Nornengestöber im Liebestaumel

Der große Festtag der Grußkarten- und Pralinenindustrie rückt näher: Valentinstag. Auch wir Nornen haben es „romantisch“ werden lassen und nehmen euch nächste Woche mit auf die etwas andere Art von Rendezvous. Heute stöbern wir aber noch mal, was das Netz zu Literatur und Romantik so alles zu bieten hat. Macht mit bei der #Nornenstöberrunde zum Valentinstag.

Romantisch leitet sich ja von der Epoche der Romantik ab. Dabei war die gar nicht so liebesverrückt, wie manch eine*r glauben mag. Eva hat auf ihrem Buchblog zusammengetragen, was die Epoche eigentlich aussagt.

Die berühmtesten Liebespaare der Romantik hat be2 für euch zusammengetragen. Schmacht, Schmalz, wie herzlich.

Dass Liebe und Leid in der Literatur eng miteinander verknüpft sind, hat literatpro erkannt und diesen tollen Beitrag dazu verfasst.

Leider steigert sich diese Verbindung immer wieder. Ungeschlagen gut ist zur „Rapefiction“ Debatte der Artikel von Geekgeflüster.

Auch unsere Nornen Eva-Maria Obermann und Nike Leonhard haben in ihrem Beitrag zu Fantasy und Gewalt sich das Thema Liebe vorgenommen. Und noch davor hat Diandra Linnemann einen Artikel zu Liebe in Fantasyromanen hier veröffentlicht.

Mit dem Thema Liebesromane verbunden wie kaum eine zweite ist Rosamunde Pilcher. Egal, was wir von den Verfilmungen oder ihren (wesentlich besseren) Romanen halten mögen, sie war eine Frau, die es in der Literaturwelt zu einem Namen geschafft hat und die darum auch vermisst werden wird. Die Süddeutsche hat sie in ihrem Nachruf „Meisterin der Herzmerzliteratur“ genannt.

Wo wir gerade beim Thema Liebesbücher sind, schicken wir einen lieben Gruß rüber an die Kolleg*innen der Vereinigung deutscher Liebesautorinnen und -autoren, kurz DELIA.

Fragefreitag: Was ist für dich das schlimmste Liebesklischee in Romanen?

Romantik. Da summen die Bienen, die Schmetterlinge Flattern, der laue Frühlingswind streichelt den Figuren ums Gesicht, ehe der erlösende Kuss kommt. Schmacht, schmelz, schnulz. Nichts driftet so schnell ins Kitschige ab, wie Liebesbeschreibungen. Darum fragen wir beim heutigen #NornenFrageFreitag: Was ist für dich das schlimmste Liebesklischee in Romanen? Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Ist das noch Romantik oder ist schon Kitsch? Ein schmaler Grat in der Literatur. (Grafik: Elenor Avelle)

Grumpy Moon: Liebe auf den ersten F…Blick!

Katharina Ushachov aka Evanesca: Wie schnell die immer in Betten landen. Und natürlich, wie unfassbar gut und überragend immer der erste Sex ist. Das Schrägste war in einem Fantasybuch mit einem „Wächter für alles“, der vierhundert Jahre alt ist, nie eine Frau auch nur nackt gesehen hat und dann ein perfekter Liebhaber war.

Tiphaine Somer Elin: Diese ganze „Rape Fiktion“ Sache. Ich kann mir gerade noch vorstellen, dass sich zwei Menschen begegnen, die sich auf den ersten Blick so attraktiv finden, dass sie schnurstracks zwischen den Laken landen und weil sie so verrückt aufeinander sind, sogar richtig guten Sex haben. Was ich wirklich nur als Klischee sehen kann sind diese „Ich kann nicht anders, ich muss dich jetzt haben“- Szenen, bei der SIE erst gegen ihren Willen GENOMMEN wird und während des Gebens zur Nehmerin wird, die das alles genießt. Meines Erachtens ist das die Verherrlichung von Vergewaltigung und sonst gar nichts. Ein ganz anderer Schnack ist das, wenn SIE zuvor ihre Einwilligung gegeben hat, weil sie auf diese Form von Sex steht.

