Ruhe bewahren im fantastischen Netzwerk-Werbungs-Wunderland (Anne Granert)

Es würde mir schwerfallen, ein schriftstellerisches Highlight des Jahres 2018 herauszupicken. Die erste eigene Veröffentlichung? Der Besuch der FBM, das Literaturcamp Hamburg oder mein Beitritt bei den Nornen? Mir fällt auf, dass alle Punkte zwei Wörter beinhalten: Netzwerk und Werbung. Wobei als Selfpublisher beides fast gleichzusetzen ist.

Werbung in den sozialen Medien als Selfpublisher

Im Sommer 2018 wollte ich den ersten Band meiner Urban Fantasy Reihe veröffentlichen. Meine Lektorin (die ich übrigens auch ‚online‘ durch ihren Blog kennengelernt hatte) thematisierte mit mir mögliche Kanäle, um mich als Autorin im Allgemeinen und meine Werke im Speziellen zu präsentieren und zu bewerben.

Im Januar 2018 gingen meine Homepage sowie meine drei SoMe-Kanäle Instagram, Twitter und Facebook online. Die ersten Schritte waren noch holperig, doch schnell fand ich eine kleine, aber feine Gruppe gleichgesinnter Buchliebhaber, deren Beiträgen ich folgte und die wiederum meine Posts lasen. So wurde ich zum einen auf die Nornen und das Literaturcamp Hamburg aufmerksam, als auch zum Geburtstag von BoD nach Norderstedt eingeladen. Auf dem BoD-Geburtstag wiederum entschied ich mich guten Gewissens für meinen jetzigen Distributor Twentysix, bei dem ich sehr erfolgreich meinen ersten Band veröffentlichte.

Twentysix lud mich zum Coaching für ausgewählte Autorinnen und Autoren auf die Frankfurter Buchmesse ein. Inhaltlich ging es vor allem um die käuferrelevanten Bereiche der Werke wie Klappentext und Cover als auch Werbungsmöglichkeiten. Hier wurden vor allem die Wortwerke-Buchhandlungen, lovelybooks und Facebook genannt. Auch fiel das Gespräch auf verschiedenste Schreibanbieter und -Apps, Rezesions-Plattformen und Autorenzusammenschlüsse.

Mit einem ziemlich vollen Autorinnen-Kopf flog ich wieder heim und stellte fest: Es gibt unzählige Möglichkeiten der Eigenwerbung, kostenfrei als auch zu hohen Preisen. Mit wenig Zeitaufwand und sehr viel Zeitaufwand. Von einigen Möglichkeiten hatte ich noch nie gehört, andere verstand ich einfach nicht. Also tat ich das, was eine Autorin in der Regel tut: Ich setzte mich hin und schrieb die Kanäle auf, die ich gerne nutzte sowie einige weitere, die nebenbeiliefen. Ungeliebtes strich ich weg oder gliederte es aus, wie meine Homepage, für die ich nun einen Webmaster engagiert habe.

Ich merkte, dass mein persönlicher Lieblings-Kanal Instagram war und beschloss, mich im Bereich Instagram und Branding weiterzubilden, was ich mit Hilfe meiner Illustratorin tat. Wir entwickelten ein neues Branding und sie zeigte mir zeitsparende Möglichkeiten der Bilderstellung und des Postens, die ich auch als Mutter zweier Kleinkinder mit Halbtags-Job gut durchführen konnte.

Du bist der Boss und entscheidest über Dein Netzwerk und Deine Werbung

Meine Tipps

Netzwerken macht unglaublich viel Spaß, öffnet Blick und Geist und lässt die Kreativität sprudeln. Und macht auch Druck, denn die ganzen genannten Kanäle müssen oder sollten ja auch bedient werden.

  • Such Dir 1-2 Plattformen/ Kanäle/ Möglichkeiten, die Du wirklich magst und gerne pflegst.
  • Nutze noch wenige weitere Plattformen etc., die gut nebenherlaufen können.
  • Mach Dir einen einfachen und gut umsetzbaren Plan für Dein Marketing: Wann postest du Tweets, Bilder, Newsletter mit welchem Inhalt? Kannst Du einiges schon vorplanen mit Apps wie Preview, Tweetdeck oder Mailchimp?
  • Mach Dir auch einen finanziellen Plan: Kannst Du für Werbung zahlen? Wie viele Bücher kannst du Bloggerinnen und Bloggern schenken?
  • Du bist nicht allein: Schließe Dich einer Schreibgruppe an, wie ich es zum Beispiel mit den Nornen tat.
  • Gehe auch mal außer Haus zu Veranstaltungen von Verlagen oder Camps wie das Literaturcamp in Hamburg.
  • Suche Kontakt zu Bloggerinnen und Bloggern, die Deinem Genre entsprechen und die Du wirklich gerne magst. Tritt in den Austausch mit ihnen und hake beizeiten freundlich und persönlich nach, ob sie Dein Buch rezensieren würden.
  • Projekte (ich sag nur: Homepage), die Dir wirklich quer im Magen liegen, solltest Du outsourcen oder ganz streichen.
  • Schalte mal das Internet aus, schenke Dir einen Kaffee ein und lies ein gutes Buch oder triff Dich mit Freunden. Offline-Zeit kann sehr erholsam sein und siehe da, die Welt dreht sich auch ohne Dich weiter.

Diese und sicherlich noch viele weitere Tipps können helfen, in dem weiten Universum an Möglichkeiten nicht die Ruhe und den Fokus zu verlieren auf das, was Dir am meisten Spaß und Freude bringt: das Schreiben!

 

Nicht zur Nachahmung empfohlen (Diandra Linnemann)

Nicht zur Nachahmung empfohlen – Wie ich drei Romane in einem Jahr schrieb und veröffentlichte, ohne darüber komplett durchzudrehen, oder auch: Auf Nimmerwiedersehen, 2018!

Für viele Hexen sind die zwölf Nächte nach dem 21. Dezember die „Rauhnächte“, sozusagen die „Zeit zwischen den Jahren“. In dieser Zeit setze ich mich immer hin und plane, was ich im kommenden Jahr schaffen möchte. Ende Dezember 2017 saß ich also in meinem stillen Kämmerlein und fasste einen irrwitzigen Plan: Im kommenden Jahr wollte ich drei Romane schreiben und veröffentlichen.

Seit 2013 hatte ich nämlich an meiner „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe geschrieben, welche anhand der heidnischen Jahreskreisfeste durch ein Urban-Fantasy-Jahr führte, und im Ernst: Allmählich wollte ich mich an etwas Neues wagen. Doch drei Romane standen noch aus. Jeder von ihnen sollte ein eigenes Abenteuer erzählen, aber gleichzeitig auch zur übergeordneten Geschichte beitragen. Sie spielten jeweils Anfang August, Mitte September und Ende Oktober. Worum es im Einzelnen gehen sollte, wusste ich schon, hatte aber weder Plot noch Kapitelplan parat.

Also rüttelte ich und schüttelte ich, schob Termine und Arbeitslast hin und her und hatte schließlich einen Plan:

  1. Wenn ich pi mal Daumen 1.000 Wörter pro Tag schreibe, kann ich einen Erstentwurf in üblicher Länge in zwei Monaten fertig haben.
  2. Wenn ich alle drei Rohentwürfe direkt hintereinander weg schreibe, habe ich Ende Juni drei Manuskripte auf Rohkäse-Niveau, schön abgehangen und reif zum Überarbeiten.
  3. Wenn ich dann direkt mit Überarbeiten loslege und reinhaue wie eine Wilde, kann ich jedes Manuskript pünktlich zum Termin, also jeweils innerhalb von gut fünf Wochen, selfpublishingreif haben.

