Gezeitenwechsel unter der Weltenesche – Der Jahresrückblick (Elenor Avelle)

2018 war ein turbulentes Jahr. Netzwerke aufzubauen ist immerhin eine anspruchsvolle Aufgabe. Dabei gibt es sehr viel zu beachten. Welches Ziel verfolgen wir, wie wollen wir das strukturell aufbauen, wie können wir das organisieren und wie koordinieren wir die teilweise gegensätzlichen Mentalitäten und Vorstellungen? Aber das haben wir hervorragend gemeistert, denn ihr wisst ja:

Spaß beiseite. Es ist eine herausfordernde Tätigkeit in einer Gruppe zu arbeiten. Diese Erfahrung haben die meisten gemacht und nicht selten lässt man es frustriert bleiben, weil es viel Geduld, Feingefühl und Energie kostet. Eben mehr, als wenn man alleine arbeitet. Kompromisse schließen zu können und zu ertragen, dass man nicht immer durchsetzen kann, was man selbst für das Beste hält, gehört da mit dazu. Gerade in neuen Gruppen und Netzwerken, ist das eine Disziplin, die meist im zweiten Jahr gemeistert werden will. Und genau darum drehte sich 2018 viel im Netzwerk. Wir haben die Erfahrungen aus dem Vorjahr bewertet und strukturell umgedacht. Deshalb haben wir einen Rat gewählt, der die Baumpflege an unserer Weltenesche organisiert, damit nicht plötzlich die falschen Äste ab sind, die Wurzeln faulen oder der Schlauchpilz bei uns einfällt. Das ist eine spannende Neuerung und wir sehen der Zukunft mit neu strukturierten Plänen entgegen, die alsbald auch mehr Augenmerk auf unsere Zielsetzung der Gleichberechtigung richten.

Jahrestag

Im Mai haben wir unser Einjähriges gefeiert. Ja, das Netzwerk gibt es noch nicht so lange. Unsere Weltenesche ist noch ein zartes Pflänzchen und braucht noch viel Zuwendung, bevor wir die Früchte ernten können. Für die Schlauberger, die es gerne genau nehmen: Nein, natürlich erwarten wir keine Pfirsiche. Die Früchte der Esche sind paarig angeordnete geflügelte Nüsschen.

Der persönliche Kontakt

Da sich das Netzwerk online organisiert, sind die Treffen auf Veranstaltungen für alle Nornen ein Highlight. Unsere Mitglieder kommen aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich, sogar aus Schweden.

Buchmesse Leipzig

Im März hatten wir auf der Leipziger Buchmesse unseren ersten Messestand, um unserem Ziel nachzukommen, Autorinnen mehr Raum in der männerdominierten Fantastikszene zu geben. Angerückt sind wir mit fantastischen Werken und einem Schicksalskelch. Der Messeauftritt war ein voller Erfolg und wir hatten sehr viel Spaß. Erfahrungswerte, die wir gesammelt haben, werden wir für kommende Messen nutzen und erweitern. Und ich persönlich hoffe sehr darauf, dass es auch 2019 wieder die wunderbaren Rosmarinkartoffel in Leipzig zu essen gibt.

Treffen

Nornen-Treffen beim LitCampHamburg

Im Sommer haben verschiedene Nornen LitCamps besucht. Zum eine trafen wir uns in Heidelberg, zum anderen in Hamburg. Wer noch nicht weiß, was ein LitCamp ist, das ist eine Veranstaltung, auf der die Teilnehmer Sessions anbieten, in denen sie ihre Kenntnisse und Erfahrungen an interessierte Zuhörer weitergeben. Ich war bislang zwei Mal schon in Heidelberg dabei und kann es nur empfehlen. Es ist zwangloser als Messen und ideal um leichter über die eigene Sphäre hinaus zu kommen und mit anderen Menschen der Literaturbranche in Kontakt zu treten.

Auch im Getümmel der Frankfurter Buchmesse sind die Nornen zusammengekommen und haben sich getroffen.

Eine unserer Nornen hat sich sogar auf den Weg quer durch Deutschland, in die Schweiz und wieder zurück gemacht, um beim #NornenHopping verschiedene Nornen zu besuchen.

