Messeberichte

Die 10. Sonnencon

Meine absolute RPG-Lieblingsconvention ist die Sonnencon in Berlin, welche dieses Jahr zum 10. Mal stattfand – einmal haben wir uns Pandemie-bedingt online getroffen, was auch wirklich gut organisiert war, aber einfach kein Ersatz dafür, sich persönlich zu treffen.

Dieses Ereignis möchte ich (wenn auch mit Verspätung) zum Anlass nehmen, über die Sonnencon zu berichten.

Also, die Sonnencon in Berlin ist für meine Tochter und mich ein absolut feststehender Termin. Dafür habe ich dieses Jahr meinen Urlaub verschoben und bin zwei Tage später an die Ostsee gefahren und wir haben den CSD in Hamburg verpasst.

Jedes Jahr findet die Con in Berlin-Spandau in einer Grundschule statt. Das führt auf der einen Seite zu manch abenteuerlichem Sitzerlebnis auf Stühlen, die für Grundschulkinder designt wurden, auf der anderen Seite ist die Aufteilung, in viele auf einen Flur hinausgehende Räume, für eine Rollenspiel-Convention natürlich ideal.

Was ich an der Sonencon so liebe?

Die Sonnencon ist super gut organisiert. Am Samstag und am Sonntag gibt es  drei Blöcke für Rollenspielrunden. Samstags von 11 bis 16 Uhr und von 17 bis 22 Uhr und Sonntags von 11 bis 16 Uhr. Auf diese Weise ist es sicher möglich, an drei Runden teilzunehmen, was an einem Wochenende ohne Nachtschicht die maximale Zahl sein dürfte.

Informationen zu den Blöcken findet man im Internet, und wer eine Runde leiten will, kann diese dort eintragen. Eine angenehme Art, sich in den Monaten vor der Con Runden auszusuchen und einzutragen. Kommt man, wie es uns passiert ist, zu spät und bekommt online keinen Platz mehr in der Runde, ist das aber auch kein Beinbruch. Die Runden werden im Internet nicht voll belegt und man kann sich auch in der Stunde vor Rundenbeginn noch etwas aussuchen.

Dabei benutzen sie, nicht durchgehend aber sichtbar häufig gendersensible Sprache. Es ist dann von “Spielenden” die Rede und nicht etwa nur von “Spielern”. Das machen sie ganz selbstverständlich und sehr angenehm.

Das Essen ist wirklich gut und es wird vollwertiges veganes und vegetarisches Essen angeboten. Um 13 Uhr geht der Grill an und, neben dem üblichen Fleisch, kann man auch vegane Burger und Steaks (also Fleischersatz) bekommen.

In der Mensa der Schule, die für die Con als zentraler Raum dient, finden sich neben der Essensausgabe (es gibt Brote, Getränke, Chips und was das rollenspielende Herz noch so begehrt) und der Organisation der Runden, eine Reihe von Ständen von Handelnden. Ein RPG-Geschäft hat dort ebenso einen Stand, wie einige Zeichnerinnen und immer mal etwas Neues aus dem Bereich Rollenspiel und Fantasy.

Ich liebe auch das zusätzliche Programm:

Am Dienstag findet der Nerd-Quiz statt, der am Sonntag nach dem letzten Block aufgelöst wird.

Den Abschluss machen die Versteigerung und die Tombola. Für letztere werden über das Wochenende Lose verkauft. 

Während des gesamten Cons liegen Zettel aus, auf denen man sehr detailliert angeben kann, was gut war, was nicht so gut war und was man sich besser wünscht. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Zettel wirklich gelesen werden. Zumindest wurden meine Wünsche zum Thema veganes Essen und metallenes Besteck umgesetzt.

Unser Sonnencon-Wochenende

Unser Sonnencon-Wochenende beginnt allerdings schon, wenn meine Tochter (die von Anfang an dabei war) und ich in Berlin unser Hotelzimmer beziehen (ich bin alt, ich brauche ein Bett und eine Dusche) und uns aufmachen, um in Berlin essen zu gehen. Dieses Jahr entschied sich meine Tochter für etwas Bekanntes: das ‘Peter Pane’. Ein Burger-Restaurant, das es auch in Hamburg gibt. Ein wenig habe ich mich darüber lustig gemacht, dass wir nun nach Berlin fahren, um so essen zu gehen, wie es auch in Hamburg möglich ist. Aber ich mag die Burger auch und habe es sehr genossen.

