Fragefreitag: Welche Schreibziele hast Du für dieses Jahr?

Wir Nornen arbeiten auf Hochtouren für die LBM 2019. Viele Autor*innen schreiben sich die Finger wund, um ihr Werk noch vor der LBM zu veröffentlichen. Andere wiederum schreiben, um sich bei den zahlreichen Ausschreibungen zu bewerben. Welches Schreibziel hast Du? Verrate es uns unter #Nornenfragefreitag.

Diandra Linnemann:Eigentlich wollte ich mir dieses Jahr keine Ziele setzen, aber … idealerweise bekomme ich zwei Rohfassungen fertig. Wenn alles gut geht. Mit Rückenwind. Das wird spaßig!

Anne Granert: Ich denke knapp 200.000 Wörter. Das bedeutet den dritten Teil meiner Urban-Fantasy Trilogie Die Talentierten und ein weiterer Roman.

Grumpy Moon: Einen neuen, eigenständigen Roman fertigstellen, der nichts mit meiner Reihe zu tun hat, und diesen dann auch rausbringen!

Evanesca Feuerblut aka Katherina Ushachov: Geplant sind mindestens 150.000 geschriebene Wörter. Darunter: Ein Kurzroman, das Beenden eines angefangenen Romans und einer im NaNoWriMo.

Katharina Rauh: 100.000 Wörter.

Anna Kleve: Ein Buch, nach dem gefragt wurde, endlich fertig schreiben und mein „kleines“, schriftstellerisches Experiment fertigstellen.

Barbara Weiß: Ich habe Anfang 2019 meine Bewerbung mit „Save Our Souls 1“ an eine Literaturagentur geschickt. Es wäre natürlich fabelhaft, wenn ich eine positive Antwort bekomme! Außerdem würde ich gerne „Save Our Souls 2“ zumindest zu 70% fertigstellen.

Myna Kaltschnee: Ich möchte mindestens 150.000 Wörter schreiben und meinen Kurzroman überarbeiten.

Lovelybooks und Leserunden

Leserunde? Was ist das? Bei einer Leserunde lesen zehn, zwanzig oder mehr Leser gleichzeitig ein Buch, tauschen ihre Eindrücke aus und formulieren schließlich meist auch eine Rezension. Die bekannteste Plattform für Leserunden ist Lovelybooks.

Seit Neuestem scheint Lovelybooks eine Sperre für die Zahl der Leserunden pro Monat gesetzt zu haben. Das ist vor allem für Verlage unpraktisch, für Autor*innen jedoch kein Hindernis, da sie selten mehr als eine Leserunde pro Monat abhalten werden können.

Gibt es Alternativen zu Lovelybooks?

Durchaus, aber sie tun sich aus diversen Gründen schwer damit, sich dauerhaft zu etablieren. So führte Literaturschock.de mehrere Jahre ein eigenes Forum, das mittlerweile aufgelöst wurde. Leserunden finden sich inzwischen hier. Allerdings sind sie für Autor*innen und Verlage höherschwelliger als Leserunden bei Lovelybooks. Das liegt nicht zuletzt daran, dass eine Anmeldung verbindlich ist – wenn ich also bei Literaturschock das Buch nicht gewinne, bin ich trotzdem verpflichtet, das Buch selbst zu kaufen und zu lesen. Ansonsten erfolgt ein Ausschluss von folgenden Verlosungen. Gerade wenn man finanziell etwas schwach auf der Brust ist und gewonnene Bücher in Leserunden die einzige Möglichkeit darstellen, überhaupt regelmäßig und kostengünstig (als Vielleser*in) an neue Literatur zu gelangen, schreckt das natürlich ab und man bewirbt sich nicht auf Gut Glück auch bei Büchern, bei denen man denkt “Könnte mir so ungefähr gefallen, aber wenn ich nicht gewinne, ist es auch nicht so wild”.

Literaturschock gehört eigentlich zu den etablierteren Foren im Leserundenbereich, dennoch wird auch dort regelmäßig über zu kleine Teilnehmerzahlen geklagt.

Es gibt immer wieder Bestrebungen, das Monopol von Lovelybooks im deutschsprachigen Raum zu brechen. So bietet beispielsweise der Entwickler des Programms “Patchwork” auf seiner Seite ebenfalls die Möglichkeit an, Leserunden auszurichten. Bisher wurden allerdings erst zwei auf der Seite durchgeführt.

Manche Verlage und Autor*innen führen Leserunden in eigens dafür eingerichteten Facebookgruppen durch. Gegenüber Lovelybooks und Foren hat dies allerdings den Nachteil, dass man durch die Timelinesortierung auf Facebook leicht für einen Leseabschnitt gespoilert werden kann, den man noch nicht erreicht hat.

Tipps/ Erfahrungen zu Lovelybooks

Eva-Maria Obermann: Schau dir die Profile an und wie viele Rezensionen die Leser haben, ob die Rezensionen/Genre passen und wie sie so schreiben. Und dann per privater Nachricht anfragen ob sie Ebooks oder Prints wollen: „Es ist abzusehen, dass nicht alle Print-Wünsche berücksichtigt werden können. Welches ebook-Format könntest du denn lesen“ oder so.

Katherina Ushachov : Ein Erfahrungs-Guide:

Nach Ablauf der Bewerbungsfrist zeigt euch Lovelybooks zusammen mit den Nicknamen aller Bewerbungen eine kleine Statistik:
– hat so und so viele Bücher allgemein gewonnen
– hat so und so oft bei Leserunden gewonnen
– hat xy viele Rezensionen geschrieben

Natürlich können die Teilnehmer ausgelost werden. Allerdings zeigt die Statistik auch, wer bei gewonnenen Büchern überhaupt Fragen beantwortet. Auch lohnt es sich, die Qualität der Rezensionen zu prüfen, denn einfach nur den Klappentext abzuschreiben und einen Smiley drunter zu setzen, ist für Autor*innen wenig hilfreich. Vielleicht gibt es auch Leser*innen, deren Profile, Rezensionen und kommunikative Fähigkeiten Dich so überzeugt haben, dass Du sie auf alle Fälle dabeihaben möchtest.
Falls man Prints verlost, lohnt es sich hier, einen Zwischenschritt zu machen. Ich habe ALLE in der Leserunde begrüßt und gerade die, die angegeben haben, dass sie gerne ein Print hätten, zusätzlich gefragt, ob zur Not auch ein eBook ginge. Manche Leser sind auf Print angewiesen, da sie keinen elektronischen Reader besitzen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht nutzen (dürfen).

Wie lange nach Bewerbungsschluss sollte die Gewinnbenachrichtigung raus?

Eine Woche geht ohne Probleme, aber mehr als zwei ist unschön.

Du hast noch mehr Fragen zu Leserunden? Oder möchtest uns mal persönlich treffen? Dann triff uns doch an unserem Stand K309 in Halle 2 auf der Leipziger Buchmesse 2019. Wir freuen uns!

Fragefreitag: Welche Tipps hast Du zum Schreiben von Liebes- oder Sexszenen?

Gestern konntest Du unter dem Hashtag #BadDating unsere aufregende und abgefahrene Aktion zum Valentinstag verfolgen. Heute gehen wir nochmal ins Eingemachte und wollen von unseren Nornen wissen, welche Tipps sie für das Schreiben von Liebes- oder Sexszenen haben. Du hast noch mehr? Prima, dann verrate sie uns unter #Nornenfragefreitag.

Diandra Linnemann: Wenn sie nicht für die Handlung wichtig sind, lass es.

June Is: Unbedingt nur das schreiben, was man selber gerne liest/lesen möchte. Oder noch krasser – was einen evtl. selbst anturnt. Sonst hat man das Recherecheproblem, was dann zu einer Überbetonung der Technik aber den Wegfall aller anderen sinnlichen Eindrücke führen könnte. Natürlich kann man sich auch ausprobieren, aber dann auf das eben Genannte achten. Soweit meine 5 Cent.

Deborah B. Stone: Überlege dir, was du mit der Szene noch vermitteln möchtest – außer einem erotischen Prickeln 😉 Wie ist das Verhältnis der Charaktere ausserhalb des Bettes? Wer fühlt sich stärker angezogen? Was bleibt an Zweifeln, was steht auf dem Spiel, wenn sie sich auf eine Beziehung einlassen, was verbergen sie (noch) voreinander?

Katrin Biasi: Nenne die „Dinge“ beim Namen. Niemand möchte etwas über einen Aal lesen, der sich Zutritt zur weiblichen Lustgrotte verschafft. Genauso wenig, wie Zungen nicht um Einlass bitten. Es sei denn, es soll eine Parodie sein, dann lass deiner Fantasie freien Lauf. 😉

Britta Redweik: Willst du inklusiv schreiben? Und bist nicht im Genre Erotica? Dann lass Sex einfach gleich raus. Als sex repulsed Asexuelle möchte ich sowas ungern lesen. Das heißt nicht, dass es sie nicht generell darf, aber der Autor oder die Autorin muss sich wenigstens vorher bewusst machen, dass a) dann eine Triggerwarnung ins Buch gehört und b) er/sie damit seine Zielgruppe verringert. Für Liebesszenen wieder: Auch hier, Liebe ist so viel mehr als nur Sex. Nicht nur körperlich. Ich weiß, wie schwer es ist, die anderen Seiten der Liebe in Worte einzufangen. Aber … vielleicht können wir das wenigstens häufiger versuchen, um so endlich medial ein nicht so eingeschränktes Bild von Beziehungen zu transportieren?

Evanesca (Katherina Ushachov): Vielleicht gehörst du wie ich zu den Leuten, deren Charaktere ihren eigenen Kopf haben – und übereinander herfallen, ob du es nun willst oder nicht. Lass dich in der Rohfassung so gut es geht von ihnen leiten – und habe bei der Überarbeitung ganz dringend den Inkognito-Modus deines Browsers angeschaltet. Es kann nicht schaden, Praktiken und anatomische Details zu recherchieren, besonders wenn du über Dinge schreibst, die deine Charaktere tun, du selbst aber nicht erlebt hast / jemals erleben kannst oder willst. Aber wenn du danach keine seltsame Werbung im Social Web haben willst … schadet Inkognito nicht 😉

Holly Miles: Schreib nur die Szene, die du auch bei einer Lesung vorlesen würdest, ohne dabei zu stottern oder in Verlegenheit zu geraten. Wenn du dir das nicht vorstellen kannst, schreib die Szene nicht. Wenn doch, dann kann es sich lohnen, sie doch zu schreiben.

