Präastronautik: Science-Fiction trifft alte Hochkulturen

Raumschiff über den Pyramiden bei Vollmond Schristzug Präastronautik

Der Begriff


Bei der Präastronautik wird etwas eigentlich Zukünftiges, wie Science-Fiction, in die Vergangenheit verlegt. In der Regel in Jahrtausende zurückliegende Zeiten, etwa zu den Sumerern, in das Alte Ägypten oder zu mittel- und südamerikanischen Hochkulturen wie den Maya und Inka. Der Begriff Präastronautik deutet das im Grunde auch schon an, denn es geht hier um Astronautik weit vor der, über die wir gesicherte Kenntnisse besitzen, die wissenschaftlich belegt ist. Raumfahrt und andere technische Errungenschaften, die selbst unseren heutigen weit voraus sind, kommen dabei in Kontakt mit der vorantiken bis antiken Erde und ihren staunenden Bewohnern.

Präastronautik in Büchern

Es liegt nahe, dass wir hier zunächst mal zwischen dem Subgenre in der Belletristik und in pseudowissenschaftlichen oder esoterischen „Sachbüchern“ unterscheiden müssen.
Der wohl bekannteste Vertreter pseudowissenschaftlicher Bücher ist sicher Däniken. Weniger plakativ sind die Bände von Sitchin, allerdings hat er sich sehr auf einige Aspekte der Präastronautik konzentriert, die selbst unter Anhängern des Themas umstritten sind. Unter den bekannteren weiblichen Vertreter*innen finden wir – die Tochter Dänikens, Cornelia von Däniken, zusammen mit Beatrice Zaugg.
Während wir über „Sachbücher“ in dem Genre streiten können und sie kritisch betrachten sollten, spricht absolut nichts gegen das Thema Präastronautik in der Belletristik. Es bietet sehr reichhaltigen Stoff für spannende Geschichten. Vor- und Nachteil zugleich ist, dass es noch nicht so häufig in Romanen verwendet wurde.

Die Ursprünge

Wir finden in fast allen alten Hochkulturen und selbst bei eher unbekannten Völkern und Stämmen der Erde Hinweise auf mögliche außerirdische Besucher. Besonders im alten Ägypten, Indien und Mesopotamien sind Symbole und Beschreibungen von Flugmaschinen der „Götter“ und das Thema „Halbgötter“ zahlreich in klassischen Schriften zu finden. Beispiele dafür sind das altindische Mahabharata und das sumerische Gilgamesch Epos. In letzterem spielt der Herrscher Gilgamesch die Hauptrolle, der einen „göttlichen“ und einen menschlichen Elternteil hat.

Irdische Super-Zivilisationen versus außerirdische Besucher

Es gibt im Grunde zwei Hauptrichtungen in präastronautischen Erzählungen.
Die eine geht von einer urzeitlichen Super-Zivilisation irdischer Menschen aus, die vor hunderttausenden oder sogar Millionen von Jahren untergingen, aber bereits Raumfahrt betrieben. Manchmal gingen sie nicht unter, sondern verließen die Erde mit ihren Raumschiffen aus bestimmten Gründen. Entweder die Geschichte bleibt dann in dieser extrem alten Zeit oder sie spielt später, indem die ausgewanderten Erdenmenschen einmal wieder auf ihren einstigen Planeten zurückkehren.
Die zweite Hauptrichtung in Texten basiert auf der Vorstellung, dass die Erde und ihre Kulturen vor Jahrtausenden von den Bewohnern eines oder mehrerer anderer Planeten besucht wurden. Sie kommen als Forscher, Abenteurer und/oder Entwicklungshelfer zur Erde. Zuweilen sogar als Ausbeuter und Tyrannen. Klassisch, doch nicht mehr so häufig hergenommen, wird dabei ein Planet namens Nibiru. Auch u.a. als Planet X oder Marduk bezeichnet. Er soll vor langer Zeit einmal zu diesem Sonnensystem gehört haben.
Ob die außerirdischen Besucher dabei den Menschen äußerlich und kulturell noch relativ ähnlich oder völlig anders sind, kann variieren. Klassisch ist jedoch die Variante menschenähnlicher Aliens, die ihren „jüngeren Geschwistern“ von der Lebensweise her auch gerade deshalb so gleichen, weil sie die menschlichen Zivilisationen mit geprägt bis hin zu ermöglicht hätten. Die äußere Ähnlichkeit wird gerne damit gerechtfertigt, es gäbe draußen im All viele oder sogar überwiegend menschenähnliche Spezies auf anderen Planeten. Kühn, aber durchaus genauso häufig ist die erklärende Theorie, die menschlichen Außerirdischen hätten durch ihr Genmaterial die Evolution überhaupt erst in diese Richtung gelenkt. Mitunter werden sie als wissenschaftliche Schöpfer des Homo Sapiens dargestellt, die bereits an der Entstehung der Vormenschen durch Genexperimente und Manipulation mitgewirkt hätten.

Präastronautik in der Belletristik

Von Männern geschriebene Romane finden sich wesentlich häufiger in diesem Subgenre. Aber wir möchten uns gerne auf die Autorinnen konzentrieren.
Die britische Schriftstellerin Doris Lessing hat einige Bücher geschrieben, die zumindest in die Richtung Präastronautik gehen. Unter männlichem Pseudonym schrieb Lora Johnson vor Jahrzehnten etwa den Roman „Ice“. Auch von der amerikanischen Autorin Arwen Elys Dayton gibt es Romane in dem Subgenre. Eine Kurzgeschichtensammlung mit dem schönen Titel „Das Vermächtnis der Astronautengötter“ haben Jutta Ehmke und Silke Alagöz herausgegeben.
Schließlich gibt es da noch meinen Roman „Die Götter der Dämmerung“, bei dem die außerirdischen Besucher zu den alten Maya reisen und es mit einem Dämon, dem Gott der Blutopfer, zu tun bekommen.

Ein Beitrag von Jasmin Engel

Zum Thema Präastronautik haben Elenor Avelle und Catherine Snow ebenfalls ein Subgenrevideo auf unserem YouTube-Kanal gemacht.

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