Kalender und Kaffee – meine ständigen Begleiter ©Diandra Linnemann

 

Ihr seht schon, das klingt ziemlich blöde. Aber ich hatte ja einen kleinen Vorteil: Da es das Ende einer Reihe war, kannte ich die Charaktere schon in- und auswendig. Ich wusste also genau, wie sie in den einzelnen Situationen reagieren würden. Und die lange im Voraus ausgelegten Hinweise und losen Fäden aus den vorangehenden Büchern reichten aus, um sich daran bis zum Ende durchzuhangeln.

Mit den ganzen Verzweiflungsmomenten will ich euch nicht aufhalten, das ist an dieser Stelle auch gar nicht spannend. Willkommene Zeitfresser waren die Leipziger Buchmesse oder auch der einwöchige Besuch meines Vaters. Weniger willkommen waren Erkältungen oder Überstunden. Allerdings habe ich ein paar Tipps, die mir durch ein verrücktes Jahr geholfen haben, die ich hier gerne teilen möchte:

  1. Plant Zeitpuffer ein. Für diese Reihe musste ein Rohentwurf etwa 50.000 Wörter haben, und ich hatte mir jeweils 58 Tage à 1.000 Wörter pro Tag vorgenommen (die ersten drei Tages eines jeden Monats waren für das Plotten reserviert). Ihr seht schon, das lässt ein wenig Luft.
  2. Übertrefft euch, wo immer ihr könnt. An manchen Tagen lief es mit dem Schreiben gut – also habe ich nach tausend Wörtern einfach weitergemacht, bis die Luft raus war. Mein Rekord in dieser Zeit – neben einem Vollzeitjob, dem Haushalt, einem Sozialleben und dem Training für einen Strongmanrun – waren knapp dreitausend Wörter an einem Tag. Dafür gab es auch Tage, an denen aus Zeitmangel, Müdigkeit oder auch wegen akuter Bräsigkeit nur fünfhundert Wörter zusammenkamen. Trotzdem war ich üblicherweise kurz vor Monatsende fertig und konnte mir sogar noch einen oder zwei Tage zur Erholung gönnen, ehe es mit dem nächsten Abenteuer weiterging.
  3. In der Schreibphase unter keinen Umständen den Text überarbeiten! Im Nachhinein war einiges ziemlicher Murks, aber für den ersten Entwurf war das nicht relevant. Wenn ich wusste, dass eine Szene schwach war, habe ich mir eine Notiz an den Rand gemacht und weitergeschrieben, solange Schwung da war. Bis ich dann etwa vier Monate später in der Überarbeitungsphase wieder an dieser Stelle war, hatte mein Unterbewusstsein meistens eine Lösung parat.

Das war die Schreibphase. Ende Juni hatte ich also drei Manuskripte und beginnendes Karpaltunnelsyndrom vom Schreiben. Ich war euphorisch. Als nächstes las und verbesserte ich alles kapitelweise und schickte jedes Kapitel danach direkt an meine wundervollen Testleserinnen, die alles noch einmal zerpflücken durften. Deren Anmerkungen wurden eingebaut, sowie sie wieder in meinem Postfach landeten. Zusätzlich musste ich Cover basteln und Klappentexte schreiben, und ein wenig Werbung macht sich leider auch nicht von allein. Überarbeiten fällt mir schwer, das gebe ich unumwunden zu, also hatte ich in dieser Phase mehr Arbeitszeit eingeplant. Meine Tricks in dieser Zeit:

  1. Beste Testleser der Welt! Alle waren in meinen Zeitplan eingeweiht und haben ihn mit mir zusammen bis zum Ende durchgezogen, obwohl sie selbst auch massig zu tun hatten. Ich weiß nicht genau, wie ich das jemals wiedergutmachen kann – wenn ich reich und berühmt werde, können sie alle bei mir wohnen kommen.
  2. Deadlines beachten. Wenn man selbst veröffentlicht, muss alles rechtzeitig fertig sein, und man kann wirklich nicht alles gleich gut. Also muss man Zeit einplanen für die Dinge, die einem schwerer fallen, und sich rechtzeitig Unterstützung und die Meinung von Profis holen.
  3. Vorab einplanen, dass man nach dem Endsprint eine Weile „tot spielen“ darf: Nicht schreiben, nicht überarbeiten, eventuell nicht einmal lesen.
  4. Leute auf später vertrösten! Um meinen Partner für diese Monate zu entschädigen, in denen er eher wenig von mir sah, versprach ich ihm, dass ich im November und Oktober nicht direkt etwas Neues schreiben würde, so dass wir endlich wieder etwas mehr Zeit füreinander hätten. Das habe ich auch eingehalten (plotten ist nicht gleich schreiben!!!), und er hat sich wunderbar geduldet, bis das letzte Buch überall erhältlich war.

 

Das Endprodukt – 166.609 Wörter, eines schöner als das andere ©Diandra Linnemann

 

Wie gesagt: Ich hatte den Vorteil, dass die Charaktere schon seit Jahren etabliert sind. Das hat vor allem beim Überarbeiten eine Menge Mühe gespart, weil ich schon wusste, wie sie in den meisten Situationen reagieren würden. Sorgfältige Schauplatz-Recherche (die Geschichten spielen fast ausschließlich an Orten, die ich selbst schon besucht habe) vorab und währenddessen war ein Muss: Wenn ich Fotos von einem Ort habe, kann ich mich nicht dabei vertun, ob die Tür eines Gebäudes jetzt grün oder braun ist, und statt mir alles auszudenken zu müssen, kann ich einfach beschreiben, was ich fotografiert habe.

Zugegeben, einige soziale Beziehungen haben in dieser Zeit schon gelitten. Allerdings konnte ich mich am 31. Oktober direkt revanchieren, denn nach dem Hochladen der Dateien für das letzte Buch am 27. Oktober hatte ich noch genau drei Tage Zeit, um alles für eine spontane kleine Halloween-Feier im Freundeskreis vorzubereiten – nachdem ich zehn Monate lang de facto nicht geputzt hatte. Ihr seht, ich neige zu blöden Ideen.

Als Schreibjahr war 2018 aufregend, anstrengend und lehrreich – aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich so einen Schreibmarathon unter Zeitdruck nicht so schnell wiederholen werde. Für 2019 gibt es genügend andere Dummheiten, die ich machen kann, und ich habe natürlich schon ein paar Ideen …

Mach nicht Geschlechter, mach Charaktere! (Nora Bendzko)

[Neuauflage fürs Nornennetz]

(Grafik: Wikimedialimages von pixabay.com)

Ursprünglich ist dieser Artikel am 26.08.2016 auf dem ehemaligen Blog »schreibkasten« von Norne Holly Miles erschienen. Inzwischen ist sie über blog.frau-schreibseele.de aktiv. Bis auf ein paar kosmetische Änderungen, wie Rechtschreibfehler, Löschung von Wiederholungen und ähnlichem ist dieser Artikel genauso auf ihrem Blog veröffentlicht worden.