Facebook als Autorin oder Autor nutzen

Lange Zeit war Facebook eine der beliebtesten Plattformen für Eigenwerbung. Durch die verschiedensten Änderungen an den Algorithmen (z.B. bevorzugt private Profile in der Timeline) wird die Nutzbarkeit allerdings immer mehr eingeschränkt.

Facebook mag ein breites Spektrum bieten und die Möglichkeit mit vielen zu kommunizieren, das Schwierigste an der Arbeit mit einer Facebook-Seite ist jedoch die Reichweite. Sobald man ein paar Tage nichts veröffentlicht hat, wird die Anzeigewahrscheinlichkeit der eigenen Beiträge bei den Followern drastisch reduziert.

Möglichkeiten auf Facebook zu interagieren

Seiten:

Neben dem Privatprofil hat jede*r FB-Nutzer die Möglichkeit sich eine Seite anzulegen. Sei es für die Autorentätigkeit oder das eigene Unternehmen. Hier kann man gezielt für sich und seine Arbeit werben, Beiträge, Bilder und Links teilen, Veranstaltungen anlegen oder Gruppen erstellen und darüber mit den Followern interagieren.

Hier kommt die oben genannte Reichweite am ehesten zu tragen, denn mittlerweile gibt es das Problem, dass der Timeline-Algorithmus, also das, was einem im Privatprofil angezeigt wird, gegen Seiten spielt. Viel häufiger als Beiträge von Seiten, die man geliked hat, erscheinen Beiträge von Privatprofilen, mit denen man befreundet ist.
Außerdem ist es schwer als Seite zu interagieren. Man kann zwar als Seite kommentieren, muss dies allerdings explizit einstellen und bekommt oft auch keine Benachrichtigung, wenn jemand auf das Kommentierte reagiert hat.
Zudem wird beim Teilen von Links oder Beiträgen anderer Nutzer, die Reichweite geringer berechnet, als wenn man selbst etwas schreibt und den Link zu externen Sachen in die Kommentare steckt.

Gruppen:

Gruppen auf Facebook dienen dazu sich mit gleichgesinnten direkt über ein Thema auszutauschen. Hier wird ein Beitrag erstellt und kann dann von allen Gruppenteilnehmern kommentiert werden.

Gruppen eignen sich auch gut bis semi-gut für die Planung von Aktionen mit anderen Autor*innen oder Blogger*innen. Denn hier kann man in Dokumenten und Beiträgen festhalten, wer was wann beisteuern soll.

Dies funktioniert meist auch nur über das Privatprofil. Es gibt zwar Gruppen, die auch Kommentare von Seiten zulassen, aber das ist eher selten, wenn man nicht explizit mit der Seite als Admin oder Redakteur der Gruppe (z.B. bei selbst angelegten) freigeschaltet ist.

Veranstaltungen:

Will man seinen Followern die Möglichkeit geben, sich in ihren FB-Kalender einzutragen, wann man das nächste mal eine Lesung hat – oder sonst eine tolle Aktion – dann kann man dafür eine Veranstaltung anlegen (z.B. unser Talk auf der LBM), in der auch Seiten als Veranstalter mit eingetragen werden können. Ist eine Seite Mitveranstalter, dann kann man unter diesem Namen Beiträge einstellen und kommentieren. Zusätzlich wird die Veranstaltung auf der Seite angezeigt.

Einige Autor*innen nutzen FB-Veranstaltungen für Release Parties, z.B. Norne Nora Bendzko und ihre #HexensoldProzesse, oder auch für Lesungen, wie u.a. unsere Seraph-nominierten Nornen bei #WeAreTheDark am 24. Februar.

Allerdings heißt das leider nicht, dass man selbst automatisch als “Teilnehmer” der Veranstaltung angezeigt wird. Um es in den eigenen Kalender zu bekommen muss man mit dem Privatprofil nochmal zusätzlich “Zusagen”.

Und natürlich sollte man darauf achten, dass die Teilnehmer auch ein bisschen für die Veranstaltung angeheizt werden, d.h. man muss zusätzlich Beiträge planen und vorbereiten, die im Vorfeld in die Veranstaltung geteilt werden können.

Hinzu kommen noch ein paar andere Problemchen, über die einige unserer Nornen berichten.

Anne Zandt: Für meinen Märchensommer (der diesen Juni in die dritte Runde geht) hatte ich im vergangenen Jahr eine Aktion geplant, die nur auf Facebook stattfand. Es sollten auf verschiedenen Seiten Beiträge zur gleichen Uhrzeit veröffentlicht und dann über ein darin enthaltenes Hashtag gesucht werden.

Problem: Es funktionierte nicht.

Der Algorithmus von FB ließ es einfach nicht zu, dass alle Beiträge in der Suche angezeigt wurden, wenn man auf den Hashtag klickte. Es wurden immer nur ein bis drei von dreizehn Stationen angezeigt, wenn überhaupt.

Dementsprechend war die Aktion – trotz späterer Hilfestellung – ein ziemlicher Flopp, dabei hätte es so gut werden können.

Was ich persönlich auch anstrengend finde ist die Verlinkung. Als Autorin, die unter ihrem Realnamen veröffentlicht und unter diesem auch bei FB angemeldet ist, kommt es sehr häufig vor, dass in Beiträgen, in denen ich erwähnt werde, nicht meine Seite, sondern mein Privatprofil verlinkt wird. Unpraktisch für die Leser, denn da schreibe ich nichts Öffentliches. Von anderen Nornen weiß ich, dass es ihnen ähnlich geht. Technisch ist das leider nicht immer zu vermeiden, aber bitte liebe Facebook Menschen:

Wenn euch angezeigt wird:

Name mit Untertitel Wohnort und Name mit Untertitel XXX gefällt das, dann nehmt bitte das mit den Gefällt-Mir-Angaben! Denn das ist das Profil in das wir Autor*innen unsere ganze Mühe und Arbeit stecken!

Katherina Ushachov: Dass oft das Privatprofil statt der Seite verlinkt wird, hat zusätzliche Nachteile. Ich veranstalte sehr selten Gewinnspiele – aber wenn ich es tue, werde ich grundsätzlich mehrmals falsch verlinkt. Das führt dazu, dass Leute, die beim Gewinnspiel teilnehmen wollen, mir Freundschaftsanfragen schicken. Verständlich – denn wenn in den Bedingungen steht, dass man als Voraussetzung für die Teilnahme die Seite der Autorin liken soll, aber stattdessen ein Profil angegeben wird, interagiert man eben mit dem, was da ist. Dadurch habe ich gerne mal an einem Tag fünf bis zehn Anfragen von Leuten, denen ich dann mühsam den Weg zu meiner Seite zeigen muss. (Dass ich bei Facebook regelmäßig Freundschaftsanfragen von anderen Autor*innen erhalte, mit denen ich nie ein Wort gesprochen habe und bei denen ich nicht weiß, was die von mir wollen, ist eine andere Geschichte …)
Interessanterweise ist das ein Fehler, der auch anderen Autor*innen oft und gerne unterläuft. Bestimmt kennt ihr alle Aktionen wie #7lines, bei denen ihr die (ersten) sieben Zeilen oder Sätze eures Buches vorzeigen sollt. Ich mag Tags. Ich mag es wirklich, von Kolleg*innen getaggt zu werden und bei solchen Sachen mitzumachen. Mühsam wird es, wenn mein Privatprofil markiert wird statt meiner Seite. Denn dann verfehlt die Aktion ihren Sinn – schließlich geht es darum, durch das Taggen die eigenen Leser*innen zu coolen Kolleg*innen zu lotsen und somit einander ein bisschen bekannter zu machen. Wenn aber die Kette bei mir abbricht, weil statt meiner gut bespielten Seite (nun ja, meist *hust*) mein vollkommen unbenutztes Privatprofil markiert wird, finden Leser*innen dort nichts Interessantes vor. Ich kann den Tag trotzdem auf meiner Seite machen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er gefunden, gelesen und als Schnuppereinstieg in meinen Schreibstil angenommen wird, sinkt.

Britta Redweik: Ich bin noch über ein weiteres Problem gestolpert bei Facebook. Ich schreibe unter Pseudonym, was heißt, dass ich zwei ‘private’ Profile habe. Über das eine verwalte ich auch die Seite meines Buchblogs, über das andere meine Autorinnenseite. Dadurch, dass ich mit dem Buchblog aber nun schon so lange im Netz unterwegs bin, und man dadurch eben auch die Privatperson dahinter kennt, fragen mich selbst die, die mich jetzt erst über Twitter und andere Stellen kennen lernen, immer als Privatperson an und liken höchstens den Buchblog. Teile ich mit dem Privatprofil meines Klarnamens die Posts meiner Autorinnenseite, kriegt sie nicht etwa mehr Follower, sondern die Leute interagieren mit meinem Privatprofil mit Klarnamen. In über einem Jahr habe ich so gerade zwei Follower meiner Autorenseite gefunden. Und das, obwohl meine Beiträge durchaus nicht so sehr versanden. Familie und Freunde interagieren damit. Aber eben immer nur, wenn der Klarname sie teilt.

Ich weiß, DASS ich irgendetwas falsch mache. Aber ich weiß noch nicht genau, was. Ich muss mich damit vielleicht noch einmal eindringlicher beschäftigen, merke aber, dass Twitter bisher einfach besser funktioniert. Dort werde ich sogar gefunden, während ich bei Facebook selbst die Interessierten nicht dorthin umgeleitet kriege, wo ich sie gern hätte. (Und Facebook hat, wenn man mit zwei Profilen arbeitet, noch ein Problem: Man braucht zwei Browser. Wenn es auf die Idee kommt, dass man die gleiche Person ist, löscht es einem das neuere Profil. Schon ziemlich suboptimal.)

Fazit

Facebook ist anstrengend. Es lohnt sich nach wie vor, weil dort die meisten Buchmenschen zu finden sind und weil sehr viele Dinge über Facebookgruppen und Veranstaltungen organisiert werden. Ohne Facebook ist man nicht dabei. Aber durch die technischen Einschränkungen wird es immer schwieriger, dort aktiv mit der eigenen Seite etwas zu reißen.

Aber als Gemeinschaft kann man da weitaus mehr bewegen, als alleine – nicht wahr? Und auch wir vom Nornennetzwerk bewegen als Gemeinschaft. Wenn du uns live treffen möchtest: Wir sind demnächst auf der Leipziger Buchmesse 2019 zu finden (Standnummer K309 in Halle 2/ #lbm19 und #NNLBM).


