Autoren Urlaub

Wo findet ihr was bei unserem Adventskalender (Cazze)

Der Adventkalender ist bereit in vollem Gange und wir haben euch schon einige literarische Leckerbissen serviert. Da man im Weihnachtstrubel gerne ein wenig die Orientierung verliert, möchten wir euch die Suche nach den Türchen ein bisschen einfacher gestalten und kleine Hinweise geben, wo ihr das nächste findet.

Gleich am ersten Tag geht es auf unserem Blog unter das Meer

Am zweiten Tag gibt es auf Facebook ein zauberhaftes Gedicht.

Die böse Stiefmutter hat am dritten Tag ihr Schuhproblem satt und postet es auf Instagram.

Am vierten Tag bekommen wir auf unserem Blog Besuch vom Rheinschiffer

Den Tag darauf wird es blumig auf Instagram.

Nikolaus feiern wir auf dem Blog, zusammen mit John.

An Tag sieben besucht König Drosselbart Mark Zuckerberg.

Ausgekräht hat es sich an Tag acht auf unserem Blog.

Am neunten Tag wird eine Prinzessin in den Bann sozialer Medien gezogen. Besonders Facebook hat es ihr angetan.

Füllt eure Kessel mit Popcorn. An Tag zehn geht es wieder heiß auf Instagram zu.

Da ihr danach sicher hungrig seid, gibt es danach etwas Leckeres zu Essen auf unserem Blog.

Vollgefuttert geht es wieder auf Instagram. Passt jedoch auf, dass die vielen bunten Bilder euch nicht blind machen.

Der dreizehnte ist eigentlich als Unglückstag verschrien. Jedoch nicht bei uns, den ihr könnt auf unserm Blog eine ganz besondere Rezension lesen.

Am vierzehnten packen wir die kurzen Hosen ein und springen mitten in den blauen Facebookpool 

Danach jagen wir auf dem Blog Legenden.

Um am Tag darauf wieder bei Facebook auf Safari zu gehen.

Der Instagrambeitrag am siebzehnten ist garantiert nicht hässlich.

Denn ihr erfahrt am achtzehnten auf unserem Blog, wie ihr euch gegen das Gift der bösen Königin schützen könnt. Und lecker ist es auch noch!

Am neunzehnten werdet ihr Instagram verfluchen, warum es euch das Türchen nicht schneller öffnet.

Ihr habt es fast geschafft! Passt vier Tage vor Weihnachten auf, dass ihr nicht zu Staub zerfallt. Sucht Schutz auf unserem Blog.

Habt ihr das überstanden, reist zum Mount Facebook und werdet verzaubert.

Danach braucht ihr Schwefelhölzer, um wieder zurück zum Blog zu finden.

Am vorletzten Tag statten wir Herr Zuckerberg noch einen Besuch ab.

Und ob wir an Heiligabend noch ein Türchen für euch haben? Keine Ahnung! Schaut doch mal auf Instagram!

*Autorin des Beitrags ist Cazze

8.12 Ausgekräht (Elena)

Es war einmal eine Patchwork-Familie mit zwei Töchtern, davon war die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Da aber letztere das Kind der Frau war, hatte die Frau diese Tochter viel lieber. Weil der Vater der anderen Tochter nie Zuhause war, musste diese all die von der Stiefmutter aufgetragene Arbeit tun.
Das arme Mädchen musste sich täglich raus zum Brunnen des alten Bauernhofes setzen und spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang, damit seine Stiefmutter genug Garn zum Häkeln von exklusiven Bio-Designern-Klamotten für Kleinkinder hatte. Gesellschaft leistete dem Mädchen dabei nur ein Hahn, der von seinem Vater gerettet worden war, bevor dem Gockel wegen Lärmbelästigung in der Stadt der Hals umgedreht werden konnte.

Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war, da bückte sich das Mädchen damit in den Brunnen und wollte diese abwaschen. Jedoch fiel ihm die Spule hinein. Unglücklich weinend lief es zu seiner Stiefmutter, doch diese schalt es unbarmherzig: „Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf.“ Das Mädchen ging zum Brunnen zurück und wusste sich keinen Rat, so dass es in seiner Verzweiflung in den Brunnen sprang, um die Spule zu holen.
Als es aus seiner Besinnungslosigkeit erwachte, fand das Mädchen sich auf einer schönen Wiese voller Blumen beschienen von der Sonne wieder. Als es die Wiese verließ, kam es an einem Backofen voller Brot vorbei, welches rief: „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst ausgebacken.“ Da trat es heran und holte mit einem Brotschieber nacheinander alle Laibe heraus und sprach dabei: „Selbstgemachtes Brot, das ist heute echt selten. Wie herrlich es duftet!“

Danach ging es weiter und kam zu einem Baum voller Äpfel, der ihr zurief: „Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Das Mädchen schüttelte den Baum, bis alle Äpfel abgefallen war, legte diese zu einem Haufen zusammen und dachte, dass solche regionale Bio-Qualität sonst schwer zu bekommen sei.
Schließlich erreichte das Mädchen ein kleines Haus, aus dem eine alte Frau schaute. Da die alte Frau so große Zähne hatte, wollte das Mädchen schon davonlaufen, doch die Alte rief ihm nach: „Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir’s gut gehn. Du musst nur achtgeben, dass du mein Bett gut machst und es fleißig aufschüttelst, dass die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.“
Nach gutem Zureden der alten Frau willigte das Mädchen ein, bei ihr zu bleiben. Es tat wie ihm aufgetragen und schüttelte das Bett immer gewaltig, so dass die Federn wie Schneeflocken umherflogen. Im Gegenzug hatte es ein gutes Leben bei Frau Holle, nie wurde es gescholten und es gab immer gutes Essen.

Doch nach einer Zeit wurde das Mädchen traurig und erkannte schließlich, dass es Heimweh hatte, obwohl es hier viel besser als Zuhause ging. So wandte es sich an Frau Holle und diese zeigte Verständnis: „Es gefällt mir, dass du wieder nach Haus verlangst, und weil du mir so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen.“
Die alte Frau nahm es an die Hand und führte es vor ein großes Tor. Dies wurde aufgemacht und als das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen. Das Gold blieb an ihm hängen, so dass es über und über davon bedeckt war. „Das sollst du haben, weil du so fleißig gewesen bist,“ sagte Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die dem Mädchen in den Brunnen gefallen war.

