100 Jahre Frauenwahlrecht 2018 (Angelika B. Depta)

Eindrucksvoll wird in dem Zweiteiler „Die Hälfte der Welt gehört uns“ auf dem Fernsehsender Arte, der Regisseurin Annette Baumeister die Entwicklung der Frauenrechte anhand vier Biografien namhafter Frauen aus England, Frankreich und Deutschland dokumentiert.

Welchen Repressalien sie von Seiten der Männer, der Politiker oder der Polizei ausgesetzt waren. Bei Demonstrationen schlug man die Frauen, sie wurden getreten, niedergeknüppelt, egal ob dabei eine zu Tode kam oder nicht. Man verhaftete die Frauen unter teils fadenscheinigen Gründen. In der Obhut der Obrigkeit werden sie erniedrigt. Man demütigte sie, indem man ihren Genitalienbereich untersuchte als wären sie Prostituierte. Man unterzog sie einer Zwangsernährung wegen eines Hungerstreiks.

Besonders brutal ging man in Großbritannien mit den Suffragetten um, sie wurden nicht nur bespitzelt, auch waren sie ohne männliche Begleitung auf den Straßen nicht sicher.

Frauen setzen sich 1919 für ihr Recht, zu wählen, ein

Und in Deutschland?

In Deutschland stellte man Treffen von Frauenvereinen unter polizeiliche Aufsicht. Es durfte dort nur über allgemeine Themen wie Kindererziehung, kochen und Haushalt gesprochen werden. Begannen die Frauen zu diskutieren oder besprachen andere Themen wie zum Beispiel über ihre Rechte oder die Ungleichbehandlung von Mann und Frau wurde die Versammlung sofort abgebrochen.

War eine Frau vor ihrer Ehe unabhängig, waren mit der Heirat ihre Freiheiten, die sie bis dahin besaß aufgehoben. Alles Vermögen ging in den Besitz des Gatten über, sie durfte keine eigenen Entscheidungen mehr treffen, man enthob sie mehr oder weniger aller Rechte.

Das beide Ehegatten heute arbeiten ist keine moderne Erfindung, das gab es schon im frühen 20 Jahrhundert. Frauen arbeiteten zum Teil wesentlich härter und mehr, bekamen dafür aber weniger Geld. In der Hinsicht hat sich nicht allzu viel geändert.

Nicht aufgeben

Trotz aller Widerstände und Niederlagen, die die Frauen immer wieder vor die Frage stellten ob der Kampf für ihre Rechte nicht aussichtslos war, kämpften sie weiter. Die Europäischen Frauenrechtlerinnen arbeiteten zusammen. Im 1. Weltkrieg ließen sie ihren Widerstand ruhen. Freundinnen wurden zu Feindinnen. Die Frauen kämpften an der Heimatfront, während die Männer in den Kriegsgräben für Kaiser und Vaterland ihr Leben ließen.

Nach dem unsäglichen Krieg wurde der Kampf für das Wahlrecht und die allgemeinen Rechte der Frauen wieder aufgenommen.In Deutschland wurde am 05. November 1918 endlich das Recht auf Wahlen erlaubt.

Marie Juchacz (Geboren:15. Mrz 1879 – Gestorben: 28. Jan 1956),

eine Arbeiterin und Sozialistin hielt als erste Frau, in der ersten demokratisch gewählten Weimarer Nationalversammlung eine viel beachtete Rede. Auf Bitten Friedrich Eberts ließ sie sich als erste weibliche Kandidatin der SPD zur Wahl aufstellen. Sie war Gründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) 1919.

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Anita Augspurg (Geboren: 22. Sep 1857 – Gestorben: 20. Dez 1943)

war die erste deutsche Doktorin der Jurisprudenz, Aktivistin der bürgerlich-radikalen Frauenbewegung sowie Pazifistin. In der Dokumentation erzählt sie einem Journalisten in einem Interview die Beweggründe der Frauenbewegung in Europa. Das Gespräch ist zum Teil emotionsgeladen sowohl von Seiten des Journalisten, der nicht versteht das Anita Augspurg in der Stellung als wohlhabende und unabhängige Frau sich das Thema der Unterdrückung der Frau zu eigen macht. Sie nahm mit ihrer Lebensgefährtin Linda Gustava Heymann 1915 an der Internationalen Frauen-Friedenskonferenz in Den Haag teil.

