Instagram – Tipps für Autorinnen und Autoren

Du nutzt Instagram als Autorin oder Autor? Du möchtest mit Deinem Account auf Dich aufmerksam machen und Deine Werke präsentieren? Dann haben wir hier ein paar Tipps:

Überlege Dir eine Zielsetzung

Wen möchtest Du erreichen? Blogger? Leser? Suchst Du Kontakt zu anderen Autor*innen? Richte danach Deine Posts aus.

Der Feed

Achte auf einen einheitlichen Feed

  • Wer bist Du? Wie willst Du Dich darstellen?
  • Mehrwert der Posts schaffen durch z.B. Rezensionen, Schreibtipps.
  • Hintergrundinfos über Dein #Autorenleben.
  • bring Dich mit Deiner Persönlichkeit ein.

Die Bilder

Die Bilder sind meist schöner als die Realität & dennoch authentisch:

  • scharfe Fotos; ansprechendes Setting.
  • Trendfarben: weiß und Jahreszeiten-aktuell.

Tipp 1 : Schau Dir IKEA + H&M – Bilder an (Trend-führend).

Tipp 2: Nimm Dir 2-3 Dinge, die Dich ausmachen und wiederhole sie in Deinen Bildern. Z.Bsp. Dein Buch, Kaffee und eine bestimmte Farbe. Achte jedoch darauf, dass Du als Autor*inn nicht nur Werbung für Deine Werke machst, sondern auch an Deinem Leben teilhaben lässt.

Hastags

Bei Insta läuft alles über # – darüber kann man gut gefunden werden und gemeinsame Interessen aufbauen. Passendes Hashtaggen schafft höhere Followerzahlen, jedoch sind max. 30 Hashtags pro Post erlaubt, sonst ist der Text gelöscht.

Tipp: Einen Kommentar mit den zusätzlichen Hashtags posten.

Challenges

Es gibt auf Instagram jeden Monat verschiedene “Wettbewerbe” – meist geht es darum, zu einem best. Thema ein passendes Bild zu posten; mach mit, um Gleichgesinnte zu finden, Dein Netzwerk zu erweitern, in Kontakt zu treten. Z.Bsp. #Autorenwahnsinn,  #Nornennetzchallenge .

Tipps zum Posten

  • 2-3 mal pro Woche reicht.
  • Insta mit FB verbinden und dort teilen.
  • aktiv sein durch kommentieren und liken.
  • In Deiner Bio ist ein Link möglich, sonst jedoch nicht. Also in der Bio schreiben, wer Du bist und was Follower erwarten können.
  • Optimale Uhrzeiten: 18/19h oder 16-20 Uhr.
  • Tagge bei Buch- und Messepost die Verlage, Autor*innen und Künstler.
  • Folge auch Du, wenn bei Dir und Deinen Followern das gleiche Interesse besteht. Vorsicht vor Like-sammlern, die entfolgen auch schnell wieder. Nimm Dir Zeit und interagiere mit ausgesuchten Accounts öfter. Lieber vorher liken und kommentieren und dann folgen.
  • Vermeintlich schlechte Posts mit wenig Likes entsorgen.
  • Instagram kannst Du auch mit Snapchat, Snapwidget und Gadget verbinden.
  • Apps wie Preview ermöglichen die Vorplanung von Posts.

Hashtags, und immer wieder Hashtags

Hier ein paar Beispiele für nützliche Hastags als Autor*in:

#autor #autorin #autorenleben #autorenalltag #authorsofinstagram #autorenaufinstagram #schreibzeit #schreibtisch #schreiben #work  #plotten #schreibmotivation #writing #writerslife #writer #writeometer #instawriter #justwrite #girlswhowrite #amwriting #iamwriting  #writersofig #Fantasy #fantastik #phantastik #horror #fantasynovel #selfpub #selfpublisher #roman #kurzgeschichte #shortstory #wordcounts

… für Buch-Motive:

#bookstagram #bookstagrammer  #bookphotographie #bookstagramfeature #book #books  #buch #bücher #bookish #bookaddict #bookaholic #booknerd  #bookworm #bücherwurm #bookish #bookworld #bookshoot #booksofinstagram #bookporn #bookblog #bookblogger #instablogger  #instabook #instabooks #instabooker #bibliophile #buchverrückt #bücherliebe #booklove #booklover #booklovers #abooktolove #buchverliebt #lovebooks #büchersüchtig  #buchtipp #libraryofgems #literatur #literatura #literature #literaturelove #literaturelover #lesenmachtglücklich #leseratte #lesetipp #readmorebooks #amreading #reading #machtlesenwiedercool #cr #currentlyreading #currentlhearing #bookcover  #cover #coverlove #ebook #kindle  

Und uns findest Du mit folgenden Hashtags:

#Nornen #Nornennetz #autorinnennetzwerk #netzwerk  #fantasynetzwerk #feder #norne #nornenbuch #Nornenkollegin  #Nornenpower #Nornennano

Noch einen bedeutenden Hashtag und uns selber findest Du dieses Jahr live auf der LBM (Stand K309 in Halle 2), #NNLBM

Wir freuen uns auf Dich!

Lovelybooks und Leserunden

Leserunde? Was ist das? Bei einer Leserunde lesen zehn, zwanzig oder mehr Leser gleichzeitig ein Buch, tauschen ihre Eindrücke aus und formulieren schließlich meist auch eine Rezension. Die bekannteste Plattform für Leserunden ist Lovelybooks.

Seit Neuestem scheint Lovelybooks eine Sperre für die Zahl der Leserunden pro Monat gesetzt zu haben. Das ist vor allem für Verlage unpraktisch, für Autor*innen jedoch kein Hindernis, da sie selten mehr als eine Leserunde pro Monat abhalten werden können.

Gibt es Alternativen zu Lovelybooks?

Durchaus, aber sie tun sich aus diversen Gründen schwer damit, sich dauerhaft zu etablieren. So führte Literaturschock.de mehrere Jahre ein eigenes Forum, das mittlerweile aufgelöst wurde. Leserunden finden sich inzwischen hier. Allerdings sind sie für Autor*innen und Verlage höherschwelliger als Leserunden bei Lovelybooks. Das liegt nicht zuletzt daran, dass eine Anmeldung verbindlich ist – wenn ich also bei Literaturschock das Buch nicht gewinne, bin ich trotzdem verpflichtet, das Buch selbst zu kaufen und zu lesen. Ansonsten erfolgt ein Ausschluss von folgenden Verlosungen. Gerade wenn man finanziell etwas schwach auf der Brust ist und gewonnene Bücher in Leserunden die einzige Möglichkeit darstellen, überhaupt regelmäßig und kostengünstig (als Vielleser*in) an neue Literatur zu gelangen, schreckt das natürlich ab und man bewirbt sich nicht auf Gut Glück auch bei Büchern, bei denen man denkt “Könnte mir so ungefähr gefallen, aber wenn ich nicht gewinne, ist es auch nicht so wild”.

Literaturschock gehört eigentlich zu den etablierteren Foren im Leserundenbereich, dennoch wird auch dort regelmäßig über zu kleine Teilnehmerzahlen geklagt.

Es gibt immer wieder Bestrebungen, das Monopol von Lovelybooks im deutschsprachigen Raum zu brechen. So bietet beispielsweise der Entwickler des Programms “Patchwork” auf seiner Seite ebenfalls die Möglichkeit an, Leserunden auszurichten. Bisher wurden allerdings erst zwei auf der Seite durchgeführt.

Manche Verlage und Autor*innen führen Leserunden in eigens dafür eingerichteten Facebookgruppen durch. Gegenüber Lovelybooks und Foren hat dies allerdings den Nachteil, dass man durch die Timelinesortierung auf Facebook leicht für einen Leseabschnitt gespoilert werden kann, den man noch nicht erreicht hat.

Tipps/ Erfahrungen zu Lovelybooks

Eva-Maria Obermann: Schau dir die Profile an und wie viele Rezensionen die Leser haben, ob die Rezensionen/Genre passen und wie sie so schreiben. Und dann per privater Nachricht anfragen ob sie Ebooks oder Prints wollen: „Es ist abzusehen, dass nicht alle Print-Wünsche berücksichtigt werden können. Welches ebook-Format könntest du denn lesen“ oder so.

Katherina Ushachov : Ein Erfahrungs-Guide:

Nach Ablauf der Bewerbungsfrist zeigt euch Lovelybooks zusammen mit den Nicknamen aller Bewerbungen eine kleine Statistik:
– hat so und so viele Bücher allgemein gewonnen
– hat so und so oft bei Leserunden gewonnen
– hat xy viele Rezensionen geschrieben

Natürlich können die Teilnehmer ausgelost werden. Allerdings zeigt die Statistik auch, wer bei gewonnenen Büchern überhaupt Fragen beantwortet. Auch lohnt es sich, die Qualität der Rezensionen zu prüfen, denn einfach nur den Klappentext abzuschreiben und einen Smiley drunter zu setzen, ist für Autor*innen wenig hilfreich. Vielleicht gibt es auch Leser*innen, deren Profile, Rezensionen und kommunikative Fähigkeiten Dich so überzeugt haben, dass Du sie auf alle Fälle dabeihaben möchtest.
Falls man Prints verlost, lohnt es sich hier, einen Zwischenschritt zu machen. Ich habe ALLE in der Leserunde begrüßt und gerade die, die angegeben haben, dass sie gerne ein Print hätten, zusätzlich gefragt, ob zur Not auch ein eBook ginge. Manche Leser sind auf Print angewiesen, da sie keinen elektronischen Reader besitzen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht nutzen (dürfen).

Wie lange nach Bewerbungsschluss sollte die Gewinnbenachrichtigung raus?

Eine Woche geht ohne Probleme, aber mehr als zwei ist unschön.

Du hast noch mehr Fragen zu Leserunden? Oder möchtest uns mal persönlich treffen? Dann triff uns doch an unserem Stand K309 in Halle 2 auf der Leipziger Buchmesse 2019. Wir freuen uns!

Facebook als Autorin oder Autor nutzen

Lange Zeit war Facebook eine der beliebtesten Plattformen für Eigenwerbung. Durch die verschiedensten Änderungen an den Algorithmen (z.B. bevorzugt private Profile in der Timeline) wird die Nutzbarkeit allerdings immer mehr eingeschränkt.

Facebook mag ein breites Spektrum bieten und die Möglichkeit mit vielen zu kommunizieren, das Schwierigste an der Arbeit mit einer Facebook-Seite ist jedoch die Reichweite. Sobald man ein paar Tage nichts veröffentlicht hat, wird die Anzeigewahrscheinlichkeit der eigenen Beiträge bei den Followern drastisch reduziert.

Möglichkeiten auf Facebook zu interagieren

Seiten:

Neben dem Privatprofil hat jede*r FB-Nutzer die Möglichkeit sich eine Seite anzulegen. Sei es für die Autorentätigkeit oder das eigene Unternehmen. Hier kann man gezielt für sich und seine Arbeit werben, Beiträge, Bilder und Links teilen, Veranstaltungen anlegen oder Gruppen erstellen und darüber mit den Followern interagieren.

Hier kommt die oben genannte Reichweite am ehesten zu tragen, denn mittlerweile gibt es das Problem, dass der Timeline-Algorithmus, also das, was einem im Privatprofil angezeigt wird, gegen Seiten spielt. Viel häufiger als Beiträge von Seiten, die man geliked hat, erscheinen Beiträge von Privatprofilen, mit denen man befreundet ist.
Außerdem ist es schwer als Seite zu interagieren. Man kann zwar als Seite kommentieren, muss dies allerdings explizit einstellen und bekommt oft auch keine Benachrichtigung, wenn jemand auf das Kommentierte reagiert hat.
Zudem wird beim Teilen von Links oder Beiträgen anderer Nutzer, die Reichweite geringer berechnet, als wenn man selbst etwas schreibt und den Link zu externen Sachen in die Kommentare steckt.