Im nächsten Moment war das Tor verschlossen und das Mädchen befand sich wieder oben auf der Welt, nicht weit entfernt vom Bauernhof. Als es in den Hof kam, saß der Hahn auf dem Brunnen und rief:
„Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.“

Angesichts des vielen Goldes wurde das Mädchen gut von seiner Mutter und Schwester aufgenommen. Das Mädchen erzählte, wie ihm geschehen war, und als die Stiefmutter hörte, wie es an den Reichtum gelangt war, wollte sie dies auch für ihre eigene Tochter.
So musste sich die hässliche und faule Tochter an den Brunnen setzen und spinnen. Um den Ablauf zu beschleunigen, stach sie sich selbst in die Finger und fasste auch einmal in eine Dornenhecke. Danach warf sie die Spule in den Brunnen und sprang hinterher. Auch sie erwachte auf einer schönen Wiese und schlug denselben Pfad ein.

Als sie zum Backofen gelangte, rief das Brot erneut: „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst ausgebacken.“ Die Faule aber zog nicht das Brot heraus, sondern antwortete: „Etwa aus Weizen? Ich habe eine Glutenunverträglichkeit, was soll ich mit Brot?“
Danach kam sie zum Apfelbaum, der rief: „Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Doch die Faule dachte nicht dran und sprach: „Die Äpfel sind alle klein und hässlich, die will doch sowieso niemand essen! Und außerdem ist der Fruchtzucker schlecht für die Leber!“
Beim Haus von Frau Holle angekommen fürchtete sie sich nicht vor der alten Frau, denn von den großen Zähnen hatte sie bereits gehört, sondern verdingte sich direkt bei ihr. Zuerst gab sie sich Mühe, doch dann sagte sie sich: „Wer will schon Schnee und das ständig? Warmes Wetter ist doch viel angenehmer!“ Fortan strengte sie sich gar nicht mehr an und genoss die Freizeit.

Frau Holle war deshalb die Faule bald leid und entließ sie aus ihrem Dienst. Als die alte Frau das Mädchen zum Tor geführt hatte, erwartete es einen Goldregen wie bei seiner Stiefschwester, doch stattdessen regnete es Pech auf das Mädchen. „Das ist zur Belohnung deiner Dienste“, sagte die Frau Holle und schloss das Tor zu.
So kam das Mädchen heim, aber es war mit Pech bedeckt, und dieses Mal rief der Hahn auf dem Brunnen: „Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.“
Daraufhin drehte die Hässliche dem Hahn den Hals um. Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen.

04.12 Das Märchen vom Rheinschiffer und dem finsteren Gesellen (Diandra Linnemann)

Es war einmal ein Rheinschiffer, der liebte seine Frau und seine Tochter sehr. Jeden Tag, bevor er das Haus verließ, um mit seinem Boot die Strömung zu bezwingen, küsste er beide auf die Stirn. Dann fuhr er hin und her, hin und her, bis es Abend wurde, und manchmal auch in der Nacht. Die Fähre verschaffte ihm ein gutes Auskommen, Hilde erwartete ihn jeden Abend mit einer warmen Mahlzeit und die kleine Tochter war ein Ausbund an Schönheit und Liebreiz. Seine einzige Sorge bestand darin, dass Gott ihm keinen Sohn schenken wollte. Jeden Sonntag in der Kirche flehte er auf Knien um einen Stammhalter. Aber die Jahre gingen ins Land, und der Leib seiner Frau rundete sich nicht.

Eines finsteren Abends klopfte es an die Tür. Der Regen prasselte auf das Dach der kleinen Hütte am Fluss. Als der Rheinschiffer die Tür öffnete, sah er einen unheimlichen Fremden. Er wirkte groß und hager. Ein langer Mantel schützte ihn vor dem Unwetter. Sein Gesicht wurde von einem breitkrempigen Hut verdeckt. Mit tiefer Stimme verlangte er die Überfahrt ans andere Ufer. Im Austausch bot er einen Beutel, der war schwer mit Münzen.

»Geh nicht«, bat Hilde, die Tochter auf dem Arm, »das Wasser ist gar zu garstig, und mir graut vor dem Fremden!«

Aber der Schiffer dachte an das Geld, das diese Fahrt ihm bringen würde. Das Boot kam in die Jahre und musste dringend ersetzt werden. Außerdem gab es auf dieser Seite des Flusses keine Wirtschaft, in der der Fremde unterkommen konnte, und ihre karge Mahlzeit reichte kaum für die drei Mäuler, die es ohnehin zu stopfen galt. Also nahm er seine Regenhaut vom Nagel, strich der kleinen Annalies noch einmal durch das schwarze Haar und ging hinaus in die Nacht.

Der Fluss war wild und unbändig, aber mit großem Geschick gelang es dem Fährmann, das Boot durch die schäumenden Wogen zu manövrieren. Er murmelte die Sprüche, die er von seinem Vater gelernt hatte. In seinem Inneren spürte er den Fluss aufbegehren, aber letztendlich beugten die Wasser sich einmal mehr seinem Willen.

Über ihren Köpfen zuckten die Blitze, als sie das andere Ufer erreichten. Der Donner grollte zwischen den Bergen. »Ich habe dir diese Münzen versprochen«, sagte der Fremde, »und du sollst sie haben. Oder verrate mir deinen geheimsten Wunsch, und ich will ihn dir übers Jahr erfüllen.« Seine Augen glühten in der Dunkelheit.

Der Rheinschiffer war wie verzaubert. »Einen Erben«, kam es über seine Lippen, »ich wünsche mir so dringend einen Erben, der die Familientradition in Ehren hält.«

Der Fremde lachte und entblößte scharfe Zähne. »Den kannst du haben, Schiffer, und die Münzen dazu. Ich habe wohl gemerkt, wie du dein Brot verdienst, und es wäre eine Schande, wenn ein derartiges Talent ausstürbe. Aber im dreizehnten Jahr werde ich wiederkommen und deinen Sohn mit auf die Wanderschaft nehmen. Nach einem Jahr und einem Tag mag er entscheiden, wie er sein Leben verbringen will.«

Der Rheinschiffer nickte betäubt. Ein harter Donnerschlag ließ ihn zusammenzucken, und als er die Augen wieder öffnete, war der Fremde wie vom Erdboden verschluckt. Allein der schwere Beutel in seiner Hand zeigte, dass die Begegnung kein finsterer Traum gewesen war. Die Münzen klimperten unheilvoll.

Der Schiffer beeilte sich, ans andere Ufer zurückzufahren, und erzählte weder Frau noch Tochter ein Sterbenswort von der unheimlichen Unterhaltung. Schon bald hatte er sich selbst davon überzeugt, dass er sich alles nur eingebildet hatte.

Die Tage gingen ins Land, und als der Frühling sich näherte, rundete sich der Leib der Schiffersfrau zusehends. Wie groß war die Freude, als ihnen schließlich der ersehnte Sohn geboren ward! Das Glück des Rheinschiffers schien perfekt. Frederik war flink und klug. Er lernte schnell und brachte seinem Vater nicht einen einzigen Tag Kummer. Er half im Haus, lernte alles über den Fluss und war stets gut zu seiner Schwester. Annalies liebte ihr Brüderchen und schleppte es immerfort mit sich, als sei es nur eine Puppe.

Allmählich aber näherte sich das dreizehnte Jahr, und der Rheinschiffer wurde immer unruhiger. Es graute ihm davor, sein Versprechen dem Fremden gegenüber einlösen zu müssen. Eines Tages also ging er in die Kirche und verlangte, den Pfarrer zu sprechen.

Dieser hörte sich die Geschichte ernst an und nickte bedächtig. »Du bist dem Leibhaftigen begegnet, guter Mann«, erklärte er schließlich, »und dieser hat dir das Versprechen über die Seele deines Sohnes abgenommen. Das ist der Lohn für deine frevelhafte Arbeit.« Denn der Pfarrer wusste sehr wohl, dass der Fährmann Wasserzauber wirken konnte.

Der Rheinschiffer war verzweifelt. »So sollen all die schönen Jahre umsonst gewesen sein?«, schrie er und raufte sich das Haar. »Am liebsten möchte ich uns alle ersäufen, um dass wir dieses Elend nicht erleben müssen.«

»Beruhige dich«, sprach der Pfarrer, »es ist noch nicht alles verloren.« Und er gab ihm einen großen, rostigen Nagel und hieß ihn, diesen ins Boot zu schlagen. »Dieser Nagel stammt aus dem Heiligen Land, vom Kreuze des Herren daselbst, und er besitzt große Macht. Wenn der Fremde kommt, sollst du ihn täuschen, dass er meint, deinen Sohn bei sich zu haben, und dann setzt du ihn über und bannst ihn mit einem Gebet, damit er sich dir und den deinen nicht wieder nähern kann. Dann wird dein Sohn auf ewig sicher sein.«

Der Rheinschiffer bedankte sich viele Male und eilte nach Hause, springend und pfeifend vor Glück. Den Nagel schlug er in den Bug seines Bootes, ohne seiner Frau etwas von der Sache zu erzählen.

So lebten sie in Fleiß und Glück weiter, bis der Junge das dreizehnte Lebensjahr vollendet hatte. Es gab Rosinenkuchen und Wein für alle, bis die Kinder schläfrig wurden. Den ganzen Abend über lauschte der Rheinschiffer auf Geräusche von Fremden, und als es abends donnerte und blitzte, klopfte es an die Tür.

Die Schiffersfrau erschrak. »Mir ist«, flüsterte sie, »als schliche eine große Katze ums Haus. Mach nicht auf!«

»Sei nicht bang, gute Frau«, beruhigte sie der Schiffer und öffnete die Tür.

Tatsächlich, draußen stand ein hochgewachsener Fremder mit Mantel und Hut. »Guten Abend, Rheinschiffer«, grüßte er. »Ich hoffe, es ist euch wohl ergangen?«

»Wir können nicht klagen«, antwortete der Schiffer.

»So gib mir, was wir vereinbart haben«, verlangte der Fremde, »und setze mich über, noch heute Nacht. Es soll dein Schaden nicht sein.«

Der Schiffer ging hinein, verabschiedete sich bei seiner Frau und schlug ein junges Schwein in einen dichten Mantel. Diesen drückte er dem Fremden in die Arme. »Der Bub schläft, seid leise!«

Die Überfahrt war so gefährlich wie die erste, aber der Rheinschiffer wusste Herrn und Kreuz an seiner Seite und verzagte nicht. Im Geist wiederholte er noch einmal die Lieder seiner Familie. Der Fremde stand still im Bug, das Bündel auf den Armen, und spähte über das Wasser hinaus, das um das Boot herum kochte und brodelte.

Schließlich erreichten sie wohlbehalten das andere Ufer. Der Rheinschiffer wartete, bis der Leibhaftige festen Boden betreten hatte, stieß sogleich das Boot wieder vom Ufer und erhob die Stimme. »Bei der Macht des Herren, der alles Leben geschaffen hat, halte dich fortan von meiner Familie fern!«

Das Boot knirschte. Wie vom Blitz getroffen schoss der Nagel des Kreuzes aus dem Bug und bohrte sich vor den Füßen des Fremden in den schlammigen Boden. Dieser brüllte vor Wut.

Von dem Lärm erwachte das Ferkel, grunzte und wühlte sich aus dem alten Mantel hervor. Es quiekte gar bitterlich. Der Fremde betrachtete es voller Abscheu. Seine Stimme trug über das schäumende Wasser: »Du hast mich nicht umsonst genarrt! Verflucht seien du und deine Nachkommen! Blut soll fließen, in jeder Generation, und kein erstgeborener Sohn soll die Weisheit Methusalems erreichen!« Er hob die Faust drohend gen Himmel, aber gegen die Macht des Kreuzes war er hilflos.

