Literarische Weltreise zum Frauenwahlrecht – Kristin Marja Baldursdottir (Island)

Wir lassen die Bermudas hinter uns und kommen zur letzten Station der literarischen Weltreise zum Frauenwahlrechtstag: Island.

Eine weiße Weltkarte mit zwei goldenen Flecken in der Position der Bermudas und Islands. Ein roter Pfeil führt vom ersten zum zweiten.

Schroffe Küsten, steile Berge und heiße Quellen – und wenn eine von vielen verschiedenen regelmäßigen Naturkatastrophen die Ringstraße an einer Stelle unterbricht, sind mitunter ganze Orte für eine Weile von der Welt abgeschnitten. Das ist Island. Seit einigen Jahren nicht mehr nur ein Geheimtipp für Touristen, gleichzeitig ein Paradies für Buchliebhaber*innen. So schenkt man zu Weihnachten Bücher, die isländischen Bibliotheken gelten als besonders umsatzstark und das staatliche Kunstschaffendengehalt ermöglicht ungewöhnlich vielen Autor*innen, von ihrer Kunst zu leben.

Eine der bekanntesten isländischen Schriftstellerinnen der Gegenwart ist Kristín Marja Baldursdóttir, geboren 1949. Ihre Romane schließen die Lücke zwischen Literatur und Popkultur und erzählen vom Leben isländischer Frauen mit sämtlichen Höhen und Tiefen. Im Jahr 2011 erhielt sie für ihr Werk den bedeutenden Jónas-Hallgrímsson-Preis. In der Laudatio hieß es unter anderem: „Sie beleuchtet Leben und Arbeit, Träume und Sehnsüchte der Frauen“. Über ihren Roman „Die Eismalerin“ und die Fortsetzung „Die Farben der Insel“ sagt die Autorin selbst: „Ich hatte immer das Gefühl, isländische Frauen seien stark, aber ich habe mich auch über ihre Nachgiebigkeit gewundert. Das war der Grund, warum ich diese 1000 Seiten schrieb: um jungen Mädchen zu zeigen, wie selbstbestimmt Frauen vor einhundert Jahren in Island lebten.“

Ehe sie sich ganz dem Leben als Autorin widmete, studierte Kristín Marja Baldursdóttir übrigens Deutsch, Isländisch und Pädagogik. Sie arbeitete als Lehrerin in Reykjavik, ehe sie zunächst Journalistin wurde. Die Erfahrungen, die sie aus diesen Jahren mitbringt, genau wie die Liebe zu ihrer Heimat spiegeln sich in ihren Werken wider – und die große Bedeutung, die isländische Frauen für das Leben auf dieser unwirtlichen Insel haben.

Das Frauenwahlrecht wurde in Island, im internationalen Vergleich, ziemlich früh eingeführt, und galt uneingeschränkt seit dem Jahr 1915 – die Einführung hatte sich wegen eines Konflikts mit Dänemark verzögert. Schon vorher durften Frauen, die einem Haushalt vorstanden, auf Lokalebene wählen. Als erste Politikerin nahm Ingibjörg Bjarnason, Vertreterin der Frauenpartei, 1923 ihren Sitz im isländischen Parlament ein.

Autorin: Diandra Linnemann

Das Ende einer Reise

Hier in Island, dem »feministischen Paradies«, dem ersten Land in dem eine Frau Präsidentin wurde (Vigdís Finnbogadóttir, 1980), das die niedrigste Gender Pay Gap und eine Frauenerwerbstätigkeit von 80% aufweist, endet unsere diesjährige literarische Weltreise.
Wir kehren nach Hause zurück und hoffen ihr hattet genauso viel Spaß beim Erkunden der Welt wie wir.

2021 brechen wir erneut auf und besuchen Autorinnen und das Frauenwahlrecht im Gestern und Heute.

Für den Fall, dass ihr die Reise noch einmal nachvollziehen wollt, hier geht es zum Startbeitrag.

Wir wünschen einen wundervollen Weltfrauentag!

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