Ein wenig anders war die Speisekarte dann tatsächlich, und ich habe mal was anderes genommen, als sonst im Peter Pane. Dieses Essengehen ist ein kleiner Einstieg in unseren Kurzurlaub.

Am Samstag machten wir uns dann, nur leicht verspätet (gewöhnlich verlasse ich mein Bett am Samstag um kurz nach Mittag und nicht um 9 Uhr morgens), auf den Weg zur Sonnencon.

Eine Stunde vor Rundenbeginn öffnete sie ihre Tore. Gut 10 Minuten später standen meine Tochter und ich am Eingang und wurden gleich freudig begrüßt. Sofort fühlte ich mich wohl und gut aufgenommen. Für jede Person, die sich vorangemeldet hat, hing eine Stofftasche bereit, in welcher ich meine (vorbestellte) Sonnencon-Tasse und das Sonnencon T-Shirt fand. Diesmal kam aber noch etwas hinzu. Sie hatten, zum 10 Sonnencon, gelbe Dicepads mit dem Sonnencon-Logo hergestellt. Ein Dicepad ist eine Unterlage zum Würfeln. Man braucht es nicht wirklich, aber es ist cool und witzig.

Da wir uns im Internet eine Runde ausgesucht hatten, bei der wir uns leider online nicht mehr anmelden konnten, liefen wir also schnurstracks zur Runden-Orga um noch einen Platz in der begehrten Runde zu bekommen. Wer hätte gedacht, dass diese innerhalb von 10 Minuten voll besetzt war?

Die Trauer wehrte nicht lange, da es guten Ersatz gab. Ein satirisches Rollenspiel um das Leben in einer skurrilen, britischen Pension, mit einem hyperaktiven Dämonenkind (die perfekte Rollen für meine Tochter, die sichtlich darin aufging) und einer Roboter-Haushälterin.

Yazeba’s Bed & Breakfast

Nachdem wir uns die Plätze in der Runde gesichert hatten, ging es dann zur Essensausgabe. Wir holten uns Frühstück, etwas zu trinken, Chips fürs Rollenspiel und natürlich, was niemals fehlen darf, die ersten Lose für die Tombola am Sonntagabend. Diese waren erst einmal auf 5 Lose pro Person begrenzt, was für meine Tochter und mich dann 10 Lose bedeutete. Die Regel ist natürlich sinnvoll, damit nicht einige schnelle Personen (wie ich, ja ich weiß) alle Lose aufkaufen, und andere nichts mehr abbekommen. 

Als die Begrenzung später aufgehoben wurde, habe ich weitere Lose dazugekauft. Das musste einfach sein. Im Wesentlichen, weil ich die Con unterstützen will, kaufe ich immer eine größere Menge Lose. Die Tombola macht aber auch Spaß. Egal was ich gewinne, ich freue mich über jeden Gewinn und trage ihn stolz und glücklich nach Hause.

Unsere erste Runde um die britische Pension war dann tatsächlich sehr witzig und skurril. Zuerst ging es darum, ein hyperaktives Dämonenkind so weit auszupowern, dass es nicht vor Langeweile explodiert. Dann mussten wir mit Massen an Wäschebergen zurechtkommen, da der Roboterhaushälterin dummerweise ein Arm abhandengekommen war.

Um 13 Uhr ging – wie jedes Jahr auf der Sonnencon – der Grill an und, wofür ich sie wirklich liebe, man konnte Besteck aus Metall kaufen. Ich hasse Plastikbesteck und hatte meine Gabel und Messer aus Metall zu Hause vergessen. Nun hatte ich wieder Besteck, mit dem ich mein Essen auch genießen konnte.

Tatsächlich bekam – nicht nur – ich um ein Uhr Hunger und wir machten eine Essenspause.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Block findet jedes Jahr der Nerd-Quiz statt, bei dem es darum geht die Titelmusik von Serien zu erkennen. Dieses Jahr hatten wir so schöne Serien, wie Löwenzahn, Alf, Dallas, aber auch Battelstar Galaktica, die ich zu meiner Schande nicht erkannt habe, obwohl ich jede einzelne Folge gesehen habe.

Um an dem Quiz teilzunehmen, ist es sinnvoll, sich mit ein paar Leuten zusammenzutun (man kann es natürlich auch lassen, und alleine antreten). Dann ergattert man einen der Quiz-Fragebögen, einigt sich auf einen Namen, der auf den Bogen geschrieben wird und dann wird eine ganz Reihe von Titelmelodien gespielt, die es gilt, der richtigen Serie zuzuordnen.

