22.12 – Das Mädchen mit den Streichhölzern (Felicity Green)

Am Himmel zerplatzten immer wieder laut Sterne und fielen wie ein bunter Lichterregen herab. Nein, keine Sterne. Feuerwerk hatte Papa es genannt. Ich hielt den Blick nach oben gerichtet, obwohl mir schon der Nacken wehtat. Aber so musste ich nicht das Mädchen anschauen.
Mein Vater hatte mich fest in den Arm genommen, obwohl er dabei in die Hocke gehen musste, weil Papa so groß war und ich klein. Sonst sagte Papa dann immer, das Knie tat ihm weh. Er hielt mich, wegen der Kälte, und weil er mich trösten wollte. Wegen dem Mädchen.
„Wo bleiben die bloß?“, murmelte er in die Stille hinein. Die waren wohl die, mit denen er vorhin am Handy geredet hatte. Er hatte sich von mir weggedreht und leise geredet, aber ich hatte es trotzdem gehört.
„Kommen Sie schnell! Nein, das Mädchen ist nicht mehr zu retten. Schon ein paar Stunden tot, glaube ich … Sie ist, äh … ganz steif. Aber ich bin hier mit meiner kleinen Tochter. Ich weiß, wir müssen hier auf Sie warten, aber ich würde sie gerne so bald wie möglich hier wieder weg bringen … so ein Anblick … Nein, es gibt niemanden. Meine Mutter, bei der waren wir gerade Sylvester feiern, aber die ist nicht mehr gut zu Fuß … Keiner hier. Nur Geschäfte. Wir wollten durch die Gasse abkürzen, um schnell nach Hause … Ja, wir bleiben hier. Beeilen Sie sich, bitte.“
Jetzt mussten wir eben auf die warten.
„Holen sie das Mädchen ab, Papi?“
„Ja.“
„Bringen sie es heim, zu ihrer Familie?“
Ich schaute jetzt nicht mehr den Himmel, sondern Papa an und er sah traurig aus. „Ich weiß nicht, ob das Mädchen ein Zuhause hat, Maus. Aus irgendeinem Grund musste sie jedenfalls auf der Straße leben.“
Ich wagte einen schnellen Blick auf die nackten, ganz schmutzigen Füße, die unter der dünnen Decke hervorschauten. Wenn sie einen Papa gehabt hätte, dann hätte der geschimpft, dass sie die Füße waschen soll. „Aber wo bringen sie denn dann hin?“
Papa verzog das Gesicht. „Vergiss, was ich gesagt habe, Maus. Ich kann nicht klar denken. Natürlich hat sie eine Familie. Sie finden ihre Eltern und bringen sie zu ihr, ganz bestimmt.“
Obwohl Papa mich immer noch umarmte, wurde mir auf einmal eiskalt, als ich daran dachte, wie das Mädchen ganz allein hier gesessen hatte und vor lauter Frieren gestorben war. Ich zog die Nase hoch und als das nichts half, wischte ich mir mit dem Ärmel über das Gesicht. Papa schimpfte nicht, sondern streichelte meinen Rücken. Dann ließ er mich los, um mir ein Taschentuch zu geben.
„Papa, ihr war soooo kalt.“ Meine Stimme kam ganz heiser aus meinem Hals.
Mein Vater blickte zum Mädchen hinüber.
„Guck mal“, sagte er und zeigte auf etwas neben dem Mädchen. „Ich glaube, es war gar nicht so schlimm für sie. Ich glaube, sie hat die Kälte nicht gespürt. Sie hatte nämlich magische Streichhölzer.“
Ich schaute zu Papi hoch, dann zur Stelle, auf die er zeigte. Vorsichtig machte ich einen Schritt in die Richtung. Jetzt konnte ich sie erkennen. Drei Streichhölzer.
Papa nahm mich wieder in den Arm. „Siehst du, dass sie oben schwarz sind, und nicht rot, wie neue Streichhölzer? Das heißt, das Mädchen hat sie angezündet. Eins nach dem anderen. Und da es magische Streichhölzer waren, konnte sie in dem Licht der Flamme etwas sehen, was sie sich wünschte. Und es war für sie so real, als wäre es da. Bestimmt hat sie sich als erstes einen Kaminofen gewünscht. Da hat es sich angefühlt, als ob der Ofen direkt vor ihr stünde und sie hatte es schön warm.“
Ich runzelte die Stirn. „Das geht?“
Mein Vater nickte heftig. „Mit magischen Streichhölzern schon.“
„Und dann hat sie die Kälte nicht gespürt und es war nicht so schlimm“, sagte ich erleichtert. „Was sie sich wohl mit den anderen Streichhölzern gewünscht hat?“
„Hmmm. Sicher was zu essen. Wenn sie auf der Straße gelebt hat, dann hatte sie nicht viel und war vielleicht hungrig. Da hat sie das zweite Streichholz angezündet und hat einen Tisch voller Speisen gesehen. Und es hat sich so angefühlt, als ob sie sich den Magen mit den leckersten Sachen vollgeschlagen hat.“
„Bestimmt Gänsebraten mit Kartoffelknödeln.“ Die hatte es vorhin bei Oma gegeben und es hatte so lecker geschmeckt. „Und Kakao. Und Schokopudding!“, fiel mir ein.
Ein Tat-Tü-Ta-Ta kam immer näher und es wurde so laut, dass ich gar nicht mehr das Pfeifen und Knallen des Feuerwerks hörte, das jetzt am Himmel zerplatzte. Ganz viele rote und orange Lichter breiteten sich am Himmel aus. Für einen Moment war auch die Gasse, in der wir standen, rot erleuchtet. Und ich sah das Gesicht des Mädchens, das vorher im dunklen Schatten gelegen hatte. In dem Licht leuchtete das Mädchen rot und orange.
Sie sah aus, als ob sie schlief. Sie sah glücklich aus.
„Ich weiß, was das Mädchen mit dem letzten Streichholz gesehen hat, Papi.“
„Ja?“
„Sie hat sich gewünscht, dass ihre Mami vom Himmel kommt und sie abholt. Weißt du, von da oben, im Himmel, wo auch meine Mami ist? Ihre Mami kam auf einem Stern vom Himmel geflogen. Der hatte einen rot-orangenem Feuerstreifen, so schnell war der Stern. Und dann hat die Mami das Mädchen mitgenommen, mit zu sich in den Himmel.“
Mein Vater ging vor mir in die Hocke und nahm mein Gesicht in seine kalten Hände. Er lächelte, aber ein paar Tränen kamen aus seinen Augen. „Genau so war es.“
Ein paar Leute kamen in die Gasse und mein Vater richtete sich auf. „Ah, da sind sie endlich.“ Er wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht. Ich hielt ihm mein Taschentuch hin, aber er sah es nicht, sondern drehte sich den Leuten zu.
Ich glättete das zusammengeknüllte Taschentuch und ging schnell zu dem Mädchen. Ich versuchte ganz arg nicht die dreckigen Füße anzuschauen, als ich mich niederkniete. Vorsichtig hob ich die drei Streichhölzer auf und wickelte sie in das Taschentuch ein.
Dann steckte ich die magischen Streichhölzer in meine Jackentasche.