Gestatten, Nora Bendzko – ich habe die Ehre, heute für das Nornennetz zu philosophieren. Ich zähle zur fraulichen Seite des Universums, wie man an meinem Namen vielleicht erahnt. Da ich eine Autorin bin, die nie Abwechslung genug bekommen kann, habe ich nicht nur Protagonistinnen, sondern erzähle auch aus Männersicht. Ganz so, wie es viele andere Schreiberlinge tun.
Tatsächlich bin ich aber auch der Riege begegnet, für die der Sprung in den Kopf des „anderen“ Geschlechts ein großes Thema ist. Stichwort:

Gender-Marketing.

Wie schreibe ich Mann und Frau in einem Männer- bzw. Frauenbuch und umgekehrt? Solche und ähnliche Fragen sind in der Literaturwelt nicht selten, insbesondere bei romantischen und erotischen Titeln. Erotik aus Frauensicht, aber vom Autor geschrieben? Gay Romance von der Autorin? Und vergessen wir nicht geschlechterexklusiven Kategorien wie den Begriff der „Frauenliteratur“.
Ist das schon für manche ein Streitfeld, so ist ein noch größeres: Wie mache ich Geschlecht?

Diesbezüglich hat sich mir eine Diskussion in einem Schreibforum eingeprägt. Dort wollte ein Autor erstmals ein Buch für Frauen schreiben und fragte, inwiefern sich Frauen- von Männersprache unterscheidet. Was zeigte, wie sehr Lesern und Autoren eine binäre Vorstellung der Geschlechter einprogrammiert ist. Nicht theoriebasierte Annahmen wie „Frauen reden mehr“ und „Männer sind einfacher gestrickt“ wurden schnell während der Diskussion in den Raum geworfen.
Entsprechend einfach scheint die Frage zu beantworten: Wie mache ich Geschlecht? Ganz klar, ich orientiere mich am klassischen Rollenbild … oder?
Meine Antwort dazu ist: Jein. So simpel ist das nicht.

Im Folgenden werde ich erläutern, warum diese Rollenbilder eine fiese Schreibfalle sein können, und inwiefern die Geschlechterfrage von dem ablenken kann, was zur Standardarbeit von Profiautoren gehören sollte: Charaktere schaffen!

Kurze Einführung: Zu Gender, Sex und Gender-Marketing

Ich werde mich in diesem Artikel, wann immer ich „Geschlecht“ schreibe, auf die literaturwissenschaftliche Bedeutung von „Gender“ nach Judith Butler beziehen. Diese teilt „Geschlecht“ wie folgt ein:

Gender = Geschlechtsidentität (mental & sozial)
Sex = angeborene Geschlechterorgane (körperlich)

Trotz einem großen Zuwachs an LGBTQ+-Literatur und dessen steigender Nachfrage herrscht in der deutschen Literaturlandschaft das Bild des „klassischen“ Frauenkörpers mit „klassischer“ Frauenidentität vor (auf Männer übertragbar). „Klassisch“ beziehe ich auf die mentalen und körperlichen Geschlechtszuschreibungen, wie sie im 18. Jahrhundert mit dem Vater-Mutter-Kind-Modell eingeführt wurden.
Zuschreibungen, die für das sogenannte Gender-Marketing von großer Relevanz sind. Denn dieses geht von eklatanten Bedürfnisunterschieden zwischen den Geschlechtern aus, wie sie von den Erwartungen der Gesellschaft geschaffen werden. Produkte dieses Marketings sehen wir täglich ums uns: Die Trennung von Jungen- und Mädchenspielzeug in Blau und Rosa, Bikini-Models in der Axe-Werbung, oder das neue Grillbuch für „echte Männer“. So viele dieser Produkte erfolgreich verkauft werden, so viele erhalten auch Kritik.

Zwei Beispiele aus dem künstlerischen Betrieb, die beide Extreme darstellen: Gender-Marketing, das funktioniert hat, und Gender-Marketing, das in die Hose ging.

Beispiel 1: Revolutionary Girl Utena

Revolutionary Girl Utena
(Quelle: Offizielles Preview-Bild von Hanabe-Entertainment)

Unschwer zu erraten, an wen sich dieses DVD-Cover richtet, oder? Die Akzente sind mit den pinken Farben, den schönen Mädchen, dem Ballkleid und dem Schloss eindeutig gesetzt. Wer sich mit Animés auskennt, wird die langgliedrigen Figuren dem „Shoujo“-Genre zuordnen können, den Animés für Mädchen und junge Frauen.
Gerne hätte ich ein Buch vorgestellt, aber „Revolutionary Girl Utena“ (jap. „Shoujo Kakumei Utena“) ist so ein exzeptionelles Beispiel, dass ich es einfach nicht vorenthalten kann. Tatsächlich handelt es sich um einen Animé für heranwachsende Frauen.
Mit den pinken Haaren der Protagonistin, den Rosen, gut aussehenden Prinzen und unzähligen Märchenmetaphern ist „Revolutionary Girl Utena“ fast beleidigend klischeebeladen. Und doch ist die Serie nicht als Trash-Titel berühmt geworden. Tatsächlich ist diese Märchenwelt, wie sie pinker und heiler nicht sein könnte, eine Fassade, unter der Themen wie Missbrauch, Inzest, Vergewaltigung, Homosexualität, patriarchalische Gewalt und Todessehnsucht brodeln. So subtil und surreal verarbeitet, dass jüngere Zuschauerinnen nicht davon geschockt werden, sondern sich nur an den mädchenhaften Elementen erfreuen. Und rückblickend, als Erwachsene, eine tiefe Botschaft für sich entdecken können. Die Serie zeigt insbesondere Empathie für japanische Frauen, die durch ihre Geschlechterrolle unterdrückt werden, und wie man aus dieser Rolle ausbrechen kann, ohne die eigene Weiblichkeit einzubüßen.
Regisseur Kunihiko Ikuhara – ja, ein Mann – hat sein Zielpublikum eindeutig verstanden. Entsprechend erfolgreich war „Revolutionary Girl Utena“.

Beispiel 2: Die inneren Werte von Tanjas BH

Die inneren Werte von Tanjas BH
(Quelle: Offizielle Facebook-Seite vom Oetinger Verlag)

Das Bild zeigt ein Werbeplakat des Jugendromans „Die inneren Werte von Tanjas BH“, das auch als Poster dem Buch beilag. Die Autorin Jutta Wilke veröffentlichte es unter dem Pseudonym „Alex Haas“ im renommierten Oetinger Verlag. Wie bei „Revolutionary Girl Utena“ wurden hier Teenager und junge Erwachsene als Zielgruppe angepeilt, diesmal Jungen.
Kaum wurde das Werbeplakat online und in Schulen ausgestellt, wurde Oetinger mit einem gewaltigen Shitstorm konfrontiert. Der Grund? Das Plakat wurde von Mädchen und Eltern als sexistisch empfunden. Die Kontraste auf dem Plakat sind eindeutig: Wo der Junge ein „Superhirn“ besitzt, hat das Mädchen einen „Hohlraum“, und so weiter.
Laut Oetinger hat man versucht, auf ironische Art eine „authentische“ Weltsicht des pubertären Hauptcharakters wiederzugeben, für den Mädchen noch eine fremde Welt sind. Nur wurde eine Sache nicht beachtet: Das Plakat ist nicht nur geschlechter-exkludierend, sondern auch geschlechter-bewertend. Eine solche Werbung ohne Kontext in einem geschlechterübergreifenden Raum aufzuhängen – der Schule – kann nur auf Empörung stoßen. Der Verlag verteidigte die Werbeaktion mit Argumenten wie „so denken junge Männer eben“. Darüber kann man streiten. Worüber man nicht streiten kann, ist die Tatsache, dass die Werbeaktion nach hinten losging.