So schnell es ging, fuhr der Rheinschiffer zurück an sein Ufer, sprang vom Boot und hackte es in Stücke. Dann lief er hinein zu Frau und Kind, schloss beide in die Arme und schwor sich, nie wieder einen Fuß an das andere Ufer zu setzen. Er und seine Frau eröffneten ein Gasthaus an der Straße, auf der die müden Reisenden sich nach Colonia quälten, und so lebten sie glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.

01.12. Mit Händen und Füßen (Britta Redweik)

Die kleine Meerjungfrau seufzte schwer. Sie hatte sich verliebt, doch ausgerechnet in einen Menschenprinzen. Er war bei Sturm ins Wasser gefallen und sie hatte, entgegen allen Regeln, sein Leben gerettet. Doch nichts als Kummer hatte ihr das gebracht, denn wie sollte ein Wesen des Wassers denn mit einem des Landes glücklich werden?

In ihrem Liebeskummer ging sie zur Meerhexe. In allen sieben Weltmeeren war die Hexe als böse, hinterlistige Zauberin, die nur ihr eigenes Wohl im Sinn hatte, verschrien. Doch die kleine Meerjungfrau konnte den Prinzen einfach nicht vergessen und wusste keinen anderen Ausweg mehr.

„Natürlich kann ich dir helfen“, versicherte die Meerhexe. „Aber jede Magie hat ihren Preis. Nie wieder kannst du unter deinesgleichen sein. Und verliebt er sich nicht in dich, sondern in einen Menschen, gehört dein Leben mir.“

Die kleine Meerjungfrau sprach nicht aus, dass sie ihr Leben dann eh nicht wollte. Das war ein zu drastischer Gedanke, angetrieben vom Feuer der Jugend, das wusste sie selbst.

„Und noch etwas. Deine Stimme wirst du verlieren.“

„Wie meinst du das?“, fragte die Meerjungfrau nach.

„Wenn du ein Mensch wirst, bleibt dein schönes Stimmchen bei mir. Als Pfand. Verliebt der Prinz sich in dich, obwohl du ihn nicht sagen kannst, dass du ihn gerettet hast, gehört dein Leben weiter dir und deine Stimme soll wieder dein sein.“

Die kleine Meerjungfrau zögerte. „Darf ich darüber nachdenken?“

Die Meerhexe schien enttäuscht, nickte aber. „Beeile dich aber. Nur einmal im Jahr blüht die Alge, die ich für diesen Trank brauche. Entscheidest du dich nicht bis Sonnenaufgang, musst du ein ganzes Jahr warten.“

Die kleine Meerjungfrau schwamm, so schnell sie nur konnte, an die Oberfläche. Sie wollte den Prinzen sehen und sich erst dann entscheiden.

Weit genug weg, um nicht erkannt zu werden, robbte sie auf eine Sandbank und blickte gedankenverloren zu seinem Schloss am Ufer.

„Ach, wüsste ich nur, was ich tun soll“, sagte sie zu sich selbst. „Sicher kann man sich in jemanden verlieben, ohne mit ihm zu reden. Aber ihn kennenlernen? Und jemandem sein Leben zu versprechen, den man nicht kennt, ist doch ziemlich dumm. Ohne Stimme, wie weiß ich dann, dass er mich nicht nur wegen meines Aussehens liebt?“

Etwas landete neben ihr auf die Sandbank. Es war eine der Möwen, die über ihr kreisten. Diese schaute die Meerjungfrau schief an. „Aber man kann doch auch ohne Stimme reden“, wandte diese ein.

„Wie das?“

„Na, kennst du denn die Handsprache der Menschen nicht?“

Die Meerjungfrau schüttelte den Kopf.

„Komm mit, ich zeig sie dir“, sagte die Möwe und flog in Richtung einer Bucht etwas weiter die Küste.

Die kleine Meerjungfrau folgte ihr, so schnell sie konnte, und bald kamen sie zu einem einfach aussehenden Gebäude. Davor standen zwei Menschen, eine Mutter und ein Kind, die wild mit den Händen fuchtelten. Die Mutter sprach dabei, das Kind aber blieb stumm.

„Er kann nicht sprechen und nicht hören Daher hat seine Mutter ihm beigebracht, die Hände zu nutzen.“

„Und warum spricht sie dabei?“, fragte die Meerjungfrau.

„Ich glaube, für sie ist es so leichter, um nicht den Faden zu verlieren.“ Die Möwe zuckte mit ihren Flügeln. Dann verabschiedete sie sich.

Die kleine Meerjungfrau nickte dem Vogel geistesabwesend zu, als dieser losflog, dann traf sie eine Entscheidung. Wenn das zwischen ihr und dem Prinzen wirklich Liebe werden sollte, konnte sie ein Jahr auf ihn warten. In der Zeit wollte sie lernen.

Ein Jahr später hatte er, zu ihrem Glück, noch immer niemanden an seiner Seite. So kam die Meerjungfrau wieder zur Meerhexe und ließ sich den Trank brauen.

Auf schnellstem Wege schwamm sie anschließend zum Schloss des Prinzen und krabbelte an Land. Jetzt trank sie das Gebräu und schon durchfuhr sie ein Schmerz, den sie so noch nie gespürt hatte. Als sie aber an sich herabblickte, sah sie Beine. Ihr Fischschwanz war verschwunden.

Sie versuchte, sich aufzurappeln, doch ihre neuen Glieder wollten ihr noch nicht gehorchen. Also fiel sie wieder in den Sand und schürfte sich die Haut an Knie und Handballen auf. Doch nach Hilfe rufen, konnte sie nicht.

Erst nach Stunden, fand der Prinz sie. Er kehrte von einem Ausritt heim, als er das völlig verfrorene Mädchen sah.

„Habe ich dich nicht schon einmal gesehen?“, fragte er.

