Der Phönix – Ein Symbol der Wiedergeburt und Wappentier für Autoren? – Anne Danck

„Eigentlich ist er die meiste Zeit sehr hübsch, herrlich rot und gold gefiedert. Faszinierende Geschöpfe, diese Phönixe. Sie können unglaublich schwere Lasten tragen, ihre Tränen haben heilende Kraft und sie sind außerordentlich treue Haustiere.“
(Harry Potter und die Kammer des Schreckens, J.K. Rowling)

Spätestens seit Harry Potter kennt jeder das Fabeltier Phönix. Aber die Geschichten um den Vogel, der in Flammen aufgeht um wiedergeboren zu werden, sind schon mehrere tausend Jahre alt. Dennoch ist er nicht in Vergessenheit geraten, er fasziniert uns nach wie vor. Und gerade für uns Autor*innen könnte er sogar ein Wappentier sein. Aber der Reihe nach.

Ein Phönix als Verzierung an einer Kathedrale ( Foto: michelboucly / pixabay.de)

An sich ist die Idee mit der flammenden Wiedergeburt gar nicht so originell. Man muss nur in den Himmel gucken und schon sieht man genau das Tag für Tag: Die Sonne, die in Flammen stirbt und dann am nächsten Morgen wiedergeboren wird. Genau das bauten die Ägypter in ihre Mythologie ein, in der der Sonnengott Re als Bachstelze oder Reiher am Abend stirbt und mit der Morgenröte wieder aufersteht. Später, mit wachsendem Osiris-Glauben, wurde es Benu, die Ba-Seele des Osiris, der diese Rolle einnahm.

Der Mythos verbreitet sich

Die Symbolik war anscheinend aber so einprägsam, dass sie von vielen anderen Religionen übernommen wurde. Zunächst von den Griechen, von ihnen bekam der Phönix auch seinen eigentlichen Namen, benannt nach den Phöniziern. Später dann natürlich auch vom Christentum, schließlich spielen Wiedergeburt und Auferstehung bei ihm eine sehr entscheidende Rolle.

Es gibt viele Ideen zum Phönix (Grafik: JohannaIris / pixabay.de)

Aber auch unabhängig von Religion wurde der Phönix ein Teil vieler Geschichten. Dazu zählen Märchen wie „Der goldene Vogel“ (aus Hessen), „Van den Machandelboom“ (aus Mecklenburg Vorpommern) oder in ähnlicher Weise auch beim „Feuervogel“ (aus Russland). In Venedig gibt es sogar ein berühmtes Opernhaus, La Fenice, das nach dem unsterblichen Vogel benannt ist. Unter anderem Namen errichtet, brannte es 1774 ab. Anschließend wurde es aufgebaut und unter dem neuen Namen wiedereröffnet. Aber wie das mit einem Phönix ist, er brennt nicht nur einmal: 1836 folgte das nächste Feuer und ein neuer Aufbau, 1996 noch einmal das gleiche.

In jeder Geschichte steckt ein Phönix

Joseph Campbell hat Mythologien weltweit untersucht und dabei bestimmte wiederkehrende Prinzipien gefunden und diese Grundstruktur in der Heldenreise zusammengefasst. Einer dieser wiederkehrenden Bausteine – ihr ahnt es schon – ist der Tod und die Wiedergeburt des Helden. Der Held oder die Heldin muss zumindest symbolisch sterben, einmal in seinen eigenen tiefsten Abgrund schauen und daran (fast) zu Grunde gehen. Nur dann kann er aus der Asche wieder auferstehen, nur aus dem absoluten Tiefpunkt kann der abschließende Sieg erwachsen (und dabei den gewünschten dramatischen Effekt bekommen).

Der Phönix, den ihr auf unseren Postkarten zum Sammeln findet

Doch nicht nur für unsere Geschichten, auch für uns Erschaffer der Geschichten sind Tod und Wiedergeburt wichtige Elemente. Welche*r Autor*in kennt das nicht, dass man eine alte, längst vergrabene und vergessene Geschichte wieder findet und sie unerwartet aufersteht? Und fühlt man sich am Ende eines Manuskripts nicht auch jedes Mal vollkommen ausgebrannt und muss erst neue Kräfte sammeln, um sich glorreich wieder zu erheben und das nächste Projekt zu beginnen? Ich jedenfalls hätte nichts gegen den Phönix als Wappentier aller Autor*innen einzuwenden. Und ihr?

**Autorin des Beitrags ist Anne Danck

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