Was bedeutet das für mich als Autor*in?

Wie man an diesen Beispielen sieht, kann Gender-Marketing sehr unterschiedlich ankommen. Nehmen wir an, du als Autor*in begibst dich auf dieses Gebiet. Ich denke, du wünschst dir, dass dein Buch gut ankommt und nicht wegen einer politischen Unkorrektheit verrissen wird, die du nicht angestrebt hast? In diesem Fall hätte ich ein paar Tipps für dich!

Bewerte das Geschlecht nicht über

Wenn wir Schreibende etwas Neues ausprobieren, tendieren wir in der Regel dazu, zu übertreiben. Ich erinnere mich an meine Babyschritte in Sachen Erotik – grauenvoll ist noch untertrieben! Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass wir blockiert sind, wenn wir zum ersten Mal in einer ungewohnten Geschlechterperspektive schreiben.
Das absolute No-Go: die reine Klischee-Reproduktion. Insbesondere, wenn es nicht nur einzige Figur, sondern die ganze Geschlechtergruppe im gesamten Buch betrifft. Wir würden ja auch nicht haarklein jedes Klischee in eine Liebesgeschichte, einen Krimi oder Science-Fiction packen. Sicher, es sind genug nostalgische Akzente für den Vielleser gesetzt, aber dann braucht der doch ein bisschen mehr, damit die Geschichte nicht platt auf ihn wirkt.
Und da mischen Charaktere besonders mit, fern vom reinen Klischee – Geschlecht eingeschlossen.
Einige werden sich hier denken: „Aber es ist doch witzig, wenn mit Klischees gespielt wird.“ Ja, und ob! Um mit Klischees spielen zu können, muss man aber enormes Wissen über sie verfügen, sowie die Fähigkeit, sie humorvoll gegeneinander auszuspielen. Humor kann auch nur durch Kontraste stattfinden. Wo Klischee normalisiert wird, um eine ganze Gruppe zu definieren, wird ein lustiger Aha-Effekt beim Publikum ausbleiben. Ist dieses gelangweilt oder empört, nützt es nichts zu wettern, dass der eigene Witz nicht verstanden wurde – dann war man vielleicht einfach nicht witzig.

Ein Geschlecht ist nicht alle Geschlechter

Möchte man jenseits des Klischees schlau werden, kommt man um eines nicht herum: Recherche. Was bedeutet, nicht nur eine/n einzige/n Repräsentant/in einer Geschlechtergruppe zu fragen und zu glauben, so ticken alle Geschlechtsgenoss*innen.
Ich erinnere mich an eine Diskussion in einem Schreibforum, wo eine erotische Szene besprochen wurde. Dort verwöhnte die Frau die Brustwarzen des Mannes, worauf einige Autorinnen meinten: „Das solltest du streichen, mein Mann sagt immer, Männer mögen das überhaupt nicht!“ Und gleichzeitig tat sich ein anderes Lager auf: „Was, Blödsinn, mein Mann liebt das!“
An solchen und anderen Erfahrungen sieht man, dass allein schon Details der Sexualität sehr individuell sind. Entsprechend individuell sollte die Geschlechterdarstellung deiner Charaktere im Gesamten ausfallen. So machst du sie wesentlich realistischer.

Show, don’t tell!

Die Binsenweisheit aller Autor*innen gilt auch für Geschlecht. Schon Judith Butler stellte in „Gender Trouble“ fest, dass Geschlecht vornehmlich performativ ist. Soll heißen: Wir zeigen unsere Geschlechteridentität mit unserem Verhalten. So kann ein Mann „weiblich“ die Hüften schwingen oder ein Tomboy „männlich“ auf uns wirken, obwohl biologisch als Frau geboren. Das lässt sich eins zu eins auf Geschichten übertragen.
Mehr als einmal sind mir im Lektorat Phrasen untergekommen wie: „Er war die Definition von Männlichkeit.“ Was ein erstaunlich nichtssagender Satz ist. Wie gesagt, ist Geschlecht individuell, entsprechend auch die Vorstellung von Geschlechteridealen. Für den einen mag die „Definition von Männlichkeit“ ein braungebrannter, leidenschaftlicher Bodybuilder sein, für jemand anderen ein distanzierter Gothic mit langen Haaren und feinem Gesicht. Manche machen gar ihr Ideal nur an inneren Werten fest und finden keine Antwort auf die Frage, was äußerlich ihr Typ sei.
Also: definiere! Aus den individuellen Augen deiner Protagonist*innen, nicht mit der allgemeingültigen Stimme der Erzählinstanz. Und noch viel wichtiger als das Aussehen: Wie zeigt sich das Geschlecht deiner Charaktere in ihrem Verhalten? Damit meine ich nicht, dass gewisse Handlungen von der Erzählerstimme als „weiblich“ oder „männlich“ bewertet werden sollen. Schreib wertfrei. Dein Publikum kann das Verhalten deiner Charaktere sehr gut mit eigenen Vorstellungen abgleichen.

Gender-Marketing heißt nicht „Kampf der Geschlechter“

Das betrifft nicht nur die Binarität von Männern und Frauen, sondern auch Binaritäten wie Queer und Hetero, Gay versus Frauen, et cetera. Öfter kommen mir als Lektorin Texte unter, in denen verschiedene Geschlechter auftreten und sich ein Geschlecht als das „stärkere“ auftut (was längst nicht immer Männer sind), während andere Geschlechtertypen dem untergeordnet und denunziert werden. Es gibt auch Bücher, die explizit vom „Kampf der Geschlechter“ leben, wie humoristische Belletristik, in deren Zentrum die Gegensätze von Männern und Frauen stehen. Problematisch ist hier nicht, dass Differenz und Klischee Lacher hervorrufen, sondern wenn zwischen den Zeilen pauschalisierende Bewertungen stattfinden. Ein Beispiel dafür wäre frauenexkludierende Gay Romance, die Frauen nur als „die Anderen“ und Antagonistinnen auftreten lässt, aber nicht als „normale“ Charaktere.
Hier ist das Stichwort: Respekt. Für alle Seiten.
Das bedeutet nicht, dass alle Charaktere in einem Buch absolut korrekt geschrieben sein müssen. Im Gegenteil, ein sexistisches Aas kann ganz schön Wind in einen Plot bringen. Es sollte nur berücksichtigt werden, dass von Erzählerstimme oder Botschaft eine bestimmte Geschlechtergruppe nicht pauschal niedergemacht wird. Zumal diese Geschlechtergruppe Teil der eigenen Leserschaft sein kann.

Nicht an Schemata festhalten – Geschlecht ist veränderlich!

So, wie sich die Ideale der jeweiligen Geschlechterkörper durch die Jahrhunderte immer gewandelt haben, haben sich auch die Vorstellungen davon geändert, wie Mann und Frau sich zu verhalten haben – und tun es immer noch!
Früher waren Drachenkämpferinnen holde Maiden, die Babydrachen mit ihrer Lieblichkeit bezähmten. Heute köpft die erwachsene Alice den Drachen im Wunderland. Einst becircten sanftmütige Gentlemen mit adeligem Gemüt die Damenwelt. Nun sind die Bad Boys, bösen Rocker und Männer mit gebrochenen Herzen auf dem Vormarsch. Im 21. Jahrhundert gibt es von den traditionellsten bis zu den liberalsten Darstellungen hin alles an Extremen und Zwischenstationen. Entsprechend ist Gender-Marketing schwerer denn je, kritisierter als je zuvor.
Wirst du also mit beleidigten Leser*innen konfrontiert, haue ihre Kritik nicht mit dem Hammer nieder – rede mit ihnen! Denn sie sind deine beste Informationsquelle. Wenn du verschiedene Geschlechter und insbesondere Gender-Marketing machen willst, musst du wie bei allem anderen auf dem Buchmarkt immer up to date sein. Und manchmal musst du auch ins kalte Wasser springen und dich fragen: Was könnte morgen sein?
Vielleicht verlässt die Erotik ihre Schmuddelkiste und wird zur etablierten Literatur? Vielleicht wird Queer Romance das große neue Ding? Vielleicht haben alle die Schnauze voll von Dreiecksbeziehungen und warten auf den ersten großen Bestseller, in dem die Protagonistin sich für beide Männer entscheidet?

Probiere es aus!

Was immer du an neuer Perspektive oder Zielpublikum ausprobierst: Am Ende gibt es nur Try and Error mit deinen Charakteren. Lass dich gar nicht erst zu dem Gedanken verleiten, nicht eine „andere“ Darstellung auszuprobieren, weil sie nicht vorgekauten Geschlechterbildern entspricht. Lieber Kritik für interessante Charaktere als für uninteressante Geschlechterplakate bekommen – und daran wachsen!

Stereotype des Bösen (Fotos: Pixabay)

Stereotype der Bösen

Ein Beitrag von Esther Wagner.

Ein brillianter Bösewicht kann eine Geschichte fast alleine tragen. Doch viele Storys geben sich mit stereotypen Gegenspielern zufrieden. Böse Herrscherinnen, gigantische Monster, brutale Schlächter: Es gibt zahlreiche Stereotype, die uns immer wieder begegnen. Weil sie funktionieren. Sie sind erprobt und gelernt.

Stereotype sind nicht unbedingt etwas Schlechtes. Menschen mögen Bekanntes in unendlicher Variation. Deshalb können die Stereotype des Bösen als Basis für spannende, vielschichtige Gegenspieler dienen. Als Autorin kann ich Elemente verschiedener Typen neu kombinieren und Klischees brechen. Und manchmal ist das Geheimnis einfach, einem Bösewicht eine glaubhafte Backstory zu geben. Denn oft ist nicht der stereotype Aufbau der Figur das Problem, sondern ihre Eindimensionalität. Es reicht heute eben nicht (mehr), wenn ein Antagonist einfach nur böse ist. Graustufen sind das neue Schwarz. Eine böse Königin darf eine liebevolle Mutter sein, ein grausamer Kriegsherr unter seiner makellosen Uniform ein posttraumatisches Stresssyndrom verbergen.

Wer Stereotype gekonnt einsetzt, kann daraus spannende, vielschichtige Figuren modellieren.

Hier kommt eine Auswahl an Stereotypen, die sich besonders gerne in den fantastischen Genres herumtreiben.

Machtstreber*innen

Sie sind hungrig nach Macht – und nutzen sie gnadenlos aus.

Der Tyrann
Er kann als König eines mittelalterlichen Reiches auftreten, als Imperator der Galaxis oder als Präsident einer dystopischen Gesellschaft, doch seine grundlegenden Merkmale sind immer gleich: große Macht und Grausamkeit, die sich gegen seine eigenen Untertanen richtet.

Die böse Königin
Sie ist die weibliche Version des Tyrannen, aber sie sieht dabei besser aus. Sie ist schön und sie trägt die besten Outfits. Düster-pompöse Roben, Lederkorsetts und schwarze Rabenfedern machen die böse Königin zum Traum aller Cosplayer.

Der böse Zauberer/ Die böse Hexe
Sie streben nach Macht und setzen dafür skrupellos ihre magischen Kräfte ein. Oft sind sie auf der Suche nach einem Artefakt, das ihre Macht noch vergrößert. Sie verfügen entweder über eine Armee von Sklaven, die sie kontrollieren, oder sie sind Einzelgänger, die alleine oder maximal mit einem Lehrling, im gruseligen Kämmerlein ihre magischen Fäden ziehen.

Der Milliardär, der nach der Weltherrschaft strebt
Er hat alles, aber er will noch viel mehr. Um die Weltherrschaft an sich zu reißen, ist ihm jedes Mittel recht. Das Fatale: Er kann sich so ziemlich jedes Mittel leisten.

Der Pate
Er ist ein König der Unterwelt und kann in vielen Bereichen mit dem Tyrannen mithalten. Er hat Macht, Geld und eine Privatarmee und herrscht mit Terror.

Der Thronräuber
Er strebt nach dem Thron und geht dafür über Leichen – selbst wenn dafür ein Brudermord notwendig ist. Der Thronräuber ist oft ein jüngerer Bruder oder ein naher Verwandter des Kronprinzen – oder der Kronprinz selbst, der nicht mehr länger darauf warten will, dass sein königlicher Vater auf natürlichem Wege den Thron räumt.

Monster und Kreaturen

Wenig Hirn, große Zerstörungskraft

Das Kaijū
Ein gigantisches Monster, das Städte vernichtet und Tausende tötet. Das Wort „Kaijū“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „seltsame Bestie“. Godzilla ist ein echtes japanisches Kaiju, aber auch Drachen fallen in diese Kategorie.

Die Monsterarmee
Ihre schiere Masse macht diese Kreaturen so gefährlich. Sie kämpfen hirnlos und brutal, ihr einziges Ziel ist es, zu töten – aus reiner Mordlust, Hunger auf Hirn oder weil sie halt einfach böse sind. Die Monsterarmee kann aus Orks, Dämonen, Aliens oder Zombies bestehen und entweder aus eigenem Antrieb oder auf Befehl eines Machtstreber-Stereotypen handeln.

Frankensteins Monster
Ein Monster wider Willen, geschaffen von einem verrückten Wissenschaftler, einem bösen Zauberer oder von Aliens, die eine Invasion vorbereiten. Es ist das Ergebnis unethischer Experimente und oftmals schlummert noch Menschlichkeit in ihm.

Dämon mit Seele
Ein verflucht gutaussehender Vertreter der dämonischen Völker – gerne Vampir oder Werwolf. Seine Aufgabe ist es, zum Love Interest der unschuldigen, bzw. Dämonen jagenden Protagonistin zu werden und im Laufe der Geschichte seine Menschlichkeit wiederzufinden – natürlich mit maximaler Tragik!

Die Sirene
Ein wunderschönes weibliches Wesen, das Männer verführt und ins Verderben lockt. Oft ist ihre Schönheit nur Fassade und darunter verbirgt sich eine hässliche Dämonin oder ein schleimiges Alien auf der Suche nach einem Paarungspartner.

Die bucklige Verwandschaft

Familie ist etwas Wunderbares

Die böse Stiefmutter
Sie ist der Albtraum jedes Stiefkindes und macht ihm das Leben zur Hölle. Sie behandelt es mit maximaler Verachtung und Grausamkeit, während sie um ihre leiblichen Kinder herumhelikoptert.