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Emmeline Pankhurst Geboren: 15. Jul 1858 – Gestorben 14. Jun 1928

war eine britische radikalfeministische Theoretikerin und Suffragette. Sie stand an der Spitze der Bewegung in England. Von Ihr stammt der Satz „Vote for Woman“. Gründerin von Women’s Social and Political Union

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Marguerite Durand Geboren: 24. Jan 1864 – Gestorben: 16. Mrz 1936

war eine französische Schauspielerin, Journalistin und führende Suffragette kämpfte in den Pariser Salons um die Rechte der Frau und in ihrer feministischen Tageszeitung „La Fronde“

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** Autorin des Beitrags ist Angelika B. Depta

Nornengestöber und Sexismus

Das Nornennetz hat sich gegründet, um Frauen in den fantastischen Genres zu fördern, weil sie hier oft benachteiligt werden. Bei unserem Nornentalk auf der LBM haben wir darüber geredet und es wurde begeistert aufgenommen. Denn das Thema ist wichtig und reiht sich ein in die Kritik am Sexismus. Darum wird es heute mal ernst bei der Stöberrunde. Wir haben ein paar wirklich lesenswerte Artikel für euch, die verschiedene Aspekte betrachten.

Immer wieder hören wir das Argument, Feminismus sein unnötig, Sexismus eigentlich gar nicht mehr vorhanden. Ein schönes Wunschdenken, das vielleicht die glauben, die selbst nie bewusst Diskriminierung erfahren haben. Dass die aber nicht immer so offensichtlich und gerade Frauen ihre Stimme kostet, zeigt die FAZ in einem tollen Beitrag darüber, wie Frauen zum Schweigen gebracht werden.

Deutschlandfunk dagegen greift auf, dass Feminismus als Handelsmarke inszeniert wird. Ja, auch hier ist nicht alles rosarot, sondern es geht manchmal mehr ums „Verkaufen“, als die eigentliche Sache. Ungemein wichtig, sich das vor Augen zu führen.

Sehr interessant ist auch der Beitrag auf DerStandard von einem Mann, der die fehlenden Frauen in seiner Branche anprangert. Großartig zeigt er, wie Sexismus manchmal schleichend und unerkannt seine Kreise zieht, auch wenn wir das gar nicht wollen.

Wie weit das Thema eigentlich reicht zeigt diese Sammlung beim Guardian von Essays bekannter Schriftstellerinnen, die sich fragen, ob Frauen und Männer in 100 Jahren denn endlich einmal gleichberechtigt sein werden.

Wie aktuell das Thema Sexismus ist zeigt auch der Beitrag unserer Norne Eva-Maria Obermann, die auf ihrem Buchblog zur Abtreibungsproblematik und der Heuchelei dahinter geschrieben hat.

Natürlich macht Sexismus vor der Popkultur. nicht halt. Geekgeflüster hat im November einen großartigen Beitrag über Frauenrüstungen in Games und darüber hinaus geschrieben.

Wie früh die soziale Prägung auf männliche und weibliche Stereotype erfolgt hat Vera von Chaoskingdom in ihrem Beitrag zu Rosa und Blau aufgezeigt.

Die Auswirkungen sind manchmal regelrecht erschreckend. Elea Brand erklärt, wie die Romantisierung von Missbrauchsbeziehungen in der Literatur auch die Meinung der Gesellschaft beeinflussen und dass das gar nicht gut ist.

Auch Elenor Avelle hat sich Geschlechterklischees vorgenommen, zerlegt am Beispiel des Films Valerian. Denn Kultur und Gesellschaft bedingen sich immer gegenseitig und ein solches Frauenbild wollen wir nicht!

Unter dem Hashtag #FemaleFriday werden jede Woche starke, folgenswerte Frauen aus unterschiedlichen Bereichen vorgestellt. Es gibt jetzt auch eine deutsche Facebookseite dazu.

Unser Märzentag (Barbara Fischer Reitzer)

#metoo-Debatte, Gender-Gap beim Lohn und die immer gleiche Debatte um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nichts Neues am Geschlechterhimmel? Nein, es bleibt ein stetes Ringen um Frauenrechten. Und das schon sehr lange.

Von den einen mehr, den anderen weniger beachtet, feiern Frauen am 8.März zum 107.mal den Internationalen Frauentag. Anlass genug, seiner Geschichte und ihrer Akteurinnen zu gedenken.

Ein Blick zurück

Unter dem Aufruf Unser Märzentag begehen im Jahr 1911 Frauen erstmals den Internationalen Frauentag. Damals noch am 19.3. Die Initiative geht von der SPD und den freien Gewerkschaften aus und ist ein Höhepunkt im Kampf  der Frauen um gleiche Rechte, gleichen Lohn und vor allem für das Wahlrecht.