Michelle Janßen: Dieses „Hallo ich bin die Protagonistin und ich bin voll stark und komme alleine klar und OMG DIESER TYP IST SO SCHÖN ICH WERFE MEIN LEBEN WEG FÜR IHN“ – ugh.

Diandra Linnemann: Liebe auf den ersten Blick, einen Partner „retten“ oder „bessern“ können, perfekter Sex beim ersten Anlauf – wenn schon Liebe, dann bitte realistisch.

Sarah König: Die Liebe auf den ersten Blick kann ich hier nur verteidigen, selbst erlebt. Aber: Sich selbst dem anderen gegenüber verlieren (er/sie hat mehr (Geld, Macht, Beziehungen), kann mehr, will mehr).

Karin (e.) Novotny alias EmmaN: Dass zwei die einander lieben immer ein erfülltes Sexleben miteinander haben. Als müsste das zwingend so sein. Und das die Heldin immer treu ist und auf ihren Lover wartet (der nimmt es mit der Treue dann meist nicht immer so genau). Aber SIE spart sich auf für den EINEN! *gähn*

Jasmin Engel: Ein Paar ist zusammen und bald treffen beide oder einer von beiden ständig neue potentielle Partner oder mögliche Seitensprünge, die zu unwiderstehlichen Versuchungen werden.

Jana Jeworreck aka Moira: Alles was mit „Frau trifft auf Millionär“ zu tun hat! Die haben offensichtlich den Arzt im Groschenheftchen ersetzt. Aber bald sind Millionen auch nicht mehr genug. Der Billionär muß her …

June Is: Was EmmaN sagt.

Elenor Avelle: Wenn Charaktere ihrem Wesen untreu werden, um in die Liebesgeschichte zu passen, bin ich von ihr enttäuscht. Ich kann auch keine Geschichten mehr lesen, sehen oder hören, in denen die Frau den BadBoy dem netten Mann vorzieht, weil sie ihn als einzige auf den Pfad der Tugend führen kann.

Janna RuthDie Liebe auf den ersten Blick, obwohl der Gegenüber unausstehlich ist und man sich in einer Scheißsitutation befindet. „Ich finde ihn ja so zum Kotzen, aber bei der Vorstellung seine Haut zu berühren, werden meine Knie ganz weich.“

Lieben, weil man „muss“? Fantastische Eltern-Kind-Beziehungen (Diandra Linnemann)

Beim Nornennetz geht es gerade um die Liebe. Die romantische Liebe ist schon ausreichend abgehandelt, behaupte ich** mal (als Person mit nur einer einzigen, schwarzen, verkümmerten romantischen Ader im Leib, aus der es staubt). Aber wir wissen ja alle, dass das nicht die einzige Form von Liebe ist. Was ist etwa mit der Liebe zwischen Geschwistern, der Liebe zu einem Haustier oder einer besonderen Zimmerpflanze – oder eben, und darum soll es heute gehen – der Liebe zwischen Eltern und ihren Kindern?

Wie passen Eltern in Bücher? (Grafik: Elenor Avelle)

Spross und Stamm?

Das Spannende an der Eltern-Kind-Beziehung ist vor allem die Tatsache, dass man sich weder Eltern noch Kinder aussucht und ihren Entwicklungen, obwohl man sie natürlich auch beeinflusst, wenig entgegenzusetzen hat. Oft sind Enttäuschungen vorprogrammiert, genau wie Auseinandersetzungen, wenn die Kinder älter werden und eigene Vorstellungen und Ideen ausprobieren.  Nie tun die Kinder das, was man ihnen sagt, immer wissen sie alles besser. Und nie haben die Eltern Verständnis für ihre Kinder, diese lästigen alten Spießer. Trotzdem sind Eltern und Kinder im Notfall automatisch für einander da. Wie sieht das in der Welt der Phantastik aus?

Wo sind die Eltern?