Autorinnenleben und Twitter (Holly Miles)

Zu einen der bekanntesten Social Media Netzwerken dürfte wohl Twitter gehören. Für einige gehört es dazu, täglich die Tweets (die Beiträge auf Twitter) abzurufen, während andere Netzwerke eher nebenbei laufen. Daher möchte ich heute einen genaueren Blick auf Twitter werfen.

Was ist Twitter?

Twitter zählt zum Bereich Mikroblogging. Mit zwischenzeitlich 280 Zeichen schickst du eine Nachricht an die Welt. Mehr Platz hast du momentan nicht. Daher twittern viele unter einem Beitrag weitere Tweets, sodass daraus ein sogenannter Thread entsteht.

In einem Tweet kannst du Werbung für dich, deine Internetseite oder dein Buch machen. Natürlich ist es auch möglich, einfach über den Tag zu schreiben, was so passiert ist oder andere lustige Anekdoten. Das kommt auf dein persönliches Anliegen an.

Wichtiger Hinweis: Deinen Tweet kannst du auch als Bild veröffentlichen. Nur bedenke bitte, dass Bilder nicht barrierefrei sind. Personen, die nicht einwandfrei oder gar nicht sehen können, können damit Schwierigkeiten haben. Aber mit der Browseranwendung „Tweetdeck“ kannst du das umgehen. Denn unter dem Bild kannst du dort den Text einfügen. Die Zeichenzahl scheint hier länger zu sein, als bei einem Tweet.

Im folgenden erkläre ich dir die wichtigsten Funktionen von Twitter.

Die Anmeldung – mit irgendeinem Namen

Bezüglich des Anmeldeprozesses werde ich an dieser Stelle nicht ausführlich werden. Ein wichtiger Hinweis jedoch. Zwischenzeitlich verlangt Twitter bei der Anmeldung eine Handynummer, um deinen Account zu bestätigen. Soweit ich aber gesehen habe, kann man eine Nummer für mehrere Twitteraccounts verwenden.

Der Name darf maximal 15 Zeichen lang sein. Wobei ich auch gelesen habe, wenn du deinen richtigen Namen angibst, erhöht sich die Zeichenanzahl auf 20. Das siehst du aber alles in der Anmeldemaske.

Bei der Namenswahl hast du mehrere Möglichkeiten. Entweder dein Autorinnenname, einen Fantasienamen oder deinen richtigen. Das kommt darauf an, wie du dich auf Twitter präsentieren möchtest.

Dabei musst du jedoch einen Unterschied machen. Einmal der Name, der auf deinem Account erscheint (Nornennetz als Beispiel) und dann der @Name (@Nornennetzwerk). Damit kannst du dann den Account anschreiben.

Beide Namen müssen übrigens NICHT übereinstimmen. Da hast du absolut frei Wahl.

Dein Avater und das Headerbild

Das Bildchen, womit du letztendlich auftrittst, sollte auf alle Fälle die Spielregeln des Urheberrechts berücksichtigen. Nimm also Bilder, an denen du das Urheberrecht hast oder die frei zur Verfügung dafür gestellt werden. Leider sind Abmahnungen sehr teuer.

Wenn du mit einem Produkt auftrittst (zum Beispiel als Autorin), kannst du das Cover deiner aktuellen Geschichte als Avater benutzen. Dieses kannst du zusätzlich als Headerbild verwenden. Mit jedem geschriebenen Tweet machst du so automatisch für dein Produkt Werbung, ohne dass du jedes Mal einen Werbetweet schreiben musst.

Deine ersten Schritte

Sehr wahrscheinlich wirst du nicht von Anfang an deine ersten Follower haben. Es wird wohl eher so aussehen, dass du dich umsiehst und nachschaust, wer so alles auf Twitter ist und denen folgen. Natürlich auch Stars und Sternchen. Als Autorin bzw. Autor wirst du wahrscheinlich auch Verlage und/ oder anderen Autorinnen und Autoren folgen wollen. Daher ist die Zahl der Accounts die du folgst, am Anfang höher, als der Zahl, die dir folgen. Fürs Erste ist das absolut normal und natürlich.

Wenn du bereits andere Kanäle im Internet führst, zum Beispiel eine Facebook-Seite, dann kannst du dort Werbung für deinen Twitterchannel machen. Leute, die sich für dich interessieren, werden dir aller Wahrscheinlichkeit nach auch dort folgen.

Aber egal wie vielen du letztendlich folgst, wenn du nicht selbst twitterst, wirst du für andere einfach nicht interessant genug sein.

Worüber könntest du denn so twittern?

Meine Empfehlung: Mach nicht nur Werbung für dich, deine Projekte oder was auch immer dein mögliches Anliegen ist. Natürlich kannst und sollst du deinen Twitterkanal für Werbung verwenden. Das gehört dazu. Aber wenn du NUR Werbung machst, viele werden dir entweder gar nicht folgen oder dir irgendwann wieder entfolgen.

In meiner Liste hatte ich auch eine Person aufgenommen, die wirklich nur Werbung für ihre Bücher getweetet hatte. Zumindest erschien es mir so, wann immer ich ihre Tweets entdeckt hatte. In solchen Fällen schaue ich mir dann den Kanal an und überprüfe mein Gefühl. Wenn es stimmt, dann neige ich auch dazu, der Person zu entfolgen. Nicht, weil ich das nicht unterstütze, sondern einfach, weil ich das nervig finde.

Du kannst also gerne über deine Projekte twittern, aber auch mal über etwas Alltägliches. Wenn du gerade ein Buch liest, dann empfehle es doch einfach. Und wenn die Autorin oder der Autor ebenfalls einen Twitteraccount hat, kannst du sie oder ihn direkt einbeziehen.

Auf diese Art kannst du Respekt für die Arbeit der Person zeigen, aber auch Aufmerksamkeit auf dich ziehen. Und durch solche Aktionen könnte es auch passieren, dass die eine oder der andere auf dich aufmerksam wird und dir danach folgt.

Mir folgt jemand … mir folgt jemand …

Gerade am Anfang kann es schon ein klasse Gefühl sein, wenn dir endlich jemand folgt. Und es ist auch völlig in Ordnung, wenn du sofort zurückfolgst. Du solltest aber irgendwann gezielt den Leuten folgen, mit denen du dich vernetzen möchtest. Ab einer gewissen Anzahl von Gefolgten könntest du die Übersicht verlieren und nicht mehr alle Beiträge sehen. Tatsächlich kenne ich einige Accounts, die mehreren 1.000 Leuten folgen. Außerdem dürften einige Follower für dich auch nicht interessant sein. Warum dann folgen?

Hashtags

Eine gute Idee sind interessante Hashtags. Hashtag bedeutet, dass du das Nummernzeichen, also #, tippst und danach ohne Leerzeichen ein Wort (#NornenFragefreitag). Auf diese Weise können Leute, welche nach bestimmten Hashtags suchen, theoretisch auf deinen Tweet und damit auch auf deinen Account aufmerksam werden. Und eventuell findest du auf diese Weise einen neuen Follower.

Als Autorin bzw. Autor kannst du ebenfalls bestimmte Hashtags benutzen, die zwar aus dem englischen kommen, aber hier auch Verwendung finden. Dazu gehören zum Beispiel #amwriting, #iamwriting, #Author, #Autorenleben #Autorinnenleben #Autor #Autorin und Ähnliches.

Damit zeigst du auch deine Präferenz bei deinen Tweets an. Und bietest damit anderen die Möglichkeit, dich zu finden und dir zu folgen. Oder eben auch nicht.

Twitteraktionen für Autor*innen

Es gibt einige Aktionen, die du als Autor*in die Wege leiten kannst.

Einige Beispiele möchte ich dir kurz vorstellen:

Lesechallenges

Hier wird eine Herausforderung ausgesprochen, an der sich alle beteiligen können. Dabei werden für jeden Tag in einem bestimmten Zeitraum Fragen oder Aufgaben gestellt, die du dann erfüllen darfst. (Zum Beispiel das Teilen der eigenen Erfahrungen zum Thema Selfpublishing: Welche Bücher hat man gelesen, welche hat man geliebt oder auch, welche Charaktere mochte man.)

Damit kann man die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema richten. Und das eventuell auch als Marketingmittel benutzen. Gerade, wenn du diese Challenge startest.

Der #FF

Der #FF steht für „Follow Friday“. Das bedeutet, dass du jeden Freitag Leute empfehlen kannst, denen man, deiner Meinung nach, unbedingt folgen sollte. Dafür schreibst du den Hashtag #ff oder auch #FF und dann die Namen. Du kannst in einem Tweet die Namen aufführen, oder du schreibst zu jeder Person einen eigenen Tweet. Letzteres ist natürlich ein wenig anstrengender. Aber auch persönlicher.

Retweet

Wenn dir ein Tweet gefällt, ist es völlig in Ordnung, wenn du den Retweetest, also auf deiner Timeline teilst. Das werden sicherlich auch andere mit deinen Tweets machen. Das ist der Reiz von Twitter.

Gerade dann, wenn jemand um #Followerpower bittet, kannst du gerne den Tweet teilen. Unter diesem Hashtag wird gebeten, dass so viele wie möglich den Tweet sehen, damit irgendjemand helfen kann. Auch ohne der Person zu folgen.

Manchmal ist es auch gut, wenn du einen Tweet nicht nur teilst, sondern auch einen Kommentar dazu schreibst. Damit erklärst du deinen Followern, warum du diesen geteilt hast. Entweder mit einem direkten Kommentar, was du dazu denkst. Oder mit einer Bitte bzw. Aufforderung, etwas zu tun oder zu lassen. Und das zu jedem Thema.

Eigene Hashtags „erfinden“

Es kann eine gute Idee sein, dass du eigene Hashtags schreibst. Zum Beispiel der Titel deines Buches. Oder du hast ein Anliegen und möchtest das verdeutlichen. Dafür kannst du dann einen eigenen Hashtag verwenden, der dann hoffentlich seine Runde macht.

Kleiner Tipp: Wenn dein Hashtag aus zwei oder mehr Wörtern besteht, kann das unleserlich werden. Daher empfiehlt es sich, einzelne Wörter groß zu schreiben. Selbst dann, wenn es eigentlich klein geschrieben werden sollte. Beispiel: #WirsindToll

Sag auch einfach Mal danke schön

Wenn uns im realen Leben jemand einen Gefallen tut, sagen wir einfach mal danke. Im Internet ist das eher seltener der Fall. Daher habe ich es mir selbst Folgendes angewöhnt: Jedes Mal, wenn jemand einen meiner Beiträge teilt, sage ich danke schön. Das kostet Sekunden und zeigt deine Wertschätzung, dass jemand meinen Beitrag gefallen hat. Oder zumindest Werbung gemacht hat.