Der Familientyrann
Der Tyrann im Kleinformat. Er ist der alleinige Bestimmer aller Familienangelegenheiten, gerne mit einem Hang zu körperlicher Gewalt. Oft  ist er jähzornig, zumindest aber zeigt er keine Empathie für seine Frau und seine Kinder. Die Familienehre ist ihm wichtig, die körperliche und geistige Gesundheit seiner „Lieben“ weniger.

Das Gruselkind
Auf den ersten Blick ist es ein herzallerliebstes Kind, gerne ein Mädchen in einem weißen Kleid, doch in ihm steckt das Böse. Es hat besondere Fähigkeiten, ist von Dämonen besessen oder auf grausame Art zum Geist geworden.

Mordsgesindel

Sie beherrschen die Kunst des Tötens und kennen keine Gnade

Der Auftragskiller
Er tötet für Geld und ist ein Meister seiner Profession. Er arbeitet alleine und im Verborgenen und ist oft intelligent. Manchmal hat er einen Ehrenkodex, aber Skrupel kennt er nicht; die sind reumütigen Auftragskiller-Protagonisten vorbehalten.

Der Meister der Kampfkunst
Er ist ein Meister im Schwertkampf, Kung Fu oder einer anderen Kampfkunst und bislang unbesiegt. Das will er auch unter allen Umständen bleiben. Er kämpft bis zum Tod.

Der sadistische Serienmörder
Er tötet aus Sadismus und Mordlust. Seine Grausamkeit macht ihn zum perfekten Hassobjekt. Der Sadist kann sowohl als einsamer Serienkiller auftreten, als auch als besonders brutaler Soldat. Schlachtet bevorzugt Protagonisten-Familien ab.

Die Söldnertruppe
Auch sie töten für Geld, aber gemeinsam. Oft hat jeder von ihnen eine besondere Fähigkeit. Die Söldnertruppe wird gerne eingesetzt, um den oder die Helden auf den Endkampf mit dem echten Bossgegner vorzubereiten. Tiefgang findet man in der Söldnertruppe selten. Ein eng verwandtes Stereotyp ist die Eliteeinheit, mit dem Unterschied, dass sie einer regulären Armee angehört.

Das verheerende Heer
Eine feindliche Armee, die mordend, plündernd und brandschatzend durch die Lande zieht und noch nie von der Genfer Konvention gehört hat.

Der Kriegsherr
Egal, ob er ein antikes Heer, eine moderne Armee oder eine Raumflotte befehligt: Er hat eine Mission und die führt er unter allen Umständen aus, auch wenn er dabei das halbe Universum vernichtet. Er ist charismatisch und respekteinflößend, ein geborener Anführer. Er erwartet absoluten Gehorsam von seinen Untergebenen und kennt keine Gnade mit jenen, die ihm im Weg stehen. Oft trägt er eine besonders coole Uniform.

Wer solche Freunde hat…

…hat viel Konfliktpotenzial

Der falsche Freund
Er gewinnt das Vertrauen der Heldin, um sie im richtigen Moment zu vernichten – oder auf die dunkle Seite zu ziehen. Eine Variante davon ist der Maulwurf, der besonders bei Helden-Ensembles gerne zum verdeckten Einsatz kommt.

Der Ex-Freund
Er war mal der beste Freund des Protagonisten, doch jetzt ist er sein Erzfeind. Oft steckt eine Frau dahinter, aber auch ein Job, den beide haben wollten oder Differenzen in der Kampfkunst-Ausbildung können zum Bruch geführt haben. Gutes Drama-Material!

Pädagogisch wertlos

Der böse Mentor
Er ist besonders perfide, denn er nutzt die jugendliche Naivität unserer Heldin aus, um sie zu korrumpieren. Gerade beim Erlernen einer Kampfkunst oder der Magie ist Vorsicht geboten! Um die Situation noch brisanter zu machen, ist der Mentor (oder die Mentorin, auch wenn mir da gerade keine einfällt) oft Eltern-Ersatz für die Heldin (Waisenkind-Helden-Trope!). Der finale Kampf verspricht Drama und Spannung!

Der brutale Ausbilder
Wenn Rekruten in einer Geschichte auftauchen, ist der sadistische Drill Sergeant oft nicht weit. Er will das Frischfleisch brechen sehen – physisch und psychisch.

Die fiese Lehrerin
Ob sie nur charakterlich verdorben ist, im Dienste des Bösen steht oder von einem Dämon besessen ist, stellt sich oft erst zum Showdown heraus. Aber sie macht unserer Heldin das Schulleben zur Hölle.

Genie und Wahnsinn

Der irre Wissenschaftler
Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich dicht beieinander. Der irre Wissenschaftler setzt sein Wissen nicht zum Wohle der Menschheit ein, sondern zu ihrer Vernichtung. Er ist entweder ein Einzelkämpfer, der aus Forscher-Ehrgeiz davon besessen ist, etwas Gigantisches zu erschaffen („Der Nobelpreis gehört uns, mein Schatz!“) oder er forscht im Dienste eines Herrn – siehe Tyrann oder Weltherrschafts-Milliardär. Oftmals überblickt er die furchtbaren Konsequenzen seiner Forschung nicht. Er lebt in seiner eigenen Welt.

Der Psychopath
Er ist hochintelligent und misanthropisch. Er spielt ein Spiel, in dem die ganze Welt sein Spielfeld ist und die Menschen seine Spielfiguren. Oft hat er sadistische Züge und er empfindet maximales Vergnügen dabei, Kontrolle auszuüben. Er strebt nicht nach einer Machtposition, sondern freut sich daran, im Verborgenen die Fäden zu ziehen und über Leben und Tod zu richten.

Fanatiker und Extremisten

Die folgenden Stereotype sind weitgehend selbsterklärend. Sie alle sind fanatische Anhänger einer Ideologie oder Religion. In ihrem Sinne töten, unterdrücken, verraten und manipulieren sie. Sie sind der Stoff, aus dem die Dystopien sind.

  • Die Faschisten
  • Die Terroristen
  • Die religiösen Eiferer

Allmächtiger!

Der Teufel
Satan, Beelzebub, der Gehörnte. Seit Jahrtausenden ein verlässlicher Bösewicht erster Klasse. Er kann als Verführer auftreten, als Versicherungsvertreter, als gruseliger Höllenherrscher oder als kleines Mädchen mit süßen blonden Locken. Man muss zu ihm nicht viel erklären, denn jeder kennt ihn. Super praktisch!

Das Böse(TM)
Eine (all)mächtige, gottgleiche Macht, so unvorstellbar mächtig und böse, dass sie gar keinen Grund zum Bösesein braucht. Sie will einfach alles vernichten. Weil halt. Kann natürlich trotzdem besiegt werden.

Welche weiteren Stereotype des Bösen kennt ihr?
Und welcher Bösewicht-Typ ist der/die Antagonist*in eurer Geschichte?

 

Autoren Urlaub

Kampfszenen mit Wumms

Sie griff nach ihrem Schwert. Er griff nach seinem Schwert. Er schlug nach ihrem Schwert. Sie parierte mit ihrem Schwert. Er sprang nach vorn. Sie duckte sich und holte aus. Ihr Schwert traf sein Schwert. Es war sehr aufregend.