Sie aber öffnete nur den Mund und brachte doch keinen Ton heraus. Dann besann sie sich auf ihre Hände. Obwohl sie doch weh taten, gestikulierte sie den Satz, den sie ihm all die Zeit hatte sagen wollen: „Ich habe dich einst gerettet, als du vom Schiff fielst, und kann dich seitdem nicht vergessen.“

Der Prinz riss die Augen auf. „Du kannst gebärden?“, fragte er zurück, mit Wort und Hand.

Die Meerjungfrau nickte. „Du aber auch?“

„Meine Mutter ist im Alter taub geworden“, erklärte der Prinz.

Er brachte sie ins Schloss, wo sie als seine Retterin ein Heim fand und über die Monate lernten sie einander kennen, bis er vor ihr auf die Knie ging und ihr seine Liebe gestand.

Am Tag der Hochzeit aber zogen dunkle Wolken auf.

Gerade, als Braut und Bräutigam am Altar standen, kam die Meerhexe auf ihren Tentakeln hereingerutscht, um über das Geschäft zu reden. Als sie sah, wie die beiden mit Gesten kommunizierten, schäumte sie vor Wut.

„Du hast mich betrogen, Prinzesschen. Nun soll deine Seele auf ewig mir gehören“, kreischte sie.

Doch der Prinz war schneller als die acht Tentakeln. Geschwind hatte er sein Schwert gezogen und es der Zauberin in die Brust gestoßen.

„Niemand bedroht meine Frau“, sagte er ruhig. Dann wandte er sich an seine junge Frau: „Mir scheint, du hast einiges zu erklären.“

Sie versuchte zu sprechen, doch ihre Stimme schien durch den Tod der Hexe auf ewig verloren. Aber sie hatte jetzt so lange gebärdet, dass es sie nicht mehr störte. Und auch der Prinz, der sie so kennen gelernt hatte, vermisste die Stimme seiner Frau nicht.

Als er erfuhr, was sie alles für ihn aufgegeben hatte, fühlte er sich schuldig und dankbar zugleich. Letztlich überwog aber die Freude, eine solch mutige, entschlossene Frau an seiner Seite zu wissen.

Diese Geschichte ist Teil des Nornen-Adventskalenders 2019 und stammt aus der Feder von Britta Redweik. Ihr findet jeden Tag auf einem anderen unserer Kanäle (Blog, Instagram, Facebook) ein Türchen. Viel Spaß.

Autoren Urlaub

Von drauss‘ aus Asgard komm‘ wir her – Ankündigung (Cazze)

Von drauss‘ aus Asgard komm‘ wir her;
Müssen euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf des Weltenbaum Spitzen
sah’n wir goldene Lichtlein sitzen;
Drum stoben wir aus des Bifrösts Munde,
Um zu berichten von froher Kunde:
Der Nornenkalender ist nun soweit
Um euch zu erhellen die Weihnachtszeit
Mit Lied und Text und frohem Gesang,
Mit Spaß und Freud‘ und munterem Klang
Und so wünscht euch die Nornenschar
Merry Christmas, Froh‘ Weihnacht, und ein schönes neues Jahr!

(Frei nach Rilke von Eleonore Laubenstein)

Unser Adventskalender kommt

Es ist wieder soweit! In den Städten wird die Weihnachtsdeko aufgehängt, auf Spotify werden Weihnachtsplaylisten angezeigt und Lebkuchen und Plätzchen gibt es sowieso schon seit September.

Die Nornen haben sich in den letzten Wochen mächtig ins Zeug gelegt, um euch die Adventszeit märchenhaft zu verzaubern. Doch im Gegensatz zum letzten Jahr ist uns Facebook nicht genug.

Euch erwarten drollige Drabbles auf Instagram, kuschelige Kurzgeschichten auf unserem Blog und feinstes Fabuliertes auf Facebook. Jeden Tag auf einer anderen Plattform. Das ist ein wenig wie Ostereier suchen, nur im Winter.

Viel Spaß wünschen die Nornen

Die Fantastik-Rallye auf der BuchBerlin 2018 (Diandra Linnemann)

Bestimmt habt ihr es schon mitbekommen – das Nornennetz kommt auf die BuchBerlin 2018! Am 24. und 25. November bemannen – entschuldigt, benornen wir voller Weisheit und Enthusiasmus von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr einen eigenen Stand im Mercure Hotel MOA Berlin.
Endlich habt ihr die Gelegenheit, einige unserer holdesten Nornen in Person zu treffen, in ihren Büchern zu stöbern und all die Fragen zu stellen, die euch schon immer unter den Nägeln brannten: Welchen täglichen Kalorienbedarf hat ein mittelschwerer Erddrache? In wie viele Teile muss man einen Zombie mindestens zerteilen, damit er einem nicht mehr folgt? Und wohin führt diese unsichtbare Tür?
Damit es nicht nur lehrreich, sondern auch spannend wird, haben einige Nornenschwestern sich darüber hinaus etwas ganz Besonderes für euch ausgedacht: Eine Fantastik-Rallye! Mit Hilfe anderer fantastischer Mitstreiter haben sie eine Rallye zum Thema „Autorinnen“ auf die Beine gestellt, die es in sich hat.

Auf zur Rallye

An jedem Stand auf der BuchBerlin, der mit einer unserer goldenen Federn markiert ist, hat sich ein Buchstabe in einem Buch versteckt. Wer alle Buchstaben findet und das Rätsel löst, hat die Chance auf einen wunderbaren Buchgewinn. Und für die anderen, weniger erfolgreichen Mitstreiter gibt es – habe ich mir sagen lassen – weitere Gewinne direkt beim Nornennetz. Und der feuchte Händedruck für die Teilnahme (Empfehlung des Hauses) ist auch nicht zu verachten!

Damit ihr euch eine Vorstellung davon machen könnt, was euch erwartet, darf ich euch an dieser Stelle schon einen Teil des Rätsels zeigen:

Mehr werde ich an dieser Stelle nicht verraten – nur schade, dass ich nicht selbst vor Ort dabei sein kann! Dafür drücke ich euch aus der Ferne die Daumen und andere Appendixe. Man weiß ja nie, ob es nicht doch hilft!