Auch beim Folgen danken?

Da bin ich mir, ehrlich gesagt, nicht so sicher, ob ich das auch machen soll. Eigentlich gehört es sich ja. Doch ich weiß nicht, ob sie mir folgen oder nur auf mein Like aus sind. Also, ob sie darauf warten, dass ich deren Accounts zurückverfolge. Daher habe ich das bisher gelassen.

Wichtig ist jedoch, es sollte nicht ein automatischer Tweet sein. Entweder du schreibst es persönlich, oder lässt es. Denn viele finden diese automatischen Tweets oder direkte Nachrichten nicht angenehm.

Abschlussgedanken

Natürlich ist das nicht alles, was man zum Thema Twitter schreiben kann. Meine Empfehlung: Fang einfach an. Registriere dich und probiere dich aus. Du wirst sehen, ob es dir zusagt oder nicht. Wenn nicht, deinen Account kannst du immer noch löschen.

Du hast noch Fragen? Frag in deiner Community nach. Und auch wir vom Nornennetzwerk helfen dir gerne weiter. Wenn du uns live treffen möchtest: Wir sind demnächst auf der Leipziger Buchmesse 2019 zu finden (Hashtag #lbm19 und #NNLBM).

In diesem Sinne: Viel Spaß auf der Leipziger Buchmesse und überhaupt auf allen zukünftigen Buch-Events – und falls ihr mich treffen wollt, schaut doch einfach auf gut Glück beim Nornennetz-Stand (Standnummer K309 in Halle 2) vorbei!

Schreibtipp: Entwicklung von Fantasynamen (Eleonore Laubenstein)

Vor einem Jahr las mein Freund ein Buch. Das an sich ist keineswegs etwas Ungewöhnliches, da er viel und auch gerne liest, aber dieses eine Buch ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben.

Nicht, weil er mir viel davon erzählte oder weil es ein gutes Buch war (ich weiß nicht einmal mehr den Titel), sondern weil ich beim Durchblättern auf etwas stieß, was mich stutzig werden ließ.

Natürlich bin ich neugierig, was mein Freund so liest, und höre auch gerne zu, wenn er mir darüber erzählt. Es klang auch wirklich sehr interessant („Joah, ist halt ganz spannend geschrieben und so.“) und die Welt, in der sie spielte, übte auf mich eine unerklärliche Faszination aus („Naja, so ein bisschen wie Herr der Ringe, aber anders.“), weshalb ich schließlich auch reinlas.

Das erste, was mir auffiel, waren die Namen.

Namen sind eines der größten Herausforderungen eines jeden Autors. Wir sitzen teilweise nicht nur stunden- sondern auch tagelang an dem Namen eines einzelnen Charakters, eines magischen Artefakts, eines Ortes, etc. Wir recherchieren in obskuren Datenbanken, scrollen uns durch kilometerlange Listen von Babynamen auf der Suche nach Dem Einen, sie zu knechten, sie alle zu … naja. Ihr wisst schon.

Ich als Autorin kenne das Problem nur zu gut.

Weshalb ich auch immer ganz fasziniert davon bin, was andere Autoren sich so für Namen ausdenken, was sie sich wohlmöglich dabei gedacht haben, was die Bedeutung dieser Namen sind, und ich mir niemals anmaßen würde, einen Leidensgenossen zu kritisieren.

Aber in diesem Fall konnte mein innerer Linguist einfach nicht die Klappe halten.

„Was genau haben die ganzen Diakritika auf den Buchstaben für eine Bedeutung?“, fragte ich also meinen Freund.

„Äh“, kam die aufschlussreiche Antwort. „Was genau meinst du?“

„Naja, guck“, sagte ich und deutete auf den Namen, der aus sieben Buchstaben und drei verschiedenen Akzentzeichen, die jedem Französischlerner bekannt sein dürften, bestand. „Und das hier.“ Ein weiteres Wort, das jetzt zusätzlich noch zwei weitere Diakritika aufwies, die man sonst eher in der Umschrift für chinesische Sprachen kennt.

„Wie meinst du das jetzt?“, fragte also mein Freund, der so mit Sprache nichts am Hut hat.

„Naja“, sagte ich erneut und setzte jetzt mein Also-ich-erkläre-dir-das-mal-Gesicht auf, „diese Diakritika müssen ja irgendeine Funktion haben. Markieren die vielleicht Töne? Oder Nasalität? Einen Langvokal?“

„Ich glaube“, sagte mein Freund gedehnt, „die sollen einfach nur gut aussehen …“

Ich holte tief Luft.

Bevor ich euch an dieser Stelle mit dem gleichen Vortrag in den Wahnsinn treibe, mit dem ich meinem Freund das Buch ruiniert habe, hier nur die Kurzversion dessen, was ich an diesem Abend realisiert hatte:

Die Logik von Sprache, die Funktion von Schrift und Schriftzeichen, sind denjenigen, die wohl am meisten mit ihnen konfrontiert werden, kaum bekannt.

Damit meine ich jedoch nicht, dass Autoren keine Ahnung von Grammatik haben (und wenn, dann haben sie gute Lektoren), sondern viel mehr, dass die Regeln von Sprache weit über unsere Schulgrammatikkenntnisse hinausreichen.

Keine existierende und mir bekannte Sprache verwendet beispielsweise Diakritika, ohne dass sie eine Funktion haben oder zumindest hatten. Sprache ist effektiv, Schriftsprache noch viel mehr, weil sie von Menschenhand geschaffen wurde, um möglichst logisch die gesprochene Sprache auf irgendeine Weise aufschreiben zu können. Warum also Zeichen dazuerfinden, die gar keine Funktion besitzen?

Mir als Linguistin fällt es auf, wenn sich ein Fantasyautor wirklich Gedanken darüber gemacht hat, ob ein System hinter den Diakritika und exotisch aussehenden Buchstabenkombinationen steckt, oder eben nicht.

Da kann die Welt noch so ausgetüftelt sein, ich bin draußen. Mir kann sie nicht mehr glaubhaft verkauft werden.

Dabei war nun eigentlich das genaue Gegenteil gewünscht. Als Autor versuche ich ja, irgendetwas zu entwickeln, was den Eindruck erweckt, dass diese Welt, die ich erfunden habe, auch realistisch ist.

Der Autor dieses spezifischen Buches hatte auch den richtigen Ansatz: Um dem Leser am besten zu vermitteln, dass es hier um eine neue, unbekannte und komplett andersartige Welt und Kultur geht, erfindet man eine eigene, neue Sprache. Tolkien hat es vorgemacht, jetzt hat jede Fantasywelt, jedes Sci-Fi Universum mindestens eine eigene Kunstsprache, von Linguisten entwickelt, um dem Leser oder Zuschauer ganz deutlich klarzumachen, dass wir es hier mit einer Kultur zu tun haben, die wir nicht kennen. Die andersartig ist.

Aber wie genau macht man so etwas, vor allem, wenn man keinen Linguisten zur Hand hat?

Also beschloss ich, auf meinem kleinen Winzblog einen Beitrag zu schreiben, eine Art Leitfaden für die Entwicklung einer Mini-Kunstsprache, bestehend aus vielleicht zwanzig, dreißig Wörtern, auf deren Basis man eine eigene, komplett neue Kultur entstehen lassen könnte.

Dass dieser Beitrag zu meinem zweitmeist angeklickten Beitrag werden sollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

Ich jedenfalls hatte etwas gefunden, worüber ich gerne bloggte. Nach mehreren Monaten, in denen ich mich mehr oder weniger geweigert hatte, zu bloggen, weil ich auch einfach nicht der Typ bin, der zu jedem gelesenen Buch eine Rezension verfasst oder einfach aus dem Alltag plaudert, merkte ich plötzlich, wie viel Spaß ich daran hatte, über Aufbau und Entwicklung von Fantasywelten und -sprachen zu sprechen. Die Dinge anzusprechen, über die man eigentlich nie nachdenkt, wenn man eine neue Kultur erfindet, die aber relevant genug sind, um Sprache aktiv zu beeinflussen: Infrastruktur, Religion, soziale Unterschiede und Legenden – all die Dinge, von denen wir gar nicht bemerken, wie stark sie unser Vokabular und unsere Ausdrucksweise verändert haben, weil wir sie als selbstverständlich annehmen.

Dabei ist doch alles, was ein Autor nutzt, reine Sprache.

Wir nutzen Sprache, um in den Köpfen unserer Leser Welten entstehen zu lassen. Wir nutzen Sprache, um Emotionen und Bilder hervorzurufen und sie zu manipulieren. Wir sind Meister darin, uns die Sprache für unsere eigenen Zwecke zunutze zu machen. Sie schenkt uns die Möglichkeit, uns auszudrücken und unsere Gedanken mit den Menschen um uns herum zu teilen. Sie hilft uns, unsere Bücher zu schreiben und sie realistisch klingen zu lassen.

Vielleicht sollten wir uns bemühen, sie genauso realistisch in unsere eigenen Welten einzubauen …

Ruhe bewahren im fantastischen Netzwerk-Werbungs-Wunderland (Anne Granert)

Es würde mir schwerfallen, ein schriftstellerisches Highlight des Jahres 2018 herauszupicken. Die erste eigene Veröffentlichung? Der Besuch der FBM, das Literaturcamp Hamburg oder mein Beitritt bei den Nornen? Mir fällt auf, dass alle Punkte zwei Wörter beinhalten: Netzwerk und Werbung. Wobei als Selfpublisher beides fast gleichzusetzen ist.

Werbung in den sozialen Medien als Selfpublisher

Im Sommer 2018 wollte ich den ersten Band meiner Urban Fantasy Reihe veröffentlichen. Meine Lektorin (die ich übrigens auch ‚online‘ durch ihren Blog kennengelernt hatte) thematisierte mit mir mögliche Kanäle, um mich als Autorin im Allgemeinen und meine Werke im Speziellen zu präsentieren und zu bewerben.

Im Januar 2018 gingen meine Homepage sowie meine drei SoMe-Kanäle Instagram, Twitter und Facebook online. Die ersten Schritte waren noch holperig, doch schnell fand ich eine kleine, aber feine Gruppe gleichgesinnter Buchliebhaber, deren Beiträgen ich folgte und die wiederum meine Posts lasen. So wurde ich zum einen auf die Nornen und das Literaturcamp Hamburg aufmerksam, als auch zum Geburtstag von BoD nach Norderstedt eingeladen. Auf dem BoD-Geburtstag wiederum entschied ich mich guten Gewissens für meinen jetzigen Distributor Twentysix, bei dem ich sehr erfolgreich meinen ersten Band veröffentlichte.