Zunächst einmal: Eltern sind grandios unterrepräsentiert. Wenigstens in den Büchern, die mir spontan einfallen. Vor allem in fantastischen Geschichten sind sie oft merkwürdig abwesend. Entweder der Protagonist ist ein Waisenkind, wurde praktischerweise für die Ferien irgendwohin verschifft oder die Eltern werden einfach eben mal höchstens am Rand erwähnt, weil sie zum Beispiel als Pirat und Südseekönig unterwegs sind oder viel arbeiten. Wesentlich seltener kommen Eltern vor als: Ratgeber, Pflasteraufkleber, Retter, Kleidungskäufer, Beschützer oder Ernährer. Also all die Dinge, die Eltern idealerweise im Alltag erfüllen. Vor allem in Büchern für ein jüngeres Publikum fällt die Abwesenheit von Eltern natürlich auf, denn in Kinderbüchern ist die Protagonistin üblicherweise selbst etwa im Alter der Leser. Warum, könnte man sich dann fragen, unterscheiden sich Realität und Fiktion in diesem Punkt so stark voneinander?

Methode?

Ich habe keine Antworten, aber Theorien: Etwa, dass man mit Waisenkindern eher Mitgefühl entwickelt, und das ist ein gutes Mittel, um Sympathien zu wecken. Oder die Tatsache, dass Kinder Eltern oft als Spielverderber erleben, die zu allem „nein“ sagen und einem alles verbieten, was Spaß macht oder zu einem Abenteuer führen könnte. Und zu guter Letzt geht es natürlich in Kinderbüchern darum, wie Kinder selbst Abenteuer erleben, da wären bestimmende Eltern eher ein Hindernis als eine Hilfe.

Eltern – so wichtig und doch so selten in der Literatur (Foto: Diandra Linnemann)

Große Kinder haben auch Eltern

Aber jetzt gibt es natürlich nicht nur Kinderbücher, und auch erwachsene Protagonisten haben, rein theoretisch, Eltern. Oder wenigstens Erzeuger. Für Erwachsene spielen Eltern oft im Alltag keine so zentrale Rolle mehr, aber die meisten von uns haben wahrscheinlich durchaus regelmäßig Kontakt mit ihren Eltern, sofern diese nicht gestorben sind. Manche leben sogar in ihrer Nähe, man hilft einander regelmäßig im Alltag oder holt sich bei den Älteren Rat. Und umgekehrt gilt das natürlich auch – ich bin bestimmt nicht die einzige, die ihrem Vater WhatsApp und Facebook erklärt. Auch wenn die erweiterte Familie, gesellschaftlich betrachtet, an Bedeutung verloren hat, pflegen die meisten von uns doch gute Kontakte zu ihren Eltern. Aber wie spiegelt sich das in der fantastischen Literatur wieder?

Literarische Vergessenheit

Spontan fallen mir in erster Linie Geschichten ein, in denen die Beziehung zu den Eltern problematisch ist. Entweder es geht um die Erwartungen, die die Eltern an die Protagonistin haben, oder um langjährige Konflikte, die im Hintergrund schwelen. Manchmal sind die Eltern auch schon gebrechlicher und stellen eine zusätzliche Aufgabe dar, um die man sich zu kümmern hat, während die Welt brennt und Kätzchen gerettet werden müssen.

Eine Sonderstellung nehmen übrigens Geschichten ein, in denen Eltern sich später als der große Gegenspieler herausstellen. Das fängt mit Märchen an, wenn Hänsel und Gretel von ihren Eltern ausgesetzt werden, setzt sich in Star Wars oder dem zweiten Teil von Guardians of the Galaxy fort und bietet reichlich Platz für Situationen, in denen der Protagonist sich sozusagen die Seele aus dem Leib reißen muss, um aus dem Schatten der Eltern zu treten, sich gegen sie zu erheben und so die Welt zu retten. Happy Ends sind unter diesen Umständen für die betroffene Familie eher selten.

Figuren mit Kindern?

Ebenfalls sehr selten, um es einmal von der anderen Seite zu beleuchten: Protagonisten mit eigenen Kindern. Und wenn sie Kinder haben, dann findet garantiert kein normaler Familienalltag mit schmutzigen Socken und hundert Variationen von „Du sollst dein Gemüse essen!“ statt, sondern die Kinder sind irgendwie schon vorhanden und stellen eine weitere Aufgabe dar, werden aber nicht als eigenständige Charaktere mit Plänen und Macken gezeigt. Sehr beliebt, gerade für Protagonistinnen, ist das Kind, das man kurz nach der Geburt schweren Herzens weggibt, um weiter die Welt retten zu können. Alle Vorteile der romantisierten Schwangerschaft mit einer Prise Tragik und keinerlei Langzeit-Verpflichtungen. Schließlich kann sie nicht gegen den finsteren Magier kämpfen, wenn sie gleichzeitig Windeln wechseln oder die Hausaufgaben ihres Sprösslings kontrollieren muss.