**Autorin des Beitrags ist Felicity Green

20.12 – Staub (Paula Roose)

109, 110 … 111? Nekrosus schüttelte die Phiole und setzte noch einmal an. Gebannt starrte er auf die Öffnung und ließ sie über seinem Gläschen schweben.
Nichts.
Das konnte nicht sein! Er brauchte 111 Tropfen. »Wenn du einen weniger nimmst, bist du Asche. Also verzähl dich nicht«, hatte Proelia gesagt.
Er hatte sich nicht verzählt. Wütend schmetterte er die Phiole gegen das Gemäuer der Hexenküche. Verdammte Elfenkacke! Um Mitternacht musste er das Akrenkraut aus der Drachenhöhle holen. Kein anderer Bewohner der Burg war klein genug, um sich hineinzuschleichen, und nur darum war er noch am Leben. Aber ohne das Elixier kam er nicht wieder heraus. Alles Kleinsein half nichts gegen den abscheulichen Gestank des Krautes. Da konnte er gleich an der Haustür läuten. Um nicht vom Drachen in eine Fackel verwandelt zu werden, brauchte er das Elixier. Es schützte mit einer Blase vor dem ersten Feuerstoß. Zeit genug, um zu entkommen.
Ohne Elixier kein Akrenkraut. Ohne Akrenkraut war er nutzlos. Nutzlose Wesen verwandelte die Hexe in Staub. Mit Leichtigkeit konnte sie sich einen neuen kleinen Elfen fangen.
Hektisch schwirrte er hin und her, versuchte, in seinem Hirn den einen rettenden Gedanken zu finden, trommelte mit den Händen gegen seine Stirn und fand und fand nichts. So sehr steigerte er sich hinein, dass er zu kreiseln begann, durch die Küche schoss und sich gerade noch fing, bevor er um Haaresbreite ins Herdfeuer stürzte.
Auf dem Küchentisch saßen Dukolius und Laktosus mit verschränkten Armen und schauten ihn entgeistert an.
»Du flatterst herum wie eine besoffene Schmeißfliege«, sagte Dukolius kopfschüttelnd. »Was ist los?«
»Proelia hat mir einen Tropfen zu wenig gegeben.« Hastig wischte er sich eine Träne aus dem Auge. »Heute Nacht ist es mit mir vorbei. Dann werde ich Asche sein – oder Staub.«
»Na, na, na.« Laktosus erhob sich und kam zu ihm herübergeflattert. »Geh zu ihr und bitte sie um einen Tropfen.«
»Ihr sagen, dass sie einen Fehler gemacht hat?«
Laktosus runzelte die Stirn »Na gut. Dann müssen wir dir einen besorgen.«
»Aus ihrem Ratszimmer?«
»Woher sonst?«
»Und wie, bitteschön, willst du das anstellen?« Wie oft hatte Nekrosus versucht, zu fliehen. Doch an Proelia vorbei gab es keinen Weg. Sie sah und hörte alles und der Bann, den sie um die Burg gelegt hatte, war stark – zu stark für einen kleinen Elfen.
»Warten, bis sie rauskommt.«
»Glupschauge ist bei ihr«, warf Dukolius ein.
»Siehst du!« Nekrosus verdrehte die Augen. »Wenn der bei ihr ist, wird sie die halbe Nacht nicht herauskommen.«
Niemand wusste, wer dieses Wesen, das sie Glupschauge nannten, war. Sie vermuteten in ihm eines der bedauernswerten Geschöpfe, die Proelia aus Lust und Laune in ein Irgendwas verwandelte. Sein Kopf war so dünn, dass nur ein Auge in seinem Gesicht Platz hatte. Nach unten wurde sein Körper immer breiter und endete in plateauartigen Füßen, als wäre er ein Turm.
»Umso besser«, fuhr Laktosus fort und rieb sich die Nase. »Wir schleichen uns nacheinander ins Ratszimmer und verstecken uns hinter ihm. Auf Kommando lenken Dukolius und ich sie ab. Sie wird wütend sein, aber wir sind nützlich. In der Zeit kannst du dich zum Regal schleichen und den Tropfen holen.«
Nekrosus schaute seine Freunde hoffnungsvoll an. Die beiden hatten eine äußerst nützliche Eigenschaft. Sie konnten bei Vollmond für genau sieben Sekunden in die Zukunft schauen. Proelia würde sie bestrafen, aber niemals hellsichtige Elfen töten.
»Das würdet ihr für mich tun?«, fragte er mit einem letzten Rest Zweifel.
Die Freunde nickten.

Gemeinsam flatterten sie durch die dunklen Gänge der Burg. Wie immer stand die Tür zum Ratszimmer einen Spalt auf. Ein flackernder Lichtschein fiel auf den Flur. Es hätte einladend sein können, dränge nicht Proelias krächzende Stimme heraus. Die Freunde warfen sich einen Blick zu.
»Und wenn es schief geht?«, flüsterte Nekrosus.
Dukolius antworte nicht und schlüpfte durch den Spalt, dicht gefolgt von Laktosus, der Nekrosus keine Wahl ließ und ihn mit festem Griff hinter sich herzog.
Also gut.
Hinter Glupschauges Rücken fanden sie sich ein. Dieser lauschte Proelias Worten und nickte dabei so eifrig, dass man fürchten musste, sein Auge fiele jeden Augenblick aus dem Kopf und platschte auf den Boden.
Nekrosus hörte sein Herz pochen.
»Ihr wagt es!«
Die Hexenstimme hieb auf ihn ein. Ein Blitz schoss an ihm vorbei, abgefeuert aus Proelias Zauberstab. Er fuhr herum. Geschickt wichen seine Freunde aus. Dafür wurde Glupschauges Pinselhaarschopf versengt. Das Turmwesen fiel erschrocken auf den Rücken und begann wild zu zucken.
»Los!«, zischte Dukolius und flatterte gemeinsam mit Laktosus um Glupschauges Kopf herum, im wilden Tanz Proelias Blitzen ausweichend.
Nekrosus hatte sich zwischen die Füße des Turmwesens geduckt. Oben rechts im Regal sah er die rettende Flasche stehen.
Jetzt!
Todesmutig flog er über den Boden, stieg an Büchern auf, höher und höher, bewegte nur seicht seine Flügel. Er konnte schleichen, verdammt, er konnte schleichen. Und er war klein, nützlich klein.
Nur noch wenige Buchrücken nach rechts, fünf, vier, … Er warf einen Blick zu seinen Freunden. Im Zickzack schossen sie durch den Raum. Drei, zwei …
Ein Schlag traf ihn wie Hammer auf Amboss. Der Blitz schleuderte ihn gegen das Gemäuer. Er spürte den Aufprall kaum, glitt zu Boden, konnte nicht mehr atmen, nicht denken, versank in Schwarz.

Proelias Stimme drang von Ferne an sein Ohr, kam langsam näher, wurde lauter. Sie gab Glupschauge Anweisungen, als wäre nichts geschehen.
Blinzelnd öffnete er die Augen. Oben im Regal, neben der Elixierflasche, erblickte er seine eingefrorenen Freunde. Das war nicht das erste Mal. Spätestens bei Vollmond würde Proelia sie wieder auftauen. Aber sein eigenes Schicksal war nun Staub.
An der Burgmauer suchte er nach Halt, um sich aufzurichten. Doch statt des Gemäuers spürte er …
Nichts?
Sein Herz pochte. Konnte es sein? War dort ein Spalt? Hatte er den einzigen winzigen Riss im Bann gefunden? Jetzt und hier? Zitternd tastete er über die Wand. Kein Zweifel. Da war eine Lücke. Und er war klein genug, um hineinzuschlüpfen. Nützlich klein. Er warf seinen Freunden einen Blick zu und ihm war, als würden sie zwinkern.
Er zwinkerte zurück, drehte sich um und verschwand.