Twentysix lud mich zum Coaching für ausgewählte Autorinnen und Autoren auf die Frankfurter Buchmesse ein. Inhaltlich ging es vor allem um die käuferrelevanten Bereiche der Werke wie Klappentext und Cover als auch Werbungsmöglichkeiten. Hier wurden vor allem die Wortwerke-Buchhandlungen, lovelybooks und Facebook genannt. Auch fiel das Gespräch auf verschiedenste Schreibanbieter und -Apps, Rezesions-Plattformen und Autorenzusammenschlüsse.

Mit einem ziemlich vollen Autorinnen-Kopf flog ich wieder heim und stellte fest: Es gibt unzählige Möglichkeiten der Eigenwerbung, kostenfrei als auch zu hohen Preisen. Mit wenig Zeitaufwand und sehr viel Zeitaufwand. Von einigen Möglichkeiten hatte ich noch nie gehört, andere verstand ich einfach nicht. Also tat ich das, was eine Autorin in der Regel tut: Ich setzte mich hin und schrieb die Kanäle auf, die ich gerne nutzte sowie einige weitere, die nebenbeiliefen. Ungeliebtes strich ich weg oder gliederte es aus, wie meine Homepage, für die ich nun einen Webmaster engagiert habe.

Ich merkte, dass mein persönlicher Lieblings-Kanal Instagram war und beschloss, mich im Bereich Instagram und Branding weiterzubilden, was ich mit Hilfe meiner Illustratorin tat. Wir entwickelten ein neues Branding und sie zeigte mir zeitsparende Möglichkeiten der Bilderstellung und des Postens, die ich auch als Mutter zweier Kleinkinder mit Halbtags-Job gut durchführen konnte.

Du bist der Boss und entscheidest über Dein Netzwerk und Deine Werbung

Meine Tipps

Netzwerken macht unglaublich viel Spaß, öffnet Blick und Geist und lässt die Kreativität sprudeln. Und macht auch Druck, denn die ganzen genannten Kanäle müssen oder sollten ja auch bedient werden.

  • Such Dir 1-2 Plattformen/ Kanäle/ Möglichkeiten, die Du wirklich magst und gerne pflegst.
  • Nutze noch wenige weitere Plattformen etc., die gut nebenherlaufen können.
  • Mach Dir einen einfachen und gut umsetzbaren Plan für Dein Marketing: Wann postest du Tweets, Bilder, Newsletter mit welchem Inhalt? Kannst Du einiges schon vorplanen mit Apps wie Preview, Tweetdeck oder Mailchimp?
  • Mach Dir auch einen finanziellen Plan: Kannst Du für Werbung zahlen? Wie viele Bücher kannst du Bloggerinnen und Bloggern schenken?
  • Du bist nicht allein: Schließe Dich einer Schreibgruppe an, wie ich es zum Beispiel mit den Nornen tat.
  • Gehe auch mal außer Haus zu Veranstaltungen von Verlagen oder Camps wie das Literaturcamp in Hamburg.
  • Suche Kontakt zu Bloggerinnen und Bloggern, die Deinem Genre entsprechen und die Du wirklich gerne magst. Tritt in den Austausch mit ihnen und hake beizeiten freundlich und persönlich nach, ob sie Dein Buch rezensieren würden.
  • Projekte (ich sag nur: Homepage), die Dir wirklich quer im Magen liegen, solltest Du outsourcen oder ganz streichen.
  • Schalte mal das Internet aus, schenke Dir einen Kaffee ein und lies ein gutes Buch oder triff Dich mit Freunden. Offline-Zeit kann sehr erholsam sein und siehe da, die Welt dreht sich auch ohne Dich weiter.

Diese und sicherlich noch viele weitere Tipps können helfen, in dem weiten Universum an Möglichkeiten nicht die Ruhe und den Fokus zu verlieren auf das, was Dir am meisten Spaß und Freude bringt: das Schreiben!

 

Nicht zur Nachahmung empfohlen (Diandra Linnemann)

Nicht zur Nachahmung empfohlen – Wie ich drei Romane in einem Jahr schrieb und veröffentlichte, ohne darüber komplett durchzudrehen, oder auch: Auf Nimmerwiedersehen, 2018!

Für viele Hexen sind die zwölf Nächte nach dem 21. Dezember die „Rauhnächte“, sozusagen die „Zeit zwischen den Jahren“. In dieser Zeit setze ich mich immer hin und plane, was ich im kommenden Jahr schaffen möchte. Ende Dezember 2017 saß ich also in meinem stillen Kämmerlein und fasste einen irrwitzigen Plan: Im kommenden Jahr wollte ich drei Romane schreiben und veröffentlichen.

Seit 2013 hatte ich nämlich an meiner „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe geschrieben, welche anhand der heidnischen Jahreskreisfeste durch ein Urban-Fantasy-Jahr führte, und im Ernst: Allmählich wollte ich mich an etwas Neues wagen. Doch drei Romane standen noch aus. Jeder von ihnen sollte ein eigenes Abenteuer erzählen, aber gleichzeitig auch zur übergeordneten Geschichte beitragen. Sie spielten jeweils Anfang August, Mitte September und Ende Oktober. Worum es im Einzelnen gehen sollte, wusste ich schon, hatte aber weder Plot noch Kapitelplan parat.

Also rüttelte ich und schüttelte ich, schob Termine und Arbeitslast hin und her und hatte schließlich einen Plan:

  1. Wenn ich pi mal Daumen 1.000 Wörter pro Tag schreibe, kann ich einen Erstentwurf in üblicher Länge in zwei Monaten fertig haben.
  2. Wenn ich alle drei Rohentwürfe direkt hintereinander weg schreibe, habe ich Ende Juni drei Manuskripte auf Rohkäse-Niveau, schön abgehangen und reif zum Überarbeiten.
  3. Wenn ich dann direkt mit Überarbeiten loslege und reinhaue wie eine Wilde, kann ich jedes Manuskript pünktlich zum Termin, also jeweils innerhalb von gut fünf Wochen, selfpublishingreif haben.

Kalender und Kaffee – meine ständigen Begleiter ©Diandra Linnemann

 

Ihr seht schon, das klingt ziemlich blöde. Aber ich hatte ja einen kleinen Vorteil: Da es das Ende einer Reihe war, kannte ich die Charaktere schon in- und auswendig. Ich wusste also genau, wie sie in den einzelnen Situationen reagieren würden. Und die lange im Voraus ausgelegten Hinweise und losen Fäden aus den vorangehenden Büchern reichten aus, um sich daran bis zum Ende durchzuhangeln.

Mit den ganzen Verzweiflungsmomenten will ich euch nicht aufhalten, das ist an dieser Stelle auch gar nicht spannend. Willkommene Zeitfresser waren die Leipziger Buchmesse oder auch der einwöchige Besuch meines Vaters. Weniger willkommen waren Erkältungen oder Überstunden. Allerdings habe ich ein paar Tipps, die mir durch ein verrücktes Jahr geholfen haben, die ich hier gerne teilen möchte:

  1. Plant Zeitpuffer ein. Für diese Reihe musste ein Rohentwurf etwa 50.000 Wörter haben, und ich hatte mir jeweils 58 Tage à 1.000 Wörter pro Tag vorgenommen (die ersten drei Tages eines jeden Monats waren für das Plotten reserviert). Ihr seht schon, das lässt ein wenig Luft.
  2. Übertrefft euch, wo immer ihr könnt. An manchen Tagen lief es mit dem Schreiben gut – also habe ich nach tausend Wörtern einfach weitergemacht, bis die Luft raus war. Mein Rekord in dieser Zeit – neben einem Vollzeitjob, dem Haushalt, einem Sozialleben und dem Training für einen Strongmanrun – waren knapp dreitausend Wörter an einem Tag. Dafür gab es auch Tage, an denen aus Zeitmangel, Müdigkeit oder auch wegen akuter Bräsigkeit nur fünfhundert Wörter zusammenkamen. Trotzdem war ich üblicherweise kurz vor Monatsende fertig und konnte mir sogar noch einen oder zwei Tage zur Erholung gönnen, ehe es mit dem nächsten Abenteuer weiterging.
  3. In der Schreibphase unter keinen Umständen den Text überarbeiten! Im Nachhinein war einiges ziemlicher Murks, aber für den ersten Entwurf war das nicht relevant. Wenn ich wusste, dass eine Szene schwach war, habe ich mir eine Notiz an den Rand gemacht und weitergeschrieben, solange Schwung da war. Bis ich dann etwa vier Monate später in der Überarbeitungsphase wieder an dieser Stelle war, hatte mein Unterbewusstsein meistens eine Lösung parat.

Das war die Schreibphase. Ende Juni hatte ich also drei Manuskripte und beginnendes Karpaltunnelsyndrom vom Schreiben. Ich war euphorisch. Als nächstes las und verbesserte ich alles kapitelweise und schickte jedes Kapitel danach direkt an meine wundervollen Testleserinnen, die alles noch einmal zerpflücken durften. Deren Anmerkungen wurden eingebaut, sowie sie wieder in meinem Postfach landeten. Zusätzlich musste ich Cover basteln und Klappentexte schreiben, und ein wenig Werbung macht sich leider auch nicht von allein. Überarbeiten fällt mir schwer, das gebe ich unumwunden zu, also hatte ich in dieser Phase mehr Arbeitszeit eingeplant. Meine Tricks in dieser Zeit:

  1. Beste Testleser der Welt! Alle waren in meinen Zeitplan eingeweiht und haben ihn mit mir zusammen bis zum Ende durchgezogen, obwohl sie selbst auch massig zu tun hatten. Ich weiß nicht genau, wie ich das jemals wiedergutmachen kann – wenn ich reich und berühmt werde, können sie alle bei mir wohnen kommen.
  2. Deadlines beachten. Wenn man selbst veröffentlicht, muss alles rechtzeitig fertig sein, und man kann wirklich nicht alles gleich gut. Also muss man Zeit einplanen für die Dinge, die einem schwerer fallen, und sich rechtzeitig Unterstützung und die Meinung von Profis holen.
  3. Vorab einplanen, dass man nach dem Endsprint eine Weile „tot spielen“ darf: Nicht schreiben, nicht überarbeiten, eventuell nicht einmal lesen.
  4. Leute auf später vertrösten! Um meinen Partner für diese Monate zu entschädigen, in denen er eher wenig von mir sah, versprach ich ihm, dass ich im November und Oktober nicht direkt etwas Neues schreiben würde, so dass wir endlich wieder etwas mehr Zeit füreinander hätten. Das habe ich auch eingehalten (plotten ist nicht gleich schreiben!!!), und er hat sich wunderbar geduldet, bis das letzte Buch überall erhältlich war.