In Kinderbüchern treffen wir oft auf kleine Helden und Heldinnen ohne greifbare Eltern (Foto: Eva-Maria Obermann)

Möglichkeiten ausschöpfen!

Natürlich gibt es gerade im Bereich der phantastischen Literatur auch ganz andere Möglichkeiten, mit der Eltern-Kind-Beziehung umzugehen. Wie wäre es mit anderen Gesellschaftsformen? Vielleicht kennt der Protagonist seine Eltern gar nicht, weil alle Kinder vom Stamm, bei dem er lebt, gemeinsam aufgezogen werden? Oder die Erbfolge wird matrilinear festgelegt und Väter sind unwichtig, da man Vaterschaft nicht eindeutig nachweisen kann? Vielleicht spielt die Geschichte in einer futuristischen Gesellschaft, in der Schwangerschaft nur noch künstlich stattfindet und die Erbsubstanz sowieso optimiert wird, bis man keine genetische Herkunft mehr feststellen kann? Dann stellt sich natürlich die Frage, was stattdessen an die Stelle der Eltern-Kind-Beziehung tritt. Schließlich lebt niemand völlig isoliert. Die Beziehungen zu unserer Umwelt und unserer Familie prägen uns und beeinflussen auch, wie wir mit Konflikten umgehen. Also sind Eltern eigentlich die perfekte Zutat für ein rundes Abenteuer.

**Autorin des Textes ist Diandra Linnemann

Fragefreitag: Liebe und Fantasy – Yay oder Ney?

Der Wonnemonat Mai ist für uns eine Zeit, in der wir uns mit allerlei Romantik beschäftigen. Bevor wir uns da aber in die Materie stürzen, wollten wir erst mal wissen, wie unsere Nornen die Kombination Liebe und Fantasy so sehen. Und was meint ihr? Passen Liebe und Fantasy zusammen oder wird es dann nur ein großer Haufen Kitsch? Macht mit beim ersten #NornenFrageFreitag im Mai.

Braucht Fantasy von und über Frauen wirklich Liebe? (Grafik: Elenor Avelle)

Cazze: Liebe ist eine tolle Grundmotivation. Wenn sie dosiert eingesetzt wird (wie zum Beispiel in Harry Potter) dann ein Yay. Wenn sich die Hauptfigur über mehrere Bände nicht für ein Love-Interest entscheiden will, oder Storys á la „Er ist ein Arschloch, aber er ist sooooooo heiß“ dann ein riesengroßes Ney mit Weihwasser, Salz und Kreuz.

June Is: Eine Prise (!) Romantik schadet nie. Leider schütten die meisten ganze Säcke in die Stories, das finde ich etwas daneben.

Paula Roose: Was ist ein Buch ohne Liebe? Ich bin hoffnungslos romantisch.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Ich bin unromantisch und froh über jedes Fantasybuch, das mal OHNE das lästige Liebesgedöns auskommt. Vor allem, weil ich sehr oft merke, dass die Liebesgeschichte nachträglich von der Marketingabteilung eines Verlags reingebracht wurde und sich nicht stringent und natürlich in die Handlung einfügt. Sowas hasse ich. Nichts gegen eine zarte, unterschwellig unter dem Plot pulsierende Liebesgeschichte wie in Der Stern von Erui von Sylvia Rieß, sowas liebe ich sehr. Es gibt so viele andere Dinge … Freundschaft, Loyalität, Verbundenheit … Warum muss es immer die romantische (oft erotische und oft heterosexuelle) Liebe sein? Und auch noch fast immer die auf den ersten Blick? Es gäbe so viele Möglichkeiten, deren Potenzial verschenkt wird.