Gruppen:

Gruppen auf Facebook dienen dazu sich mit gleichgesinnten direkt über ein Thema auszutauschen. Hier wird ein Beitrag erstellt und kann dann von allen Gruppenteilnehmern kommentiert werden.

Gruppen eignen sich auch gut bis semi-gut für die Planung von Aktionen mit anderen Autor*innen oder Blogger*innen. Denn hier kann man in Dokumenten und Beiträgen festhalten, wer was wann beisteuern soll.

Dies funktioniert meist auch nur über das Privatprofil. Es gibt zwar Gruppen, die auch Kommentare von Seiten zulassen, aber das ist eher selten, wenn man nicht explizit mit der Seite als Admin oder Redakteur der Gruppe (z.B. bei selbst angelegten) freigeschaltet ist.

Veranstaltungen:

Will man seinen Followern die Möglichkeit geben, sich in ihren FB-Kalender einzutragen, wann man das nächste mal eine Lesung hat – oder sonst eine tolle Aktion – dann kann man dafür eine Veranstaltung anlegen (z.B. unser Talk auf der LBM), in der auch Seiten als Veranstalter mit eingetragen werden können. Ist eine Seite Mitveranstalter, dann kann man unter diesem Namen Beiträge einstellen und kommentieren. Zusätzlich wird die Veranstaltung auf der Seite angezeigt.

Einige Autor*innen nutzen FB-Veranstaltungen für Release Parties, z.B. Norne Nora Bendzko und ihre #HexensoldProzesse, oder auch für Lesungen, wie u.a. unsere Seraph-nominierten Nornen bei #WeAreTheDark am 24. Februar.

Allerdings heißt das leider nicht, dass man selbst automatisch als “Teilnehmer” der Veranstaltung angezeigt wird. Um es in den eigenen Kalender zu bekommen muss man mit dem Privatprofil nochmal zusätzlich “Zusagen”.

Und natürlich sollte man darauf achten, dass die Teilnehmer auch ein bisschen für die Veranstaltung angeheizt werden, d.h. man muss zusätzlich Beiträge planen und vorbereiten, die im Vorfeld in die Veranstaltung geteilt werden können.

Hinzu kommen noch ein paar andere Problemchen, über die einige unserer Nornen berichten.

Anne Zandt: Für meinen Märchensommer (der diesen Juni in die dritte Runde geht) hatte ich im vergangenen Jahr eine Aktion geplant, die nur auf Facebook stattfand. Es sollten auf verschiedenen Seiten Beiträge zur gleichen Uhrzeit veröffentlicht und dann über ein darin enthaltenes Hashtag gesucht werden.

Problem: Es funktionierte nicht.

Der Algorithmus von FB ließ es einfach nicht zu, dass alle Beiträge in der Suche angezeigt wurden, wenn man auf den Hashtag klickte. Es wurden immer nur ein bis drei von dreizehn Stationen angezeigt, wenn überhaupt.

Dementsprechend war die Aktion – trotz späterer Hilfestellung – ein ziemlicher Flopp, dabei hätte es so gut werden können.

Was ich persönlich auch anstrengend finde ist die Verlinkung. Als Autorin, die unter ihrem Realnamen veröffentlicht und unter diesem auch bei FB angemeldet ist, kommt es sehr häufig vor, dass in Beiträgen, in denen ich erwähnt werde, nicht meine Seite, sondern mein Privatprofil verlinkt wird. Unpraktisch für die Leser, denn da schreibe ich nichts Öffentliches. Von anderen Nornen weiß ich, dass es ihnen ähnlich geht. Technisch ist das leider nicht immer zu vermeiden, aber bitte liebe Facebook Menschen:

Wenn euch angezeigt wird:

Name mit Untertitel Wohnort und Name mit Untertitel XXX gefällt das, dann nehmt bitte das mit den Gefällt-Mir-Angaben! Denn das ist das Profil in das wir Autor*innen unsere ganze Mühe und Arbeit stecken!

Katherina Ushachov: Dass oft das Privatprofil statt der Seite verlinkt wird, hat zusätzliche Nachteile. Ich veranstalte sehr selten Gewinnspiele – aber wenn ich es tue, werde ich grundsätzlich mehrmals falsch verlinkt. Das führt dazu, dass Leute, die beim Gewinnspiel teilnehmen wollen, mir Freundschaftsanfragen schicken. Verständlich – denn wenn in den Bedingungen steht, dass man als Voraussetzung für die Teilnahme die Seite der Autorin liken soll, aber stattdessen ein Profil angegeben wird, interagiert man eben mit dem, was da ist. Dadurch habe ich gerne mal an einem Tag fünf bis zehn Anfragen von Leuten, denen ich dann mühsam den Weg zu meiner Seite zeigen muss. (Dass ich bei Facebook regelmäßig Freundschaftsanfragen von anderen Autor*innen erhalte, mit denen ich nie ein Wort gesprochen habe und bei denen ich nicht weiß, was die von mir wollen, ist eine andere Geschichte …)
Interessanterweise ist das ein Fehler, der auch anderen Autor*innen oft und gerne unterläuft. Bestimmt kennt ihr alle Aktionen wie #7lines, bei denen ihr die (ersten) sieben Zeilen oder Sätze eures Buches vorzeigen sollt. Ich mag Tags. Ich mag es wirklich, von Kolleg*innen getaggt zu werden und bei solchen Sachen mitzumachen. Mühsam wird es, wenn mein Privatprofil markiert wird statt meiner Seite. Denn dann verfehlt die Aktion ihren Sinn – schließlich geht es darum, durch das Taggen die eigenen Leser*innen zu coolen Kolleg*innen zu lotsen und somit einander ein bisschen bekannter zu machen. Wenn aber die Kette bei mir abbricht, weil statt meiner gut bespielten Seite (nun ja, meist *hust*) mein vollkommen unbenutztes Privatprofil markiert wird, finden Leser*innen dort nichts Interessantes vor. Ich kann den Tag trotzdem auf meiner Seite machen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er gefunden, gelesen und als Schnuppereinstieg in meinen Schreibstil angenommen wird, sinkt.

Britta Redweik: Ich bin noch über ein weiteres Problem gestolpert bei Facebook. Ich schreibe unter Pseudonym, was heißt, dass ich zwei ‘private’ Profile habe. Über das eine verwalte ich auch die Seite meines Buchblogs, über das andere meine Autorinnenseite. Dadurch, dass ich mit dem Buchblog aber nun schon so lange im Netz unterwegs bin, und man dadurch eben auch die Privatperson dahinter kennt, fragen mich selbst die, die mich jetzt erst über Twitter und andere Stellen kennen lernen, immer als Privatperson an und liken höchstens den Buchblog. Teile ich mit dem Privatprofil meines Klarnamens die Posts meiner Autorinnenseite, kriegt sie nicht etwa mehr Follower, sondern die Leute interagieren mit meinem Privatprofil mit Klarnamen. In über einem Jahr habe ich so gerade zwei Follower meiner Autorenseite gefunden. Und das, obwohl meine Beiträge durchaus nicht so sehr versanden. Familie und Freunde interagieren damit. Aber eben immer nur, wenn der Klarname sie teilt.

Ich weiß, DASS ich irgendetwas falsch mache. Aber ich weiß noch nicht genau, was. Ich muss mich damit vielleicht noch einmal eindringlicher beschäftigen, merke aber, dass Twitter bisher einfach besser funktioniert. Dort werde ich sogar gefunden, während ich bei Facebook selbst die Interessierten nicht dorthin umgeleitet kriege, wo ich sie gern hätte. (Und Facebook hat, wenn man mit zwei Profilen arbeitet, noch ein Problem: Man braucht zwei Browser. Wenn es auf die Idee kommt, dass man die gleiche Person ist, löscht es einem das neuere Profil. Schon ziemlich suboptimal.)

Fazit

Facebook ist anstrengend. Es lohnt sich nach wie vor, weil dort die meisten Buchmenschen zu finden sind und weil sehr viele Dinge über Facebookgruppen und Veranstaltungen organisiert werden. Ohne Facebook ist man nicht dabei. Aber durch die technischen Einschränkungen wird es immer schwieriger, dort aktiv mit der eigenen Seite etwas zu reißen.

Aber als Gemeinschaft kann man da weitaus mehr bewegen, als alleine – nicht wahr? Und auch wir vom Nornennetzwerk bewegen als Gemeinschaft. Wenn du uns live treffen möchtest: Wir sind demnächst auf der Leipziger Buchmesse 2019 zu finden (Standnummer K309 in Halle 2/ #lbm19 und #NNLBM).


Autorinnenleben und Twitter (Holly Miles)

Zu einen der bekanntesten Social Media Netzwerken dürfte wohl Twitter gehören. Für einige gehört es dazu, täglich die Tweets (die Beiträge auf Twitter) abzurufen, während andere Netzwerke eher nebenbei laufen. Daher möchte ich heute einen genaueren Blick auf Twitter werfen.

Was ist Twitter?

Twitter zählt zum Bereich Mikroblogging. Mit zwischenzeitlich 280 Zeichen schickst du eine Nachricht an die Welt. Mehr Platz hast du momentan nicht. Daher twittern viele unter einem Beitrag weitere Tweets, sodass daraus ein sogenannter Thread entsteht.

In einem Tweet kannst du Werbung für dich, deine Internetseite oder dein Buch machen. Natürlich ist es auch möglich, einfach über den Tag zu schreiben, was so passiert ist oder andere lustige Anekdoten. Das kommt auf dein persönliches Anliegen an.

Wichtiger Hinweis: Deinen Tweet kannst du auch als Bild veröffentlichen. Nur bedenke bitte, dass Bilder nicht barrierefrei sind. Personen, die nicht einwandfrei oder gar nicht sehen können, können damit Schwierigkeiten haben. Aber mit der Browseranwendung „Tweetdeck“ kannst du das umgehen. Denn unter dem Bild kannst du dort den Text einfügen. Die Zeichenzahl scheint hier länger zu sein, als bei einem Tweet.

Im folgenden erkläre ich dir die wichtigsten Funktionen von Twitter.

Die Anmeldung – mit irgendeinem Namen

Bezüglich des Anmeldeprozesses werde ich an dieser Stelle nicht ausführlich werden. Ein wichtiger Hinweis jedoch. Zwischenzeitlich verlangt Twitter bei der Anmeldung eine Handynummer, um deinen Account zu bestätigen. Soweit ich aber gesehen habe, kann man eine Nummer für mehrere Twitteraccounts verwenden.

Der Name darf maximal 15 Zeichen lang sein. Wobei ich auch gelesen habe, wenn du deinen richtigen Namen angibst, erhöht sich die Zeichenanzahl auf 20. Das siehst du aber alles in der Anmeldemaske.

Bei der Namenswahl hast du mehrere Möglichkeiten. Entweder dein Autorinnenname, einen Fantasienamen oder deinen richtigen. Das kommt darauf an, wie du dich auf Twitter präsentieren möchtest.

Dabei musst du jedoch einen Unterschied machen. Einmal der Name, der auf deinem Account erscheint (Nornennetz als Beispiel) und dann der @Name (@Nornennetzwerk). Damit kannst du dann den Account anschreiben.

Beide Namen müssen übrigens NICHT übereinstimmen. Da hast du absolut frei Wahl.