Hier noch einmal explizit eine Liste der Mitstreiter, ohne die diese Rallye nicht möglich wäre:

Uferlose

Sabine Niedermayr

Katrin Ils

Machandel Verlag

Arne Rosenow

Chaospony Verlag

Stella Delaney und Mika Krüger

Papierverzierer Verlag

Märchenspinnerei

Und um euch den Mund wässrig zu machen verrate ich euch auch schon, welche Bücher ihr gewinnen könnt:

Gefesselt – Der Anfang

Dreiland I

Drachenwille

Magie hinter den sieben Bergen – Winter

Zeitlose – Doras Erwachen

Savers – und es gibt sie doch

Totenläufer 

Engelsmacht

Die Nornen auf der Buch Berlin (Felicity Green)

Am 24. und 25. November findet die Buch Berlin statt – und das Nornennetz ist zum ersten Mal dabei!
Im Mercure Hotel Moa Berlin, dem Standort der Buch Berlin 2018, stellen rund 250 Verlage und Selfpublisher aus ganz Deutschland ihr Programm vor. Näheres zur Buch Berlin, Besucherinfos und Informationen zu Tickets gibt es hier: https://www.buchmesse-berlin.com/besucher-infos
An Stand Nr. 127 könnt ihr die Nornen treffen! Lernt die Mitglieder des Nornennetzes persönlich kennen, schaut euch ihre ausgestellten Bücher an – die übrigens auch zum Verkauf angeboten werden – und nehmt ein paar Goodies mit.

Unseren Kelch hat Elenor Avelle gezaubert (Foto: Elenor Avelle)

Wer ist dabei?

Unsere fleißige Bastlerin Elenor Avelle hat nicht nur wieder wunderbare Deko und Preise gebastelt, sondern ist auch mit ihren Büchern Infiziert und Gefesselt – Der Anfang am Stand vertreten.
Die musikalische Norne Nora Bendzko kann bestimmt einiges über das neue Galgenmärchen Hexensold erzählen. Der Dark-Fantasy-Roman erscheint am 29. November!
An unserem Stand anzutreffen ist auch die kreative Biologin Anne Danck, die sich besonders mit Fabelwesen auskennt und Kurzgeschichten schreibt.
Genauso wie June Is, die mit ihren in Anthologien erschienenen genreübergreifenden Kurzgeschichten von magisch-gruslig über kriminell-fantastisch bis hin zu zeitgenössisch-belletristisch alles abdeckt.

An unsere Stand treffen könnt ihr auch unsere Kulturwissenschaftlerin und Theatermaus Jana Jeworreck, die mit Dreiland I und Dreiland II im Gepäck anreist.
Germanistik-Studentin Michelle Janßen kommt aus Freiburg angereist, um euch in Berlin zu treffen!
Unsere Zeichentalent Laura Kier hätte gerne ihren neuen Steampunk-Roman Myalig mit auf die Messe gebracht, aber der Veröffentlichungstermin hat sich verschoben. Aber ihren Roman Perfektion – Die Veränderten könnt ihr natürlich am Stand sehen und auch kaufen!
Gerade erschienen ist aber Anna Kleves Gay Fantasy Werdrache – und deshalb, wie auch Drachenwille, auf der Buch Berlin dabei.

Anne Zandt, die Norne aus dem Norden, hat die Messeteilnahme für uns organisiert. Dank ihr sind wir in Berlin dabei und auch jede Menge Bücher, die sie in allen Ecken Deutschlands von uns eingesammelt hat, um sie euch mitzubringen.
Schreibcoach, Bullet-Journal-Expertin und SteamFantasy-Autorin Holly Miles ist eine unserer Standpriorinnen – ihr verpasst sie bestimmt nicht, wenn ihr an unserem Stand vorbeischaut.
Ily Romansky liegen Sagen im Blut und auf der Buch Berlin findet ihr ihren Debutroman Zara Nesbit – Blutrabe am Nornenstand – und Ily natürlich auch!

Drachenexpertin Paula Roose bringt Drachenschuld, den 3. Band ihrer Drachentau-Saga mit auf die Messe.
Fotografin und Autorin Ela Schnittke ist auch unsere Meister-Organisatorin, ohne die alles in Berlin nur halb so rund laufen würde. Schaut doch vorbei und schüttelt ihr die Hand!
Unsere Schweden-Auswanderin Tina Skupin ist auch in Berlin! EventuElche, Supermamas und Hollerbrunn hat sie im Gepäck.
Als Berlinerin darf sie natürlich nicht fehlen! Deborah B. Stone ist auch dabei.

Am Stand antreffen könnt ihr folgende Nornen leider nicht, aber ihre Bücher findet ihr dort trotzdem:

Rabea Blue mit Savers – und es gibt sie doch, Anne Granert mit Des Sandes Widerhall und Die Talentierten 1, Diandra Linnemann mit Andrea die Lüsterne … und Magie hinter den sieben Bergen – Winter sowie Eva-Maria Obermann mit Zeitlose – Simeons Rückkehr, Zeitlose – Doras Erwachen und Tropfen der Ewigkeit.

Nornen am eigenen Stand an der Buch Berlin: Kathrin Ils (Stand Nr. 130), Stella Delaney (Stand Nr. 128) und Sabine Niedermayer (Stand Nr. K4).

Wie ihr diese kreativen Nornen kennt, haben sie sich ganz besondere Sachen für euch ausgedacht. Der Nornenstand ist mal wieder mehr als nur eine Ausstellungsfläche für Bücher, sondern ein wahrlich fantastisches Event. Also, schaut am Stand 127 vorbei – es lohnt sich!

**Autorin des Beitrags ist Felicity Green

Wer fährt mit uns nach Berlin? [Verlosung]

Wir sind noch ganz begeistert von dem regen Zuspruch, den wir in unserer ersten Kickstarter-Kampagne gesammelt haben. Dank euch können wir auch 2019 wieder mit einem Stand auf der Leipziger Buchmesse sein. Vorher aber werden wir im November auch auf der BuchBerlin für Wirbel sorgen. Wir haben uns bereits einige tolle Aktionen überlegt und können euch jetzt schon verraten, dass es interaktiv, spannend und faszinierend wird. Am 24 und 25 November solltet ihr darum jede Chance nutzen, in Berlin dabei zu sein.