Jule Reichert: So lange es plotrelevant ist und/oder Konflikt und Dynamik in die Geschickte bringt, gibt es von mir ein „Yay!“. Als Beiwerk zur Fantasy eignet sich Liebe genauso gut, wie andere zwischenmenschliche Aspekte (z.B. Freundschaft, Ängste, etc.). Das Liebesgedöns sollte allerdings nicht den Plot bestimmen, dann gibt es von mir ein klares „Ney!“.

Tiphaine Somer Elin: Liebe kann der Fantasy Flügel verleihen, aber sie sollte nicht den Horizont verdunkeln.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Ich finde, Liebe gehört zum Leben einfach oft dazu und darf darum auch in jeder Art von Literatur vorkommen. Zum Thema gemacht werden oder gar zentral behandelt muss sie aber nicht permanent. Lieber ist es mir, sie ist sinnvoll eingesponnen.

Janna Ruth: „Every good story has a love story. It doesn’t matter what genre you are writing in. If it doesn’t have some form of love in it, it often falls flat. We would have trouble relating to it. Love is what touches us. It doesn’t have to be a passionate romance. It can come in the form of an old friendship or deep respect. But love and compassion for one another is what makes us human and any story without it, is missing something. That’s why all my plots, no matter how fantastic or adventurous they are, have a love story at its core. Nothing overbearing that smothers the other aspects, but something quiet that shows real strength, will hold it all together and leave you with a good feeling, even if the love is a tragic one. At least, you have felt the most powerful and fulfilling emotion of all.“ (Aus „Far Beyond Reality“ von Janna Ruth)“

Michelle Janßen: Ney. Ich habe langsam genug davon, dass jedes Buch im Regal eine Liebesgeschichte beinhaltet. Fantasy ohne Romantik scheint nicht zu existieren, weswegen ich stark dafür plädiere, dass man mehr unromantische Fantasy schreiben sollte.

Jana Jeworreck aka Moira: Nur, wenn es nicht ausschließlich darum geht! Der Plot und die Fantasywelt sollten auch ohne Lovestory reizvoll sein und funktionieren.

Laura Kier: Romantasy? Bitte nicht! Ich mag keine Liebesromane, da brauch ich dann auch keine versteckten Liebesromane in der Fantasy. Ich habe nichts dagegen, wenn eine Lovestory mit drin ist, komme aber sehr gut ohne klar. Ich gehöre definitiv nicht zur Fraktion „in jedem Buch muss Liebe vorkommen“.

Diandra Linnemann: Solange die Liebe realistisch beschrieben ist, habe ich nichts dagegen, auch wenn mich Geschichten, in denen die Liebe das zentrale Element ist, selten ansprechen.

Alexandra Bauer: Öhm … 😀 Yay oder Ney?

Sarah König: Ein wenig Liebe hat noch niemandem geschadet.

Karin (e.) Novotny alias EmmaN: Liebe ist schon ok, aber bitte keine schwülstige endlose Romanze. Daher ein Yay.

Jasmin Engel: Vielleicht bin ich eine Romantikerin, aber eine Liebesgeschichte gehört für mich in jeden guten Roman, ob am Rande oder als Hauptsache, glücklich oder unglücklich. Für mich sollte es nur nicht das einzige Thema sein und nicht oberflächlich behandelt werden.

Liebe in fantastischen Zeiten (Diandra Linnemann)

Meine Testleserin war ganz heiß: „Wie süß! Kriegen Andrea und Sven sich am Ende?“
Ich**, hingegen, war ganz irritiert. Eine Liebesgeschichte in meinem humorvollen fastapokalyptischen Tentakelroman? So etwas war mir gar nicht in den Sinn gekommen. Obwohl die Protagonistin Andrea den Spitznamen „die Lüsterne“ trägt. Und obwohl an Liebe eigentlich gar nichts schlimm ist.
Weitere Leser stellten ähnliche Fragen. Sie brachten gute Argumente. Wenn ich einen ChicLit-Fantasy-Roman schreiben wolle, müsse ich mich an die Regeln des Genres halten. Außerdem sei Sven doch so sympathisch!