Und, habe ich eure Aufmerksamkeit genug strapaziert? Dann sind wir schon mitten im Thema. Jede Autorin hat ihre Stärken und Schwächen – einige beschreiben zuviel, andere leiden unter hölzernen Dialogen. Bei Kampfszenen allerdings schlagen alle, die ich kenne, die Haare über dem Kopf zusammen. Denn: Beim Kampf muss es schnell gehen. Viele Dinge passieren auf einmal. Und die meisten von uns sind mit Kämpfen und physischer Action generell eher weniger vertraut. (Das gilt besonders für Autorinnen, alles theorieverliebte Schöngeister.)

Trotzdem kann es in einer Geschichte nicht nur um tiefschürfende Gedanken, Licht und Liebe gehen. Ab und zu braucht man etwas Action – genau wie im richtigen Leben. Der Trick besteht darin, diese Action gleichzeitig für das innere Auge gut sichtbar und für den Lesefluss ausreichend schnell zu gestalten. Mitten in einem Kampf auf Leben und Tod mit dem radioaktiven Rochen von Rhodos will niemand drei Seiten Beschreibung der lebendigen Schuttberge im Tal der Finsternis lesen. Andererseits ist es vielleicht gut, zu wissen, dass es diese lebendigen Schuttberge GIBT, wenn plötzlich einer dieser Schelme nach unserer Protagonistin greift und ihrem Gegner damit zum entscheidenden Vorteil verhilft – oder vielleicht doch nicht?

Zugegeben, ich tue mich auch schwer mit schnellen Szenen. Im Verlauf einiger Bücher, in denen es gelegentlich heftig zur Sache geht, habe ich mir allerdings eine Handvoll Tricks zugelegt, die mir bei solchen Szenen helfen.

Zuerst das Wichtigste: Actionfiguren – lacht nicht! Habt ihr schon einmal vor einer Szene mit vielen wild ineinander verkeilten Charakteren gesessen? Ich habe ja so schon selten Ahnung, wer gerade was mit wem treibt. Und um nicht vollständig den Überblick zu verlieren, stelle ich die entscheidenden Szenen mit kleinen Figuren (können auch Minisalamis sein) nach. So weiß ich immer, wer gerade womit beschäftigt ist. Das ist natürlich für Kampfszenen am praktischsten, aber mit Hilfe einer Landkarte lassen sich so auch wilde Verfolgungsjagden oder Versteckspiele nachstellen. Nie wieder verlorengegangene Charaktere im Labyrinth des Wahnsinns (es sei denn, ihr wollt es so).

Na, wer erkennt den Film? (Foto (c) Diandra Linnemann)

Zweitens: Lernt kämpfen. Oder guckt wenigstens viel und oft zu, wenn sich andere Leute auf die Ömme hauen, die es wirklich können. Also keine bombastischen Wrestling-Matches, sondern eher Re-Enactment-Kämpfe oder Kampfsportmeisterschaften. Man vertut sich nämlich oft dabei, wie lange etwas dauert oder wie viel Platz man für eine Aktion hat. Muss natürlich nicht extra gesagt werden, aber wenn ihr schon in der Nähe von Profis sind und die gerade friedlich aussehen, löchert sie mit so vielen Fragen, wie geht. Aus Büchern kann man auch eine Menge lernen, aber ich finde, dass gerade bei so schwierig zu beschreibenden Dingen der Anschauungsunterricht nicht zu kurz kommen sollte – vor allem wegen der Geräusche! Vor einigen Jahren habe ich einen von der lokalen Polizei angebotenen Selbstbehauptungskurs besucht, den schlachte ich heute noch aus. (Und ich weiß jetzt, dass ich keine Hemmungen habe, fremden Leuten ins Gesicht zu schlagen. Niemand ist perfekt.)

Drittens: Gute Vorbereitung ist alles. Niemand taucht gerne mit einem Messer in der Tasche bei einer Schießerei auf, oder? So ähnlich verhält es sich auch mit literarischer Action: Jede Beschreibung, die ihr vorab unterbringt, könnt ihr in den schnellen Szenen als bekannt voraussetzen. Lasst eure Charaktere also ruhig an bekannten Schauplätzen aufeinander eindreschen, davon profitieren alle Beteiligten.

Und zu guter Letzt: Wenn ihr nicht gerade einen megabrutalen Slasher schreibt, ist weniger wahrscheinlich mehr. Persönlich finde ich es höchstens langweilig, wenn beispielsweise in Thrillern momentan immer schneller immer mehr Blut auf noch brutalere Weise fließen muss. Das ist nämlich keine große Kunst. Die Kunst besteht darin, Action und Gewalt so darzustellen, dass sie dem Leser unter die Haut geht – er soll verstehen, warum Gewalt stattfindet, und mit den Figuren mitleiden (sogar mit den Bösen).

Habt ihr Beispiele für besonders gelungene Actionszenen (selbst geschriebene oder gelesene) parat?

Autorin des Textes ist Diandra Linnemann

Buntes Nornengestöber am Sonntag

Diesen Monat befassen wir im Nornennetz uns besonders mit Selfpublishing. Diesen Sonntag haben wir zwei interessante Artikel zum Thema für euch. Aber das ist nicht alles – freut euch auf Schreibtipps (die besonders für die CampNaNo-Teilnehmer wichtig sein könnten), den Umgang mit Vorurteilen und mehr in der Stöberrunde!

Welche Dinge man bei Selfpublishen unbedingt vermeiden sollte fasst euch die Leselupe in diesem Beitrag zusammen. Aufgepasst, es geht unter anderem um Lektorate bei Selfpublishern. Das war bei uns diese Woche schon Thema beim Fragefreitag!

Für diese Woche haben wir außerdem einen Artikel aus der Zeit zum Thema. Was sind Selfpublisher, warum gehen sie trotz großer Verkäufe oft unter und wie werden sie im Buchmarkt eingeordnet? Die Antworten auf diese Fragen findet ihr hier.

Nicht zwingend nur Selfpublishern sondern allen KünstlerInnen sind die Vorurteile von Brotlosigkeit in künstlerischen Berufen bekannt. Der verhungernde Autor, der nur so Meisterwerke schreiben kann, die Künstlerin die aufgrund ihres Liebeskummers emotionale Bilder erschaffen kann. Warum das nicht nur Blödsinn ist, sondern schlichtweg gefährlich sein kann, könnt ihr im Büchnerwald nachlesen.

Ihr macht beim CampNaNo mit und kommt einfach nicht weiter? Oder steckt ihr einfach generell in eurem Manuskript fest? Dann hat Nina Hasse 5 Schreibtipps, die euch vielleicht weiterhelfen werden. Und wer direkt auf der Seite bleiben möchte, kann sich ihren Artikel zum Thema Die Macht der Worte anschauen. Dort erklärt sie, wie man sich oft unterbewusst durch die eigene Sprache selbst schadet.

 

Was ist für euch die größte Sünde beim Selfpublishing? Wie steht ihr zu Stereotypen gegenüber dem Autorentum und macht ihr beim CampNaNo mit?

Justitia had a really bad day (by Esther Wagner)

Action & Cut – Wie man Actionszenen fürs Kopfkino schreibt

Tosende Schlachten, atemberaubende Verfolgungsszenen und dramatische Duelle.
Wie schreibt man eigentlich richtig gute Actionszenen, bei denen man auf der Stuhlkante sitzend Popcorn mampft? Im übertragenen Sinne natürlich, wobei ihr ruhig beim Lesen Popcorn essen könnt.