**Autorin des Beitrags ist Paula Roose

18.12 – Apfelkuchen mit Streuseln (Rabea Blue)

Ein schöner roter Apfel, wunderbar saftig. Da hätte sicherlich nicht nur Schneewittchen Lust gehabt, hineinzubeißen. Wie wir alle wissen stellte sich das bei der jungen Prinzessin als äußerst schlechte Idee heraus.
Eine sehr wichtige Frage aus meiner** Sicht ist: Wie hätte Schneewittchen verhindern können, dass ihr ein Stück im Hals steckenbleibt? Und gäbe es eine Möglichkeit, das magische Gift in dem Apfel zu eliminieren?

Folgende Idee möchte ich euch heute vorstellen:

Meine Theorie ist, dass man den Apfel nur klein schneiden und backen müsste, und schon würde keine Gefahr mehr von ihm ausgehen. Da wir heutzutage von klein auf von unseren Eltern gepredigt bekommen, dass wir nichts von Fremden annehmen sollen, würde ich persönlich einen Apfelkuchen backen, sollte eines Tages eine alte Frau vor meiner Tür stehen und mir einen roten Apfel schenken.

Hier ein passendes
Rezept dazu:

Zutaten Teig:
500 g Mehl
250 ml Milch, lauwarm
75 g Butter
75 g Zucker
1 Pck. Hefe
2 Eier

Zutaten für den Apfelkuchen

Zutaten Streusel:
275 g Mehl
175 g Butter
150 g Zucker
1 Pck. Vanillinzucker
1 Prise Salz
1 Eigelb

Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Der Teig ist bereit

Mit dem Knethaken des Mixers die oberen Zutaten für den Hefeteig zirka 15 bis 20 Minuten gut durchkneten. Danach ungefähr 40 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen, zum Beispiel vor der Heizung.
Während der Teig geht, etwa sieben große Äpfel schälen und in Scheiben schneiden.
Nach dem Gehen mit bemehlten Händen den Teig noch einmal gut durcharbeiten. Wieder 10 Minuten gehen lassen.
In dieser Zeit kann man gut die Streusel vorbereiten. Dazu nimmt man die entsprechenden Zutaten und mengt sie gut mit den Händen durch.
Nach dem Gehen den Teig auf einem mit Backpapier ausgelegtem Blech mit einer Rolle ausrollen. Die Apfelstücke in den Teig stecken und gut andrücken. Nun die Streusel mit den Händen auf dem Kuchen verteilen.

Fehlen nur noch die Streusel

Etwa 30 bis 45 Minuten backen beziehungsweise bis die Streusel einen hellen Braunton angenommen haben. Immer mal nachsehen, dass er nicht verbrennt. Bei Bedarf Temperatur senken.
Wer nach der Lektüre von ‚Schneewittchen‘ Äpfeln ganz und gar nicht mehr traut oder sie schlicht und einfach nicht mag, kann nur Streusel auf dem Kuchen verteilen oder einen anderen Belag wählen, wie etwa Pflaumen, Aprikosen, Rhabarber mit Marzipan oder Kirschen.

Gut gebacken?

Viel Spaß beim Ausprobieren – gemeinsam werden wir den vergifteten Äpfeln den Garaus machen. Und lasst euch nicht von Zwergen die Streusel klauen!!

Vorsicht vor den Zwergen!

**Autorin des Beitrags ist Rabea Blue

15.12 – Legendenjäger (Jule Reichert)

Drei Tropfen Blut fielen in den Schnee. Die Königin schloss die Augen und flüsterte. „Ach hätte ich nur ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz.“ Einmal, zweimal und ein Drittes.
Ihre Worte verhallten in der Stille, ihr Atem gefror auf ihren Lippen. Eisige Kälte liebkoste ihr Ohr. „So sei es!“, wisperte sie.

„Soweit die Legende, Hoheit.“
Benon beobachtete die Königin. Während des Vortrags des Haushofmeisters hatte sie sich nicht von ihrem Spiegel abgewendet. Erst jetzt sah sie Benon an.
Der Haushofmeister klappte das Buch zu. „Der Rest der Geschichte dürfte Euch bekannt sein, Herr.“
„Der Tod der Königin bei der Niederkunft, das liebreizende Töchterlein und die neue Königin?“ Benon lächelte charmant, trat einen Schritt auf Königin Sophia zu und verneigte sich spöttisch. „Zu Euren Diensten, Eure Hoheit. Ich rechne mit einer angemessenen Bezahlung. Doch mit Verlaub …“ Er richtete sich auf. Die Gesichtszüge der Königin wirkten ernst, verrieten aber nicht ihre Gedanken. „Benötigt Ihr wirklich jemanden wie mich, oder nicht eher einen konventionellen Mörder? Glaubt man den Gerüchten, geht es nur um Eifersucht.“
„Glaubt man den Gerüchten, seid Ihr nichts als ein Scharlatan.“ Ihre Worte schmeichelten dem Gehör, Königin Sophies Augen jedoch waren scharfe Klingen, mit denen sie Benon die Kehle aufschlitzen würde, sollte er erneut widersprechen. Ihre fehlende Nachsicht war legendär. Ebenso die beachtlichen Entlohnungen, war sie zufriedengestellt.
Der Haushofmeister hüstelte. „Ihr erhaltet Zugang zu allen Aufzeichnungen Ihrer Majestät.“
Benon nickte, verneigte sich noch einmal vor der Königin und schulterte seine Tasche.
„Ich werde Euch einweisen, Herr …“
„Benon Legenjäger“, entgegnete er dem Haushofmeister. „Doch Benon genügt für diesen Auftrag.“

Benon prüfte den Sitzt seines Lederharnischs und des Langdolches am Gürtel. Zur Zeit mehren sich im Reichsforst Angriffe von Tieren. Tiere, die ohne Grund töteten, als seien sie wild geworden; oder menschlich. Königin Sophie hatte Benon zum Waldhüter ernannt – und ständigen Begleiter ihres Stiefkindes bei seinen ausgiebigen Walderkundungen. Das Mädchen war vernarrt in Tiere, schenke den meisten Menschen jedoch wenig Aufmerksamkeit. Zurückhaltend, gesegnet mit großen Augen und einem Blick, der einjedem das Herz aus der Brust riss, hatte Benon niemanden gefunden, der schlecht über es sprach. Noch ein paar Jahre und sie konnte jeden Mann um den Verstand bringen.
Schneewittchen wurde sie von allen genannt, denn selbst bei Eis und Schnee verbrachte sie ihre Zeit außerhalb des Schlosses. Niemand nannte sie bei dem Namen, den ihr ihre Mutter bei der Geburt gegeben hatte: Gerlinde.
Ihre Aufmerksamkeit auf den Boden gerichtet, kam Schneewittchen aus dem Stall. Stroh hing in ihren Haaren.
Es war an der Zeit. Er wusste, was hinter dem Mädchen steckte, welche Legende er beauftragt war zu töten. Benon erhob sich. „Da seid Ihr ja, Schneewittchen.“
Schneewittchens Blick folgte etwas, dass zwischen ihren Füßen davonhuschte, als Benon näher trat. Erst dann sah sie ihn mit ihren dunklen Augen an und lächelte ein sanftes Lächeln.
Wohlbefinden erfüllte Benons Brust und er erwiderte ihr Lächeln. Vertrauen zu erschleichen gehörte zu seiner Berufung – und zu ihrer Natur. Ob Mensch oder Tier, alle vertrauten ihr. Benon räusperte sich. „Ich fand eine Fuchsfamilie in den Wäldern. Ich dachte, Ihr würdet sie gerne sehen.“
Schneewittchens Lächeln entschwand. „Ehe Ihr sie beseitigt?“
„Sie töten die Hühner der Bauern.“
„Ich weiß.“ Sie senkte den Kopf, erneut lächelnd. „Ich werde mich umziehen.“
Auch dieses Lächeln kannte Benon. Es entsprang dem Gedanken an die Jagd.

Schneewittchen erschien in Reitkleidung. Das Wams hob ihre ersten Rundungen hervor, den Mantel darüber trug sie offen. Behände stieg sie auf ihr Pferd. Die Jägerin, die hinter den weichen Gesichtszügen steckte, erkannte Benon jetzt auch in ihren Augen: Dunkel wie ihr Innerstes und dürstend nach Tod.
Benon wählte einen Weg in den Forst abseits der Straße. Sie folgten dem Pfad, den er bereits vor Tagen in das undurchdringliche Dickicht geschlagen hatte.
Nach Stunden erreichten sie eine Lichtung. Felsen säumten den Flusslauf, die letzten Strahlen der Zwillingssonne funkelten auf dem Wasser. Sie ließen die Pferde an Waldrand zurück und gingen dem Fluss entgegen.
Benon hielt sich hinter Schneewittchen. Leise zog er seinen Dolch.
Nach wenigen Schritte blieb Schneewittchen stehen und schaute über die Schulter. Dann sah sie hinab und verharrte, bewegungslos. „Was habt Ihr vor?“
„Meinen Auftrag erfüllen, Hoheit.“ Benon lächelte und trat an den Bannkreis heran, der sie aufhielt. „Ihr gehört nicht in diese Welt.“ Ohne Schneewittchen aus den Augen zu lassen, intonierte er ein Gebet an die Zwillingsgötter. Leuchtende Runen stiegen um ihre Beine auf, summten und knisterten. Die Magie des Bannkreises wirkte.
Schneewittchen riss die Augen auf. Leuchtende Runen umkreisten sie. Sie schlug die Arme vor ihr Gesicht und schrie. Der Schrei durchfuhr den Forst, bohrte sich in Benons Gehör. Schmerz lähmte seine Zunge. Dann herrschte völlige Stille.
Blut rann aus seiner Nase, sammelte sich über seiner Lippe und tropfte zu Boden. Das Mädchen, das soeben ängstlich vor ihm gekauert hatte, stand nun aufrecht vor ihm. Haare und Kleidung flatterten in einem nicht spürbaren Wind, die Runen waren erloschen. Allein ihre Augen glühten rot wie Blut.
Benon betete erneut, doch seine Ohren waren taub. Etwas bewegte sich im Unterholz. Schatten schlichen aus dem Dickicht. Füchse und Dachse, Mäuse uns Kaninchen, Eulen und Greifvögel; sie alle kamen mit gefletschten Zähnen und gewetzten Klauen.
„Oh, Ihr Zwillinge, helft!“, keuchte Benon. Schneewittchens Macht war erwacht. Das Blut hatte den Bann gebrochen, ihr dunkles Innerstes nach außen gekehrt. Sein Blut.
Die Tiere umkreisten ihn. Ihre Augen glühten ebenso rot, wie die Schneewittchens.
„Benon der Jäger, du warst immer gut zu mir. Was nötigte dich zu deiner Tat?“
Obgleich er keinen anderen Laut hörte, hallten ihre Worte vielstimmig in seinem Kopf wider. Er presste sich die Hände an den Kopf, seine Beine zitterten. „Die Königin wünscht Euren Tod …“
„Sodann richte ihr meinen Tod aus und geh!“ Ein Donnerschlag fuhr durch seinen Schädel, gefolgt von wohltuender Finsternis.
Er erwachte alleine auf der Lichtung. Behutsam erhob er sich. Er war gescheitert. Die größte ihm bekannte Legende vermochte er nicht zu bezwingen.

**Autorin des Beitrags ist Jule Reichert

11.12 Vergiftete Apfelplätzchen (Cazze)

Zutaten:

Für den Boden:

150 g Honig
80 g brauner Zucker
50 g Butter
250g Mehl
0,5 Packung Backpulver
1 Ei
1 kleines Fläschchen Zitronenaroma oder 1 ungespritzte Zitrone
150 g gemahlene Haselnüsse oder Walnüsse
1 Packung (80g) Lebkuchengewürz
1 Prise Salz

Für das Topping

Nutella (Mindestens ein Glas. Großzügiger »Schwund« miteingerechnet 😉 )
200 g Äpfel (das sind ungefähr zwei mittlere)
1 Esslöffel Butter
100 g Zucker
Zimt

  1. Äpfel schälen, Kernhaus ausstechen und in kleine Würfel schneiden. In einem Topf die Butter schmelzen und den Zucker hinzugeben. Immer fleißig rühren und warten. Und wie durch Zauberei entsteht nach einiger Zeit Karamell. Jetzt die Äpfel reinschütten und 5 Minuten einkochen. Dabei immer rühren, denn sonst entstehen Karamellbonbonklümpchen. Zum Schluss mit etwas Zimt würzen und erst einmal zum Abkühlen beiseite stellen.
  2. Jetzt braucht ihr nochmal einen Topf (ihr dachtet, das wäre ein Backrezept? Hahahaha.) Diesmal erwärmt ihr die Butter, den braunen Zucker und den Honig, bis sich der Zucker aufgelöst hat.
    Oder ihr macht es wie ich und lasst die Butter weg. Dann müsst ihr aber »Verdammt, ich hab schon wieder die Butter vergessen« durch die Küche schreien, den Topf wieder hastig auf den Herd stellen, und die Butter einrühren.
  3. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um den Ofen einzuschalten. (Verplante bitte vor Schritt 1. Hexen mit Holzofen gleich am Morgen und nicht vergessen, die Kinder rauszunehmen)
    Wir brauchen 180° Ober- Unterhitze oder 160° Umluft.
  4. Mehl und Backpulver mischen. Dann Ei, Zitrone, Nüsse, Zimt, Lebkuchengewürz, Salz und die vorbereitete Zucker-Honigmasse dazugeben und rühren.
    Danach unbedingt daran riechen. Wenn das nicht nach Weihnachten riecht, dann habt ihr definitiv was falsch gemacht.
  5. Feststellen, dass die Küche aussieht wie Sau und erstmal aufräumen.
  6. Arbeitsfläche mit Mehl bestreuen. Hände mit Mehl bestreuen. Das Nudelholz mit Mehl bestreuen. Einfach alles mit Mehl bestreuen. Mehl ist euer Freund. Den Teig nochmal mit den Händen durchkneten. Sollte er noch klebrig sein – mehr Mehl. Etwa 0,5 bis 1 cm dick ausrollen (auf jeden Fall nicht so dünn wie Butterplätzchen). Dann mit einem Plätzchenausstecher eurer Wahl ausstechen. Wer hier im Thema bleiben will, nimmt einen in Form eines Apfels. Alternativ könnt ihr mit einem Glas Kreise ausstechen und dann mit einem Messer ein kleines Dreieck reinschneiden. Die Ecken ein bisschen zurechtdrücken, dass es wie ein Apfel aussieht (böse Zungen behaupten auch, das sieht wie ein Hintern aus … aber das stimmt GAR NICHT)
  7. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech auslegen und ca. 12 Minuten im Ofen backen. Danach auskühlen lassen.
  8. Die Kekse mit Nutella bestreichen. Danach den Apfelmix drauf und das Ganze fest werden lassen. Das Ganze sollte danach zeitnah in den Kühlschrank (oder gegessen werden).
Autoren Urlaub

Wo findet ihr was bei unserem Adventskalender (Cazze)

Der Adventkalender ist bereit in vollem Gange und wir haben euch schon einige literarische Leckerbissen serviert. Da man im Weihnachtstrubel gerne ein wenig die Orientierung verliert, möchten wir euch die Suche nach den Türchen ein bisschen einfacher gestalten und kleine Hinweise geben, wo ihr das nächste findet.

Gleich am ersten Tag geht es auf unserem Blog unter das Meer

Am zweiten Tag gibt es auf Facebook ein zauberhaftes Gedicht.

Die böse Stiefmutter hat am dritten Tag ihr Schuhproblem satt und postet es auf Instagram.

Am vierten Tag bekommen wir auf unserem Blog Besuch vom Rheinschiffer

Den Tag darauf wird es blumig auf Instagram.

Nikolaus feiern wir auf dem Blog, zusammen mit John.

An Tag sieben besucht König Drosselbart Mark Zuckerberg.

Ausgekräht hat es sich an Tag acht auf unserem Blog.

Am neunten Tag wird eine Prinzessin in den Bann sozialer Medien gezogen. Besonders Facebook hat es ihr angetan.

Füllt eure Kessel mit Popcorn. An Tag zehn geht es wieder heiß auf Instagram zu.

Da ihr danach sicher hungrig seid, gibt es danach etwas Leckeres zu Essen auf unserem Blog.

Vollgefuttert geht es wieder auf Instagram. Passt jedoch auf, dass die vielen bunten Bilder euch nicht blind machen.

Der dreizehnte ist eigentlich als Unglückstag verschrien. Jedoch nicht bei uns, den ihr könnt auf unserm Blog eine ganz besondere Rezension lesen.

Am vierzehnten packen wir die kurzen Hosen ein und springen mitten in den blauen Facebookpool 

Danach jagen wir auf dem Blog Legenden.

Um am Tag darauf wieder bei Facebook auf Safari zu gehen.

Der Instagrambeitrag am siebzehnten ist garantiert nicht hässlich.

Denn ihr erfahrt am achtzehnten auf unserem Blog, wie ihr euch gegen das Gift der bösen Königin schützen könnt. Und lecker ist es auch noch!

Am neunzehnten werdet ihr Instagram verfluchen, warum es euch das Türchen nicht schneller öffnet.

Ihr habt es fast geschafft! Passt vier Tage vor Weihnachten auf, dass ihr nicht zu Staub zerfallt. Sucht Schutz auf unserem Blog.

Habt ihr das überstanden, reist zum Mount Facebook und werdet verzaubert.

Danach braucht ihr Schwefelhölzer, um wieder zurück zum Blog zu finden.

Am vorletzten Tag statten wir Herr Zuckerberg noch einen Besuch ab.

Und ob wir an Heiligabend noch ein Türchen für euch haben? Keine Ahnung! Schaut doch mal auf Instagram!

*Autorin des Beitrags ist Cazze

8.12 Ausgekräht (Elena)

Es war einmal eine Patchwork-Familie mit zwei Töchtern, davon war die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Da aber letztere das Kind der Frau war, hatte die Frau diese Tochter viel lieber. Weil der Vater der anderen Tochter nie Zuhause war, musste diese all die von der Stiefmutter aufgetragene Arbeit tun.
Das arme Mädchen musste sich täglich raus zum Brunnen des alten Bauernhofes setzen und spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang, damit seine Stiefmutter genug Garn zum Häkeln von exklusiven Bio-Designern-Klamotten für Kleinkinder hatte. Gesellschaft leistete dem Mädchen dabei nur ein Hahn, der von seinem Vater gerettet worden war, bevor dem Gockel wegen Lärmbelästigung in der Stadt der Hals umgedreht werden konnte.

Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war, da bückte sich das Mädchen damit in den Brunnen und wollte diese abwaschen. Jedoch fiel ihm die Spule hinein. Unglücklich weinend lief es zu seiner Stiefmutter, doch diese schalt es unbarmherzig: „Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf.“ Das Mädchen ging zum Brunnen zurück und wusste sich keinen Rat, so dass es in seiner Verzweiflung in den Brunnen sprang, um die Spule zu holen.
Als es aus seiner Besinnungslosigkeit erwachte, fand das Mädchen sich auf einer schönen Wiese voller Blumen beschienen von der Sonne wieder. Als es die Wiese verließ, kam es an einem Backofen voller Brot vorbei, welches rief: „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst ausgebacken.“ Da trat es heran und holte mit einem Brotschieber nacheinander alle Laibe heraus und sprach dabei: „Selbstgemachtes Brot, das ist heute echt selten. Wie herrlich es duftet!“

Danach ging es weiter und kam zu einem Baum voller Äpfel, der ihr zurief: „Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Das Mädchen schüttelte den Baum, bis alle Äpfel abgefallen war, legte diese zu einem Haufen zusammen und dachte, dass solche regionale Bio-Qualität sonst schwer zu bekommen sei.
Schließlich erreichte das Mädchen ein kleines Haus, aus dem eine alte Frau schaute. Da die alte Frau so große Zähne hatte, wollte das Mädchen schon davonlaufen, doch die Alte rief ihm nach: „Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir’s gut gehn. Du musst nur achtgeben, dass du mein Bett gut machst und es fleißig aufschüttelst, dass die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.“
Nach gutem Zureden der alten Frau willigte das Mädchen ein, bei ihr zu bleiben. Es tat wie ihm aufgetragen und schüttelte das Bett immer gewaltig, so dass die Federn wie Schneeflocken umherflogen. Im Gegenzug hatte es ein gutes Leben bei Frau Holle, nie wurde es gescholten und es gab immer gutes Essen.

Doch nach einer Zeit wurde das Mädchen traurig und erkannte schließlich, dass es Heimweh hatte, obwohl es hier viel besser als Zuhause ging. So wandte es sich an Frau Holle und diese zeigte Verständnis: „Es gefällt mir, dass du wieder nach Haus verlangst, und weil du mir so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen.“
Die alte Frau nahm es an die Hand und führte es vor ein großes Tor. Dies wurde aufgemacht und als das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen. Das Gold blieb an ihm hängen, so dass es über und über davon bedeckt war. „Das sollst du haben, weil du so fleißig gewesen bist,“ sagte Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die dem Mädchen in den Brunnen gefallen war.

