Ereignisse, als das „Monster“ Anschluss sucht und doch nur Abscheu findet. Letztendlich führt Victors Weigerung, Verantwortung für seine Schöpfung zu übernehmen, zur kompletten Vernichtung seiner Familie und aller Personen, die ihm nahestehen – inklusive der Kreatur.

von Diandra Linnemann und Anne Zandt

Orlando

Erschienen 1928
Historische Fantasy
Autorin: Britische Schriftstellerin Virginia Woolf

Orlandos Biographie erstreckt sich über fünf Jahrhunderte bis in die heutige Zeit, wobei er in der Mitte der Geschichte das Geschlecht wechselt. Trotz seiner und ihrer ungewöhnlichen Art des Seins werden der männliche und die weibliche Orlando den Geschlechtervorgaben der jeweiligen Epoche unterworfen, was zum Teil witzige und absurde Konflikte verursacht. Virginia Woolf beschrieb den 1928 erschienen Roman als humorvolle und leicht zu lesende Lektüre, die sie schnell verfasst habe. Sie widmete ihn ihrer Geliebten Vita Sackville-West, die die Vorlage für die Hauptfigur war.

von Jana Jeworreck

Mord im Orientexpress

Erschienen 1934 (deutsche Übersetzung unter Die Frau im Kimono im selben Jahr)
Krimi
Autorin: Britische Schriftstellerin Agatha Christie

Ein Unwetter zwingt den Orientexpress im Dezember 1931 – mit ihm die große Autorin Agatha Christie und bessergestellte Menschen aus vielen europäischen Ländern -, fast 24 Stunden stillzustehen. Die Reisenden versammeln sich im Salon und im Speisewagen. Sie genießen die Annehmlichkeiten des Zuges, das Essen, das Miteinander.
Christie macht das Beste daraus: ein Buch! Sie sitzt an ihrem Tisch mit ihren Gedanken und der Geschichte aus dem Orientexpress, die schon seit ihrer ersten Fahrt vor drei Jahren in ihr keimt. Bei starkem Orientkaffee und feinen Speisen entwickelt sie den Krimi um einen grausamen Mord an einem gefürchteten Mann. Auch in ihrem Roman zwingt ein Unwetter den Zug zum Halten und die Verdächtigen stammen aus den verschiedensten europäischen Ländern. (Spoiler!) Der Plot um einen kollektiven Mord aus kollegialem Zusammenhalt war absolut neu – und ist mittlerweile tausendfach kopiert. Überdies war die Exotik des Drumherums, der Zauber der Luxuswaggons, ein Blick in eine andere Welt – die Popkultur um den Orientexpress ist immer noch eng verwoben mit Christies Krimi.
Mord im Orientexpress wird ihr berühmtestes Werk. Das Buch wird in 300 Ländern verkauft, bleibt bis heute ein Kassenschlager, egal, in welchem Medium es adaptiert wird.

von Claudi Feldhaus

Die Linke Hand der Dunkelheit

Erschienen 1969
Science-Fiction
Autorin: US-amerikanische Schriftstellerin Ursula K. Le Guin

Im Zentrum dieses Science-Fiction-Romans steht das androgyne, sonst den Menschen sehr ähnliche Volk des Planeten Gethen. Obwohl es bei ihnen, im Vergleich zur Erde, keine geschlechtsspezifischen Machtkämpfe und Hierarchien gibt, geht es bei den Gethenianern auch nicht friedlich und gleichberechtigt zu. Ein Abgesandter der Erde wird auf Gethen in politische Machtkämpfe verwickelt und muss schließlich gemeinsam mit einem Gethenianer durch die Eiswüsten des Planeten fliehen. Auf ihrer beschwerlichen Flucht lernen die beiden sich und ihre jeweiligen Völker besser kennen. Kompliziert wird es, sobald der Gethenianer während der langen Reise in seine kurze Phase sexueller Erregbarkeit kommt und sein Geschlecht automatisch an den anpasst, zu dem er sich hingezogen fühlt. Der Gethenianer wird weiblicher und auch der Abgesandte der Erde entwickelt Gefühle.
In mancher Hinsicht geht dieser Roman überraschend modern mit heute wieder aktuellen Themen um: Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit, Freiheit.