Diandra Linnemanns Roman Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes

Und überhaupt, hätte Andrea denn nicht ein wenig Liebe verdient?

Eigentlich schreibe ich eher magielastige Urban-Fantasy-Romane, und meine Protagonistin befindet sich auch in einer recht glücklichen Beziehung. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass das nicht die Voraussetzung für einen gelungenen Roman ist. Ich finde, eine romantische Beziehung muss zur Geschichte passen – oder besser noch: Alles viel komplizierter machen! – und sollte nicht den Platz eines vernünftigen Lebenszweckes einnehmen. Es kotzt mich, mit Verlaub, an, wenn die eh schon unglaublich perfekte Protagonistin erst durch den passenden Mann an ihrer Seite endlich die notwendige soziale Aufwertung erfährt, oder wenn sich das hässliche Entlein pünktlich zum dritten Akt in den wunderschönen Schwan verwandelt, um dem Prinzen gerecht zu werden. Habt ihr eigentlich nichts Besseres zu tun?

Durch die komplette Literatur hindurch begegnen uns Frauen, die beinahe ausschließlich über ihre romantischen Beziehungen definiert und wahlweise gerettet oder verdorben werden: Fausts Gretchen, Effie Briest bei Fontane, Elizabeth Bennet in Stolz und Vorurteil. Oft scheint es, als seien Frauen ausschließlich dazu da, geliebt, verführt oder gerettet zu werden, sogar wenn sie eine tragende Rolle spielen.

Und im Fantasybereich sieht es nicht besser aus.

Arwen im Herrn der Ringe mag eine fähige Magierin und Kämpferin sein, aber ihre Hauptbeschäftigung ist es nun einmal, in Aragorn verliebt zu sein. Das ist zwar schön und tragisch, aber nicht besonders nahrhaft. Bei Tad Williams‘ Drachenbeinthron-Saga kann ich mich, ehrlich gesagt, an keine relevante Frauengestalt erinnern. Marion Zimmer Bradley hat zwar in erster Linie hervorragende Frauen geschrieben, aber auch hier kreist ein Großteil der Geschichten um die Liebe und darum, ob eine Frau noch begehrenswert ist oder schon alt. Und sogar Mary Shelley, als sie mit Frankenstein das Genre Science Fiction erfand, hatte für die einzige relevante Frau der Geschichte nur die Rolle der Verlobten des Doktors übrig.

Braucht Fantasy von und über Frauen wirklich Liebe? (Grafik: Elenor Avelle)

Zum Glück ändern sich die Zeiten ja, nicht wahr?

Tja, und da komme ich gelegentlich ins Schleudern. Die Zahl starker Frauencharaktere wächst, wie man unter anderem bei Das Lied von Eis und Feuer oder in der Reihe um die Vampirjägerin Anita Blake der US-Autorin Laurell K. Hamilton lesen kann. Aber auch dort findet ein Großteil der Charakteridentifikation über ihre Beziehungen statt. Fast möchte man den Eindruck haben, als Frau MÜSSE man eine romantische Beziehung haben, um überhaupt die Chance darauf zu haben, in einem Roman als relevant wahrgenommen zu werden.

Einige wenige Gegenbeispiele habe ich zum Glück natürlich auch – sogar wenn die Frauen bei Terry Pratchett beispielsweise romantische Beziehungen haben, so finden diese meistens am Rand der Geschichte statt. In den Büchern von Isabel Allende, die dem magischen Realismus zugeordnet werden, findet Romantik zwar statt, ist aber nur selten das entscheidende Element. Und genau so sollte es meiner Meinung nach sein. Liebe gehört zum Leben dazu. Doch wenn man sie zum zentralen, alles beherrschenden Thema macht, legt man die Latte für Erfolg meiner Meinung nach ziemlich niedrig.

In Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes habe ich das Problem schließlich mit einem Kompromiss gelöst – mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Doch ich finde, wenn man die Welt gerettet hat, ist es fast schon Nebensache, ob man anschließend gemeinsam in den Sonnenuntergang reitet. Oder etwa nicht?

 

**Autorin des Beitrags ist Diandra Linnemann. Auf ihrem Blog habt ihr aktuell eine tolle Gewinnmöglichkeit.