Im nächsten Moment war das Tor verschlossen und das Mädchen befand sich wieder oben auf der Welt, nicht weit entfernt vom Bauernhof. Als es in den Hof kam, saß der Hahn auf dem Brunnen und rief:
„Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.“

Angesichts des vielen Goldes wurde das Mädchen gut von seiner Mutter und Schwester aufgenommen. Das Mädchen erzählte, wie ihm geschehen war, und als die Stiefmutter hörte, wie es an den Reichtum gelangt war, wollte sie dies auch für ihre eigene Tochter.
So musste sich die hässliche und faule Tochter an den Brunnen setzen und spinnen. Um den Ablauf zu beschleunigen, stach sie sich selbst in die Finger und fasste auch einmal in eine Dornenhecke. Danach warf sie die Spule in den Brunnen und sprang hinterher. Auch sie erwachte auf einer schönen Wiese und schlug denselben Pfad ein.

Als sie zum Backofen gelangte, rief das Brot erneut: „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst ausgebacken.“ Die Faule aber zog nicht das Brot heraus, sondern antwortete: „Etwa aus Weizen? Ich habe eine Glutenunverträglichkeit, was soll ich mit Brot?“
Danach kam sie zum Apfelbaum, der rief: „Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Doch die Faule dachte nicht dran und sprach: „Die Äpfel sind alle klein und hässlich, die will doch sowieso niemand essen! Und außerdem ist der Fruchtzucker schlecht für die Leber!“
Beim Haus von Frau Holle angekommen fürchtete sie sich nicht vor der alten Frau, denn von den großen Zähnen hatte sie bereits gehört, sondern verdingte sich direkt bei ihr. Zuerst gab sie sich Mühe, doch dann sagte sie sich: „Wer will schon Schnee und das ständig? Warmes Wetter ist doch viel angenehmer!“ Fortan strengte sie sich gar nicht mehr an und genoss die Freizeit.

Frau Holle war deshalb die Faule bald leid und entließ sie aus ihrem Dienst. Als die alte Frau das Mädchen zum Tor geführt hatte, erwartete es einen Goldregen wie bei seiner Stiefschwester, doch stattdessen regnete es Pech auf das Mädchen. „Das ist zur Belohnung deiner Dienste“, sagte die Frau Holle und schloss das Tor zu.
So kam das Mädchen heim, aber es war mit Pech bedeckt, und dieses Mal rief der Hahn auf dem Brunnen: „Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.“
Daraufhin drehte die Hässliche dem Hahn den Hals um. Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen.

04.12 Das Märchen vom Rheinschiffer und dem finsteren Gesellen (Diandra Linnemann)

Es war einmal ein Rheinschiffer, der liebte seine Frau und seine Tochter sehr. Jeden Tag, bevor er das Haus verließ, um mit seinem Boot die Strömung zu bezwingen, küsste er beide auf die Stirn. Dann fuhr er hin und her, hin und her, bis es Abend wurde, und manchmal auch in der Nacht. Die Fähre verschaffte ihm ein gutes Auskommen, Hilde erwartete ihn jeden Abend mit einer warmen Mahlzeit und die kleine Tochter war ein Ausbund an Schönheit und Liebreiz. Seine einzige Sorge bestand darin, dass Gott ihm keinen Sohn schenken wollte. Jeden Sonntag in der Kirche flehte er auf Knien um einen Stammhalter. Aber die Jahre gingen ins Land, und der Leib seiner Frau rundete sich nicht.

Eines finsteren Abends klopfte es an die Tür. Der Regen prasselte auf das Dach der kleinen Hütte am Fluss. Als der Rheinschiffer die Tür öffnete, sah er einen unheimlichen Fremden. Er wirkte groß und hager. Ein langer Mantel schützte ihn vor dem Unwetter. Sein Gesicht wurde von einem breitkrempigen Hut verdeckt. Mit tiefer Stimme verlangte er die Überfahrt ans andere Ufer. Im Austausch bot er einen Beutel, der war schwer mit Münzen.

»Geh nicht«, bat Hilde, die Tochter auf dem Arm, »das Wasser ist gar zu garstig, und mir graut vor dem Fremden!«

Aber der Schiffer dachte an das Geld, das diese Fahrt ihm bringen würde. Das Boot kam in die Jahre und musste dringend ersetzt werden. Außerdem gab es auf dieser Seite des Flusses keine Wirtschaft, in der der Fremde unterkommen konnte, und ihre karge Mahlzeit reichte kaum für die drei Mäuler, die es ohnehin zu stopfen galt. Also nahm er seine Regenhaut vom Nagel, strich der kleinen Annalies noch einmal durch das schwarze Haar und ging hinaus in die Nacht.

Der Fluss war wild und unbändig, aber mit großem Geschick gelang es dem Fährmann, das Boot durch die schäumenden Wogen zu manövrieren. Er murmelte die Sprüche, die er von seinem Vater gelernt hatte. In seinem Inneren spürte er den Fluss aufbegehren, aber letztendlich beugten die Wasser sich einmal mehr seinem Willen.

Über ihren Köpfen zuckten die Blitze, als sie das andere Ufer erreichten. Der Donner grollte zwischen den Bergen. »Ich habe dir diese Münzen versprochen«, sagte der Fremde, »und du sollst sie haben. Oder verrate mir deinen geheimsten Wunsch, und ich will ihn dir übers Jahr erfüllen.« Seine Augen glühten in der Dunkelheit.

Der Rheinschiffer war wie verzaubert. »Einen Erben«, kam es über seine Lippen, »ich wünsche mir so dringend einen Erben, der die Familientradition in Ehren hält.«

Der Fremde lachte und entblößte scharfe Zähne. »Den kannst du haben, Schiffer, und die Münzen dazu. Ich habe wohl gemerkt, wie du dein Brot verdienst, und es wäre eine Schande, wenn ein derartiges Talent ausstürbe. Aber im dreizehnten Jahr werde ich wiederkommen und deinen Sohn mit auf die Wanderschaft nehmen. Nach einem Jahr und einem Tag mag er entscheiden, wie er sein Leben verbringen will.«

Der Rheinschiffer nickte betäubt. Ein harter Donnerschlag ließ ihn zusammenzucken, und als er die Augen wieder öffnete, war der Fremde wie vom Erdboden verschluckt. Allein der schwere Beutel in seiner Hand zeigte, dass die Begegnung kein finsterer Traum gewesen war. Die Münzen klimperten unheilvoll.

Der Schiffer beeilte sich, ans andere Ufer zurückzufahren, und erzählte weder Frau noch Tochter ein Sterbenswort von der unheimlichen Unterhaltung. Schon bald hatte er sich selbst davon überzeugt, dass er sich alles nur eingebildet hatte.

Die Tage gingen ins Land, und als der Frühling sich näherte, rundete sich der Leib der Schiffersfrau zusehends. Wie groß war die Freude, als ihnen schließlich der ersehnte Sohn geboren ward! Das Glück des Rheinschiffers schien perfekt. Frederik war flink und klug. Er lernte schnell und brachte seinem Vater nicht einen einzigen Tag Kummer. Er half im Haus, lernte alles über den Fluss und war stets gut zu seiner Schwester. Annalies liebte ihr Brüderchen und schleppte es immerfort mit sich, als sei es nur eine Puppe.