 

Das Endprodukt – 166.609 Wörter, eines schöner als das andere ©Diandra Linnemann

 

Wie gesagt: Ich hatte den Vorteil, dass die Charaktere schon seit Jahren etabliert sind. Das hat vor allem beim Überarbeiten eine Menge Mühe gespart, weil ich schon wusste, wie sie in den meisten Situationen reagieren würden. Sorgfältige Schauplatz-Recherche (die Geschichten spielen fast ausschließlich an Orten, die ich selbst schon besucht habe) vorab und währenddessen war ein Muss: Wenn ich Fotos von einem Ort habe, kann ich mich nicht dabei vertun, ob die Tür eines Gebäudes jetzt grün oder braun ist, und statt mir alles auszudenken zu müssen, kann ich einfach beschreiben, was ich fotografiert habe.

Zugegeben, einige soziale Beziehungen haben in dieser Zeit schon gelitten. Allerdings konnte ich mich am 31. Oktober direkt revanchieren, denn nach dem Hochladen der Dateien für das letzte Buch am 27. Oktober hatte ich noch genau drei Tage Zeit, um alles für eine spontane kleine Halloween-Feier im Freundeskreis vorzubereiten – nachdem ich zehn Monate lang de facto nicht geputzt hatte. Ihr seht, ich neige zu blöden Ideen.

Als Schreibjahr war 2018 aufregend, anstrengend und lehrreich – aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich so einen Schreibmarathon unter Zeitdruck nicht so schnell wiederholen werde. Für 2019 gibt es genügend andere Dummheiten, die ich machen kann, und ich habe natürlich schon ein paar Ideen …

Mach nicht Geschlechter, mach Charaktere! (Nora Bendzko)

[Neuauflage fürs Nornennetz]

(Grafik: Wikimedialimages von pixabay.com)

Ursprünglich ist dieser Artikel am 26.08.2016 auf dem ehemaligen Blog »schreibkasten« von Norne Holly Miles erschienen. Inzwischen ist sie über blog.frau-schreibseele.de aktiv. Bis auf ein paar kosmetische Änderungen, wie Rechtschreibfehler, Löschung von Wiederholungen und ähnlichem ist dieser Artikel genauso auf ihrem Blog veröffentlicht worden.

Gestatten, Nora Bendzko – ich habe die Ehre, heute für das Nornennetz zu philosophieren. Ich zähle zur fraulichen Seite des Universums, wie man an meinem Namen vielleicht erahnt. Da ich eine Autorin bin, die nie Abwechslung genug bekommen kann, habe ich nicht nur Protagonistinnen, sondern erzähle auch aus Männersicht. Ganz so, wie es viele andere Schreiberlinge tun.
Tatsächlich bin ich aber auch der Riege begegnet, für die der Sprung in den Kopf des „anderen“ Geschlechts ein großes Thema ist. Stichwort:

Gender-Marketing.

Wie schreibe ich Mann und Frau in einem Männer- bzw. Frauenbuch und umgekehrt? Solche und ähnliche Fragen sind in der Literaturwelt nicht selten, insbesondere bei romantischen und erotischen Titeln. Erotik aus Frauensicht, aber vom Autor geschrieben? Gay Romance von der Autorin? Und vergessen wir nicht geschlechterexklusiven Kategorien wie den Begriff der „Frauenliteratur“.
Ist das schon für manche ein Streitfeld, so ist ein noch größeres: Wie mache ich Geschlecht?

Diesbezüglich hat sich mir eine Diskussion in einem Schreibforum eingeprägt. Dort wollte ein Autor erstmals ein Buch für Frauen schreiben und fragte, inwiefern sich Frauen- von Männersprache unterscheidet. Was zeigte, wie sehr Lesern und Autoren eine binäre Vorstellung der Geschlechter einprogrammiert ist. Nicht theoriebasierte Annahmen wie „Frauen reden mehr“ und „Männer sind einfacher gestrickt“ wurden schnell während der Diskussion in den Raum geworfen.
Entsprechend einfach scheint die Frage zu beantworten: Wie mache ich Geschlecht? Ganz klar, ich orientiere mich am klassischen Rollenbild … oder?
Meine Antwort dazu ist: Jein. So simpel ist das nicht.

Im Folgenden werde ich erläutern, warum diese Rollenbilder eine fiese Schreibfalle sein können, und inwiefern die Geschlechterfrage von dem ablenken kann, was zur Standardarbeit von Profiautoren gehören sollte: Charaktere schaffen!

Kurze Einführung: Zu Gender, Sex und Gender-Marketing

Ich werde mich in diesem Artikel, wann immer ich „Geschlecht“ schreibe, auf die literaturwissenschaftliche Bedeutung von „Gender“ nach Judith Butler beziehen. Diese teilt „Geschlecht“ wie folgt ein:

Gender = Geschlechtsidentität (mental & sozial)
Sex = angeborene Geschlechterorgane (körperlich)

Trotz einem großen Zuwachs an LGBTQ+-Literatur und dessen steigender Nachfrage herrscht in der deutschen Literaturlandschaft das Bild des „klassischen“ Frauenkörpers mit „klassischer“ Frauenidentität vor (auf Männer übertragbar). „Klassisch“ beziehe ich auf die mentalen und körperlichen Geschlechtszuschreibungen, wie sie im 18. Jahrhundert mit dem Vater-Mutter-Kind-Modell eingeführt wurden.
Zuschreibungen, die für das sogenannte Gender-Marketing von großer Relevanz sind. Denn dieses geht von eklatanten Bedürfnisunterschieden zwischen den Geschlechtern aus, wie sie von den Erwartungen der Gesellschaft geschaffen werden. Produkte dieses Marketings sehen wir täglich ums uns: Die Trennung von Jungen- und Mädchenspielzeug in Blau und Rosa, Bikini-Models in der Axe-Werbung, oder das neue Grillbuch für „echte Männer“. So viele dieser Produkte erfolgreich verkauft werden, so viele erhalten auch Kritik.

Zwei Beispiele aus dem künstlerischen Betrieb, die beide Extreme darstellen: Gender-Marketing, das funktioniert hat, und Gender-Marketing, das in die Hose ging.

Beispiel 1: Revolutionary Girl Utena

Revolutionary Girl Utena
(Quelle: Offizielles Preview-Bild von Hanabe-Entertainment)

Unschwer zu erraten, an wen sich dieses DVD-Cover richtet, oder? Die Akzente sind mit den pinken Farben, den schönen Mädchen, dem Ballkleid und dem Schloss eindeutig gesetzt. Wer sich mit Animés auskennt, wird die langgliedrigen Figuren dem „Shoujo“-Genre zuordnen können, den Animés für Mädchen und junge Frauen.
Gerne hätte ich ein Buch vorgestellt, aber „Revolutionary Girl Utena“ (jap. „Shoujo Kakumei Utena“) ist so ein exzeptionelles Beispiel, dass ich es einfach nicht vorenthalten kann. Tatsächlich handelt es sich um einen Animé für heranwachsende Frauen.
Mit den pinken Haaren der Protagonistin, den Rosen, gut aussehenden Prinzen und unzähligen Märchenmetaphern ist „Revolutionary Girl Utena“ fast beleidigend klischeebeladen. Und doch ist die Serie nicht als Trash-Titel berühmt geworden. Tatsächlich ist diese Märchenwelt, wie sie pinker und heiler nicht sein könnte, eine Fassade, unter der Themen wie Missbrauch, Inzest, Vergewaltigung, Homosexualität, patriarchalische Gewalt und Todessehnsucht brodeln. So subtil und surreal verarbeitet, dass jüngere Zuschauerinnen nicht davon geschockt werden, sondern sich nur an den mädchenhaften Elementen erfreuen. Und rückblickend, als Erwachsene, eine tiefe Botschaft für sich entdecken können. Die Serie zeigt insbesondere Empathie für japanische Frauen, die durch ihre Geschlechterrolle unterdrückt werden, und wie man aus dieser Rolle ausbrechen kann, ohne die eigene Weiblichkeit einzubüßen.
Regisseur Kunihiko Ikuhara – ja, ein Mann – hat sein Zielpublikum eindeutig verstanden. Entsprechend erfolgreich war „Revolutionary Girl Utena“.

Beispiel 2: Die inneren Werte von Tanjas BH

Die inneren Werte von Tanjas BH
(Quelle: Offizielle Facebook-Seite vom Oetinger Verlag)

Das Bild zeigt ein Werbeplakat des Jugendromans „Die inneren Werte von Tanjas BH“, das auch als Poster dem Buch beilag. Die Autorin Jutta Wilke veröffentlichte es unter dem Pseudonym „Alex Haas“ im renommierten Oetinger Verlag. Wie bei „Revolutionary Girl Utena“ wurden hier Teenager und junge Erwachsene als Zielgruppe angepeilt, diesmal Jungen.
Kaum wurde das Werbeplakat online und in Schulen ausgestellt, wurde Oetinger mit einem gewaltigen Shitstorm konfrontiert. Der Grund? Das Plakat wurde von Mädchen und Eltern als sexistisch empfunden. Die Kontraste auf dem Plakat sind eindeutig: Wo der Junge ein „Superhirn“ besitzt, hat das Mädchen einen „Hohlraum“, und so weiter.
Laut Oetinger hat man versucht, auf ironische Art eine „authentische“ Weltsicht des pubertären Hauptcharakters wiederzugeben, für den Mädchen noch eine fremde Welt sind. Nur wurde eine Sache nicht beachtet: Das Plakat ist nicht nur geschlechter-exkludierend, sondern auch geschlechter-bewertend. Eine solche Werbung ohne Kontext in einem geschlechterübergreifenden Raum aufzuhängen – der Schule – kann nur auf Empörung stoßen. Der Verlag verteidigte die Werbeaktion mit Argumenten wie „so denken junge Männer eben“. Darüber kann man streiten. Worüber man nicht streiten kann, ist die Tatsache, dass die Werbeaktion nach hinten losging.

Was bedeutet das für mich als Autor*in?