Autoren Urlaub

Wie, ihr könnt nicht?

Ausreden lassen wir keine zu. Stattdessen gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir nehmen euch sogar mit. Anlässlich der BuchBerlin verlosen wir zwei Tageskarten, damit ihr uns an unserem Stand besuchen kommen könnt. Also bucht ein Zimmer, besorgt euch das Zugticket und freut euch auf ganz viel Nornenaction. Wir haben uns nicht lumpen lassen und für neue Deko und Aktionen gesorgt, die weit über den Nornenstand hinaus gehen. Also fordert das Schicksal heraus und macht mit.

Wie ihr mitmachen könnt

Bis zum 30.09.2018 habt ihr Zeit, mitzumachen. Eine Tageskarte verlosen wir an alle, die unter diesem Beitrag kommentieren, was sie sich von den Nornen auf der Messe wünschen, welche Norne ihr am liebsten treffen würdet oder auf welches Nornenbuch ihr euch ganz besonders freut. Chancen auf das zweite Ticket bekommt, wer die gleiche Frage in den sozialen Netzwerken beantwortet. Macht ein Foto für Instagram, schreibt einen Beitrag auf Facebook oder twittert es in die Welt hinaus. Nutzt dabei #mitdenNornenzurBuchBerlin und sichert euch ein Los.

Teilnahme ab 18 oder mit Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Facebook, Instagram und Twitter haben nichts mit der Verlosung zu tun. Wir behalten uns vor, einzelne von der Verlosung auszuschließen, das Gewinnspiel vorzeitig zu beenden oder abzubrechen. Mehrfache Teilnahme ist möglich, pro Person kann nur ein Ticket gewonnen werden. Ein Ticket berechtigt zum Besuch der BuchBerlin am 24. oder 25. November 2018, Anreise und etwaige Übernachtungen müssen selbst getragen werden. Das Gewinnspiel läuft bis zum 30.09.2018, 23:59.

Fantasy und Gewalt – eine Blogparade des Nornennetzes

Fantasy – ganz klassisch sind das Geschichten in denen ein Held die Welt, ein Reich oder doch wenigstens eine schöne Frau retten muss. Gewalt spielt dabei beinahe immer eine Rolle. Oft wird eine idyllische oder zumindest als gut geordnet geschilderte Ausgangssituation durch den Einbruch von Gewalt gestört. Die Königsfamilie wird von einem Ursurpator ausgelöscht, Nazghul jagen wehrlose Hobbits, eine alte Prophezeiung taucht auf und macht den Helden zur Zielscheibe finsterer Mächte. Diese Form der Gewalt ist immer negativ besetzt. Sie ist brutal und oft tödlich, paart sich mit psychischer Gewalt, die oft noch weitere Ausmaße annimmt. Gleichzeitig nutzt der Bösewicht sie gerne, ergötzt sich geradezu daran. Sie ist hier nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Teil des Zieles selbst. Dieses Ziel mag primitiv sein, wie Saurons Verlangen, die Welt zu beherrschen, oder psychologisch Gründe haben wie Voldemorts immensem Rachekomplex Muggeln gegenüber, es ist die Grundlage für jegliche Handlung und Gewalt im Roman.

Wir lieben Fantasy – aber braucht es immer Gewalt dabei?

Gut gegen Böse

Gleichzeitig gibt es aber auch die positive Gewalt: Wenn der Held die Herausforderung annimmt und von der Opfer- in die Heldenrolle wechselt, geschieht das in der Regel, indem er selbst gewalttätig wird. Selbst die harmlosen Hobbits wachsen am Ende über sich hinaus. Pippin zertrennt dem König der Nazghul die Beinsehnen und hilft dadurch Eowyn, ihn zu besiegen. Noch deutlicher tritt dieses Phänomen in den Geschichten über Superhelden zutage, an deren Ende oft ein „Bosskampf“ mit dem Superschurken steht. Diesen gewinnt der Held, weil er aufgrund überlegener Kampfmoral letzte Reserven mobilisieren kann, die am Ende auch zu körperlicher Überlegenheit führen. Vor psychischen Qualen schreckt der Held meist genauso zurück, wie vor der gänzlichen Vernichtung des Gegenspielers. Die wird zur letzten, notwendigen Tat, der eine innere Zerrissenheit und Reife des Helden vorsteht. Nie wird Gewalt hier für die eigenen Interessen genutzt, immer gilt sie dem höheren Ziel, andere zu schützen. Ohne den negativen Auslöser wäre die positiv konnotierte Reaktion nicht nötig. Die „gute Gewalt“ besiegt also die „böse Gewalt“.

DER Held

Wenn wir über den Helden der klassischen Fantasy sprechen, ist die männliche Form bewusst gewählt, denn hier ist der Held fast ausnahmslos männlich. Dieses Trope* ist zwar dabei, sich zu verändern, allerdings hat die Änderung kaum Einfluss auf die Rolle der Gewalt. Oft starten Frauen zwar eher wie Hobbits, also schwach und wehrlos, finden dann aber im Lauf der Geschichte einen starken Beschützer, der ihnen körperliche Auseinandersetzungen erspart. Mia, aus der Grim-Reihe ist so ein Fall. Die eigentliche Gewalt wird hier klar männlich verortet, die Frau mag Auslöser sein, der Schlüssel zum Sieg, aber kaum eine aktive Kämpferin. Sie ist es, die immer wieder in Schwierigkeiten kommt und so die Handlung zwangsweise mitgestaltet. Handelnde ist sie dabei in den seltensten Fällen. Andererseits gibt es auch Frauen wie Katniss, die sich von Anfang an selbst behauptet und vor Gewalt nicht zurückschreckt, die im Roman also genauso gut ein junger Mann sein könnte – nur, dass der Verlag dann vermutlich keine Liebesgeschichte verlangt hätte. Eine andere, nicht weniger wichtige Baustelle.