Dein Avater und das Headerbild

Das Bildchen, womit du letztendlich auftrittst, sollte auf alle Fälle die Spielregeln des Urheberrechts berücksichtigen. Nimm also Bilder, an denen du das Urheberrecht hast oder die frei zur Verfügung dafür gestellt werden. Leider sind Abmahnungen sehr teuer.

Wenn du mit einem Produkt auftrittst (zum Beispiel als Autorin), kannst du das Cover deiner aktuellen Geschichte als Avater benutzen. Dieses kannst du zusätzlich als Headerbild verwenden. Mit jedem geschriebenen Tweet machst du so automatisch für dein Produkt Werbung, ohne dass du jedes Mal einen Werbetweet schreiben musst.

Deine ersten Schritte

Sehr wahrscheinlich wirst du nicht von Anfang an deine ersten Follower haben. Es wird wohl eher so aussehen, dass du dich umsiehst und nachschaust, wer so alles auf Twitter ist und denen folgen. Natürlich auch Stars und Sternchen. Als Autorin bzw. Autor wirst du wahrscheinlich auch Verlage und/ oder anderen Autorinnen und Autoren folgen wollen. Daher ist die Zahl der Accounts die du folgst, am Anfang höher, als der Zahl, die dir folgen. Fürs Erste ist das absolut normal und natürlich.

Wenn du bereits andere Kanäle im Internet führst, zum Beispiel eine Facebook-Seite, dann kannst du dort Werbung für deinen Twitterchannel machen. Leute, die sich für dich interessieren, werden dir aller Wahrscheinlichkeit nach auch dort folgen.

Aber egal wie vielen du letztendlich folgst, wenn du nicht selbst twitterst, wirst du für andere einfach nicht interessant genug sein.

Worüber könntest du denn so twittern?

Meine Empfehlung: Mach nicht nur Werbung für dich, deine Projekte oder was auch immer dein mögliches Anliegen ist. Natürlich kannst und sollst du deinen Twitterkanal für Werbung verwenden. Das gehört dazu. Aber wenn du NUR Werbung machst, viele werden dir entweder gar nicht folgen oder dir irgendwann wieder entfolgen.

In meiner Liste hatte ich auch eine Person aufgenommen, die wirklich nur Werbung für ihre Bücher getweetet hatte. Zumindest erschien es mir so, wann immer ich ihre Tweets entdeckt hatte. In solchen Fällen schaue ich mir dann den Kanal an und überprüfe mein Gefühl. Wenn es stimmt, dann neige ich auch dazu, der Person zu entfolgen. Nicht, weil ich das nicht unterstütze, sondern einfach, weil ich das nervig finde.

Du kannst also gerne über deine Projekte twittern, aber auch mal über etwas Alltägliches. Wenn du gerade ein Buch liest, dann empfehle es doch einfach. Und wenn die Autorin oder der Autor ebenfalls einen Twitteraccount hat, kannst du sie oder ihn direkt einbeziehen.

Auf diese Art kannst du Respekt für die Arbeit der Person zeigen, aber auch Aufmerksamkeit auf dich ziehen. Und durch solche Aktionen könnte es auch passieren, dass die eine oder der andere auf dich aufmerksam wird und dir danach folgt.

Mir folgt jemand … mir folgt jemand …

Gerade am Anfang kann es schon ein klasse Gefühl sein, wenn dir endlich jemand folgt. Und es ist auch völlig in Ordnung, wenn du sofort zurückfolgst. Du solltest aber irgendwann gezielt den Leuten folgen, mit denen du dich vernetzen möchtest. Ab einer gewissen Anzahl von Gefolgten könntest du die Übersicht verlieren und nicht mehr alle Beiträge sehen. Tatsächlich kenne ich einige Accounts, die mehreren 1.000 Leuten folgen. Außerdem dürften einige Follower für dich auch nicht interessant sein. Warum dann folgen?

Hashtags

Eine gute Idee sind interessante Hashtags. Hashtag bedeutet, dass du das Nummernzeichen, also #, tippst und danach ohne Leerzeichen ein Wort (#NornenFragefreitag). Auf diese Weise können Leute, welche nach bestimmten Hashtags suchen, theoretisch auf deinen Tweet und damit auch auf deinen Account aufmerksam werden. Und eventuell findest du auf diese Weise einen neuen Follower.

Als Autorin bzw. Autor kannst du ebenfalls bestimmte Hashtags benutzen, die zwar aus dem englischen kommen, aber hier auch Verwendung finden. Dazu gehören zum Beispiel #amwriting, #iamwriting, #Author, #Autorenleben #Autorinnenleben #Autor #Autorin und Ähnliches.

Damit zeigst du auch deine Präferenz bei deinen Tweets an. Und bietest damit anderen die Möglichkeit, dich zu finden und dir zu folgen. Oder eben auch nicht.

Twitteraktionen für Autor*innen

Es gibt einige Aktionen, die du als Autor*in die Wege leiten kannst.

Einige Beispiele möchte ich dir kurz vorstellen:

Lesechallenges

Hier wird eine Herausforderung ausgesprochen, an der sich alle beteiligen können. Dabei werden für jeden Tag in einem bestimmten Zeitraum Fragen oder Aufgaben gestellt, die du dann erfüllen darfst. (Zum Beispiel das Teilen der eigenen Erfahrungen zum Thema Selfpublishing: Welche Bücher hat man gelesen, welche hat man geliebt oder auch, welche Charaktere mochte man.)

Damit kann man die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema richten. Und das eventuell auch als Marketingmittel benutzen. Gerade, wenn du diese Challenge startest.

Der #FF

Der #FF steht für „Follow Friday“. Das bedeutet, dass du jeden Freitag Leute empfehlen kannst, denen man, deiner Meinung nach, unbedingt folgen sollte. Dafür schreibst du den Hashtag #ff oder auch #FF und dann die Namen. Du kannst in einem Tweet die Namen aufführen, oder du schreibst zu jeder Person einen eigenen Tweet. Letzteres ist natürlich ein wenig anstrengender. Aber auch persönlicher.

Retweet

Wenn dir ein Tweet gefällt, ist es völlig in Ordnung, wenn du den Retweetest, also auf deiner Timeline teilst. Das werden sicherlich auch andere mit deinen Tweets machen. Das ist der Reiz von Twitter.

Gerade dann, wenn jemand um #Followerpower bittet, kannst du gerne den Tweet teilen. Unter diesem Hashtag wird gebeten, dass so viele wie möglich den Tweet sehen, damit irgendjemand helfen kann. Auch ohne der Person zu folgen.

Manchmal ist es auch gut, wenn du einen Tweet nicht nur teilst, sondern auch einen Kommentar dazu schreibst. Damit erklärst du deinen Followern, warum du diesen geteilt hast. Entweder mit einem direkten Kommentar, was du dazu denkst. Oder mit einer Bitte bzw. Aufforderung, etwas zu tun oder zu lassen. Und das zu jedem Thema.

Eigene Hashtags „erfinden“

Es kann eine gute Idee sein, dass du eigene Hashtags schreibst. Zum Beispiel der Titel deines Buches. Oder du hast ein Anliegen und möchtest das verdeutlichen. Dafür kannst du dann einen eigenen Hashtag verwenden, der dann hoffentlich seine Runde macht.

Kleiner Tipp: Wenn dein Hashtag aus zwei oder mehr Wörtern besteht, kann das unleserlich werden. Daher empfiehlt es sich, einzelne Wörter groß zu schreiben. Selbst dann, wenn es eigentlich klein geschrieben werden sollte. Beispiel: #WirsindToll

Sag auch einfach Mal danke schön

Wenn uns im realen Leben jemand einen Gefallen tut, sagen wir einfach mal danke. Im Internet ist das eher seltener der Fall. Daher habe ich es mir selbst Folgendes angewöhnt: Jedes Mal, wenn jemand einen meiner Beiträge teilt, sage ich danke schön. Das kostet Sekunden und zeigt deine Wertschätzung, dass jemand meinen Beitrag gefallen hat. Oder zumindest Werbung gemacht hat.

Auch beim Folgen danken?

Da bin ich mir, ehrlich gesagt, nicht so sicher, ob ich das auch machen soll. Eigentlich gehört es sich ja. Doch ich weiß nicht, ob sie mir folgen oder nur auf mein Like aus sind. Also, ob sie darauf warten, dass ich deren Accounts zurückverfolge. Daher habe ich das bisher gelassen.

Wichtig ist jedoch, es sollte nicht ein automatischer Tweet sein. Entweder du schreibst es persönlich, oder lässt es. Denn viele finden diese automatischen Tweets oder direkte Nachrichten nicht angenehm.

Abschlussgedanken

Natürlich ist das nicht alles, was man zum Thema Twitter schreiben kann. Meine Empfehlung: Fang einfach an. Registriere dich und probiere dich aus. Du wirst sehen, ob es dir zusagt oder nicht. Wenn nicht, deinen Account kannst du immer noch löschen.

Du hast noch Fragen? Frag in deiner Community nach. Und auch wir vom Nornennetzwerk helfen dir gerne weiter. Wenn du uns live treffen möchtest: Wir sind demnächst auf der Leipziger Buchmesse 2019 zu finden (Hashtag #lbm19 und #NNLBM).

In diesem Sinne: Viel Spaß auf der Leipziger Buchmesse und überhaupt auf allen zukünftigen Buch-Events – und falls ihr mich treffen wollt, schaut doch einfach auf gut Glück beim Nornennetz-Stand (Standnummer K309 in Halle 2) vorbei!

Schreibtipp: Entwicklung von Fantasynamen (Eleonore Laubenstein)

Vor einem Jahr las mein Freund ein Buch. Das an sich ist keineswegs etwas Ungewöhnliches, da er viel und auch gerne liest, aber dieses eine Buch ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben.

Nicht, weil er mir viel davon erzählte oder weil es ein gutes Buch war (ich weiß nicht einmal mehr den Titel), sondern weil ich beim Durchblättern auf etwas stieß, was mich stutzig werden ließ.

Natürlich bin ich neugierig, was mein Freund so liest, und höre auch gerne zu, wenn er mir darüber erzählt. Es klang auch wirklich sehr interessant („Joah, ist halt ganz spannend geschrieben und so.“) und die Welt, in der sie spielte, übte auf mich eine unerklärliche Faszination aus („Naja, so ein bisschen wie Herr der Ringe, aber anders.“), weshalb ich schließlich auch reinlas.

Das erste, was mir auffiel, waren die Namen.

Namen sind eines der größten Herausforderungen eines jeden Autors. Wir sitzen teilweise nicht nur stunden- sondern auch tagelang an dem Namen eines einzelnen Charakters, eines magischen Artefakts, eines Ortes, etc. Wir recherchieren in obskuren Datenbanken, scrollen uns durch kilometerlange Listen von Babynamen auf der Suche nach Dem Einen, sie zu knechten, sie alle zu … naja. Ihr wisst schon.

Ich als Autorin kenne das Problem nur zu gut.

Weshalb ich auch immer ganz fasziniert davon bin, was andere Autoren sich so für Namen ausdenken, was sie sich wohlmöglich dabei gedacht haben, was die Bedeutung dieser Namen sind, und ich mir niemals anmaßen würde, einen Leidensgenossen zu kritisieren.

Aber in diesem Fall konnte mein innerer Linguist einfach nicht die Klappe halten.

„Was genau haben die ganzen Diakritika auf den Buchstaben für eine Bedeutung?“, fragte ich also meinen Freund.