Wir waren zu viert und das waren wohl die 10 Minuten, in denen ich meinen Mann am meisten vermisst habe. Er ist ebenso nerdig wie ich, und dazu noch ausgesprochen musikalisch, was mir völlig abgeht. (Battlestar Galaktica hätte er mit Sicherheit erkannt). So haben wir unser Bestes gegeben, waren aber leider nicht sehr erfolgreich.

Für den Nachmittagsblock am Samstag kam es für meine Tochter und mich zu einer ungewohnten Situation. Während sie sich für Eat the Reich (Ja, das ist der richtige Titel, es nennt sich denglisch) entschied, wollte ich unbedingt mal wieder Cyberpunk spielen. Also trennten wir uns auf, um, zum ersten Mal, seit wir die Sonnencon besuchen, in unterschiedlichen Runden zu sein. Ich freute mich auf eine schöner Cyberpunk-Runde (Ich liebe Cyberpunk und kann mit Shadowrun nicht so viel anfangen) und bekam auch genau das. Es begann mit einer wehrhaften alten Dame – die wir aus dem Raum schleifen mussten, während sie um sich schoss (sie war unsere Auftraggeberin) – und endete mit dem Showdown auf einer Ostseeinsel und der ethischen Frage, ob es ok ist, die eigene Auftraggeberin zu betrügen.

Eine sehr schöne Alternative zu dem sonst üblichen Mr. Johnson.

Für den Blog am Sonntag hatte ich meine eigene Runde angemeldet: Rettet die Sonnencon. Das Abenteuer habe ich auch richtig ausgearbeitet in Heftform dem Sonnencon-Team überreicht, als kleines Dankeschön für 10 richtig coole Cons.

Das Abenteuer bestand aus 5 Kurz-Abenteuern, in denen es darum ging, die verschiedenen Mitglieder der Orga aus verschiedenen Szenarien zu retten, damit die Sonnencon auch stattfinden kann. Als System habe ich mich für Fate entschieden, mit der kleinen Änderung, dass wir jeweils mit einem W6 gewürfelt haben, aus dem einfachen Grund, weil die Sonnencon gelbe sechsseitige Würfel herausgebracht und schon einige Male verteilt hat. Ich wollte, dass man diese Würfel nutzen konnte.

Etwas nervös war ich schon, ob das Konzept auch aufgeht.

Es wurde eine sehr witzige Runde. Vier Kurz-Abenteuer wurden durchgespielt, für das Fünfte fehlte die Zeit, aber das war von mir eingeplant, weshalb ich zwischendurch angedeutet hatte, dass nicht nur die mitspielenden Charaktere auf Rettungsmission unterwegs waren. So ergab es sich ganz natürlich, dass am Ende die gesamte Sonnencon-Orga wieder am Platz war, auch wenn für das letzte Kurz-Abenteuer die Zeit fehlte.

Am Sonntagnachmittag fand dann die Auflösung des Nerd-Quiz statt. Wir waren nicht die letzten, was ja immerhin etwas ist.

Es folgte die Versteigerung, an der ich mich mangels Geld (wo ist das nur geblieben?) nicht mehr groß beteiligt habe – was vermutlich auch besser ist.

Zum Abschluss gab es noch die Tombola. Und wie jedes Jahr müssen die Lose gezogen werden. Vor Jahren war meine Tochter einmal die Losfee (und das war tatsächlich eine der Cons, bei der ich sehr viel gewonnen habe), später wurde sie von anderen Kinder abgelöst, die kleiner waren als sie. Diesmal kam tatsächlich ein Einhorn herein, um die Lose zu ziehen.

Nach der Rechnung meiner Tochter, die wusste wie viele Lose es gab und wie viele Gewinne ausgelost wurden, habe ich tatsächlich diesmal recht wenig gewonnen. Dafür waren es aber richtig coole Gewinne. Darunter war ein vollständiges Regelwerk für ein SF-Rollenspielsystem mit drei Abenteuerbüchern und eine Abenteuerwelt für Fate: “Bergungskreuzer Möwe – Deutschland unter Wasser”

Und dann endete auch schon die 10. Sonnencon und wir machten uns glücklich auf, um nach Hamburg zurück zu kehren.

Die nächste Sonnencon wird kommen, und wir sind sicher wieder dabei. Ich habe auch schon eine Idee für eine Runde, die ich leiten werde, vermutlich wieder mit Fate.

Die Sonnencon 2026 findet am 18./19.Juli statt.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen