Nornengestöber im Anthorausch

Wir sind noch ganz verzückt. Die erste Anthologie, für die sich Nornen zusammen getan haben, ist erschienen. Schicksal, Schuld und Werden ist letzte Woche bei 26 erschienen. Grund genug für uns, einmal genau nachzuschauen, wer sich alles hinter den neun nornenhaften Geschichten verbirgt.

Schicksal, Schuld und Werden, eine Nornenthologie, herausgegeben von Eva-Maria Obermann und Katherina Ushachov, das Cover stammt von Esther Wagner

Herausgegeben haben Eva-Maria Obermann und Katherina Ushachov die Anthologie. Eva-Maria Obermann ist Gründungsmitglied des Nornennetzes und mit Katherina Ushachov auf über die Märchenspinnerei verbündet. Sie hat außerdem eine urban Fantasy Geschichte zur Anthologie beigesteuert.

Die Illustrationen stammen von Laura Kier und Esther Wagner, die auch das Cover entworfen hat. Beide Nornen haben in ihren Geschichten den Blick in die Zukunft gerichtet. Während Laura Kier ein Sci Fi Abenteuer entworfen hat, wird die Protagonistin bei Esther Wagers Dystopie mit einer unglaublichen Wahrheit konfrontiert.

In vergangene Zeiten führt die Geschichte von Michelle Janßen, die in der Anthologie den Anfang macht. Den Abschluss dagegen macht der satirische Text von Miriam Debus und sich so gar nicht in eine Schublade stecken lassen will. Janna Ruth, die 2018 für „Im Bann der zertanzten Schuhe“ mit dem Seraph ausgezeichnet wurde, hat eine sehr berührende Dystopie geschaffen.

Urban Fantasy ist Jana Jeworrecks Begegnung mit den Nornen, die viel verheißt. Als einzige High Fantasy gewählt hat Siiri Saunders. Beide Geschichten aber sind nur Ausblicke auf die Werke der Autorinnen, die die Fäden weiter spinnen. Bei June Is wird Protagonistin wie Leser verwirrt und in die Irre geführt. Ein Blick ins Seelenleben der Hauptfigur erwartet euch.

Voll Vielfalt und Innovation hat sich die Nornenanthologie schon jetzt in unseren Herzen einen Platz im Buchregal reserviert. Das Großartige: Alle Einnahmen durch die Anthologie wandern als Spende direkt ans Nornennetz. Ein dickes Dankeschön an die Autorinnen, Illustratorinnen und Herausgeberinnen dafür.

Nicht zur Nachahmung empfohlen (Diandra Linnemann)

Nicht zur Nachahmung empfohlen – Wie ich drei Romane in einem Jahr schrieb und veröffentlichte, ohne darüber komplett durchzudrehen, oder auch: Auf Nimmerwiedersehen, 2018!

Für viele Hexen sind die zwölf Nächte nach dem 21. Dezember die „Rauhnächte“, sozusagen die „Zeit zwischen den Jahren“. In dieser Zeit setze ich mich immer hin und plane, was ich im kommenden Jahr schaffen möchte. Ende Dezember 2017 saß ich also in meinem stillen Kämmerlein und fasste einen irrwitzigen Plan: Im kommenden Jahr wollte ich drei Romane schreiben und veröffentlichen.

Seit 2013 hatte ich nämlich an meiner „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe geschrieben, welche anhand der heidnischen Jahreskreisfeste durch ein Urban-Fantasy-Jahr führte, und im Ernst: Allmählich wollte ich mich an etwas Neues wagen. Doch drei Romane standen noch aus. Jeder von ihnen sollte ein eigenes Abenteuer erzählen, aber gleichzeitig auch zur übergeordneten Geschichte beitragen. Sie spielten jeweils Anfang August, Mitte September und Ende Oktober. Worum es im Einzelnen gehen sollte, wusste ich schon, hatte aber weder Plot noch Kapitelplan parat.

Also rüttelte ich und schüttelte ich, schob Termine und Arbeitslast hin und her und hatte schließlich einen Plan:

  1. Wenn ich pi mal Daumen 1.000 Wörter pro Tag schreibe, kann ich einen Erstentwurf in üblicher Länge in zwei Monaten fertig haben.
  2. Wenn ich alle drei Rohentwürfe direkt hintereinander weg schreibe, habe ich Ende Juni drei Manuskripte auf Rohkäse-Niveau, schön abgehangen und reif zum Überarbeiten.
  3. Wenn ich dann direkt mit Überarbeiten loslege und reinhaue wie eine Wilde, kann ich jedes Manuskript pünktlich zum Termin, also jeweils innerhalb von gut fünf Wochen, selfpublishingreif haben.

Kalender und Kaffee – meine ständigen Begleiter ©Diandra Linnemann

 

Ihr seht schon, das klingt ziemlich blöde. Aber ich hatte ja einen kleinen Vorteil: Da es das Ende einer Reihe war, kannte ich die Charaktere schon in- und auswendig. Ich wusste also genau, wie sie in den einzelnen Situationen reagieren würden. Und die lange im Voraus ausgelegten Hinweise und losen Fäden aus den vorangehenden Büchern reichten aus, um sich daran bis zum Ende durchzuhangeln.

Mit den ganzen Verzweiflungsmomenten will ich euch nicht aufhalten, das ist an dieser Stelle auch gar nicht spannend. Willkommene Zeitfresser waren die Leipziger Buchmesse oder auch der einwöchige Besuch meines Vaters. Weniger willkommen waren Erkältungen oder Überstunden. Allerdings habe ich ein paar Tipps, die mir durch ein verrücktes Jahr geholfen haben, die ich hier gerne teilen möchte:

  1. Plant Zeitpuffer ein. Für diese Reihe musste ein Rohentwurf etwa 50.000 Wörter haben, und ich hatte mir jeweils 58 Tage à 1.000 Wörter pro Tag vorgenommen (die ersten drei Tages eines jeden Monats waren für das Plotten reserviert). Ihr seht schon, das lässt ein wenig Luft.
  2. Übertrefft euch, wo immer ihr könnt. An manchen Tagen lief es mit dem Schreiben gut – also habe ich nach tausend Wörtern einfach weitergemacht, bis die Luft raus war. Mein Rekord in dieser Zeit – neben einem Vollzeitjob, dem Haushalt, einem Sozialleben und dem Training für einen Strongmanrun – waren knapp dreitausend Wörter an einem Tag. Dafür gab es auch Tage, an denen aus Zeitmangel, Müdigkeit oder auch wegen akuter Bräsigkeit nur fünfhundert Wörter zusammenkamen. Trotzdem war ich üblicherweise kurz vor Monatsende fertig und konnte mir sogar noch einen oder zwei Tage zur Erholung gönnen, ehe es mit dem nächsten Abenteuer weiterging.
  3. In der Schreibphase unter keinen Umständen den Text überarbeiten! Im Nachhinein war einiges ziemlicher Murks, aber für den ersten Entwurf war das nicht relevant. Wenn ich wusste, dass eine Szene schwach war, habe ich mir eine Notiz an den Rand gemacht und weitergeschrieben, solange Schwung da war. Bis ich dann etwa vier Monate später in der Überarbeitungsphase wieder an dieser Stelle war, hatte mein Unterbewusstsein meistens eine Lösung parat.

Das war die Schreibphase. Ende Juni hatte ich also drei Manuskripte und beginnendes Karpaltunnelsyndrom vom Schreiben. Ich war euphorisch. Als nächstes las und verbesserte ich alles kapitelweise und schickte jedes Kapitel danach direkt an meine wundervollen Testleserinnen, die alles noch einmal zerpflücken durften. Deren Anmerkungen wurden eingebaut, sowie sie wieder in meinem Postfach landeten. Zusätzlich musste ich Cover basteln und Klappentexte schreiben, und ein wenig Werbung macht sich leider auch nicht von allein. Überarbeiten fällt mir schwer, das gebe ich unumwunden zu, also hatte ich in dieser Phase mehr Arbeitszeit eingeplant. Meine Tricks in dieser Zeit:

  1. Beste Testleser der Welt! Alle waren in meinen Zeitplan eingeweiht und haben ihn mit mir zusammen bis zum Ende durchgezogen, obwohl sie selbst auch massig zu tun hatten. Ich weiß nicht genau, wie ich das jemals wiedergutmachen kann – wenn ich reich und berühmt werde, können sie alle bei mir wohnen kommen.
  2. Deadlines beachten. Wenn man selbst veröffentlicht, muss alles rechtzeitig fertig sein, und man kann wirklich nicht alles gleich gut. Also muss man Zeit einplanen für die Dinge, die einem schwerer fallen, und sich rechtzeitig Unterstützung und die Meinung von Profis holen.
  3. Vorab einplanen, dass man nach dem Endsprint eine Weile „tot spielen“ darf: Nicht schreiben, nicht überarbeiten, eventuell nicht einmal lesen.
  4. Leute auf später vertrösten! Um meinen Partner für diese Monate zu entschädigen, in denen er eher wenig von mir sah, versprach ich ihm, dass ich im November und Oktober nicht direkt etwas Neues schreiben würde, so dass wir endlich wieder etwas mehr Zeit füreinander hätten. Das habe ich auch eingehalten (plotten ist nicht gleich schreiben!!!), und er hat sich wunderbar geduldet, bis das letzte Buch überall erhältlich war.

 

Das Endprodukt – 166.609 Wörter, eines schöner als das andere ©Diandra Linnemann

 

Wie gesagt: Ich hatte den Vorteil, dass die Charaktere schon seit Jahren etabliert sind. Das hat vor allem beim Überarbeiten eine Menge Mühe gespart, weil ich schon wusste, wie sie in den meisten Situationen reagieren würden. Sorgfältige Schauplatz-Recherche (die Geschichten spielen fast ausschließlich an Orten, die ich selbst schon besucht habe) vorab und währenddessen war ein Muss: Wenn ich Fotos von einem Ort habe, kann ich mich nicht dabei vertun, ob die Tür eines Gebäudes jetzt grün oder braun ist, und statt mir alles auszudenken zu müssen, kann ich einfach beschreiben, was ich fotografiert habe.

Zugegeben, einige soziale Beziehungen haben in dieser Zeit schon gelitten. Allerdings konnte ich mich am 31. Oktober direkt revanchieren, denn nach dem Hochladen der Dateien für das letzte Buch am 27. Oktober hatte ich noch genau drei Tage Zeit, um alles für eine spontane kleine Halloween-Feier im Freundeskreis vorzubereiten – nachdem ich zehn Monate lang de facto nicht geputzt hatte. Ihr seht, ich neige zu blöden Ideen.

Als Schreibjahr war 2018 aufregend, anstrengend und lehrreich – aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich so einen Schreibmarathon unter Zeitdruck nicht so schnell wiederholen werde. Für 2019 gibt es genügend andere Dummheiten, die ich machen kann, und ich habe natürlich schon ein paar Ideen …

6.12 Heimgesucht (June Is)

Beständig schlug er mit seiner Finne auf den massiven Stein. Ein Zischen begleitete jeden seiner Hiebe. Wieder und wieder. Winzige Splitter flogen in alle Richtungen.
John bearbeitete ihn immer schneller und stärker, bis der Stein die richtige Form bekam. Der letzte Schall des Setzhammers verklang und John betrachtete sein Werk mit Stolz. Schweiß benetzte seine Stirn. Sein T-Shirt klebte ihm am Rücken. Er spürte den winzigen, kühlen Hauch daher umso deutlicher.
Tief atmete er ein und schaute sich in der Werkstatt um, betrachtete seine Werkzeuge und Materialien – augenblicklich stellte sich wieder ein Gefühl der Geborgenheit ein. So hatte er es sich immer in den Armen einer Mutter vorgestellt, einer gütigen Mutter, nicht einer, die ihn in den Krieg geschickt hatte. Die Werkstatt war seit langer Zeit sein winziges Paradies. An diesem Ort wurden seine Gedanken von allem frei. Hier war er zuhause.

Zusammen mit ihr.

Oh nein! Nicht sie schon wieder! Besonders von ihr wollte er sich lösen. Johns größter Wunsch war es, ihr endlich zu entkommen. Aber dies gelang einfach nicht. Er wurde sie nicht los, sie war immer da.

Oh ja, das ist sie. Sie ist überall, wie ein Fluch.

Wieso hatte John der unbekannten uralten Frau diesen Schubs verpasst? Er war damals niedergeschlagen von der Front zurückgekommen. Woher hätte er wissen sollen, was passierte, wenn er ihren Wunsch nicht erfüllte? Die Alte wollte unbedingt dieses dämliche Feuerzeug aus dem Steinbrunnen gefischt haben. Aber wer wirft schon so ein Ding in einen Brunnen. Das wäre doch eh dahin und nicht mehr benutzbar … es war ihm äußerst merkwürdig vorgekommen. Vielleicht hatte er ein bisschen überreagiert. Das konnte doch mal passieren! Herrgottnochmal.
Sie hätte nicht gleich in den Brunnenschacht fallen dürfen. Er schluckte.
Wieder der kühle Luftzug.

Sie ist da, sag hallo!

Zum ersten Mal fühlte sich John in seiner Werkstatt bedroht. Er hatte keine andere Wahl, musste es endgültig beenden, sie besiegen.
Entschlossen griff er sich sein Steinbeil und eilte nach draußen, in den angrenzenden Wald. Es roch nach Bärlauch – grässlich – und der Vogelgesang schmerzte in seinen Ohren.

Es gibt kein Entkommen!

Für immer mit ihr leben? Der Gedanke machte John wahnsinnig. Sie trieb ihm Tränen in die Augen. Er stolperte von Baum zu Baum, über dicke Wurzeln, und er spürte, wie sie mit schweren Schritten näher kam.
„Wo bist du? Ich werde dir zeigen, wer der Stärkere ist!“

Stampf! Stampf!

Das monotone Erschüttern des Waldbodens ließ John taumeln, verursachte ihm Schwindel. Alles drehte sich. Die Welt wurde schief. Bäume brachen über ihm zusammen. John stolperte weiter, durch Sträucher, strauchelte, fiel hin, schmeckte das Moos und die torfige Erde, strampelte wie ein Kind. Seine Finger fortwährend um das Beil verkrampft. Zu viel Bärlauch, überall Bärlauch!

Stampf! Stampf!
Wie ein Korkenzieher bohrte sich der Gedanke an sie in sein Hirn.
S T A M P F!

Du kannst nicht vor ihr weglaufen!

Sie beugte sich über John und blickte ihn an. Mühelos verdrehte sie Johns Körper. Wieder dieser kalte, leise Hauch, der ihn umhüllte. Schwarz.

Lass sie herein! Ja, lass sie in dein Innerstes.

Plötzlich Stille. Nicht mal mehr Vogelgezwitscher. Nur diese laute, schauderhafte Ruhe.
Und dann wurde er gezwungen, ihr ins Gesicht zu sehen, dem alten Weib von damals. Ihr Gesicht war weiß wie Papier. Die Augen in den dunklen Höhlen funkelten. Ihre Wangen, die Falten mit schwarzen, wirren Linien bemalt, verzerrten sich, als sie John angrinste wie eine Wahnsinnige.
Sie hob die blaue Hand zum Gruß.

Und, fangen wir nun an, John? Oder wie lange willst du dich vor mir verstecken?

Das durfte nicht geschehen! Er kannte die abscheulichen Dinge, die das Geist-Weib mit ihm trieb … Es fühlte sich an, als würden hungrige Ratten in einer Zelle ohne Ausgang auf ihn losgelassen. Bereits jetzt hörte er das wütende Scharren ihrer Krallen.
Benommen kroch er auf dem Moos Millimeter für Millimeter voran. Er war nicht mehr fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Gefangen in seiner Spirale aus nackter Angst wollte er es nur beenden. Die Stimme der Alten bohrte sich in Johns Gehirn. Sie drang mit jedem Atemzug tiefer und tiefer in ihn ein. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als ihr endgültig zu entkommen!

Hier ist sie, John! Lauf’ doch nicht weg!

Er lauerte, stand mühevoll auf, schwang die Axt, hielt inne – die Welt brach erneut über ihm zusammen. Sein Magen verkrampfte sich und er übergab sich. Salziger, metallischer Geschmack! Der Geruch von Galle stach ihm in die Nase. Tränen strömten. Blut! Sein Herz pochte, als er auf das Beil in seiner Hand blickte.
Die Alte durfte nicht mehr gewinnen, nie mehr! Er rappelte sich erneut hoch und schritt auf sie zu.
John holte aus. Ein kräftiger Hieb – ein irres Lachen – noch ein Schlag – schwarzes Blut an seiner Axt. Gesprenkelter Bärlauch. Hahaha!
Diesmal würde er nicht verlieren! Hahaha! Diesmal nicht!
Niemand hörte seine Schreie. Und dann war es vorbei.

Aber nicht doch. Bloß kein Applaus. Es war ihr eine Freude!

BuchBerlin – von Schicksalskelchen, zickigen Prinzessinnen und betrübten Biestern (Deborah B. Stone)

Zwei Reisen der besonderen Art: Messe-Rallye und Zeitreise

„Der Kelch ist ja leer!“ Diesen enttäuschten Ausruf von Standbesucherinnen konnten wir** natürlich nicht ertragen und Michelle Janßen eilte gleich los, den wunderbaren Schicksalskelch, der seit der LBM wohl schon fast ein Markenzeichen der Nornen geworden ist, zu füllen. Nicht mit Losen dieses Mal, sondern mit Naschzeug. Zieht immer gut und für Glücksspieler*innen und Abenteuersuchende hatten wir uns für Berlin ja gleich zwei Angebote erdacht: Eine Rallye durch die wichtigsten Messestände (nein, überhaupt nicht subjektiv!) und eine Reise durch die Zeit. Denn schließlich gibt es neben contemporary fantasy so viele fantastische Werke, die in einer Vergangenheit oder einer möglichen oder unmöglichen Zukunft spielen. Und, wer dorthin reisen möchte, benötigt einen Pass. Einen Zeitreise-Pass, klar. Deutsche Bürokratie eben …

Der Schicksalskelch am Nornenstand

Verkäufe und unbezahlbare Gespräche

„Und was unterscheidet nun eure Bücher von konventioneller Fantasy?“
Natürlich drängten sich nicht nur Reisende an unserem Stand, auch gekauft und interessiert mitgenommen wurde einiges. Bücher natürlich (vor allem von Nora Bendzko, Jana Jeworreck, Anna Kleve und Tina Skulpin), aber auch die Unikat-Genreboxen (Drachen, Steampunk, Dark Fantasy …) unserer wunderbaren Bastelfee Elenor Avelle verkauften sich gut (nicht nur an Alex!) Die Zauberstäbe waren nicht nur als Rallye-Preise heiß begehrt. Zudem wurden ordentlich Lesezeichen eingesammelt und ich (Deborah B. Stone) durfte als Vorgeschmack auf den baldigen Ruhm sogar meine Leseproben signieren.

Auch Aufklärungsarbeit konnten wir leisten: Über die Genres der Phantastik von Utopie bis Dystopie, über Geschlechterklischees und unsere Alternativ-Entwürfe. Und, wenn eine von uns nicht weiter wusste, gab es immer mindestens eine Nornen-Schwester, die gerne in die Diskussion sprang. Denn Nornen halten zusammen. Ob es nun um das Vermarkten ihrer Kolleginnen geht oder die gemeinsame Lesung: „Alle für eine und eine für alle!“

Jede Mende Nornenwerke

Lesungen: von Regenbogensplittern, Perfektion, Hexen, Prinzessinnen und Biestern

In diesem Fall hieß es dann spontan: Zwei für alle. Denn unerwartet tauchten Ordner der Messe am Stand auf, um uns zur Nornen-Lesung abzuholen. Die war doch zu unserer Enttäuschung vor Wochen abgelehnt worden! Nun jedenfalls sollten wir lesen und Nora Bendzko und Laura Kier fanden sich bereit, unvorbereitet die Bühne zu besetzen. Die Nornen-Anthologie, aus der ursprünglich gelesen werden sollte, lag nicht bereit und so lasen die beiden aus ihren eigenen Werken. Leider vor kleinem Publikum, denn eine Ankündigung und entsprechende Werbung hatte es ja nicht gegeben.

Die wunderbare Lesung unserer Stella Delany erfreute dagegen ein größeres Publikum und gab uns bunte Regenbogen-Splitter mit in den grauen November: „Was ist das Gegenteil von weiß? – Rosa! Und was liegt dazwischen? – Grün.“

Zur Lesung von Anne Danck, deren Kurzgeschichte für die Prinzen-Anthologie des Chaospony-Verlags ausgewählt wurde, traten die Nornen dann gleich als Gruppe an. Zickige Prinzessinnen, verwirrte Prinzen und betrübte Biester – wer hätte da schon widerstehen können? Zum Glück hatten wir im Hotel-Zimmer einen Probedurchlauf, sonst wäre unter unserem lauter Gelächter wohl kaum etwas zu verstehen gewesen. So aber hatte bei der szenischen Gruppenlesung auch das Publikum Spaß und nicht nur wir.

Das fleißige Nornenteam auf der BuchBerlin

Verpasste Chancen und Highlights

Eine schuldlos verpasste Chance für Aufmerksamkeit und eigenen Spaß war sicher die Nornen-Lesung. Sie konnte nicht vorbereitet und beworben werden. Trotzdem machten wir das Beste daraus.
Insgesamt wäre es sicher eine Möglichkeit die Medien stärker einzubeziehen und beispielsweise Interviews am Stand zu vereinbaren. Faszinierend genug sind wir allemal.
Der Erfolg der verkauften (Fan-)Artikel sollte uns in jedem Fall dazu ermutigen, mehr davon herzustellen und anzubieten. Und wir benötigen definitiv einen besseren Ständer für Give-Aways wie Leseproben, Lesezeichen und dergleichen. Und vielleicht sogar Schlüsselanhänger oder Stifte mit unserem tollen Nornen-Logo?

Absolute Highlights bei der Messe waren für mich ohne Frage die Nornen als biestige Prinzessinnen und prinzliche Biester.

Die Kommunikation hinter und vor dem Nornenstand war unübertroffen und sehr professionell: Offensive Nornen wie Anne Zandt und Holly Miles waren unermüdlich dabei, interessierte Passanten anzulocken und für unser Netzwerk und die Reise-Angebote zu begeistern und hinter dem Stand informierten Paula, Ela und June Is die Kaufwilligen. Und bis zum Schluss gab es ausreichend Hände, die den Stand betreuten und abbauten.
Wer wie Stella, Sabine, Kathrin und Laura einen eigenen Stand zu betreuen hatte, konnte sich mindestens beim Nornen-Essen mit den anderen austauschen. Bei aller Intensität der online-Kontakte sind doch offline-Treffen durch nichts zu ersetzen.

In diesem Sinne freue ich mich schon sehr, wenn ich die Schwestern bei der LBM, dem PAN-Branchentreff, der Feen-Con und anderen Veranstaltungen wieder treffe!

 

** Autorin des Beitrags ist Deborah B. Stone

Die Künstlerinnen des Nornennetzes

Einige Nornen leben ihre Kreativität nicht nur beim Schreiben aus, sondern auch in den bildenden Künsten. Mit Bleistift, Pinsel oder Grafiktablet erzählen sie Geschichten ohne Worte, aber mit ebenso viel Fantasie.Ihr dürft gerne raten, in welchem fantastischen Genre die Zeichennornen zu Hause sind 🙂

Gesa F. Roberts alias Cupric: Mermay Speedpaint

Janna Ruth: Sophie

Laura Kier: Dreaming

Elenor Avelle: Weihnachtszombie

Ily Romansky: Bob Dylan

Illustres Nornengestöber

Diese Woche findet ihr in unserem Gestöber Antworten zu den 7 häufigsten Fragen zum Thema Selfpublishing und eine Auswahl an Artikeln zum Thema Illustrationen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Stöbern!

Verdient man beim Selfpublishing eigentlich wirklich was? Lohnt sich das Buch, wenn es so wenig Seiten hat? Und wie sieht es eigentlich mit dem Copyright aus, wenn ich über einen Drittanbieter/Verteiler selbst veröffentliche? Es gibt Fragen, die jeder Selfpublisher schon gehört hat und die sich anderen AutorInnen und Leute die überlegen etwas selbst zu veröffentlichen ständig fragen. Das Online-Magazin ‚Buch veröffentlichen‚ hat die Antworten für euch.

Kinderbücher werden oft belächelt. Sie enthalten wenig Text und werden deshalb oft von der generellen Literaturszene nicht ernst genommen. Wie viel es braucht, um ein Kinderbuch zu verfassen könnt ihr bei Anette Huesmann nachlesen.

Doch nicht nur bei Kinderbüchern, auch bei vielen anderen Werken stellt sich oft die Frage – lasse ich das Ganze illustrieren? Mache ich das selber? Wie viel kostet so was und muss man das richtig lernen oder reicht es, wenn man kreativ ist und gerne zeichnet? Anuschka Albertz vom Ravensburger Verlag erklärt in diesem Interview, was gute Illustratoren ausmacht – für KünstlerInnen und AutorInnen.

Wie ein Bilderbuch entsteht, welche Schritte nötig sind und wie man es selber bebildert, beziehungsweise den richtigen Stil/Illustrator findet wird in diesem Artikel vom Neunmalklug-Verlag erläutert.

 

Wolltet ihr schon mal euer eigenes Buch illustrieren? Oder habt ihr es sogar gemacht? Erzählt uns, wie es euch damit geht!

Buntes Nornengestöber am Sonntag

Diesen Monat befassen wir im Nornennetz uns besonders mit Selfpublishing. Diesen Sonntag haben wir zwei interessante Artikel zum Thema für euch. Aber das ist nicht alles – freut euch auf Schreibtipps (die besonders für die CampNaNo-Teilnehmer wichtig sein könnten), den Umgang mit Vorurteilen und mehr in der Stöberrunde!

Welche Dinge man bei Selfpublishen unbedingt vermeiden sollte fasst euch die Leselupe in diesem Beitrag zusammen. Aufgepasst, es geht unter anderem um Lektorate bei Selfpublishern. Das war bei uns diese Woche schon Thema beim Fragefreitag!

Für diese Woche haben wir außerdem einen Artikel aus der Zeit zum Thema. Was sind Selfpublisher, warum gehen sie trotz großer Verkäufe oft unter und wie werden sie im Buchmarkt eingeordnet? Die Antworten auf diese Fragen findet ihr hier.

Nicht zwingend nur Selfpublishern sondern allen KünstlerInnen sind die Vorurteile von Brotlosigkeit in künstlerischen Berufen bekannt. Der verhungernde Autor, der nur so Meisterwerke schreiben kann, die Künstlerin die aufgrund ihres Liebeskummers emotionale Bilder erschaffen kann. Warum das nicht nur Blödsinn ist, sondern schlichtweg gefährlich sein kann, könnt ihr im Büchnerwald nachlesen.

Ihr macht beim CampNaNo mit und kommt einfach nicht weiter? Oder steckt ihr einfach generell in eurem Manuskript fest? Dann hat Nina Hasse 5 Schreibtipps, die euch vielleicht weiterhelfen werden. Und wer direkt auf der Seite bleiben möchte, kann sich ihren Artikel zum Thema Die Macht der Worte anschauen. Dort erklärt sie, wie man sich oft unterbewusst durch die eigene Sprache selbst schadet.

 

Was ist für euch die größte Sünde beim Selfpublishing? Wie steht ihr zu Stereotypen gegenüber dem Autorentum und macht ihr beim CampNaNo mit?

Norngengestöber für Daheimgebliebene und gegen den Buchmesseblues

Vielleicht seid ihr schon wieder auf dem Rückweg von Leipzig, vielleicht konntet ihr dieses Jahr gar nicht an der LBM teilnehmen. So oder so leiden wir mit euch. Auch unsere Nornen machen sich heute wieder auf den Weg nach Hause und werden bestimmt die ein oder andere Träne deswegen verdrücken. Andere von uns konnten dem bunten Trubel nur aus der Ferne zuschauen. Was uns verbindet ist die Nornenstöberrunde, die auch heute wieder lesenswerte Artikel rund ums Schreiben, Lesen und die Bücherliebe zusammengetragen hat. Nichts wie rein ins Gestöber.

Stöbernswert ist dieses Reisetagebuch von Nina George zu ihrer US-Lesetour 2017. Faszinierend und wie immer toll geschrieben. Der Einblick ist nicht nur informativ, sondern regt auch zum Mitdenken an. Sowas lieben wir.

Wart ihr schon einmal in einer Buchdruckerei? Auf jeden Fall einen Ausflug wert, wie ihr bei Frühlingsmärchen feststellen werdet. Bücher werden eben nicht nur geschrieben 😉

Babsi aka Bluesiren hat sich Gedanken dazu gemacht, was eigentlich Hobbyautoren sind und was seriöse. Absolut lesenswert und ein Text, der zum Umdenken anstimmt.

Ob Buchblogger oder Literaturwissenschaftler, Redakteure oder der Leser auf dem Sofa: kritisches Lesen ist zeitlos. Oder? Bei Gondor statt Mordor wird ein Blick auf die historische Wandlung kritischen Lesens geworfen. Das finden wir klasse und empfehlen den Artikel gerne weiter.

Bereits im Dezember ist ein spannendes Interview mit unserer Norne Katharina Uschachov bei der Lesekanone erschienen. Wir sagen: schaut rein und erfahrt mehr über die Autorin uns ihre fantastischen Werke.

Auch Nike Leonhard wurde zur Rede gestellt und hat bei Spubbles 2.0 über die Freiheiten von Selfpublishing gesprochen.

Eine große Empfehlung geht auch an den Beitrag der Bücherschmökerin über Blogpausen. Viele Blogger kennen den Zustand, wenn der Blog aus diesem oder jenen Grund verwaist. Dass es gar nicht so einfach ist, seinen Rhythmus wieder zu finden und was dabei vielleicht fehlt, findet ihr hier.

Baum im Zwielicht mit Raben und Dämonen.

Rauhnächte – die Zeit „zwischen den Jahren“ (Diandra Linnemann)

Wer in einer ländlichen Gegend aufgewachsen ist, kennt vielleicht aus der Kindheit noch einige merkwürdige Gebräuche, die in der Zeit zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag gepflegt werden. In einigen Dörfern ist es üblich, in diesen Nächten eine Kerze ins Fenster zu stellen. Man soll keine Wäsche aufhängen und, sogar wenn man es könnte – was heute eher selten wird – kein neues Garn spinnen. Und alte Leute erzählen, in diesen Nächten könne man die Tiere im Stall sprechen hören.

Diese Bräuche, die sich von Region zu Region unterscheiden, gehen auf die Rauhnächte zurück, da sind die meisten Historiker einer Meinung. Leider endet damit auch schon das, was wir über die Rauhnächte tatsächlich wissen. Nicht einmal über die Herkunft des Namens herrscht Einigkeit – einige Sprachforscher haben die Theorie aufgestellt, der Begriff leite sich von einer altertümlichen Form des Wortes „Rauch“ ab, weil in dieser Zeit viel mit Weihrauch hantiert werde. Andere behaupten, Ursprung sei das Wort „Rauh“ für Tierpelze (wie in dem Märchen „Allerleirauh“), weil in dieser Zeit in Pelze gehüllte Dämonen das Land unsicher machen. Angeblich sind die Rauhnächte eine Überlieferung aus vorchristlicher mitteleuropäischer Zeit. Da es allerdings kaum schriftliche Belege gibt, stehen den Deutungen an dieser Stelle Tür und Tor offen. Viele Bräuche wurden nur mündlich überliefert und im Lauf der Zeit von Kirche und Gesellschaft modernisiert und vereinnahmt. Es herrscht also sozusagen Narrenfreiheit.

Einer heutzutage weitläufig akzeptierten Theorie zufolge sind die Rauhnächte die Zeit „zwischen den Jahren“ – das Mondjahr hat nur 354 Tage, das Sonnenjahr 365 (jeweils plus/minus ein paar Stunden). Die Tage nach der Wintersonnenwende am 21. Dezember stehen somit sozusagen außerhalb der Zeit und sind weder Teil des alten Jahres, noch gehören sie zum neuen Jahr. Man sagt, dass in ihnen die wilde Jagd durch die Nächte zieht – je nach Überlieferung ein Heer aus Dämonen und ruhmreichen Helden, angeführt von Wotan oder der Percht. Wer sich mit diesen Wesen gutstellen will, stellt kleine Gaben nach draußen, ein wenig Schnaps oder ein Schälchen Milch oder Honig werden von den Geistern der Rauhnächte immer gerne angenommen. Es wird hingegen nicht empfohlen, in der Dunkelheit nach draußen zu gehen, wenn man nicht auf unheimliche Begegnungen und derbe Dämonenscherze steht.

Was kann man also tun, wenn man weder Wäsche waschen noch spinnen, nicht im Dunkeln im Wald herumturnen und auch sonst kaum etwas tun kann?

Natürlich sitzt man mit Familie und Freunden zusammen. Das zelebrieren wir auch heute noch, bevorzugt zu den Weihnachtsfeiertagen oder an Silvester, isst gut und erzählt einander Geschichten. In manchen Gegenden gibt es traditionelle Weihnachtsspiele, etwa die Jagd nach der Königsmandel im Pudding. Und natürlich wird auch gesungen und musiziert.

Ein weiterer Brauch in der Zeit der Rauhnächte ist das Orakeln, wie wir es für die Silvesternacht auch heute noch betreiben. Bleigießen hat wohl jede schon probiert – die Figürchen verlangen einem viel Phantasie ab bei der Deutung, und man sollte sich keineswegs durch die beigefügten Infoblätter einschränken lassen! Auch gibt es den Brauch, Nüsse im offenen Feuer zu verbrennen, und wenn die eigene Nuss spritzt und kracht, steht einem ein turbulentes Jahr bevor. Man könnte aus dem Kaffeesatz oder aus Teeblättern lesen, und natürlich gibt es reichlich Orakelmethoden wie Runen, Tarot oder I Ging, an denen man sich gerade in dieser Zeit versuchen kann. Wer besonders mutig ist, begibt sich in einer der Rauhnächte zu einer Wegkreuzung, wo einem angeblich um Mitternacht der oder die Liebste erscheint. Aber dazu muss man schon sehr mutig sein, denn wie bereits oben beschrieben – die wilde Jagd treibt in diesen Nächten ihren Schabernack mit den Menschen, und diese Gesellen sind nicht gerade zimperlich. Bauernweisheiten zufolge kann man am Wetter der Rauhnächte übrigens erkennen, wie das Wetter in den zwölf Monaten des kommenden Jahres wird.

Das sind natürlich alles nur Sagen und Legenden. Orakel, Dämonen – nichts als Hirngespinste, habe ich recht? Aber um auf Nummer sicher zu gehen, sollten wir uns in den Rauhnächten sicherheitshalber mit guten Büchern und einem Stück Schokolade in unsere Betten verziehen. Wir wollen schließlich nichts riskieren, oder?

Ein Beitrag von Diandra Linnemann.