„Äh“, kam die aufschlussreiche Antwort. „Was genau meinst du?“

„Naja, guck“, sagte ich und deutete auf den Namen, der aus sieben Buchstaben und drei verschiedenen Akzentzeichen, die jedem Französischlerner bekannt sein dürften, bestand. „Und das hier.“ Ein weiteres Wort, das jetzt zusätzlich noch zwei weitere Diakritika aufwies, die man sonst eher in der Umschrift für chinesische Sprachen kennt.

„Wie meinst du das jetzt?“, fragte also mein Freund, der so mit Sprache nichts am Hut hat.

„Naja“, sagte ich erneut und setzte jetzt mein Also-ich-erkläre-dir-das-mal-Gesicht auf, „diese Diakritika müssen ja irgendeine Funktion haben. Markieren die vielleicht Töne? Oder Nasalität? Einen Langvokal?“

„Ich glaube“, sagte mein Freund gedehnt, „die sollen einfach nur gut aussehen …“

Ich holte tief Luft.

Bevor ich euch an dieser Stelle mit dem gleichen Vortrag in den Wahnsinn treibe, mit dem ich meinem Freund das Buch ruiniert habe, hier nur die Kurzversion dessen, was ich an diesem Abend realisiert hatte:

Die Logik von Sprache, die Funktion von Schrift und Schriftzeichen, sind denjenigen, die wohl am meisten mit ihnen konfrontiert werden, kaum bekannt.

Damit meine ich jedoch nicht, dass Autoren keine Ahnung von Grammatik haben (und wenn, dann haben sie gute Lektoren), sondern viel mehr, dass die Regeln von Sprache weit über unsere Schulgrammatikkenntnisse hinausreichen.

Keine existierende und mir bekannte Sprache verwendet beispielsweise Diakritika, ohne dass sie eine Funktion haben oder zumindest hatten. Sprache ist effektiv, Schriftsprache noch viel mehr, weil sie von Menschenhand geschaffen wurde, um möglichst logisch die gesprochene Sprache auf irgendeine Weise aufschreiben zu können. Warum also Zeichen dazuerfinden, die gar keine Funktion besitzen?

Mir als Linguistin fällt es auf, wenn sich ein Fantasyautor wirklich Gedanken darüber gemacht hat, ob ein System hinter den Diakritika und exotisch aussehenden Buchstabenkombinationen steckt, oder eben nicht.

Da kann die Welt noch so ausgetüftelt sein, ich bin draußen. Mir kann sie nicht mehr glaubhaft verkauft werden.

Dabei war nun eigentlich das genaue Gegenteil gewünscht. Als Autor versuche ich ja, irgendetwas zu entwickeln, was den Eindruck erweckt, dass diese Welt, die ich erfunden habe, auch realistisch ist.

Der Autor dieses spezifischen Buches hatte auch den richtigen Ansatz: Um dem Leser am besten zu vermitteln, dass es hier um eine neue, unbekannte und komplett andersartige Welt und Kultur geht, erfindet man eine eigene, neue Sprache. Tolkien hat es vorgemacht, jetzt hat jede Fantasywelt, jedes Sci-Fi Universum mindestens eine eigene Kunstsprache, von Linguisten entwickelt, um dem Leser oder Zuschauer ganz deutlich klarzumachen, dass wir es hier mit einer Kultur zu tun haben, die wir nicht kennen. Die andersartig ist.

Aber wie genau macht man so etwas, vor allem, wenn man keinen Linguisten zur Hand hat?

Also beschloss ich, auf meinem kleinen Winzblog einen Beitrag zu schreiben, eine Art Leitfaden für die Entwicklung einer Mini-Kunstsprache, bestehend aus vielleicht zwanzig, dreißig Wörtern, auf deren Basis man eine eigene, komplett neue Kultur entstehen lassen könnte.

Dass dieser Beitrag zu meinem zweitmeist angeklickten Beitrag werden sollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

Ich jedenfalls hatte etwas gefunden, worüber ich gerne bloggte. Nach mehreren Monaten, in denen ich mich mehr oder weniger geweigert hatte, zu bloggen, weil ich auch einfach nicht der Typ bin, der zu jedem gelesenen Buch eine Rezension verfasst oder einfach aus dem Alltag plaudert, merkte ich plötzlich, wie viel Spaß ich daran hatte, über Aufbau und Entwicklung von Fantasywelten und -sprachen zu sprechen. Die Dinge anzusprechen, über die man eigentlich nie nachdenkt, wenn man eine neue Kultur erfindet, die aber relevant genug sind, um Sprache aktiv zu beeinflussen: Infrastruktur, Religion, soziale Unterschiede und Legenden – all die Dinge, von denen wir gar nicht bemerken, wie stark sie unser Vokabular und unsere Ausdrucksweise verändert haben, weil wir sie als selbstverständlich annehmen.

Dabei ist doch alles, was ein Autor nutzt, reine Sprache.

Wir nutzen Sprache, um in den Köpfen unserer Leser Welten entstehen zu lassen. Wir nutzen Sprache, um Emotionen und Bilder hervorzurufen und sie zu manipulieren. Wir sind Meister darin, uns die Sprache für unsere eigenen Zwecke zunutze zu machen. Sie schenkt uns die Möglichkeit, uns auszudrücken und unsere Gedanken mit den Menschen um uns herum zu teilen. Sie hilft uns, unsere Bücher zu schreiben und sie realistisch klingen zu lassen.

Vielleicht sollten wir uns bemühen, sie genauso realistisch in unsere eigenen Welten einzubauen …

13.12 – Heute back ich, morgen brau ich … – Rezension (Diandra Linnemann)

Koch-Erlebnis: Heute back ich, morgen brau ich … Eine kulinarische Märchenreise (Anna und Annie Pavlowitch)

Es war einmal … ein Plan. So fangen nicht nur die Märchen an, sondern auch mein Koch-Erlebnis. Eigentlich wollte ich bei der Buchbesprechung von „Heute back ich, morgen brau ich“ alles richtig machen und ein opulentes mehrgängiges Mahl auf den Tisch bringen. Mit Deko, versteht sich. Jedoch kam, wie im Märchen, alles anders als geplant. Sozusagen märchenhaft Kochen unter erschwerten Bedingungen.

Kocherlebnis mit Anna & Annie Pavlowitch

Aber zuerst zum Buch: „Heute back ich, morgen brau ich“ ist ein Kochbüchlein. Es passt in die meisten Handtaschen. Das bedeutet aber nicht, dass es schlecht ist! Auf knapp hundertsechzig Seiten findet man kleine Geschichtchen, Deko- und Menütipps und mehr als fünfzig Rezepte für jeden Geschmack. Es stand bereits eine ganze Weile in meiner Sammlung, aber die Gelegenheit, über Märchen zu schreiben, ohne selbst zur Märchentante zu werden, wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Kurbissuppe

Anna & Annie Pavlowitch sind ein Mutter-Tochter-Gespann, das sich bei diesem Buch zum Ziel gesetzt hatte, mit einfachen Mitteln zauberhafte Gerichte zu kreieren. Und das ist auch gelungen. Die meisten Rezepte kommen mit Zutaten aus, wie man sie in jedem Supermarkt bekommt, und sind innerhalb kurzer Zeit nachgekocht – auch wenn man nicht viel Erfahrung in der Küche hat.

Socca: Kichererbsen-Pfannkuchen

Tja, statt meines Sonntags-Mahls wurden es schließlich mehrere einzelne Mahlzeiten mit märchenhaften Elementen: Kichererbsen-Pfannkuchen (Socca), Hähnchen-Taler mit gewürzter Panade, Orangenschaumspeise, Kürbissuppe mit Maronen und die Mascarpone-Brie-Creme konnte ich ohne großen Aufwand innerhalb einer Woche ausprobieren. Das spricht vor allem für die Einfachheit der Rezepte – und mein Partner, der sich bei kulinarischen Experimenten mitunter ein wenig ziert, war voll des Lobes für die Speisen, die ich auf den Tisch zauberte!

Walnuss-Käsecreme

 

Übrigens gibt es nicht nur „ausgewachsene“ Rezepte, sondern auch kleine Appetit-Ideen zu allen Themenbereichen, die sich leicht umsetzen lassen.
Nach dieser Woche habe ich natürlich Blut geleckt und möchte noch diverse Rezepte nachkochen. Einige, wie die frittierten Zucchiniblüten oder der Sonnenwein, müssen noch auf die passende Jahreszeit warten, aber den Nusskuchen beispielsweise bringe ich die Tage einfach mal mit ins Büro. Wenn mich da unterwegs nur nicht der böse Wolf vom Weg abbringt … ^^

Orangenblutenwasser-Schaum

**Autorin des Beitrags ist Diandra Linnemann

Inspirierende Frauen in der Literatur (Patrizia K. Werner)

Inspirierende Schriftstellerinnen gibt es in jeder Generation. Sie hier alle zu beschreiben vermag ich** nicht, ohne diesen Artikel ins beinahe Unendliche zu sprengen. Umso schwerer viel mir die Auswahl, da jede dieser starken Frauen ihren eigenen interessanten wie auch sehr lehrreichen Werdegang erzählen kann.
In der Hoffnung, dass jeder von euch in der folgenden Auflistung mindestens eine Autorin findet, deren zuweilen beschwerlichen Wege sie dennoch (oder gerade deswegen) an ihre Ziele brachten, stelle ich euch nun 8 Schriftstellerinnen vor und was ihre Karrieren beflügelte.

Frauen, die schreiben – sie inspirieren uns immer wieder (Foto: Patrizia K. Werner)

Agatha Christie
„The secret of getting ahead is getting started.“

Als Apothekenhelferin im Kriegslazarett des ersten Weltkriegs und auf späteren Reisen, wie auch Exkursionen mit ihrem zweiten Ehemann, sammelte Agatha Christie (1890) eine unvorstellbare Menge an Eindrücken, die sie später in ihren Büchern einarbeitete. So verwundert es auch nicht, dass ihre erste Kriminalgeschichte, die 1921 herauskam, einen Giftmord behandelte, wobei ihr Wissen aus der Medizin ihr half. Mit „The Murder of Roger Ackroyd“ wurde sie zur berühmtesten Krimiautorin ihrer Zeit. Insgesamt verfasste sie in ihrer gesamten Schriftstellerlaufbahn 66 Romane, zahlreiche Kurzgeschichten sowie einige Bühnenstücke. Das charmanteste an Agatha Christie war, dass sie von sich selbst behauptete keine Schriftstellerin zu sein. Sie sei lediglich bemüht eine gute Ehefrau zu sein, die in ihrer Freizeit gerne schreibt.

Cornelia Funke
„Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.“

Cornelia Funkes (1958) Karriere als Kinder- und Jugendbuchautorin begann 1993 mit ihrem Roman „Die wilden Hühner“. Doch ihren internationalen Durchbruch erlangte sie im Jahre 2000 mit dem Buch „Herr der Diebe“. Dieser wurde zwei Jahre darauf auf den dringlichen Wunsch eines zweisprachig aufgewachsenen Mädchens namens „Clara“, die diese Geschichte mit ihren Schulfreundinnen in England teilen wollte, ins Englische übersetzt. Übersetzungen in 22 weiteren Sprachen und Erstplatzierungen auf Bestsellerlisten folgten. Es waren Cornelia Funkes Entschlossenheit und diese gewisse Portion von Glück, die ihr den Weg als deutsche Schriftstellerin zu internationalem Ruhm verhalfen.

Emily Brontë
„I wish I were a girl again, half-savage and hardy, and free.”

Mit “Sturmhöhe” eroberte Emily Brontë (1818) im Jahre 1847 die damalige Welt. Als arme Pfarrerstochter las sie jedes Buch und jede Zeitschrift, die sie kriegen konnte und begann bereits früh mit ihren Geschwistern Charlotte und Anne eigene Geschichten zu schreiben. Doch erst mit ihrem eigenen Roman versetzte sie die Welt in Erstaunen. Bis heute ist es das einzige eigene Buch, dass sie schrieb, da sie auf der Höhe ihrer Karriere mit dreißig Jahren verstarb. Noch heute ist Emily Brontë ein Paradebeispiel dafür, dass man auch mit den geringsten Mitteln seine Träume erreichen kann. Denn zu Anfang ihrer Schreibkarriere skizzierte sie mit ihren Geschwistern ihre gemeinsamen Geschichten auf allem, worauf sich schreiben ließ und das in winzig kleiner Handschrift, da Papier in der rauen Menge, die sie benötigten, für ihre Familie unerschwinglich war.

Jane Austen
“I declare after all there is no enjoyment like reading! How much sooner one tires of any thing than of a book! – When I have a house of my own, I shall be miserable if I have not an excellent library.”

Jane Austen (1775) wuchs in einer Zeit auf, in der die Stellung als Frau in Frage gestellt wurde. Zwar führten Auswirkungen der französischen Revolution zu emanzipiertem Denken, doch bot es kaum Vorteile für die junge Jane Austen, die wie jede Frau in ihrer Stellung als Ehe- und Hausfrau unterrichtet wurde. Da sich ihre Familie zudem keine hohe Mitgift für ihre jüngste Tochter leisten konnten, blieb sie zudem unverheiratet. Von ihrer Gesellschaft in eine bestimmte Rolle gesteckt, zeigte sie jedoch früh eine außerordentliche Begabung für Beobachtungen. Diese gewonnen Erkenntnisse verarbeitete sie mithilfe ihres Schreibtalents in Geschichten wie „Stolz und Vorurteile“, womit sie der damaligen Gesellschaft mit Humor und Satire einen Spiegel vorhielt. Damit zeigte Jane Austen klar und deutlich, dass sie sich nicht einmal durch ihre vorgegebene gesellschaftliche Rolle von ihrem Drang zu schreiben abbringen ließ.

Joanne K. Rowling
“I’m a writer, and I will write what I want to write.”

Als Joanne K. Rowling (1965) begann die Bücher zu den Abenteuern von „Harry Potter“ zu schreiben, befand sie sich kurz vor dem Tiefpunkt ihres Lebens. Ihre Mutter verstarb mit 45 Jahren, drei Jahre darauf folgte die Trennung von ihrem damaligen Ehemann und auf einmal stand sie als junge, alleinerziehende Mutter ohne Einkommen dar. Sie war dermaßen verzweifelt, dass sie offen zugibt von Selbstmordgedanken heimgesucht worden zu sein. Doch ihre Idee von einer Geschichte, die die Welt im Sturm erobern sollte, gab ihr neue Kraft und so begann sie sie weiter zu entwickeln. Obwohl Rowling das Talent zum Schreiben schon früh mitbrachte und so bereits in ihrer Kindheit ihre Geschwister mit ihren Geschichten verzauberte, entschied sie sich dennoch Lehrerin zu werden. Dass ihr einst ihre Fantasie aus ihrer schlimmsten Phase verhelfen würde, hätte sie jedoch niemals für möglich gehalten. Umso deutlicher zeigt ihr Werdegang, dass man seine Träume niemals aufgeben sollte.

Autoren Urlaub

Joy Fielding
„Give a hundred writers the same idea and you’ll get a hundred different stories.“

Auch Joy Fielding (1945) schöpfte nach einigen Enttäuschungen neue Kraft und neuen Mut aus ihren Romanideen. Als es mit ihrer Karriere als Schauspielerin nicht klappen wollte und sich auch privater Frust einstellte, entschied die Absolventin in Englischer Literatur sich ihrem alten Hobby aus ihrer Kindheit zu widmen. Tatsächlich brachten ihre ersten Bücher nicht den erhofften Erfolg mit sich und sie arbeitete nebenbei als Werbedarstellerin. Trotzdem gab sie nicht auf und zeigte damit, dass sich Hartnäckigkeit, Geduld und Fleiß auszahlen und so gelang ihr 1991 der Durchbruch mit dem Thriller „Lauf, Jane, lauf!“. Es folgten zahlreiche weitere internationale Bestseller.

Mary Shelley
“Invention, it must be humbly admitted, does not consist in creating out of void, but out of chaos.”

Mary Shelley (1797) war eine emanzipierte Frau, die genau wie Jane Austen unter der gesellschaftlichen Rolle der Frau aufwuchs. Jedoch kritisierte sie diese Rolle nicht in ihren Büchern, sondern brach aus ihnen heraus. Sie verliebte sich in einen älteren, verheirateten Mann und zeugte uneheliche Kinder mit ihm, was zur damaligen Zeit den Ausschluss aus der Gesellschaft zur Folge hatte. Daraufhin reiste sie mit ihrer Familie durch ganz Europa und schrieb an ihren Romanen. Inspiriert hatte sie dazu ihr Ehemann, der selbst ein Dichter war. Mit „Frankenstein“ schrieb sie 1818 das meist adaptierteste Werk und eröffnete damit neue Wege für kommende Gruselgeschichten. Mary Shelley ist ein außerordentliches Vorbild für eine Autorin, die keine Grenzen kennt. Unerschütterlich hielt sie an ihren eigenen Wertvorstellungen fest und ging stolz ihren eigenen Weg. Dieser Mut zahlte sich mit Weltruhm aus.

Stephenie Meyer
“Sometimes ideas feel like they were already there, and that you’re just discovering them.“

Weltbekannt wurde Stephenie Meyer (1973) mit ihrer Buchserie „Twilight“, zu dem der erste Band 2005 erschien. Obwohl diese Fantasy-Reihe viel Anklang fand und wie schon die aus der Feder von Joanne K. Rowling veröffentlichte Buchserie „Harry Potter“ verfilmt wurde, erfährt die streng gläubige Mormonin sehr viel Kritik für ihr Werk. Nichtdestotrotz hielt sie das nicht davon ab, weitere Romane zu veröffentlichen und bewies damit, dass sie sich von den Kritikern nicht ihren Traum zu Schreiben und zu Schaffen nehmen lässt. Damit beweist sie welch dickes Fell man sich wachsen lassen kann und dass bloße Worte einen nicht aufhalten können.

Was ich beim Schreiben dieses Artikels gelernt habe, war, dass keiner Schriftstellerin der Erfolg einfach in den Schoss gefallen war. Nicht eine von ihnen hat mit bloßem Talent ihre Geschichten zum weltweiten Ruhm bringen können. Es gehört stets eine ungeheure Menge an Fleiß, Geduld und Hartnäckigkeit dazu. Selbst Mary Shelley, die mit ihrer ersten Geschichte „Frankenstein“ so bekannt wurde, dass sie sich hätte theoretisch zurücklehnen können, musste danach noch viel weitere Romane schreiben, da die Einnahmen von nur einem Roman nicht reichten. Schreiben ist ein Handwerk und genau wie jeder Tischler, muss auch jeder Schriftsteller, unentwegt weiter produzieren, wenn er davon leben will. Es gibt nur eine sehr geringe Anzahl von Schriftstellern, die sich wie Joanne K. Rowling nach ihrer ersten Buchserie ausruhen könnten. Aber man sollte hierbei auch bedenken, wie viele Steine Rowling in den Weg gelegt wurden, bevor sie dieses Ziel erreichte. Von Beginn ihrer Idee bis zur Veröffentlichung ihres ersten Bands vergingen 6 lange Jahre und unzählige Absagen von Verlegen, ehe einer von ihnen anbiss. Nicht aufzugeben, auch wenn es mal schwer wird, ist meiner Meinung nach am Schwersten. Doch diese Frauen in der Liste oben geben mir (und ich hoffe auch euch) Hoffnung, dass es sich auszahlt einfach weiterzumachen und keinen Weg unversucht zu lassen, bis man seinen eigenen gefunden hat.

**Autorin des Beitrags ist Patrizia K. Werner

Mach nicht Geschlechter, mach Charaktere! (Nora Bendzko)

[Neuauflage fürs Nornennetz]

(Grafik: Wikimedialimages von pixabay.com)

Ursprünglich ist dieser Artikel am 26.08.2016 auf dem ehemaligen Blog »schreibkasten« von Norne Holly Miles erschienen. Inzwischen ist sie über blog.frau-schreibseele.de aktiv. Bis auf ein paar kosmetische Änderungen, wie Rechtschreibfehler, Löschung von Wiederholungen und ähnlichem ist dieser Artikel genauso auf ihrem Blog veröffentlicht worden.

Gestatten, Nora Bendzko – ich habe die Ehre, heute für das Nornennetz zu philosophieren. Ich zähle zur fraulichen Seite des Universums, wie man an meinem Namen vielleicht erahnt. Da ich eine Autorin bin, die nie Abwechslung genug bekommen kann, habe ich nicht nur Protagonistinnen, sondern erzähle auch aus Männersicht. Ganz so, wie es viele andere Schreiberlinge tun.
Tatsächlich bin ich aber auch der Riege begegnet, für die der Sprung in den Kopf des „anderen“ Geschlechts ein großes Thema ist. Stichwort:

Gender-Marketing.

Wie schreibe ich Mann und Frau in einem Männer- bzw. Frauenbuch und umgekehrt? Solche und ähnliche Fragen sind in der Literaturwelt nicht selten, insbesondere bei romantischen und erotischen Titeln. Erotik aus Frauensicht, aber vom Autor geschrieben? Gay Romance von der Autorin? Und vergessen wir nicht geschlechterexklusiven Kategorien wie den Begriff der „Frauenliteratur“.
Ist das schon für manche ein Streitfeld, so ist ein noch größeres: Wie mache ich Geschlecht?

Diesbezüglich hat sich mir eine Diskussion in einem Schreibforum eingeprägt. Dort wollte ein Autor erstmals ein Buch für Frauen schreiben und fragte, inwiefern sich Frauen- von Männersprache unterscheidet. Was zeigte, wie sehr Lesern und Autoren eine binäre Vorstellung der Geschlechter einprogrammiert ist. Nicht theoriebasierte Annahmen wie „Frauen reden mehr“ und „Männer sind einfacher gestrickt“ wurden schnell während der Diskussion in den Raum geworfen.
Entsprechend einfach scheint die Frage zu beantworten: Wie mache ich Geschlecht? Ganz klar, ich orientiere mich am klassischen Rollenbild … oder?
Meine Antwort dazu ist: Jein. So simpel ist das nicht.

Im Folgenden werde ich erläutern, warum diese Rollenbilder eine fiese Schreibfalle sein können, und inwiefern die Geschlechterfrage von dem ablenken kann, was zur Standardarbeit von Profiautoren gehören sollte: Charaktere schaffen!