„Dieser Internationale Frauentag ist die wuchtigste Kundgebung für das Frauenwahlrecht gewesen, welche die Geschichte der Bewegung für die Emanzipation des weiblichen Geschlechts bis heute verzeichnen kann.“  Clara Zetkin, Frauenrechtlerin, 1911  (Quelle)

Undatierte Kohlezeichnung von Clara Zetkin | (c) dpa Bilderdienste

Im Zuge der um sich greifenden Industrialisierung seit Mitte des 19. Jahrhunderts entsteht eine Arbeiterinnenbewegung, die bessere Arbeits- und Lebensbedingungen und gleichen Lohn sowie politische Teilhabe für Frauen fordert. Vor allem in Amerika streiken Anfang des 20. Jahrhunderts die Textilarbeiterinnen. Tausende von ihnen werden verhaftet. Doch ihre Botschaft wird weltweit gehört.

Frauen, weltweit

Es gibt also schon eine weltweite Frauenbewegung, als der II. Sozialistische Frauenkongress in Kopenhagen im Jahr 1910 auf Initiative der deutschen Sozialistin Clara Zetkin (1857-1933) die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages beschließt.

„Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte“ – fordert Clara Zetkin auf dem Kongress. Ein Jahr später, es ist der 19. März 1911, gehen mehr als eine Million Frauen zum Frauentag auf die Straße, in Deutschland, Österreich, Dänemark, der Schweiz und der USA. Die erste globale Massenbewegung von Frauen. Ihre zentralen Forderungen: das Wahl- und Stimmrecht, die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstages, ausreichender Mutter- und Kinderschutz, die Festsetzung von Mindestlöhnen und gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung sowie legaler Schwangerschaftsabbruch. Außer in Finnland dürfen zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land Frauen wählen. Deutschland wird Frauen dieses Recht erst im Jahr 1918 zugestehen. Und, um die zeitlichen Dimensionen des Kampfes um ein Recht zu verdeutlichen, das uns heute selbstverständlich erscheint: in der Schweiz dürfen Frauen erst seit 1971 und in Liechtenstein sogar erst seit 1984 wählen.

Die Bewegung greift um sich

Trotz seiner Wurzeln in der internationalen Arbeiterinnenbewegung, kann Clara Zetkin mit Fug und Recht als „Begründerin“ des Internationalen Frauentages gefeiert werden. Sie ist es, die den ersten Frauentag am 19. März 1911 initiiert. Bereits ein Jahr später schließen sich Frauen in Frankreich, Schweden und den Niederlanden der Idee an und gehen auf die Straße. 1913 Frauen in Russland.

Frauen setzen sich 1919 für ihr Recht, zu wählen, ein

Das Jahr 1917 ist ein Schicksalsjahr in Russland. Es ist der 8. März 1917, als Frauen anlässlich des Internationalen Frauentages in St. Petersburg demonstrieren. In den Textilfabriken der Stadt treten Arbeiterinnen in den Streik und fordern andere Betriebe auf, sich anzuschließen. Am Ende streiken 90.000 Menschen. Dieser Streik greift auf andere Bereiche über und mündet schließlich in einem Aufstand: die Februar-Revolution beginnt (nach russischem Kalender war es Ende Februar) in deren Folge der Zar abdankt und sich die UdSSR gründet.

Um dauerhaft an dieses Ereignis und die Wirkung von Einigkeit und Solidarität zu erinnern,  legt eine große sozialistische Frauenkonferenz im Jahr 1921 den 8. März als Datum für den internationalen Frauentag fest.

Unter der Naziherrschaft wird der Frauentag verboten.

festes Datum

Nach 1949 ist im sozialistischen Teil Deutschlands die Gleichstellung von Männern und Frauen mit der Staatsgründung verfassungsmäßig verankert. Der 8. März ist zwar kein offizieller Feiertag und frei, wie in anderen sozialistischen Staaten, aber er ist ein fest verankertes Datum in jeder Frauenbrigade.

In der BRD kämpfen 1948/49 vier Frauen im männerdominierten  parlamentarischen Rat (Dr. Elisabeth Selbert, Frieda Nadig, Helene Weber und Helene Wessel) um den Artikel 3, Abs. 2:  „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Und doch dürfen Frauen bis ins Jahr 1977 ohne Zustimmung des Mannes nicht arbeiten und dem Mann obliegt auch die Verfügungsgewalt über das gemeinsame Geld. Der 8. März spielt in der BRD erst nach der 68er Revolution wieder eine Rolle.

Auch heute machen Frauen auf der ganzen Welt am 8. März mit Veranstaltungen, Feiern und Demonstrationen auf noch immer nicht verwirklichte Frauenrechte aufmerksam. #metoo-Debatte, Gender-Gap beim Lohn und die immer gleiche Debatte um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zeigen. Nichts Neues am Genderhimmel? Doch, aber es bleibt viel zu tun.

*Autorin des Artikels ist Barbara Fischer Reitzer