von Jasmin Engel

Ronja Räubertochter

Erschienen 1981
Kinderbuch
Autorin: Schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren

„Ronja Räubertochter“ ist ein Buch über Freundschaft, Freiheit und den Mut, Vorurteile und Hass zu überwinden. Wie der Titel verrät, ist Ronja die Tochter des Räuberhauptmann Mattis. Auf ihren täglichen Ausflügen lernt sie schnell, sich all den Gefahren ihrer Heimat zu stellen. Dabei trifft sie auf Birk, den Sohn des Hauptmanns der verfeindeten Borkaräuber. Zwischen den Kindern entwickelt sich unerwartet eine tiefe Freundschaft. Obgleich Ronjas Vater, der wichtigste Mensch in ihrem Leben, sie wegen dieser Freundschaft verstößt, halten Ronja und Birk zusammen. Gemeinsam verbringen sie unbeschwerte Tage, umgeben von all den Tieren und Sagengestalten des Mattiswaldes. Erst mit dem Frost des Winters, fügen sich Mattis und Borka und versöhnen sich. Als Stimme der Vernunft steht dem sturen Gehabe der Räuber im ganzen Roman Ronjas Mutter Lovis entgegen. Am Ende siegt jedoch der Wille der Kinder. Unabhängig von den Erwachsenen bleiben sie lange Sommer in ihrem Wald.

von Jule Reichert

Das Geisterhaus

Erschienen 1982 (deutsche Übersetzung 1984)
Gesellschaftsroman
Autorin: Chillenische Schriftstellerin Isabel Allende

Der dem magischen Realismus zugeordnete Roman erzählt die Geschichte einer großbürgerlichen Familie über vier Generationen. Im Zentrum stehen Clara del Valle, ihre Tochter Blanca und die Enkelin Alba. Ihr von politischer wie familiärer Gewalt geprägtes Leben spiegelt die Umbrüche Chiles in der Zeit zwischen der Wende zum 20. Jahrhundert und etwa 1980. Sie und ihr Umfeld stehen stellvertretend für Menschen in autoritären bis diktatorischen Regimen. Ihr Widerstand und ihr Einsatz für mehr Gerechtigkeit machen das Buch zu einem Plädoyer für eine bessere Gesellschaft.
Neben dem Motiv der politischen Umbrüche (Postkolonialismus, Diktatur, Demokratie, Junta) behandelt Allende fast nebenbei auch die Themen Unterdrückung, Rache, Klassenkampf, Frauenrollen und -rechte sowie die Fragen nach Schicksal und freiem Willen.

von Nike Leonhard

Die Farbe Lila

Erschienen 1983
Briefroman
Autorin: US-amerikanische Schriftstellerin Alice Walker

Das Melodram beschreibt die Lebensbedingungen afroamerikanischer Frauen in den Südstaaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Beispiel der Erzählerin Celie. Über Jahre hinweg wird sie Opfer patriarchalischer und sexueller Gewalt und beginnt erst durch ihre unabhängige Freundin Shug, sich daraus zu befreien. Die Farbe Lila begleitet sie bei ihrem Ausbruch aus repressiven gesellschaftlichen Zwängen – lilafarbene Blumen am Wegesrand, die das Bild von einem männlichen, weißen Gott aufbrechen, oder selbstgenähte Hosen – eine davon mit einem lilafarbenen Hosenbein – durch deren Verkauf Celie finanzielle Unabhängigkeit von ihrem gewalttätigen Ehemann erlangt. Auch anhand der anderen Figuren erfährt man, wie Frauen, die zusammenhalten, sich über ihr Schicksal erheben und die Welt für sich und ihr Umfeld verbessern.

von Odine Raven

Der Herr der Diebe

Erscheinungsjahr: 2002
Jugendbuch
Autorin: Deutsche Schriftstellerin Cornelia Funke

Um zu verhindern, dass die beiden Brüder Prosper und Bo nach dem Tod ihrer Mutter getrennt werden, reisen sie heimlich nach Venedig. Zwischen dunklen Kanälen, Taubenschwärmen und einem Gewirr enger Gassen schließen sie sich einer Kinderbande an, die vom „Herrn der Diebe“ geführt wird – einem älteren Jungen, der stets mit einer Vogelmaske in Erscheinung tritt. Als sie den geheimnisvollen Auftrag erhalten, einen Holzflügel zu stehlen, geraten sie in ein gefährliches Abenteuer: Denn der Flügel gehört zu einer Löwenfigur auf einem magischen Karussell, das aus Kindern Erwachsene und aus Erwachsenen Kinder macht. Genau dieses Motiv ist es, das die Autorin fantasievoll thematisiert. Vorstellungen und Realität Erwachsener und Kinder stehen einander immer wieder in wechselnden Perspektiven gegenüber, in die sich nach und nach auch fantastische Elemente mischen.
Das Buch gilt als Cornelia Funkes entscheidender Durchbruch. Bereits auf den ersten Seiten gelingt es ihr, die Leser*innen mit der Atmosphäre Venedigs vertraut zu machen und einen mitten hineinzuziehen in eine Geschichte von Freundschaft, Enttäuschung und dem Erwachsenwerden.

von Anna-Birke Lindewind und Juliet May

Ich bin Malala

Erschienen 2013
Autobiografie
Autorin: Pakistanische Schriftstellerin Malala Yousafzai

Die Autobiografie erzählt die Geschichte des pakistanischen Mädchens Malala. Mit elf Jahren startete sie einen Blog, in dem sie über das Leben als Mädchen im von den Taliban besetzten Pakistan berichtete. Schon ihr Vater setzte sich für das Recht auf Bildung für Mädchen ein. Als die Taliban Mädchen vom Unterricht ausschließen wollten, handelte Malala. Sie berichtete der Welt von ihrer Angst und ihrem Wunsch nach Bildung, von den täglichen Strapazen und ihren Hoffnungen. Dafür zahlt sie beinahe mit ihrem Leben. Am 09.10.2012 – Malala ist gerade fünfzehn Jahre alt – wird ihr Schulbus von der Taliban abgefangen. Männer treten ein und fragen nach Malala. Sie schießen dem Mädchen in den Kopf. Die ganze Welt ist ergriffen und bangt um das Leben der mutigen jungen Frau. Malala überlebt und setzt sich weiter für die Rechte der Frauen auf Bildung ein. 2014 bekam sie als jüngste Preisträgerin den Friedensnobelpreis verliehen. Ihre Geschichte zeigt den täglichen Kampf vieler Mädchen und Frauen für ihr Recht auf Bildung und Gleichberechtigung. Die eindrucksvollen realen Geschehnisse vermitteln einen bewegenden Einblick in die systematische Unterdrückung von Frauen und die Bedeutung von Bildung. Eines der bekanntesten Zitate von Malala stammt aus ihrer Rede vor den Vereinten Nationen 2012: „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“

von Eva-Maria Obermann

Diese zehn Werke von Autorinnen sind eine Auswahl, die es sich zu lesen lohnt. Deshalb wollen wir Nornen mit euch von März bis Dezember 2020 eine Leserunde veranstalten. Jeden Monat lesen wir mit euch gemeinsam eines der zehn Bücher und tauschen uns unter dem Hashtag #Nornenschuber in den SoMe-Kanälen darüber mit euch aus. Der Lesereiseplan wird im nächsten Jahr von uns herausgegeben.

Aber das ist noch nicht alles. Weil es mehr als zehn wundervolle Bücher zu entdecken gibt, wollen wir euch natürlich verraten, welche Bücher noch bei uns auf der Liste stehen. Ein Artikel zu den Büchern folgt und auch zu diesen Werken wollen wir im Jahr 2021 eine Aktion veranstalten. Nähere Informationen zur weiterführenden Aktion nach der ersten Leserunde wird es voraussichtlich Ende 2020 geben.

Und wir sind immer noch nicht durch, denn nach dem Schuber “Hidden Powers” wird es Zeit für einen weiteren. Er wird unter der Bezeichnung “Together” veröffentlicht und das Geschlecht wird keine Rolle spielen. Seid gespannt.

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Karl-Heinz Zimmer
10 Monate zuvor

Wunderbare Auswahl, vielen Dank für die guten Empfehlungen!!