Kurze Einführung: Zu Gender, Sex und Gender-Marketing

Ich werde mich in diesem Artikel, wann immer ich „Geschlecht“ schreibe, auf die literaturwissenschaftliche Bedeutung von „Gender“ nach Judith Butler beziehen. Diese teilt „Geschlecht“ wie folgt ein:

Gender = Geschlechtsidentität (mental & sozial)
Sex = angeborene Geschlechterorgane (körperlich)

Trotz einem großen Zuwachs an LGBTQ+-Literatur und dessen steigender Nachfrage herrscht in der deutschen Literaturlandschaft das Bild des „klassischen“ Frauenkörpers mit „klassischer“ Frauenidentität vor (auf Männer übertragbar). „Klassisch“ beziehe ich auf die mentalen und körperlichen Geschlechtszuschreibungen, wie sie im 18. Jahrhundert mit dem Vater-Mutter-Kind-Modell eingeführt wurden.
Zuschreibungen, die für das sogenannte Gender-Marketing von großer Relevanz sind. Denn dieses geht von eklatanten Bedürfnisunterschieden zwischen den Geschlechtern aus, wie sie von den Erwartungen der Gesellschaft geschaffen werden. Produkte dieses Marketings sehen wir täglich ums uns: Die Trennung von Jungen- und Mädchenspielzeug in Blau und Rosa, Bikini-Models in der Axe-Werbung, oder das neue Grillbuch für „echte Männer“. So viele dieser Produkte erfolgreich verkauft werden, so viele erhalten auch Kritik.

Zwei Beispiele aus dem künstlerischen Betrieb, die beide Extreme darstellen: Gender-Marketing, das funktioniert hat, und Gender-Marketing, das in die Hose ging.

Beispiel 1: Revolutionary Girl Utena

Revolutionary Girl Utena
(Quelle: Offizielles Preview-Bild von Hanabe-Entertainment)

Unschwer zu erraten, an wen sich dieses DVD-Cover richtet, oder? Die Akzente sind mit den pinken Farben, den schönen Mädchen, dem Ballkleid und dem Schloss eindeutig gesetzt. Wer sich mit Animés auskennt, wird die langgliedrigen Figuren dem „Shoujo“-Genre zuordnen können, den Animés für Mädchen und junge Frauen.
Gerne hätte ich ein Buch vorgestellt, aber „Revolutionary Girl Utena“ (jap. „Shoujo Kakumei Utena“) ist so ein exzeptionelles Beispiel, dass ich es einfach nicht vorenthalten kann. Tatsächlich handelt es sich um einen Animé für heranwachsende Frauen.
Mit den pinken Haaren der Protagonistin, den Rosen, gut aussehenden Prinzen und unzähligen Märchenmetaphern ist „Revolutionary Girl Utena“ fast beleidigend klischeebeladen. Und doch ist die Serie nicht als Trash-Titel berühmt geworden. Tatsächlich ist diese Märchenwelt, wie sie pinker und heiler nicht sein könnte, eine Fassade, unter der Themen wie Missbrauch, Inzest, Vergewaltigung, Homosexualität, patriarchalische Gewalt und Todessehnsucht brodeln. So subtil und surreal verarbeitet, dass jüngere Zuschauerinnen nicht davon geschockt werden, sondern sich nur an den mädchenhaften Elementen erfreuen. Und rückblickend, als Erwachsene, eine tiefe Botschaft für sich entdecken können. Die Serie zeigt insbesondere Empathie für japanische Frauen, die durch ihre Geschlechterrolle unterdrückt werden, und wie man aus dieser Rolle ausbrechen kann, ohne die eigene Weiblichkeit einzubüßen.
Regisseur Kunihiko Ikuhara – ja, ein Mann – hat sein Zielpublikum eindeutig verstanden. Entsprechend erfolgreich war „Revolutionary Girl Utena“.

Beispiel 2: Die inneren Werte von Tanjas BH

Die inneren Werte von Tanjas BH
(Quelle: Offizielle Facebook-Seite vom Oetinger Verlag)

Das Bild zeigt ein Werbeplakat des Jugendromans „Die inneren Werte von Tanjas BH“, das auch als Poster dem Buch beilag. Die Autorin Jutta Wilke veröffentlichte es unter dem Pseudonym „Alex Haas“ im renommierten Oetinger Verlag. Wie bei „Revolutionary Girl Utena“ wurden hier Teenager und junge Erwachsene als Zielgruppe angepeilt, diesmal Jungen.
Kaum wurde das Werbeplakat online und in Schulen ausgestellt, wurde Oetinger mit einem gewaltigen Shitstorm konfrontiert. Der Grund? Das Plakat wurde von Mädchen und Eltern als sexistisch empfunden. Die Kontraste auf dem Plakat sind eindeutig: Wo der Junge ein „Superhirn“ besitzt, hat das Mädchen einen „Hohlraum“, und so weiter.
Laut Oetinger hat man versucht, auf ironische Art eine „authentische“ Weltsicht des pubertären Hauptcharakters wiederzugeben, für den Mädchen noch eine fremde Welt sind. Nur wurde eine Sache nicht beachtet: Das Plakat ist nicht nur geschlechter-exkludierend, sondern auch geschlechter-bewertend. Eine solche Werbung ohne Kontext in einem geschlechterübergreifenden Raum aufzuhängen – der Schule – kann nur auf Empörung stoßen. Der Verlag verteidigte die Werbeaktion mit Argumenten wie „so denken junge Männer eben“. Darüber kann man streiten. Worüber man nicht streiten kann, ist die Tatsache, dass die Werbeaktion nach hinten losging.

Was bedeutet das für mich als Autor*in?

Wie man an diesen Beispielen sieht, kann Gender-Marketing sehr unterschiedlich ankommen. Nehmen wir an, du als Autor*in begibst dich auf dieses Gebiet. Ich denke, du wünschst dir, dass dein Buch gut ankommt und nicht wegen einer politischen Unkorrektheit verrissen wird, die du nicht angestrebt hast? In diesem Fall hätte ich ein paar Tipps für dich!

Bewerte das Geschlecht nicht über

Wenn wir Schreibende etwas Neues ausprobieren, tendieren wir in der Regel dazu, zu übertreiben. Ich erinnere mich an meine Babyschritte in Sachen Erotik – grauenvoll ist noch untertrieben! Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass wir blockiert sind, wenn wir zum ersten Mal in einer ungewohnten Geschlechterperspektive schreiben.
Das absolute No-Go: die reine Klischee-Reproduktion. Insbesondere, wenn es nicht nur einzige Figur, sondern die ganze Geschlechtergruppe im gesamten Buch betrifft. Wir würden ja auch nicht haarklein jedes Klischee in eine Liebesgeschichte, einen Krimi oder Science-Fiction packen. Sicher, es sind genug nostalgische Akzente für den Vielleser gesetzt, aber dann braucht der doch ein bisschen mehr, damit die Geschichte nicht platt auf ihn wirkt.
Und da mischen Charaktere besonders mit, fern vom reinen Klischee – Geschlecht eingeschlossen.
Einige werden sich hier denken: „Aber es ist doch witzig, wenn mit Klischees gespielt wird.“ Ja, und ob! Um mit Klischees spielen zu können, muss man aber enormes Wissen über sie verfügen, sowie die Fähigkeit, sie humorvoll gegeneinander auszuspielen. Humor kann auch nur durch Kontraste stattfinden. Wo Klischee normalisiert wird, um eine ganze Gruppe zu definieren, wird ein lustiger Aha-Effekt beim Publikum ausbleiben. Ist dieses gelangweilt oder empört, nützt es nichts zu wettern, dass der eigene Witz nicht verstanden wurde – dann war man vielleicht einfach nicht witzig.

Ein Geschlecht ist nicht alle Geschlechter

Möchte man jenseits des Klischees schlau werden, kommt man um eines nicht herum: Recherche. Was bedeutet, nicht nur eine/n einzige/n Repräsentant/in einer Geschlechtergruppe zu fragen und zu glauben, so ticken alle Geschlechtsgenoss*innen.
Ich erinnere mich an eine Diskussion in einem Schreibforum, wo eine erotische Szene besprochen wurde. Dort verwöhnte die Frau die Brustwarzen des Mannes, worauf einige Autorinnen meinten: „Das solltest du streichen, mein Mann sagt immer, Männer mögen das überhaupt nicht!“ Und gleichzeitig tat sich ein anderes Lager auf: „Was, Blödsinn, mein Mann liebt das!“
An solchen und anderen Erfahrungen sieht man, dass allein schon Details der Sexualität sehr individuell sind. Entsprechend individuell sollte die Geschlechterdarstellung deiner Charaktere im Gesamten ausfallen. So machst du sie wesentlich realistischer.

Show, don’t tell!

Die Binsenweisheit aller Autor*innen gilt auch für Geschlecht. Schon Judith Butler stellte in „Gender Trouble“ fest, dass Geschlecht vornehmlich performativ ist. Soll heißen: Wir zeigen unsere Geschlechteridentität mit unserem Verhalten. So kann ein Mann „weiblich“ die Hüften schwingen oder ein Tomboy „männlich“ auf uns wirken, obwohl biologisch als Frau geboren. Das lässt sich eins zu eins auf Geschichten übertragen.
Mehr als einmal sind mir im Lektorat Phrasen untergekommen wie: „Er war die Definition von Männlichkeit.“ Was ein erstaunlich nichtssagender Satz ist. Wie gesagt, ist Geschlecht individuell, entsprechend auch die Vorstellung von Geschlechteridealen. Für den einen mag die „Definition von Männlichkeit“ ein braungebrannter, leidenschaftlicher Bodybuilder sein, für jemand anderen ein distanzierter Gothic mit langen Haaren und feinem Gesicht. Manche machen gar ihr Ideal nur an inneren Werten fest und finden keine Antwort auf die Frage, was äußerlich ihr Typ sei.
Also: definiere! Aus den individuellen Augen deiner Protagonist*innen, nicht mit der allgemeingültigen Stimme der Erzählinstanz. Und noch viel wichtiger als das Aussehen: Wie zeigt sich das Geschlecht deiner Charaktere in ihrem Verhalten? Damit meine ich nicht, dass gewisse Handlungen von der Erzählerstimme als „weiblich“ oder „männlich“ bewertet werden sollen. Schreib wertfrei. Dein Publikum kann das Verhalten deiner Charaktere sehr gut mit eigenen Vorstellungen abgleichen.

Gender-Marketing heißt nicht „Kampf der Geschlechter“

Das betrifft nicht nur die Binarität von Männern und Frauen, sondern auch Binaritäten wie Queer und Hetero, Gay versus Frauen, et cetera. Öfter kommen mir als Lektorin Texte unter, in denen verschiedene Geschlechter auftreten und sich ein Geschlecht als das „stärkere“ auftut (was längst nicht immer Männer sind), während andere Geschlechtertypen dem untergeordnet und denunziert werden. Es gibt auch Bücher, die explizit vom „Kampf der Geschlechter“ leben, wie humoristische Belletristik, in deren Zentrum die Gegensätze von Männern und Frauen stehen. Problematisch ist hier nicht, dass Differenz und Klischee Lacher hervorrufen, sondern wenn zwischen den Zeilen pauschalisierende Bewertungen stattfinden. Ein Beispiel dafür wäre frauenexkludierende Gay Romance, die Frauen nur als „die Anderen“ und Antagonistinnen auftreten lässt, aber nicht als „normale“ Charaktere.
Hier ist das Stichwort: Respekt. Für alle Seiten.
Das bedeutet nicht, dass alle Charaktere in einem Buch absolut korrekt geschrieben sein müssen. Im Gegenteil, ein sexistisches Aas kann ganz schön Wind in einen Plot bringen. Es sollte nur berücksichtigt werden, dass von Erzählerstimme oder Botschaft eine bestimmte Geschlechtergruppe nicht pauschal niedergemacht wird. Zumal diese Geschlechtergruppe Teil der eigenen Leserschaft sein kann.

Nicht an Schemata festhalten – Geschlecht ist veränderlich!