Wie man an diesen Beispielen sieht, kann Gender-Marketing sehr unterschiedlich ankommen. Nehmen wir an, du als Autor*in begibst dich auf dieses Gebiet. Ich denke, du wünschst dir, dass dein Buch gut ankommt und nicht wegen einer politischen Unkorrektheit verrissen wird, die du nicht angestrebt hast? In diesem Fall hätte ich ein paar Tipps für dich!

Bewerte das Geschlecht nicht über

Wenn wir Schreibende etwas Neues ausprobieren, tendieren wir in der Regel dazu, zu übertreiben. Ich erinnere mich an meine Babyschritte in Sachen Erotik – grauenvoll ist noch untertrieben! Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass wir blockiert sind, wenn wir zum ersten Mal in einer ungewohnten Geschlechterperspektive schreiben.
Das absolute No-Go: die reine Klischee-Reproduktion. Insbesondere, wenn es nicht nur einzige Figur, sondern die ganze Geschlechtergruppe im gesamten Buch betrifft. Wir würden ja auch nicht haarklein jedes Klischee in eine Liebesgeschichte, einen Krimi oder Science-Fiction packen. Sicher, es sind genug nostalgische Akzente für den Vielleser gesetzt, aber dann braucht der doch ein bisschen mehr, damit die Geschichte nicht platt auf ihn wirkt.
Und da mischen Charaktere besonders mit, fern vom reinen Klischee – Geschlecht eingeschlossen.
Einige werden sich hier denken: „Aber es ist doch witzig, wenn mit Klischees gespielt wird.“ Ja, und ob! Um mit Klischees spielen zu können, muss man aber enormes Wissen über sie verfügen, sowie die Fähigkeit, sie humorvoll gegeneinander auszuspielen. Humor kann auch nur durch Kontraste stattfinden. Wo Klischee normalisiert wird, um eine ganze Gruppe zu definieren, wird ein lustiger Aha-Effekt beim Publikum ausbleiben. Ist dieses gelangweilt oder empört, nützt es nichts zu wettern, dass der eigene Witz nicht verstanden wurde – dann war man vielleicht einfach nicht witzig.

Ein Geschlecht ist nicht alle Geschlechter

Möchte man jenseits des Klischees schlau werden, kommt man um eines nicht herum: Recherche. Was bedeutet, nicht nur eine/n einzige/n Repräsentant/in einer Geschlechtergruppe zu fragen und zu glauben, so ticken alle Geschlechtsgenoss*innen.
Ich erinnere mich an eine Diskussion in einem Schreibforum, wo eine erotische Szene besprochen wurde. Dort verwöhnte die Frau die Brustwarzen des Mannes, worauf einige Autorinnen meinten: „Das solltest du streichen, mein Mann sagt immer, Männer mögen das überhaupt nicht!“ Und gleichzeitig tat sich ein anderes Lager auf: „Was, Blödsinn, mein Mann liebt das!“
An solchen und anderen Erfahrungen sieht man, dass allein schon Details der Sexualität sehr individuell sind. Entsprechend individuell sollte die Geschlechterdarstellung deiner Charaktere im Gesamten ausfallen. So machst du sie wesentlich realistischer.

Show, don’t tell!

Die Binsenweisheit aller Autor*innen gilt auch für Geschlecht. Schon Judith Butler stellte in „Gender Trouble“ fest, dass Geschlecht vornehmlich performativ ist. Soll heißen: Wir zeigen unsere Geschlechteridentität mit unserem Verhalten. So kann ein Mann „weiblich“ die Hüften schwingen oder ein Tomboy „männlich“ auf uns wirken, obwohl biologisch als Frau geboren. Das lässt sich eins zu eins auf Geschichten übertragen.
Mehr als einmal sind mir im Lektorat Phrasen untergekommen wie: „Er war die Definition von Männlichkeit.“ Was ein erstaunlich nichtssagender Satz ist. Wie gesagt, ist Geschlecht individuell, entsprechend auch die Vorstellung von Geschlechteridealen. Für den einen mag die „Definition von Männlichkeit“ ein braungebrannter, leidenschaftlicher Bodybuilder sein, für jemand anderen ein distanzierter Gothic mit langen Haaren und feinem Gesicht. Manche machen gar ihr Ideal nur an inneren Werten fest und finden keine Antwort auf die Frage, was äußerlich ihr Typ sei.
Also: definiere! Aus den individuellen Augen deiner Protagonist*innen, nicht mit der allgemeingültigen Stimme der Erzählinstanz. Und noch viel wichtiger als das Aussehen: Wie zeigt sich das Geschlecht deiner Charaktere in ihrem Verhalten? Damit meine ich nicht, dass gewisse Handlungen von der Erzählerstimme als „weiblich“ oder „männlich“ bewertet werden sollen. Schreib wertfrei. Dein Publikum kann das Verhalten deiner Charaktere sehr gut mit eigenen Vorstellungen abgleichen.

Gender-Marketing heißt nicht „Kampf der Geschlechter“

Das betrifft nicht nur die Binarität von Männern und Frauen, sondern auch Binaritäten wie Queer und Hetero, Gay versus Frauen, et cetera. Öfter kommen mir als Lektorin Texte unter, in denen verschiedene Geschlechter auftreten und sich ein Geschlecht als das „stärkere“ auftut (was längst nicht immer Männer sind), während andere Geschlechtertypen dem untergeordnet und denunziert werden. Es gibt auch Bücher, die explizit vom „Kampf der Geschlechter“ leben, wie humoristische Belletristik, in deren Zentrum die Gegensätze von Männern und Frauen stehen. Problematisch ist hier nicht, dass Differenz und Klischee Lacher hervorrufen, sondern wenn zwischen den Zeilen pauschalisierende Bewertungen stattfinden. Ein Beispiel dafür wäre frauenexkludierende Gay Romance, die Frauen nur als „die Anderen“ und Antagonistinnen auftreten lässt, aber nicht als „normale“ Charaktere.
Hier ist das Stichwort: Respekt. Für alle Seiten.
Das bedeutet nicht, dass alle Charaktere in einem Buch absolut korrekt geschrieben sein müssen. Im Gegenteil, ein sexistisches Aas kann ganz schön Wind in einen Plot bringen. Es sollte nur berücksichtigt werden, dass von Erzählerstimme oder Botschaft eine bestimmte Geschlechtergruppe nicht pauschal niedergemacht wird. Zumal diese Geschlechtergruppe Teil der eigenen Leserschaft sein kann.

Nicht an Schemata festhalten – Geschlecht ist veränderlich!

So, wie sich die Ideale der jeweiligen Geschlechterkörper durch die Jahrhunderte immer gewandelt haben, haben sich auch die Vorstellungen davon geändert, wie Mann und Frau sich zu verhalten haben – und tun es immer noch!
Früher waren Drachenkämpferinnen holde Maiden, die Babydrachen mit ihrer Lieblichkeit bezähmten. Heute köpft die erwachsene Alice den Drachen im Wunderland. Einst becircten sanftmütige Gentlemen mit adeligem Gemüt die Damenwelt. Nun sind die Bad Boys, bösen Rocker und Männer mit gebrochenen Herzen auf dem Vormarsch. Im 21. Jahrhundert gibt es von den traditionellsten bis zu den liberalsten Darstellungen hin alles an Extremen und Zwischenstationen. Entsprechend ist Gender-Marketing schwerer denn je, kritisierter als je zuvor.
Wirst du also mit beleidigten Leser*innen konfrontiert, haue ihre Kritik nicht mit dem Hammer nieder – rede mit ihnen! Denn sie sind deine beste Informationsquelle. Wenn du verschiedene Geschlechter und insbesondere Gender-Marketing machen willst, musst du wie bei allem anderen auf dem Buchmarkt immer up to date sein. Und manchmal musst du auch ins kalte Wasser springen und dich fragen: Was könnte morgen sein?
Vielleicht verlässt die Erotik ihre Schmuddelkiste und wird zur etablierten Literatur? Vielleicht wird Queer Romance das große neue Ding? Vielleicht haben alle die Schnauze voll von Dreiecksbeziehungen und warten auf den ersten großen Bestseller, in dem die Protagonistin sich für beide Männer entscheidet?

Probiere es aus!

Was immer du an neuer Perspektive oder Zielpublikum ausprobierst: Am Ende gibt es nur Try and Error mit deinen Charakteren. Lass dich gar nicht erst zu dem Gedanken verleiten, nicht eine „andere“ Darstellung auszuprobieren, weil sie nicht vorgekauten Geschlechterbildern entspricht. Lieber Kritik für interessante Charaktere als für uninteressante Geschlechterplakate bekommen – und daran wachsen!

Stereotype des Bösen (Fotos: Pixabay)

Stereotype der Bösen

Ein Beitrag von Esther Wagner.

Ein brillianter Bösewicht kann eine Geschichte fast alleine tragen. Doch viele Storys geben sich mit stereotypen Gegenspielern zufrieden. Böse Herrscherinnen, gigantische Monster, brutale Schlächter: Es gibt zahlreiche Stereotype, die uns immer wieder begegnen. Weil sie funktionieren. Sie sind erprobt und gelernt.

Stereotype sind nicht unbedingt etwas Schlechtes. Menschen mögen Bekanntes in unendlicher Variation. Deshalb können die Stereotype des Bösen als Basis für spannende, vielschichtige Gegenspieler dienen. Als Autorin kann ich Elemente verschiedener Typen neu kombinieren und Klischees brechen. Und manchmal ist das Geheimnis einfach, einem Bösewicht eine glaubhafte Backstory zu geben. Denn oft ist nicht der stereotype Aufbau der Figur das Problem, sondern ihre Eindimensionalität. Es reicht heute eben nicht (mehr), wenn ein Antagonist einfach nur böse ist. Graustufen sind das neue Schwarz. Eine böse Königin darf eine liebevolle Mutter sein, ein grausamer Kriegsherr unter seiner makellosen Uniform ein posttraumatisches Stresssyndrom verbergen.

Wer Stereotype gekonnt einsetzt, kann daraus spannende, vielschichtige Figuren modellieren.

Hier kommt eine Auswahl an Stereotypen, die sich besonders gerne in den fantastischen Genres herumtreiben.

Machtstreber*innen

Sie sind hungrig nach Macht – und nutzen sie gnadenlos aus.

Der Tyrann
Er kann als König eines mittelalterlichen Reiches auftreten, als Imperator der Galaxis oder als Präsident einer dystopischen Gesellschaft, doch seine grundlegenden Merkmale sind immer gleich: große Macht und Grausamkeit, die sich gegen seine eigenen Untertanen richtet.