Gewaltige Liebe

Allerdings soll es in dieser Blogparade nicht um Liebesgeschichten gehen, sondern um Gewalt. Da fällt bei Fantasy, die sich vorwiegend an ein weibliches Publikum richtet, noch ein weiterer Aspekt auf: Die fast immer enthaltene Liebesgeschichte ist oft von psychischer Gewalt geprägt, die aber romantisch verklärt wird. Der Protagonist stalkt die Protagonistin, er beschränkt sie und hält sie in jeder Weise klein – und als Motivation seines Handelns wird immer seine übergroße Liebe genannt. Ausgerechnet dieses Verhalten macht ihn zum Helden, der ohne die Frau an seiner Seite nicht leben kann. Dass er dabei dominiert und die Frau in eine von ihm gewollte Richtung zwingt, wird meistens übersehen. Nicht selten ist er ein Entführer, der sie aber nur entführt hat, um sie zu retten, ein gefährliches Wesen, das eigentlich Abstand von ihr halten müsste, dessen Gefühle ihm das aber unmöglich machen. Schmacht, Schmelz, Würg. Dieses Motiv findet sich selbstverständlich nicht nur in der Fantasy, ist aber in der sogenannten Romantasy weit verbreitet und wird offensichtlich gern gelesen.

Macht mit bei unserer Blogparade zu Fantasy und Gewalt

Das vorangeschickt, laden wir** euch ein, in den kommenden Wochen gemeinsam die verschiedenen Aspekte von Gewalt in der Fantasy zu beleuchten. Mögliche Fragen sind:
  • Gehört Gewalt zur Fantasy?
  • Wie wird Gewalt dargestellt?
  • Zu welchen Zwecken wird sie eingesetzt?
  • Können Frauen über Gewalt schreiben?
  • Schreiben Frauen anders über Gewalt als Männer?

Bloggt darüber und gebt uns euren Link im untenstehenden Formular an. Wir werden daraus eine Linkliste erstellen, in der alle Beiträge mit einer Kurzzusammenfassung „anmoderiert“ werden. Gerne dürft ihr unser Bild zur Aktion mit dem Vermerk ©Nornennetz verwenden.

Dafür habt ihr den ganzen August Zeit. Bis 31.08.2018 könnt ihr eure Beiträge schreiben und bei uns einreichen. Wir wünschen uns vielseitige Sichtweisen, positive wie negative Beispiele, wünsche, wie ihr Gewalt in Zukunft in der Fantastik sehen wollt und wie nicht. Geht gerne auf Randthemen wie Diskriminierungen und Mobbing ein, gerne auf Themen, die im Zentrum stehen, wie Kämpfe und Kriege in der Literatur, führt Interviews oder erstellt Leselisten.


Bisherige Links zur Parade:

Von offensichtlichen Hintergedanken verborgenen Gewalttaten und unsichtbaren Verletzungen – Möchtegernautorin

Der Game of Thrones Effekt in Büchern – Rebel Girls Adventures

Kampfszenen mit Wumms – Diandra Linnemann

Superhelden und Gewalt – Nike Leonhard

Das bisschen Folter – Gedankenfunken

*Wir nutzen hier den englischen Begriff, da er geläufiger ist. Eventuell kennt ihr auch die Bezeichnungen „den Tropus“ aus der Literaturwissenschaft. Gemeint ist hier ein stereotypisiertes Bild aus der Literatur, das gleich mehrere Bedeutungsebenen mit sich trägt.

**Autorinnen des Beitrags sind Nike Leonard und Eva-Maria Obermann

Ein Comic aus Nornenfeder (Anne Zandt aka Poisonpainter)

Habt ihr euch gefragt, was es genau mit dem Comic auf sich hat, den wir euch schon am Montag gezeigt haben? Jetzt erfahrt ihr es:

Als Autorinnen versuchen wir** uns gerne mal an neuen Dingen. Schon länger trugen wir die Idee mit uns herum, einen eigenen Nornencomic zu zeichnen. Der Themenmonat Comic bot sich an, damit zu beginnen und welcher Inhalt eignete sich besser, als unsere Messevorbereitungen für die BuchBerlin 2018.

Ein Comic entsteht

Nachdem Katrin Ils die Idee für den Plot des Comics hatte, war recht schnell klar, dass es ein Teamfight um Horst werden sollte.

Wer war noch gleich Horst?

Horst ist das futuristische Wesen, das eine unserer Sammelpostkarten ziert und, neben der Medusa und dem Phönix, auf der Leipziger Buchmesse an unserem Stand gewonnen werden konnte.
Schon bei der Entstehung der Zeichnungen hatten wir netzwerkintern einen riesen Spaß mit der Frage: Welche der drei Kreaturen ist die beste?

Endlich mal ein Horst, den wir mögen (Grafik: Grafikschwestern des Nornennetzes)

Auf der Messe trugen wir dann sogar Teambuttons und viele unserer Standbesucher schlossen sich verschiedenen Teams an und twitterten darüber.

Als das Thema feststand brauchten wir als erstes das Charakterdesign und ein Storyboard. Mit dem Bleistift bewaffnet entwarf Elenor Avelle die ersten Skizzen, während Katrin am Text feilte.

Denn kniffelig an der Erstellung eines Comics sind generell zwei Dinge:

  • Die Bilder müssen für sich selbst sprechen.
  • Die Texte müssen knapp und aussagekräftig sein. Der Vorteil ist natürlich, dass die bildliche Darstellung einen Teil des Textes ersetzt.
Hier könnt ihr schon einen Blick auf die Figuren werfen:

Wer stößt Horst und Medusa vom Thron? Wir sind gespannt!

Team Horst (in der Mitte) besteht in seiner Ursprungsform aus vier realen Nornen, nämlich v.l.n.r. Elenor Avelle, Anne Zandt, Ela Schnittke und Gesa F. Roberts. Auch der Herr in der unteren Mitte ist nicht erfunden. Das ist Christian Milkus, der sich mit Elenor Avelle auch auf dem LitCamp HD noch weiter virtuell duelliert hat, ob Horst oder Medusa das fantastischere Wesen ist.

 

**Autorin des Beitrags ist Anne Zandt