So, wie sich die Ideale der jeweiligen Geschlechterkörper durch die Jahrhunderte immer gewandelt haben, haben sich auch die Vorstellungen davon geändert, wie Mann und Frau sich zu verhalten haben – und tun es immer noch!
Früher waren Drachenkämpferinnen holde Maiden, die Babydrachen mit ihrer Lieblichkeit bezähmten. Heute köpft die erwachsene Alice den Drachen im Wunderland. Einst becircten sanftmütige Gentlemen mit adeligem Gemüt die Damenwelt. Nun sind die Bad Boys, bösen Rocker und Männer mit gebrochenen Herzen auf dem Vormarsch. Im 21. Jahrhundert gibt es von den traditionellsten bis zu den liberalsten Darstellungen hin alles an Extremen und Zwischenstationen. Entsprechend ist Gender-Marketing schwerer denn je, kritisierter als je zuvor.
Wirst du also mit beleidigten Leser*innen konfrontiert, haue ihre Kritik nicht mit dem Hammer nieder – rede mit ihnen! Denn sie sind deine beste Informationsquelle. Wenn du verschiedene Geschlechter und insbesondere Gender-Marketing machen willst, musst du wie bei allem anderen auf dem Buchmarkt immer up to date sein. Und manchmal musst du auch ins kalte Wasser springen und dich fragen: Was könnte morgen sein?
Vielleicht verlässt die Erotik ihre Schmuddelkiste und wird zur etablierten Literatur? Vielleicht wird Queer Romance das große neue Ding? Vielleicht haben alle die Schnauze voll von Dreiecksbeziehungen und warten auf den ersten großen Bestseller, in dem die Protagonistin sich für beide Männer entscheidet?

Probiere es aus!

Was immer du an neuer Perspektive oder Zielpublikum ausprobierst: Am Ende gibt es nur Try and Error mit deinen Charakteren. Lass dich gar nicht erst zu dem Gedanken verleiten, nicht eine „andere“ Darstellung auszuprobieren, weil sie nicht vorgekauten Geschlechterbildern entspricht. Lieber Kritik für interessante Charaktere als für uninteressante Geschlechterplakate bekommen – und daran wachsen!

SP oder Kleinverlag? (Diandra Linnemann)

Verstreute Überlegungen einer Autorin, die beides ausprobiert hat

Als Autorin hatte man es viele Jahre lang sehr, sehr schwer. Während es nämlich in Deutschland unzählige begeisterte und größtenteils auch talentierte Autoren und Autorinnen gibt, ist die Zahl der Programmplätze in den Verlagshäusern begrenzt. Wenn man sich die Angaben bekannter Verlage anschaut, landen auf deren Tischen pro Jahr mehrere tausend Manuskripte. Ein Beispiel: Der Oetinger Verlag veröffentlicht eigenen Angaben zufolge jährlich ungefähr 300 Kinderbücher, erhält allerdings im gleichen Zeitraum etwa 3.000 eingesandte Manuskripte. Und das sind, wenn ich richtig gelesen habe, schon recht gute Zahlen für Autoren.

Um als Autor veröffentlicht zu werden, brauchte man also bis vor wenigen Jahren sehr viel Talent, Durchhaltevermögen und vor allem: Glück. Man musste den richtigen Verlagsmenschen im richtigen Moment erwischen, um das eigene Manuskript wenigstens in die engere Auswahl für eine Veröffentlichung zu bringen.

Und plötzlich war Selfpublishing da.

Gut, genaugenommen hatte es das schon vorher gegeben: Niemand hätte einen Autor im zwanzigsten Jahrhundert daran hindern, einige hundert Bücher auf eigene Kosten drucken zu lassen und unter die Leute zu bringen. Aber diese Art von Kapital und Connections haben die wenigsten unter uns … ganz zu schweigen vom Lagerplatz für all die Bücher. Also war da zuerst das E-Book. Und dann das Self-Publishing. Plötzlich konnte jeder mit ein wenig Computererfahrung sein Buch ganz einfach der Öffentlichkeit präsentieren. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Na gut, nicht ganz. Konnte man am Anfang noch mit selbstgemaltem Cover sein Manuskript irgendwie den Leuten schmackhaft machen, wuchsen auch beim digitalen Selfpublishing die Hürden innerhalb kurzer Zeit – nicht in den Himmel, aber schon wenigstens auf Brusthöhe. Wer heute ein E-Book herunterlädt, erwartet ein professionelles Produkt. Die Leserin interessiert sich nicht dafür, ob ein Verlag dahintersteckt oder ob die Autorin alles selbstgemacht hat. Rechtschreibung, Stil, Cover, Leseerlebnis – alles soll möglichst hochwertig sein. Und da man als Autorin nicht notwendigerweise talentiert ist für Design, Buchsatz und Marketing, muss man wieder einige Dinge auslagern. Das kostet. Und man ist selbst dafür verantwortlich, dass alles rechtzeitig und gut erledigt wird. Die im Eigenverlag veröffentlichende Autorin ist nicht die Künstlerin im stillen Kämmerlein mit Internetzugang, sondern betreibt ein Business. Dafür hat nicht jeder die Nerven.

Was ist denn jetzt besser?

Weiter auf Glück beim Verlag zu hoffen – sich zunächst auf Kleinverlage zu konzentrieren? Oder doch lieber alles selbst machen, inklusive sämtlicher Risiken? Ich habe beides ausprobiert und möchte an dieser Stelle meine Erfahrungen teilen.

Seit 2013 verlege ich meine Magie hinter den sieben Bergen-Reihe. Ihr habt noch nie davon gehört? Dann teile ich damit das Los der meisten Autoren und verschwinde irgendwo in der breiten Masse. Ich mache alles selbst und verpflichte höchstens mal Freunde und Bekannte zum Testlesen. Ja, auch die Cover. Und grafisches Talent habe ich nicht gerade, ist mir selbst klar.

Cover Allerseelenkinder, © Diandra Linnemann, 2013

Als ich anfing, war das noch nicht so wild, und später wollte ich, dass die neun Cover der Reihe einheitlich bleiben. Anfang November erscheint der letzte Band, und danach werde ich mich wahrscheinlich von der Covergestaltung bis auf Weiteres verabschieden. Parallel dazu erscheint die Reihe, sobald sie komplett ist, auch in drei Sammelbänden. Für die habe ich mir die Unterstützung einer befreundeten Coverdesignerin gesichert. Man sieht den Unterschied, nicht wahr?

Cover „Magie hinter den sieben Bergen: Winter“, © Giusy Ame / Magicalcover.de, 2018

Außerdem konnte ich, nach einigen Kurzgeschichten, im Jahr 2017 endlich einen kompletten Roman in einem noch sehr frischen Kleinverlag veröffentlichen. Der Chaospony Verlag, gerade eben erst gegründet, verliebte sich in meine erste Fassung von Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes und zog das Abenteuer mit mir gemeinsam durch. Einschließlich professionell gestaltetem Cover, Lektorat, Korrektorat, Werbemaßnahmen, Messepräsenz etc.

Gut, und was war denn jetzt besser?

Um ehrlich zu sein … ich kann das gar nicht so genau sagen. Ich liebe die Arbeit mit dem Verlag. Lauter professionelle, begabte Leute, die – gerade, weil es ein Kleinverlag ist – mit Herzblut bei der Sache sind und ständig mit verrückten Ideen und Plänen um die Ecke kommen. Meine Lektorin war unglaublich engagiert und hat mich etliche Male zum Schimpfen und Fluchen gebracht – ehe ich ihre Anregungen umgesetzt hatte, denn sie sie hatte Recht.

Ich konnte während des kompletten Prozesses Ideen einbringen und erhielt Rückmeldung, und auch der Kontakt zu den anderen Autoren – da wir ja noch eine überschaubare Gruppe sind – ist nach wie vor vorhanden und gut. Die Chefin hat sogar als Goodie zu meinem Buch kleine Tentakel zum Anheften genäht, sind die nicht herzallerliebst?

Tentakel an der Tasche, © Diandra Linnemann, 2018

Allerdings muss man sich, wenn man bei einem Kleinverlag veröffentlicht, auch darüber im Klaren sein, dass es kein gigantisches Marketingbudget gibt, und Bestseller sind eher unwahrscheinlich. Viele Ideen scheitern aus Geld- und Zeitmangel, und es ist definitiv von Vorteil, wenn man selbst aktiv wirbt und sich um Dinge wie Lesungen etc. bemüht. (Ich vermute, das wäre für Anfängerautoren auch bei etablierten Verlagen nicht groß anders.)

Bei meinen Kurzgeschichten hatte ich über die Jahre auch die eine oder andere negative Erfahrung mit Kleinverlagen. In einem Fall erfuhr ich erst durch eine andere betroffene Autorin, dass eine Geschichte, die ich eingereicht und für die ich nie Rückmeldung erhalten hatte, tatsächlich in einer Anthologie veröffentlicht worden war. Ohne Vertrag, ohne Benachrichtigung, ohne irgendwas. Inzwischen hatte ich genau diese Geschichte als unveröffentlicht woanders angeboten und sie war auch genommen worden – glücklicherweise hatte dieser zweite Kleinverlag keine Probleme damit, so dass mir eine Menge Scherereien erspart blieben. Auf meine Rückfrage per E-Mail an den ersten Verlag, wie so etwas passieren konnte, erhielt ich nur eine patzige Antwort: Wenn man seine Geschichte einsende, erteile man automatisch die Einwilligung zur Veröffentlichung. Wahrscheinlich hätte ich dagegen vorgehen können, aber: Verschüttete Milch und so. Ich habe es als Erfahrung abgehakt und werde mit diesem Verlag einfach nicht mehr zusammenarbeiten. Professionalität ist eben nicht automatisch vorhanden, nur weil jemand gerne Bücher machen möchte. Das gilt für Verleger genauso wie für Autoren.

Apropos Professionalität

– in einem Kleinverlag hat man natürlich nur begrenztes Mitspracherecht bei der Auswahl von Lektorin, Korrektorin oder Coverdesignerin. Man muss darauf vertrauen, dass der Verlag trotz begrenztem Budget mit professionellen Leuten zusammenarbeitet. Bislang war meine Erfahrung dabei allerdings durchaus positiv.

Im Selfpublishing reizt mich vor allem die Möglichkeit, sehr spontan zu sein und alles allein entscheiden zu können. Wenn ich Lust habe, drei Bücher in einem Jahr zu veröffentlichen, hindert niemand mich daran – kein Verlagsprogramm mit begrenzten Plätzen, kein Stau bei der Lektorin, nicht einmal der gesunde Menschenverstand. Ich bestimmt die Titel selbst, suche die Cover aus und kann sämtliche Termine so legen, wie ich will.

Andererseits hält mich auch niemand davon ab, etwas Dummes zu tun.

Vor einigen Jahren hatte ich im November plötzlich eine Idee für eine Fantasygeschichte, die perfekt in die Weihnachtszeit passte. Ich schrieb sie wie im Fieber, polierte ein wenig und veröffentlichte sie nur wenige Wochen später. Und genau so sieht sie auch aus. Seit einer Ewigkeit dümpelt die Überarbeitung und Professionalisierung von Lilienschwester auf meiner To-do-Liste herum, denn die Geschichte ist nach wie vor gut … nur die Ausführung war stümperhaft. Wenigstens kann ich im Selfpublishing jederzeit hingehen und Verbesserungen vornehmen, wenn mir etwas auffällt. Der Schaden, den eine vorschnelle Veröffentlichung für meinen Ruf anrichtet, den kriege ich so leicht auch nicht wieder weg.