Allmählich aber näherte sich das dreizehnte Jahr, und der Rheinschiffer wurde immer unruhiger. Es graute ihm davor, sein Versprechen dem Fremden gegenüber einlösen zu müssen. Eines Tages also ging er in die Kirche und verlangte, den Pfarrer zu sprechen.

Dieser hörte sich die Geschichte ernst an und nickte bedächtig. »Du bist dem Leibhaftigen begegnet, guter Mann«, erklärte er schließlich, »und dieser hat dir das Versprechen über die Seele deines Sohnes abgenommen. Das ist der Lohn für deine frevelhafte Arbeit.« Denn der Pfarrer wusste sehr wohl, dass der Fährmann Wasserzauber wirken konnte.

Der Rheinschiffer war verzweifelt. »So sollen all die schönen Jahre umsonst gewesen sein?«, schrie er und raufte sich das Haar. »Am liebsten möchte ich uns alle ersäufen, um dass wir dieses Elend nicht erleben müssen.«

»Beruhige dich«, sprach der Pfarrer, »es ist noch nicht alles verloren.« Und er gab ihm einen großen, rostigen Nagel und hieß ihn, diesen ins Boot zu schlagen. »Dieser Nagel stammt aus dem Heiligen Land, vom Kreuze des Herren daselbst, und er besitzt große Macht. Wenn der Fremde kommt, sollst du ihn täuschen, dass er meint, deinen Sohn bei sich zu haben, und dann setzt du ihn über und bannst ihn mit einem Gebet, damit er sich dir und den deinen nicht wieder nähern kann. Dann wird dein Sohn auf ewig sicher sein.«

Der Rheinschiffer bedankte sich viele Male und eilte nach Hause, springend und pfeifend vor Glück. Den Nagel schlug er in den Bug seines Bootes, ohne seiner Frau etwas von der Sache zu erzählen.

So lebten sie in Fleiß und Glück weiter, bis der Junge das dreizehnte Lebensjahr vollendet hatte. Es gab Rosinenkuchen und Wein für alle, bis die Kinder schläfrig wurden. Den ganzen Abend über lauschte der Rheinschiffer auf Geräusche von Fremden, und als es abends donnerte und blitzte, klopfte es an die Tür.

Die Schiffersfrau erschrak. »Mir ist«, flüsterte sie, »als schliche eine große Katze ums Haus. Mach nicht auf!«

»Sei nicht bang, gute Frau«, beruhigte sie der Schiffer und öffnete die Tür.

Tatsächlich, draußen stand ein hochgewachsener Fremder mit Mantel und Hut. »Guten Abend, Rheinschiffer«, grüßte er. »Ich hoffe, es ist euch wohl ergangen?«

»Wir können nicht klagen«, antwortete der Schiffer.

»So gib mir, was wir vereinbart haben«, verlangte der Fremde, »und setze mich über, noch heute Nacht. Es soll dein Schaden nicht sein.«

Der Schiffer ging hinein, verabschiedete sich bei seiner Frau und schlug ein junges Schwein in einen dichten Mantel. Diesen drückte er dem Fremden in die Arme. »Der Bub schläft, seid leise!«

Die Überfahrt war so gefährlich wie die erste, aber der Rheinschiffer wusste Herrn und Kreuz an seiner Seite und verzagte nicht. Im Geist wiederholte er noch einmal die Lieder seiner Familie. Der Fremde stand still im Bug, das Bündel auf den Armen, und spähte über das Wasser hinaus, das um das Boot herum kochte und brodelte.

Schließlich erreichten sie wohlbehalten das andere Ufer. Der Rheinschiffer wartete, bis der Leibhaftige festen Boden betreten hatte, stieß sogleich das Boot wieder vom Ufer und erhob die Stimme. »Bei der Macht des Herren, der alles Leben geschaffen hat, halte dich fortan von meiner Familie fern!«

Das Boot knirschte. Wie vom Blitz getroffen schoss der Nagel des Kreuzes aus dem Bug und bohrte sich vor den Füßen des Fremden in den schlammigen Boden. Dieser brüllte vor Wut.

Von dem Lärm erwachte das Ferkel, grunzte und wühlte sich aus dem alten Mantel hervor. Es quiekte gar bitterlich. Der Fremde betrachtete es voller Abscheu. Seine Stimme trug über das schäumende Wasser: »Du hast mich nicht umsonst genarrt! Verflucht seien du und deine Nachkommen! Blut soll fließen, in jeder Generation, und kein erstgeborener Sohn soll die Weisheit Methusalems erreichen!« Er hob die Faust drohend gen Himmel, aber gegen die Macht des Kreuzes war er hilflos.

So schnell es ging, fuhr der Rheinschiffer zurück an sein Ufer, sprang vom Boot und hackte es in Stücke. Dann lief er hinein zu Frau und Kind, schloss beide in die Arme und schwor sich, nie wieder einen Fuß an das andere Ufer zu setzen. Er und seine Frau eröffneten ein Gasthaus an der Straße, auf der die müden Reisenden sich nach Colonia quälten, und so lebten sie glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.

01.12. Mit Händen und Füßen (Britta Redweik)

Die kleine Meerjungfrau seufzte schwer. Sie hatte sich verliebt, doch ausgerechnet in einen Menschenprinzen. Er war bei Sturm ins Wasser gefallen und sie hatte, entgegen allen Regeln, sein Leben gerettet. Doch nichts als Kummer hatte ihr das gebracht, denn wie sollte ein Wesen des Wassers denn mit einem des Landes glücklich werden?

In ihrem Liebeskummer ging sie zur Meerhexe. In allen sieben Weltmeeren war die Hexe als böse, hinterlistige Zauberin, die nur ihr eigenes Wohl im Sinn hatte, verschrien. Doch die kleine Meerjungfrau konnte den Prinzen einfach nicht vergessen und wusste keinen anderen Ausweg mehr.

„Natürlich kann ich dir helfen“, versicherte die Meerhexe. „Aber jede Magie hat ihren Preis. Nie wieder kannst du unter deinesgleichen sein. Und verliebt er sich nicht in dich, sondern in einen Menschen, gehört dein Leben mir.“

Die kleine Meerjungfrau sprach nicht aus, dass sie ihr Leben dann eh nicht wollte. Das war ein zu drastischer Gedanke, angetrieben vom Feuer der Jugend, das wusste sie selbst.

„Und noch etwas. Deine Stimme wirst du verlieren.“

„Wie meinst du das?“, fragte die Meerjungfrau nach.

„Wenn du ein Mensch wirst, bleibt dein schönes Stimmchen bei mir. Als Pfand. Verliebt der Prinz sich in dich, obwohl du ihn nicht sagen kannst, dass du ihn gerettet hast, gehört dein Leben weiter dir und deine Stimme soll wieder dein sein.“

Die kleine Meerjungfrau zögerte. „Darf ich darüber nachdenken?“

Die Meerhexe schien enttäuscht, nickte aber. „Beeile dich aber. Nur einmal im Jahr blüht die Alge, die ich für diesen Trank brauche. Entscheidest du dich nicht bis Sonnenaufgang, musst du ein ganzes Jahr warten.“

Die kleine Meerjungfrau schwamm, so schnell sie nur konnte, an die Oberfläche. Sie wollte den Prinzen sehen und sich erst dann entscheiden.