BuchBerlin

Unsere zweite Messe in diesem Jahr, war die BuchBerlin. Die Leipziger Messe und die BuchBerlin waren ein interessanter Vergleich. Während wir uns in Leipzig mehr auf die Präsentation konzentriert haben, ist die Berliner Buchmesse hauptsächlich eine Verkaufsmesse. Das war für uns nicht ganz so einfach, denn auch wenn wir natürlich die Werke unserer Nornen präsentieren und jede Norne ihre Werke auch verkauft, hat unser Netzwerk keine gewinnorientierten Ziele. Deshalb haben wir mit unseren Messeevents viel Mühe darauf verwendet, uns mit anderen Ständen zu vernetzen. Zum einen bieten wir seit der BuchBerlin als Außenstelle Zeitreisepässe des Amts für Aetherangelegenheiten an. Das sind Pässe mit denen ihr auf der Messe an verschiedenen Ständen Stempel und Visa einsammeln könnt. Das ist sehr lustig aufgezogen und ich selbst laufe auch mit meinem Pass über die Messen und sammle Einträge.

Unser anderes großes Event war die Rallye. Mitgemacht haben dabei unter Anderem der Machandel Verlag, Stella Delaney und Mika Krüger, der Chaospony Verlag und Die Uferlosen. Mit Hilfe eines Rätselbogens konnten die Besucher an den verschiedenen Ständen Bücher von Autorinnen suchen. Die Resonanz war umwerfend und die Rallye wird es deshalb auch im nächsten Jahr wieder in Berlin geben. Jeder der Interesse hat dabei zu sein, darf sich gerne bei uns melden.

Ohne Moos nix los

Wir würden gerne vollkommen mooslos durch die Welten schweben und unsere Ziele nur mit unserem Elan und unseren ehrlichen Bemühungen um Fairness antreiben. Aber der Motor der Gesellschaft läuft mit Münzen und Scheinen, egal wie idealistisch man auch sein mag. Die erste LBM haben wir im Hype des Neuen sehr schnell finanzieren können, für 2019 haben wir uns dafür Unterstützung geholt. Mittels eines Kickstarters und der grandiosen Mithilfe vieler toller Leute, konnten wir auch die Finanzierung des nächsten Nornenstandes in Leipzig stemmen. Vielen lieben Dank. Wir planen schon fleißig die Events. Es wird wieder großartig!

Jahresabschluss individuell

Ohne ein Schmankerl konnten wir das Jahr nicht vergehen lassen. Deshalb hat unsere Katharina Rauh mit den anderen Nornen einen bunten Adventskalender geplant, der auf all unseren Kanälen erschienen ist. Hinter den Türchen verbargen sich die unterschiedlichsten Dinge, vom Drabble über Kurzgeschichten bis hin zu winterlichen Rezepten. Jede Norne, die eine Idee hatte, konnte etwas fantastisches beisteuern.

Die persönlichen Jahreshighlights einzelner Nonen könnt ihr hier nachlesen.

Der kritische Vergleich

Als das Netzwerk im Mai 2017 den Bifröst öffnete, traten tugendhafte „Torwächter des Ist- Zustands“ auf den Plan. Ihr wollt etwas ändern? Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier!

Wie sieht es jetzt 2018 aus? Hat sich etwas geändert? Was unsere Ziele betrifft, nein, denn noch immer bekommen Autorinnen nicht die gleichen Chancen, wie Autoren. Die Schale Ausrede ist noch immer, dass sie zu emotional sind und deshalb Fantasy einfach nicht können. Weltenbau, Gesellschaftsstrukturen, technische Authentizität, Zombies, das ist Männersache. „Ich lese keine Science-Fiction von Frauen. Die kann nicht gut sein.“ „Ich lese keine Romance von Männern. Die sind nicht gefühlvoll.“ Solche Sätze wollen wir aus den Köpfen der Menschen bekommen, denn sie sind nicht wahr und hinderlich für Qualität vor Schubladendenken. Wer mehr zum Status quo der Vorurteile lesen will, folgt dem Link.

Es gibt noch viel zu tun, bis es nicht mehr ums Geschlecht geht. Wir bleiben für euch am Ball, damit ihr sein könnt und schreiben könnt, was ihr wollt, ohne durch euer Geschlecht oder euer Genre benachteiligt zu werden.