Und was mache ich mit zukünftigen Büchern? Tja, gute Frage … eine weitere Zusammenarbeit mit dem Chaospony kann ich mir gut vorstellen, falls sie weitere Bücher von mir haben wollen. Auch andere Klein- (und hoffentlich irgendwann Groß-) Verlage sind Möglichkeiten. Aber das Selfpublishing stärkt mir den Rücken – wenn mir die Konditionen nicht zusagen oder niemand mein Manuskript will, obwohl ich davon überzeugt bin, kann niemand mich davon abhalten, die Zügel wieder selbst in die Hand zu nehmen.

**Autorin des Beitrags ist Diandra Linnemann

Vom Buch zur Buchverfilmung (Felicity Green)

Wer hat es noch nicht erlebt?

Man ist ganz in ein Buch versunken und die Handlung läuft im Kopf ab wie ein Film. Man kann sich alles so richtig bildlich vorstellen, hat eine komplette 3-D-Version der Protagonistin erfunden, fantasiert Orte und Geschehnisse bis ins kleinste Detail herbei. Man hat schwarze Tinte auf Papier (oder e-ink auf dem Bildschirm), Buchstaben, Wörter, Sätze … Kraft seiner Gedanken in Bilder umgewandelt. Kopfkino, eben.

Da liegt doch nichts näher, dass man das Buch tatsächlich zu einem Film adaptiert. Es wäre doch ein Traum, das Ganze gemütlich in einem Kinosessel fläzend auf der riesigen Leinwand zu sehen, während man leckeres Popcorn in sich hineinschaufelt, oder?

Vom Kopfkino-Traum zur bitteren Enttäuschung

Welches Buch eignet sich überhaupt zum Film? (Photo by Chris Bair on Unsplash)

Tja, für die meisten Kopfkino-ler wird der Traum aber oft zum Alptraum. Das liegt nicht allein daran, dass der Regisseur leider nicht in unseren Kopf gucken konnte, um die Geschichte genauso bildlich umzusetzen wie wir uns das vorgestellt haben. Selbst wenn wir selber die Regie bei der Verfilmung geführt hätten, wären wir an der perfekten Umsetzung wahrscheinlich größtenteils gescheitert (ja, auch wenn wir ein so großes Budget wie Peter Jackson gehabt hätten).

Es liegt unter anderem daran, dass Buch und Film unterschiedliche Medien sind, die mit anderen dramaturgischen Voraussetzungen arbeiten. Im Film ist das Tempo ganz anders (das Buch können wir so lange lesen wie wir wollen und entsprechend lang dauert auch unser Kopfkino-Film) und im Buch gibt es ganz andere Möglichkeiten, das innere Leben der Figuren darzustellen als im Film.

Das sind nur ein paar Beispiele. Zusammengefasst kann man sagen, dass der Film eine Art Übersetzung des Buches in ein anderes Medium ist und das gelingt mal mehr, mal weniger gut, selbst wenn das Buch perfekt dafür erscheint. Ich** kann zum Beispiel daran erinnern, dass ich beim Lesen von Sakrileg – Der DaVinci Code von Dan Brown gedacht habe: „Ein literarisches Meisterwerk ist das nicht, aber, Mann, wäre das ein guter Film. Die Cliffhanger. Die Action, diese Quest-Erzählung. Und dazu noch Mythologie! Ich will das sehen.“

Als der Film endlich ins Kino kam, bin ich nach 10 Minuten entrüstet aufgestanden und bin gegangen. Der Ton, die Atmosphäre, die Darsteller, das Tempo … nichts hat für mich gepasst. Den Rest des Films habe ich bis heute noch nicht gesehen.

Ein Film ist ein Gemeinschaftsprojekt

Folgendes sollte man sich ins Bewusstsein rufen, wenn man Bücher mit Filmen vergleicht: Das Buch ist eine Eigenleistung des Autors. Klar, es gibt den Verlag, Lektoren, Beta-Leser und andere Leute, die zu dem Werk etwas zu sagen haben und die Entstehung beeinflussen. Aber im Großen und Ganzen ist es meist die kreative Schöpfung einer Person. Der Film aber ist eine Gemeinschaftsleistung. Viele, viele Menschen arbeiten daran. Natürlich wird dabei die Vision des Regisseurs umgesetzt – und der hat oft auch am Ende das letzte Sagen.

Doch das muss nicht heißen, dass das Endresultat komplett dieser Vision entspricht. Nicht umsonst gibt es den Director’s Cut. Der unterscheidet sich von der kommerziellen Version des Filmes dadurch, dass darin auch Szenen enthalten sind, gegen die sich der Geldgeber (Filmstudio, Produktionsfirma) entschieden hat, um dem Geschmack der Kinogänger (oder erst mal dem Testpublikum) gerecht zu werden. Der Regisseur ist im Grunde genommen so etwas wie der künstlerische Leiter eines riesigen kreativen Teams.

Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel. Richard Kelly, zum Beispiel, lag sein Donnie Darko-Script so sehr am Herzen, dass er sich auf keine Kompromisse einlassen wollte. Der bis dato unbekannte Kelly shoppte so lange bei Produzenten herum, bis ihm zugesagt wurde, selber Regie führen zu können. Schließlich setze er den Film mit einem sehr geringen Budget um, wobei er selber lediglich eine Gage von 9000 USD erhielt. Beinahe fand sich kein Verleih für den Film. (Quelle: IMDB)

Was muss eigentlich passieren, damit aus einem Buch eine Buchverfilmung wird? Und wer ist daran alles beteiligt?

Kein Alleingang: Ein Film ist ein Gemeinschaftsprojekt (Photo by lan deng on Unsplash)

Produzent und Filmstudio: Wenn am Anfang eines Buches ein kreativer Einfall steht, dann steht am Anfang der Buchverfilmung neben der Umsetzungsvision noch eins: Geld! Klar, denn ein Film ist nun einmal unheimlich teuer. Es muss erst einmal jemanden geben, der sich um die Investition kümmert. Besonders in Europa sind sogenannte Koproduktionen weit verbreitet, d.h. mehrere Filmproduktionsgesellschaften arbeiten zusammen. Der Produzent mit der größten Mehrheit darf natürlich dann am meisten entscheiden!

Traditionellerweise ist der Weg für Verlagsautoren wie folgt: Dein Literaturagent versucht das Buch bei einem Verlag unter Dach und Fach zu bringen, aber er kümmert sich auch noch um etwas anderes: Er fragt bei einer Agentur, die sich auf Film- und Fernsehrechte spezialisiert an, ob Interesse besteht. Genauso gut kann es sein, dass der Verlag versucht, die Filmrechte für ein Buch zu verkaufen. In jedem Fall ist dabei meist eine Rechteagentur involviert, die den richtigen Produzenten für den Filmstoff sucht. Gewünscht sind natürlich auch gute Verbindungen zu einem bestimmten Filmstudio oder Sender. Schließlich kauft der Produzent erst einmal eine Option auf das Buch. Damit kann er sich die Film-Verwertungsrechte für einen bestimmten Zeitraum sichern.

Für Selfpublisher ist das alles nicht ganz so einfach. Aber auch da gibt es Möglichkeiten. Der englischsprachige Verband ALLI (Alliance of Independent Authors) hat ein Buch für Indie-Autoren herausgegeben, die ihre Buchrechte verkaufen möchten. Dann gibt es noch PubMatch – eine Art Partnerbörse für internationale Rechte, auf der sich angeblich auch Filmproduzenten tummeln.

Wenn ein Produzent gefunden wurde, dann kümmert der sich erst einmal um die Finanzierung und  Organisatorisches. Ein Regisseur und alle weiteren Beteiligten müssen gefunden werden. Zum Beispiel:

Drehbuchautor:

Wird ein Buch adaptiert, ist der Drehbuchautor meist nicht der Buchautor! Ein Script ist schließlich etwas Anderes als ein Roman. Da setzen Produktionsfirmen auf erfahrene Profis. Manchmal dürfen die Romanautoren mitsprechen oder gar mitwerkeln, was aber noch zu mehr Unzufriedenheit führen kann. Wie im Fall von Roald Dahl, der am Drehbuch von Charlie und die Schokoladenfabrik mitwirkte, aber trotzdem nicht glücklich mit dem Film war. Ganz selten darf der Autor das Drehbuch schreiben, wie im Falle von Gillian Flynn (Gone Girl).

Locationscouts:

Die Drehorte werden von Locationscouts gefunden. Selbst wenn der Regisseur dann am Ende noch Entscheidungsgewalt hat – die Scouts treffen eine Vorauswahl. Ein gutes Beispiel dafür, wie beim Film mehrere Visionen zusammentreffen. Eine andere ist:

Casting:

Oft hat unsere Enttäuschung über eine Buchverfilmung damit zu tun, dass die Protagonistin oder der Protagonist mal so gar nicht unserer Vorstellung entsprechen. Beim Lesen des Buches haben wir mitgelitten, uns mitgefreut. Wir sahen die Figur von außen und von innen. Wir haben uns in sie hineinversetzt, ja, wir waren die Person! Kein Wunder, dass die Castingdirektoren meist nicht die Schauspieler finden, die wir uns vorgestellt haben. Oft ist sogar der Autor der Filmvorlage enttäuscht. Auf Pinterest kann man nachschauen, wie sich Lieblingsautoren ihre Protagonisten vorstellen, wie hier Sarah J. Maas, und manche pinnen dabei auch ihr „Dream-Cast“. Stephenie Meyers hatte sich laut IMDB konkret gewünscht, dass Henry Cavell die Rolle von Edward in Twilight übernimmt, und Emily Browning Bella spielt.

Nach jahrelangem Warten und Bangen endlich grünes Licht für den Film

Vor allem eines ist nöitg: viel Geduld (Photo by Charles Deluvio 🇵🇭🇨🇦 on Unsplash)

Und das sind alles lediglich Aspekte der Vorproduktion. Wenn all das unter Dach und Fach ist, alle Verträge ausgearbeitet sind und die Finanzierung steht, dann wird grünes Licht für die Dreharbeiten gegeben. Bis dahin hängt die tatsächliche Umsetzung noch in der Schwebe, weshalb gut 3 bis 5 Jahre vergehen können, bis eine Buchadaption umgesetzt wird – und weshalb man sich als Autor nicht zu früh freuen soll, nur weil ein Produzent eine Option erwirbt.

Während der Dreharbeiten gibt es natürlich noch viele weitere Visionen, die in die Umsetzung hineinspielen, angefangen von den Szenebildern bis zu den Kostümen. Einen entscheidenden Einfluss hat auch noch der Schnitt in der Postproduktion.

Ich bewundere Autoren, die es schaffen, sich an einer Adaption ihres Romans zu beteiligen und dann ein Film entsteht, der ihrer Vision und damit ihrem Buch sehr nahe kommt. Das ist doch ein Traum aller Autoren, oder nicht? Wenn ich die Chance bekäme, würde ich nicht zögern. (Liebe Filmproduzenten, ihr könnt mich unter felicitygreenauthor@hotmail.com erreichen).

Noch mehr bewundere ich die Autoren, die völlig zufrieden damit sind, wenn ihr „Buchstoff“ in einen etwas anderen „Filmstoff“ übersetzt wird. Ich bin ein großer Fan der Sookie Stackhouse-Reihe von Charlaine Harris. Ich schaue auch gerne die Serie True Blood, die auf der Buchreihe beruht. Buch und Serie unterscheiden sich sehr, haben fast schon eine unterschiedliche Tonalität, aber beide sind auf ihre eigene Weise sehr gut. Charlaine Harris findet das anscheinend auch 🙂 „Ja, ich bin sehr glücklich mit Alan Balls Inszenierung von True Blood.“

 

**Autorin des Beitrags ist Felicity Green