Weit genug weg, um nicht erkannt zu werden, robbte sie auf eine Sandbank und blickte gedankenverloren zu seinem Schloss am Ufer.

„Ach, wüsste ich nur, was ich tun soll“, sagte sie zu sich selbst. „Sicher kann man sich in jemanden verlieben, ohne mit ihm zu reden. Aber ihn kennenlernen? Und jemandem sein Leben zu versprechen, den man nicht kennt, ist doch ziemlich dumm. Ohne Stimme, wie weiß ich dann, dass er mich nicht nur wegen meines Aussehens liebt?“

Etwas landete neben ihr auf die Sandbank. Es war eine der Möwen, die über ihr kreisten. Diese schaute die Meerjungfrau schief an. „Aber man kann doch auch ohne Stimme reden“, wandte diese ein.

„Wie das?“

„Na, kennst du denn die Handsprache der Menschen nicht?“

Die Meerjungfrau schüttelte den Kopf.

„Komm mit, ich zeig sie dir“, sagte die Möwe und flog in Richtung einer Bucht etwas weiter die Küste.

Die kleine Meerjungfrau folgte ihr, so schnell sie konnte, und bald kamen sie zu einem einfach aussehenden Gebäude. Davor standen zwei Menschen, eine Mutter und ein Kind, die wild mit den Händen fuchtelten. Die Mutter sprach dabei, das Kind aber blieb stumm.

„Er kann nicht sprechen und nicht hören Daher hat seine Mutter ihm beigebracht, die Hände zu nutzen.“

„Und warum spricht sie dabei?“, fragte die Meerjungfrau.

„Ich glaube, für sie ist es so leichter, um nicht den Faden zu verlieren.“ Die Möwe zuckte mit ihren Flügeln. Dann verabschiedete sie sich.

Die kleine Meerjungfrau nickte dem Vogel geistesabwesend zu, als dieser losflog, dann traf sie eine Entscheidung. Wenn das zwischen ihr und dem Prinzen wirklich Liebe werden sollte, konnte sie ein Jahr auf ihn warten. In der Zeit wollte sie lernen.

Ein Jahr später hatte er, zu ihrem Glück, noch immer niemanden an seiner Seite. So kam die Meerjungfrau wieder zur Meerhexe und ließ sich den Trank brauen.

Auf schnellstem Wege schwamm sie anschließend zum Schloss des Prinzen und krabbelte an Land. Jetzt trank sie das Gebräu und schon durchfuhr sie ein Schmerz, den sie so noch nie gespürt hatte. Als sie aber an sich herabblickte, sah sie Beine. Ihr Fischschwanz war verschwunden.

Sie versuchte, sich aufzurappeln, doch ihre neuen Glieder wollten ihr noch nicht gehorchen. Also fiel sie wieder in den Sand und schürfte sich die Haut an Knie und Handballen auf. Doch nach Hilfe rufen, konnte sie nicht.

Erst nach Stunden, fand der Prinz sie. Er kehrte von einem Ausritt heim, als er das völlig verfrorene Mädchen sah.

„Habe ich dich nicht schon einmal gesehen?“, fragte er.

Sie aber öffnete nur den Mund und brachte doch keinen Ton heraus. Dann besann sie sich auf ihre Hände. Obwohl sie doch weh taten, gestikulierte sie den Satz, den sie ihm all die Zeit hatte sagen wollen: „Ich habe dich einst gerettet, als du vom Schiff fielst, und kann dich seitdem nicht vergessen.“

Der Prinz riss die Augen auf. „Du kannst gebärden?“, fragte er zurück, mit Wort und Hand.

Die Meerjungfrau nickte. „Du aber auch?“

„Meine Mutter ist im Alter taub geworden“, erklärte der Prinz.

Er brachte sie ins Schloss, wo sie als seine Retterin ein Heim fand und über die Monate lernten sie einander kennen, bis er vor ihr auf die Knie ging und ihr seine Liebe gestand.

Am Tag der Hochzeit aber zogen dunkle Wolken auf.

Gerade, als Braut und Bräutigam am Altar standen, kam die Meerhexe auf ihren Tentakeln hereingerutscht, um über das Geschäft zu reden. Als sie sah, wie die beiden mit Gesten kommunizierten, schäumte sie vor Wut.

„Du hast mich betrogen, Prinzesschen. Nun soll deine Seele auf ewig mir gehören“, kreischte sie.

Doch der Prinz war schneller als die acht Tentakeln. Geschwind hatte er sein Schwert gezogen und es der Zauberin in die Brust gestoßen.

„Niemand bedroht meine Frau“, sagte er ruhig. Dann wandte er sich an seine junge Frau: „Mir scheint, du hast einiges zu erklären.“

Sie versuchte zu sprechen, doch ihre Stimme schien durch den Tod der Hexe auf ewig verloren. Aber sie hatte jetzt so lange gebärdet, dass es sie nicht mehr störte. Und auch der Prinz, der sie so kennen gelernt hatte, vermisste die Stimme seiner Frau nicht.

Als er erfuhr, was sie alles für ihn aufgegeben hatte, fühlte er sich schuldig und dankbar zugleich. Letztlich überwog aber die Freude, eine solch mutige, entschlossene Frau an seiner Seite zu wissen.

Diese Geschichte ist Teil des Nornen-Adventskalenders 2019 und stammt aus der Feder von Britta Redweik. Ihr findet jeden Tag auf einem anderen unserer Kanäle (Blog, Instagram, Facebook) ein Türchen. Viel Spaß.

Autoren Urlaub

Von drauss‘ aus Asgard komm‘ wir her – Ankündigung (Cazze)

Von drauss‘ aus Asgard komm‘ wir her;
Müssen euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf des Weltenbaum Spitzen
sah’n wir goldene Lichtlein sitzen;
Drum stoben wir aus des Bifrösts Munde,
Um zu berichten von froher Kunde:
Der Nornenkalender ist nun soweit
Um euch zu erhellen die Weihnachtszeit
Mit Lied und Text und frohem Gesang,
Mit Spaß und Freud‘ und munterem Klang
Und so wünscht euch die Nornenschar
Merry Christmas, Froh‘ Weihnacht, und ein schönes neues Jahr!

(Frei nach Rilke von Eleonore Laubenstein)

Unser Adventskalender kommt

Es ist wieder soweit! In den Städten wird die Weihnachtsdeko aufgehängt, auf Spotify werden Weihnachtsplaylisten angezeigt und Lebkuchen und Plätzchen gibt es sowieso schon seit September.

Die Nornen haben sich in den letzten Wochen mächtig ins Zeug gelegt, um euch die Adventszeit märchenhaft zu verzaubern. Doch im Gegensatz zum letzten Jahr ist uns Facebook nicht genug.

Euch erwarten drollige Drabbles auf Instagram, kuschelige Kurzgeschichten auf unserem Blog und feinstes Fabuliertes auf Facebook. Jeden Tag auf einer anderen Plattform. Das ist ein wenig wie Ostereier suchen, nur im Winter.

Viel Spaß wünschen die Nornen