Literarische Weltreise zum Frauenwahlrecht – Tania Blixen (Dänemark)

Von Deutschland aus reisen wir nach Dänemark.

Eine weiße Weltkarte mit zwei goldenen Flecken in der Position von Deutschland und Dänemark. Ein roter Pfeil führt vom ersten zum zweiten.

Wir befinden uns in Dänemark, Ende des 19. Jahrhunderts. Karen Christentze Dinesen alias Tania Blixen wird 1885 auf Rungstedlund geboren. Es ist eine Zeit, in der Frauen der Zugang zur höheren Bildung verwehrt wird und ihnen nur wenige Berufe offenstehen. Ihre Aufgabe war es, sich auf ihre Zukunft als Ehefrauen vorzubereiten. Doch nachdem sich Karens Vater erhängte, dominierten starke Frauenfiguren die Familienführung, wodurch Karen schon in ihrer Kindheit lernte, sich gegen das Verlangen der älteren Generation nach Respekt der Jugend den bürgerlichen Tugenden gegenüber aufzulehnen. Sie reiste viel (London, Paris, Rom) und genoss eine Ausbildung an Kunsthochschulen. Wie es zu der Zeit Sitte war, verlobte sich Karen und folgte ihrem Mann nach Britisch-Ostafrika (heute Kenia). Dort betrieben sie eine Kaffeefarm. Zu dieser Zeit hatten einige Frauen in Deutschland und Dänemark längst damit begonnen, den Kampf für das Recht auf Bildung und eine eigene Erwerbstätigkeit aufzunehmen.

Dänische Politikerinnen (Nina Bang, Camilla Nielsen und Marie Nielsen) und Gewerkschafterinnen (Andrea Brochmann und Henriette Crone) setzten sich für das Recht der Frauen auf Beteiligung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein. Die Frauenbewegungen in Deutschland und Dänemark waren im gemeinsamen Kampf für Frauenrechte eng verbunden. Die zweite „Internationale Frauenkonferenz“ fand im August 1910 in Kopenhagen statt. Während Karen in Afrika lebte, wurde 1915 in Dänemark die Verfassung geändert, so dass Frauen das Wahlrecht bekamen.

Karens Leben blieb jedoch teils fremdbestimmt. Es war ihr Onkel, der über die Zukunft ihrer Farm in Afrika entschied. Zeitweise leitete Karen sie selbst, nachdem ihr Mann sich als schlechter Wirtschafter entpuppte.

FunFact: Mein Großvater leitete die Nachbarfarm in Afrika. Einige der Umstände, die in Karens späterer Veröffentlichung  „Jenseits von Afrika“, die auch verfilmt wurde, erzählt werden, kenne ich aus Erzählungen meines Großvaters.

Doch Karen blieb nicht in Afrika. Ihre Ehe ging in die Brüche. Die Scheidung von ihrem Mann war gegen ihren Willen. Gemeinsam mit ihrem Bruder verließ sie schließlich die Farm. Sie hatte lange Zeit mit dem Schreiben aufgehört, doch ihre Zeit in Afrika inspirierte sie dazu, es wieder zu versuchen. Lange Zeit bemühte sie sich um Verleger für ihre Werke. Sie kehrte immer wieder mal nach Afrika zurück, doch letztendlich musste die Farm zwangsverkauft werden.

Ihren literarischen Durchbruch hatte Karen mit ihrem Buch „Seven Gothic Tales“. Später schrieb sie „Jenseits von Afrika“, das von ihrem Leben in Kenia und ihrer Ehe berichtet. Sie erlebte nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Weltkrieg und schrieb „Die Rache der Engel“, ein Buch, das versteckte Andeutungen über die schwierige politische Situation in Dänemark zur Besatzungszeit enthält. In ihrem weiteren Leben nach dem Krieg nahm Karen aktiv am öffentlichen Leben teil. Sie war im Radio zu hören, debattierte gegen Tierversuche und schrieb. Sie war eine beruflich aktive, geschiedene, moderne Frau. Obwohl sie mehrfach als Anwärterin für den Literaturnobelpreis erwähnt wurde, erhielt sie ihn nie.

Autorin: Elenor Avelle

Quellen:

Der nächste Beitrag führt uns ab dem 21.01.2020 nach England.

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