Die böse Königin
Sie ist die weibliche Version des Tyrannen, aber sie sieht dabei besser aus. Sie ist schön und sie trägt die besten Outfits. Düster-pompöse Roben, Lederkorsetts und schwarze Rabenfedern machen die böse Königin zum Traum aller Cosplayer.

Der böse Zauberer/ Die böse Hexe
Sie streben nach Macht und setzen dafür skrupellos ihre magischen Kräfte ein. Oft sind sie auf der Suche nach einem Artefakt, das ihre Macht noch vergrößert. Sie verfügen entweder über eine Armee von Sklaven, die sie kontrollieren, oder sie sind Einzelgänger, die alleine oder maximal mit einem Lehrling, im gruseligen Kämmerlein ihre magischen Fäden ziehen.

Der Milliardär, der nach der Weltherrschaft strebt
Er hat alles, aber er will noch viel mehr. Um die Weltherrschaft an sich zu reißen, ist ihm jedes Mittel recht. Das Fatale: Er kann sich so ziemlich jedes Mittel leisten.

Der Pate
Er ist ein König der Unterwelt und kann in vielen Bereichen mit dem Tyrannen mithalten. Er hat Macht, Geld und eine Privatarmee und herrscht mit Terror.

Der Thronräuber
Er strebt nach dem Thron und geht dafür über Leichen – selbst wenn dafür ein Brudermord notwendig ist. Der Thronräuber ist oft ein jüngerer Bruder oder ein naher Verwandter des Kronprinzen – oder der Kronprinz selbst, der nicht mehr länger darauf warten will, dass sein königlicher Vater auf natürlichem Wege den Thron räumt.

Monster und Kreaturen

Wenig Hirn, große Zerstörungskraft

Das Kaijū
Ein gigantisches Monster, das Städte vernichtet und Tausende tötet. Das Wort „Kaijū“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „seltsame Bestie“. Godzilla ist ein echtes japanisches Kaiju, aber auch Drachen fallen in diese Kategorie.

Die Monsterarmee
Ihre schiere Masse macht diese Kreaturen so gefährlich. Sie kämpfen hirnlos und brutal, ihr einziges Ziel ist es, zu töten – aus reiner Mordlust, Hunger auf Hirn oder weil sie halt einfach böse sind. Die Monsterarmee kann aus Orks, Dämonen, Aliens oder Zombies bestehen und entweder aus eigenem Antrieb oder auf Befehl eines Machtstreber-Stereotypen handeln.

Frankensteins Monster
Ein Monster wider Willen, geschaffen von einem verrückten Wissenschaftler, einem bösen Zauberer oder von Aliens, die eine Invasion vorbereiten. Es ist das Ergebnis unethischer Experimente und oftmals schlummert noch Menschlichkeit in ihm.

Dämon mit Seele
Ein verflucht gutaussehender Vertreter der dämonischen Völker – gerne Vampir oder Werwolf. Seine Aufgabe ist es, zum Love Interest der unschuldigen, bzw. Dämonen jagenden Protagonistin zu werden und im Laufe der Geschichte seine Menschlichkeit wiederzufinden – natürlich mit maximaler Tragik!

Die Sirene
Ein wunderschönes weibliches Wesen, das Männer verführt und ins Verderben lockt. Oft ist ihre Schönheit nur Fassade und darunter verbirgt sich eine hässliche Dämonin oder ein schleimiges Alien auf der Suche nach einem Paarungspartner.

Die bucklige Verwandschaft

Familie ist etwas Wunderbares

Die böse Stiefmutter
Sie ist der Albtraum jedes Stiefkindes und macht ihm das Leben zur Hölle. Sie behandelt es mit maximaler Verachtung und Grausamkeit, während sie um ihre leiblichen Kinder herumhelikoptert.

Der Familientyrann
Der Tyrann im Kleinformat. Er ist der alleinige Bestimmer aller Familienangelegenheiten, gerne mit einem Hang zu körperlicher Gewalt. Oft  ist er jähzornig, zumindest aber zeigt er keine Empathie für seine Frau und seine Kinder. Die Familienehre ist ihm wichtig, die körperliche und geistige Gesundheit seiner „Lieben“ weniger.

Das Gruselkind
Auf den ersten Blick ist es ein herzallerliebstes Kind, gerne ein Mädchen in einem weißen Kleid, doch in ihm steckt das Böse. Es hat besondere Fähigkeiten, ist von Dämonen besessen oder auf grausame Art zum Geist geworden.

Mordsgesindel

Sie beherrschen die Kunst des Tötens und kennen keine Gnade

Der Auftragskiller
Er tötet für Geld und ist ein Meister seiner Profession. Er arbeitet alleine und im Verborgenen und ist oft intelligent. Manchmal hat er einen Ehrenkodex, aber Skrupel kennt er nicht; die sind reumütigen Auftragskiller-Protagonisten vorbehalten.

Der Meister der Kampfkunst
Er ist ein Meister im Schwertkampf, Kung Fu oder einer anderen Kampfkunst und bislang unbesiegt. Das will er auch unter allen Umständen bleiben. Er kämpft bis zum Tod.

Der sadistische Serienmörder
Er tötet aus Sadismus und Mordlust. Seine Grausamkeit macht ihn zum perfekten Hassobjekt. Der Sadist kann sowohl als einsamer Serienkiller auftreten, als auch als besonders brutaler Soldat. Schlachtet bevorzugt Protagonisten-Familien ab.

Die Söldnertruppe
Auch sie töten für Geld, aber gemeinsam. Oft hat jeder von ihnen eine besondere Fähigkeit. Die Söldnertruppe wird gerne eingesetzt, um den oder die Helden auf den Endkampf mit dem echten Bossgegner vorzubereiten. Tiefgang findet man in der Söldnertruppe selten. Ein eng verwandtes Stereotyp ist die Eliteeinheit, mit dem Unterschied, dass sie einer regulären Armee angehört.

Das verheerende Heer
Eine feindliche Armee, die mordend, plündernd und brandschatzend durch die Lande zieht und noch nie von der Genfer Konvention gehört hat.

Der Kriegsherr
Egal, ob er ein antikes Heer, eine moderne Armee oder eine Raumflotte befehligt: Er hat eine Mission und die führt er unter allen Umständen aus, auch wenn er dabei das halbe Universum vernichtet. Er ist charismatisch und respekteinflößend, ein geborener Anführer. Er erwartet absoluten Gehorsam von seinen Untergebenen und kennt keine Gnade mit jenen, die ihm im Weg stehen. Oft trägt er eine besonders coole Uniform.

Wer solche Freunde hat…

…hat viel Konfliktpotenzial

Der falsche Freund
Er gewinnt das Vertrauen der Heldin, um sie im richtigen Moment zu vernichten – oder auf die dunkle Seite zu ziehen. Eine Variante davon ist der Maulwurf, der besonders bei Helden-Ensembles gerne zum verdeckten Einsatz kommt.

Der Ex-Freund
Er war mal der beste Freund des Protagonisten, doch jetzt ist er sein Erzfeind. Oft steckt eine Frau dahinter, aber auch ein Job, den beide haben wollten oder Differenzen in der Kampfkunst-Ausbildung können zum Bruch geführt haben. Gutes Drama-Material!

Pädagogisch wertlos

Der böse Mentor
Er ist besonders perfide, denn er nutzt die jugendliche Naivität unserer Heldin aus, um sie zu korrumpieren. Gerade beim Erlernen einer Kampfkunst oder der Magie ist Vorsicht geboten! Um die Situation noch brisanter zu machen, ist der Mentor (oder die Mentorin, auch wenn mir da gerade keine einfällt) oft Eltern-Ersatz für die Heldin (Waisenkind-Helden-Trope!). Der finale Kampf verspricht Drama und Spannung!

Der brutale Ausbilder
Wenn Rekruten in einer Geschichte auftauchen, ist der sadistische Drill Sergeant oft nicht weit. Er will das Frischfleisch brechen sehen – physisch und psychisch.

Die fiese Lehrerin
Ob sie nur charakterlich verdorben ist, im Dienste des Bösen steht oder von einem Dämon besessen ist, stellt sich oft erst zum Showdown heraus. Aber sie macht unserer Heldin das Schulleben zur Hölle.

Genie und Wahnsinn

Der irre Wissenschaftler
Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich dicht beieinander. Der irre Wissenschaftler setzt sein Wissen nicht zum Wohle der Menschheit ein, sondern zu ihrer Vernichtung. Er ist entweder ein Einzelkämpfer, der aus Forscher-Ehrgeiz davon besessen ist, etwas Gigantisches zu erschaffen („Der Nobelpreis gehört uns, mein Schatz!“) oder er forscht im Dienste eines Herrn – siehe Tyrann oder Weltherrschafts-Milliardär. Oftmals überblickt er die furchtbaren Konsequenzen seiner Forschung nicht. Er lebt in seiner eigenen Welt.

Der Psychopath
Er ist hochintelligent und misanthropisch. Er spielt ein Spiel, in dem die ganze Welt sein Spielfeld ist und die Menschen seine Spielfiguren. Oft hat er sadistische Züge und er empfindet maximales Vergnügen dabei, Kontrolle auszuüben. Er strebt nicht nach einer Machtposition, sondern freut sich daran, im Verborgenen die Fäden zu ziehen und über Leben und Tod zu richten.

Fanatiker und Extremisten

Die folgenden Stereotype sind weitgehend selbsterklärend. Sie alle sind fanatische Anhänger einer Ideologie oder Religion. In ihrem Sinne töten, unterdrücken, verraten und manipulieren sie. Sie sind der Stoff, aus dem die Dystopien sind.

  • Die Faschisten
  • Die Terroristen
  • Die religiösen Eiferer

Allmächtiger!

Der Teufel
Satan, Beelzebub, der Gehörnte. Seit Jahrtausenden ein verlässlicher Bösewicht erster Klasse. Er kann als Verführer auftreten, als Versicherungsvertreter, als gruseliger Höllenherrscher oder als kleines Mädchen mit süßen blonden Locken. Man muss zu ihm nicht viel erklären, denn jeder kennt ihn. Super praktisch!

Das Böse(TM)
Eine (all)mächtige, gottgleiche Macht, so unvorstellbar mächtig und böse, dass sie gar keinen Grund zum Bösesein braucht. Sie will einfach alles vernichten. Weil halt. Kann natürlich trotzdem besiegt werden.

Welche weiteren Stereotype des Bösen kennt ihr?
Und welcher Bösewicht-Typ ist der/die Antagonist*in eurer Geschichte?