Beim PAN-Branchentreffen 2017 war die Antwort ganz einfach. Man lässt sich einfach in Bern(h)ard umbenennen. Auf die Frage nämlich, wer richtig gute Actionszenen schreibt, waren die Antworten eindeutig: Bernhard Hennen und Bernard Cornwell. Wer aber auf den ganzen Papierkram beim Bürgeramt wegen der Umbenennung keine Lust hat, dem helfen vielleicht die folgenden Tipps. Vieles daraus stammt aus meinen Erinnerungen an den Vortrag von Susanne Pavlovic beim PAN-Branchentreffen, die mir in vieler Hinsicht die Augen geöffnet hat.

Echtzeit statt elend lange Beschreibungen

Wir Autoren lieben es, Dinge zu beschreiben. Wie sieht etwas aus? Wo befindet sich etwas? Wie funktioniert dies und das? Und ganz besonders »schlimm« wie fühlt sich eigentlich unserer Charakter dabei? Für all das hat man in Actionszenen keine Zeit. Sie sind unnötiger Ballast, der die Geschichte an der falschen Stelle entschleunigt. Das soll nicht heißen, dass es nicht spannend wäre, zu erfahren, welche Rüstungsornamente der Gegner besitzt, aber im Kampf ist die falsche Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Eine Actionszene wird um ein Vielfaches rasanter, wenn man in diesem Moment ganz in den Kopf des Charakters schlüpft. Stellt euch vor, ihr wärt auf der Flucht, hinter euch das personifizierte Grauen. Bemerkt ihr da wirklich, die Details auf der Häuserfassade oder macht euch Gedanken darüber, was ihr mit eurem Leben noch alles anstellen wolltet? Wohl eher nicht, viel mehr, rennt ihr was das Zeug hält und hofft inständig, dass das Grauen euch nicht bekommt.

Genauso ist es im Kampf. Das ist nicht der Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, dass euer Vater jetzt stolz auf euch wäre, oder ihr eurem Herzblatt noch nicht eure Liebe gestanden habt. In diesem Moment liegt euer gesamter Fokus darauf, diesen Kampf zu gewinnen oder zumindest ihn zu überleben.

Ein echter Kampf ist oft nur wenige Minuten lang, bevor einer von beiden die Oberhand gewinnt. Also verzichtet auf lange Beschreibungen, innere Monologe und alles, was von dem Moment ablenkt und konzentriert euch stattdessen auf die verschiedenen Sinneseindrücke, die die Szene lebendig gestalten, ohne sie aufzublähen.

Fokus statt Überblick

Die meisten Bücher werden heutzutage aus einer persönlichen Perspektive geschrieben. Damit Actionszenen spannender werden, muss man gerade an dieser Stelle ganz eng werden. Stellt euch vor, ihr seid mit euren Freunden in einer großen Schlacht und kämpft nun um euer Überleben. In diesem Moment bekommt ihr nicht mit, welche Strategie der General verfolgt. Ihr könnt auch nicht mal eben einen Blick nach drüben werfen, wo zehn Reihen weiter, eure Freundin den Kampf verliert oder mitbekommen, dass der Prinz heimlich entführt wird.

An dieser Stelle ein kleiner Disclaimer: natürlich gibt es Möglichkeiten, all das mitzubekommen, ABER ihr verliert dabei einen Teil der Spannung, denn euer Charakter hat offensichtlich Zeit, zu atmen und sich umzuschauen, ohne, dass ihm im nächsten Moment der Kopf abgeschlagen wird. Falls genau das im Anschluss passiert, alle Achtung!

Der Trick, spannende Actionszenen zu schreiben, besteht darin, sich vollkommen auf eine Sicht zu konzentrieren. Und die ist ziemlich beschränkt. Man denke nur an Ritterhelme.

Benutzt eure Umgebung

Klar, eure Charaktere haben ihre tolle Waffen und schlagen sich damit die Köpfe ein. Das ist schon ziemlich spannend, aber es wird noch viel spannender, wenn ihr ihre Umgebung mit einbezieht. Zum Beispiel könnte es regnen und euer Protagonist plötzlich mit einem Fuß in einem Schlammloch feststecken oder im Matsch ausrutschen. Er könnte statt zum Schwert schnell zum Bierkrug greifen und seinem Gegner eins überziehen oder sich am Kronleuchter durch den halben Raum schwingen. Andere Leute stehen im Weg, Mobiliar und enge Räume behindern euch – denkt daran, bei Schwertern muss man ganz schön ausholen und ihr wollt ja nicht die hübsche Schankmaid aufspießen – und Wäscheleinen hängen grundsätzlich auf Augenhöhe. All das macht eure Szene lebendig und somit spannender, als wenn sich zwei Leute immer parieren, bis irgendwer durch die Deckung dringt und gewinnt.

Fiction vs Fact

Jetzt wird es ein wenig kontrovers. Jeder weiß, wie wichtig Recherche für einen Autor ist und Geschichten sollen möglichst realistisch sein. Meistens trägt zu viel Realismus aber nicht unbedingt zur Förderung der Spannung bei. Man muss also immer auch ein wenig schauen, dass man den Plot und die eigentliche Geschichte bei aller Realitätsnähe nicht vergisst.

Dann gibt es aber noch die sogenannten fiktiven Fakten. Nein, ich spreche nicht von Trumps alternativen Fakten, sondern davon, dass manche Sachen schon so lange in Buch und Film falsch dargestellt werden, dass sie dem Leser wahrer als die Realität erscheinen. Jeder Pferdebesitzer könnte wahrscheinlich ein Lied davon singen, wenn die Pferde wieder mal stundenlang galoppieren und dann ohne Abreiben stehen gelassen werden. Die Sache ist jedoch, dass die meisten Leser nicht darauf achten und es ihnen zugunsten des Plots vollkommen egal ist. Plot/Action trumpft Fakt. Für die meisten Leser zumindest.

Einem Reenacter würde sich wahrscheinlich der Magen umdrehen, wenn er liest, wie der Held bevorzugt mit seinem Zweihänder rumläuft und Duelle damit ausficht. Der Leser findet es jedoch cool. Und so darf man als Autor ruhig auch mal ein Auge zudrücken, die Realität des Zimmers verweisen und sich darauf konzentrieren, einfach eine coole Actionsszene zu schreiben. Es ist immerhin Action und keine Kriegsdokumentation.

Risiko, Risiko, Risiko

Nichts ist langweiliger, als wenn man weiß, dass der Held eh alles überlebt. Schließlich ist er der beste, stärkste und klügste Held im ganzen Heldenland und außerdem besitzt er Plot-Rüstung. Eine Geschichte wird umso spannender, je höher die Fallhöhe ist. Und das gilt ebenso für Actionszenen. Ob durch ungünstige Wetterbedingungen, unzureichende Ausbildung oder eine Übermacht, geht sicher, dass für euren Charakter wirklich etwas auf dem Spiel steht und es nicht nur ein weiterer Plotpunkt ist, durch den er eben durch muss.

In anderen Worten lasst euren inneren Martin raus und erschafft eine Umgebung, in der niemand sicher ist, auch nicht euer Hauptcharakter für maximale Action. Ungewissheit ist euer Freund.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig in die Geheimnisse guter Actionszenen einführen. Habt ihr gute Beispiele oder andere Tricks, die ihr euch bei guten Actionszenen abgeschaut habt?

Ein Beitrag von Janna Ruth.

Grafik: Esther Wagner alias Kirana